Forum: Politik
Begriff "völkisch": AfD-Chef Meuthen distanziert sich von Petry
AP

AfD-Chefin Frauke Petry will den Begriff "völkisch" wieder positiv besetzen. Nun kontert ihr Ko-Vorsitzender Meuthen.

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spiegelobild 23.09.2016, 19:12
40. Bestens formuliert

Zitat von Renée Bürgler
Deutsch ist der, der von sich sagt, dass er Deutscher ist. Das ist die Identität. Egal wie er "objektiv" aussieht. Wenn einer sich zum Deutschsein bekennt, ist er Deutscher. Punkt
Besser kann man es nicht ausdrücken.

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zeisig 23.09.2016, 19:13
41. Die AfD entwickelt sich.

Kleine Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Sichtweisen innerhalb einer demokratischen Partei "gehören einfach dazu und werden demokratisch ausdiskutiert", wie es die etablierten Parteien immer so schön auszudrücken pflegen. Da ist die AfD als demokratische Partei keine Ausnahme.

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furorteutonikus 23.09.2016, 19:15
42. Führer gibt es durchgehend

Zitat von damalswarallesbesser
Was ist denn "deutsch", wenn man sich damit von anderen abgrenzen will? Blaue Augen, blonde Glatze oder was bitteschön? Die AfD und ihre Sympathisanten machen doch recht deutlich, dass nicht Hellhäutige nicht als "deutsch" und "nicht dem deutschen Volke zugehörig" zu betrachten sind, auch wenn sie einen deutschen Pass besitzen. Diese ganze Diskussion dient doch nur dazu, Ausgrenzungsmerkmale zu schaffen, da sollte sich jeder gaaanz genau überlegen, ob er sich auf diese unsägliche Diskussion einlassen möchte. (Als nächstes soll gerüchteweise der Begriff "Führer" wieder positiv besetzt werden......)
Ich finde dass Führerschein, Führerhaus und Reiseführer durchaus positiv besetzt ist.

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der-junge-scharwenka 23.09.2016, 19:15
43. @37: einspruch zurückgewiesen.

"Deutsch sein" - was hat das mit Identität zu tun? Ich bin, wer ich bin. Um mich zu charakterisieren, brauche ich keine bestimmte Staatsangehörigkeit, und ich brauche keine emotionale Beziehung zu einem Staatengebilde. Die Staatsangehörigkeit ist eine verwaltungsrechtliche Beziehung, keine love affair. Ich kann sie jederzeit abgeben und eine neue annehmen. Wenn ich will (und sie mich lassen), kann ich morgen die nordkoreanische Staatsangehörigkeit annehmen - dann bin ich kein Deutscher mehr, sondern Nordkoreaner. Alles andere - Identität, Subjektivität - ist heimeliges Verklären. Genau damit machen sich die Menschen in diesem Land das Zusammenleben mit anderen so schwer.

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Renée Bürgler 23.09.2016, 19:18
44. Das deutsche Volk im Grundgesetz.

Zitat von input_output
Im GG wird tatsächlich das Wort "Volk" adressiert, gleichzeitig ist das Wort "völkisch" von den Nazis als Motiv für Menschenmord an "unvölkischen" genutzt worden. Das sich jetzt ausgerechnet die AFD aufmacht, den Begriff "völkisch" neu zu besetzen, ist mehr als nicht gut. Gleichzeitig zeigt es, dass diese Wort auch so viele Jahre nach dem WWII nicht mehrheitlich neu konotiert wurde. Und die Parteien haben daran mitgewirkt, durch ihre politische Bildung. Die CDU/CSU mit ihrem "biste christlich und weis, gehörst du dazu". Die SPD mit ihrem "haste Migrationshintergrund, bist du förderungsbedürftig, gehörst aber auch nicht wirklich dazu" Die Grünen "Du gehörst egal was ist dazu, solang du uns wählst" Die FDP "Du gehörst dazu, solange du Geld hast".
Volk kommt im Grundgesetz x-mal vor. Z.B. in Artikel 56, dem Amtseid, den Bundeskanzler, Bundesminister, Bundespräsident zu sprechen haben:

"Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe." Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.

Das Grundgesetz bezieht sich also explizit auf das deutsche "Volk".

Von der Staatsspitze wird verlangt, dass sie sich für das deutsche Volk einsetzt. Nicht für das syrische, nicht für das europäische, auch nicht für das Volk von Timbuktu und sogar nicht für das amerikanische. Nein, im Grundgesetz steht wörtlich, dass die Staatsspitze sich für das DEUTSCHE VOLK einzusetzen habe.

Und wenn wir jetzt aus dem Hauptwort "Volk" das Adjektiv bilden, dann könnten wir provokativ fragen: Ist das Grundgesetz "völkisch"?
Könnten wir. Müssen wir aber nicht. Weil das Wort sich irgendwie blöd anhört. Von früher her. Wir brauchen es nicht. Es ist peinlich. Wir haben das schöne Wort "deutsch", und wir haben das "deutsche Volk". Wir brauchen das kontaminierte Wort "völkisch" nicht. Es ist unnötig wie ein Kropf.

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friedrich_eckard 23.09.2016, 19:26
45.

Zitat von crazy_swayze
Andererseits: Da haben Lucke, Starbatty und Henkel zusammen mit Meuthen eine konservative Alternative aufgebaut, und dann kommen die Rechten um Petry und Co. und wollen sie davonjagen, und die Partei somit a la NPD ins Abseits jagen. Soll man da wirklich kneifen und das Feld wieder der sozialdemokratischen CDU überlassen? Oder kämpft man da nicht lieber um "seine" Partei?
Ich möchte mir über Luckes Intellekt und Charakter im allgemeinen kein Urteil erlauben, aber: ein apolitischerer Mensch dürfte sich seit ewigen Zeiten nicht als Parteigründer und -führer versucht haben. Die gutbürgerlich-ehrpusslige, sauber gewaschene, rasierte, gekämmte und gebügelte Honoratiorenpartei, die er sich vorgestellt zu haben scheint, hätte doch niemals im Leben Aussicht gehabt, auch nur auf Sichtweite an die 5%-Grenze heranzukommen, sie musste im rechten Sumpf nach Stimmen fischen, und da war es mit mathematischer Sicherheit vorherzusagen, dass die diesbezüglichen Sümpflinge irgendwann das Kommando übernehmen würden.

Übrigens: "sozialdemokratische CDU" - man könnte, mit Verlaub, ob solchen Unfugs die Platze kriegen: es gibt ja seit dem Nachfolger Kohls nicht einmal mehr eine sozialdemokratische SPD! Konservative Alternative... es gibt überhaupt keine Konservativen, es gibt nur Reaktionäre, und reaktionär war die Lucke-Alternative auch schon; sie hat sich allerdings vorrangig auf die Vertretung sozialreaktionärer Positionen beschränkt.

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carlitom 23.09.2016, 19:27
46.

Zitat von spiegelobild
Wo haben Sie denn diese Erkenntnis gesammelt? Da gibt es wohl keine Unterschiede. Petry ist promovierte Chemikerin, Höcke Oberstudienrat, Manthei Richter, es gibt noch viele Beispiele für Gebildete in der Spitze der Ost-AfD.
Der Forist, den Sie ansprechen, hat doch lediglich klar gestellt, dass Meuthen den bürgerlichen Westen und Petry die "Ostschiene" bedient. Inwiefern passt Ihre Antwort dazu. Gebildet oder nicht: im Osten punktet man besser mit rechten, fremdenfeindlichen Sprüchen (völkisch gut, Boateng schlechter Nachbar usw.), im Western eher mit "bürgerlichen". Das ist ja offensichtlich. Und darauf lief die Aussage des Foristen hinaus.

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mundi 23.09.2016, 19:39
47. Es gibt Wichtigeres.

Zitat von oberallgaeuer
Frau Petry bedient den ganz rechten Rand zusammen mit Herrn Höcke und Herr Meuten relativiert das wieder, um die moderateren Wähler bei der Stange zu halten. Und das funktioniert ja auch.
Es gab schon früher mal eine Diskussion unter Literaten über Begriffe und Formulierungen, die verseucht sind. Von nun an gibt es zum Beispiel nur Bergbegleiter und nicht Bergführer. Ich halte diese Diskussion für bescheuert. Es gibt Wichtigeres.

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zyniker642 23.09.2016, 19:49
48. @Renée Bürgler

Ob "völkisch" oder ""deutschnational" diese Begriffe wurden zu jeder zeit ausschließlich in Verbindung mit einer rassistischen umd antidemokratischen Weltanschauung benutzt.

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gantenbein3 23.09.2016, 20:02
49. Frau Petry...

...ist in ihren Formulierungen aalglatt und offenbar ist ihr jedes Wort recht, mit dem sich am rechten Rand gut fischen lässt, wenn auch im Trüben. Darüber, was sich mit kontaminierten Begriffen anrichten lässt, könnte sie sich im "Wörterbuch des Unmenschen" von Dolf Sternberger näher informieren. Hilfreich wäre vielleicht auch Viktor Klemperers Anmerkung:

„Worte können sein wie winzige Arsendosen; sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

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