Forum: Politik
Beraterkosten im ersten Halbjahr 2019: IBM kassierte 115,2 Millionen Euro vom Bund
Sergio Perez/ REUTERS

Für keinen externen Berater hat die Bundesregierung in diesem Jahr bisher mehr Geld ausgegeben als für IBM. In den Top-10 finden sich auch zwei Firmen, die unter besonderer Beobachtung stehen.

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antipas5 03.09.2019, 08:57
90. Was mich besonders ärgert ...

… ist die Tatsache, dass auch beim Staat nur die großen Anbieter zum Zug kommen. Gerade der Staat sollte für Ausgewogenheit sorgen, indem er auch kleinere Firmen beauftragt.

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th.we 03.09.2019, 08:57
91. Anreizproblematik

Es sei dem Spiegel angeraten, sich einmal näher mit den Geschäftsmodellen der Berater i. V. mit der gering ausgeprägten Handlungsfreiheit der agierenden Beamten auseinanderzusetzen. Während der Staatsdienst auf Systemkopplung ausgelegt ist und wenig Spielraum für Systerm(weiter)entwicklung erlaubt, haben es sich Berater zum Modell gemacht, diese (weiter)Entwicklung zu übernehmen - zunächst freundlich und wenn man einmal Abhängigkeiten geschaffen hat auch gerne unfreundlich. Das System degradiert den eigentlichen Auftraggeber zu einem Abhängigen dessen Karriere von der Lieferung der Berater abhängt. Diese erzwungene Symbiose führt speziell in der Digitalisierung zu extremen ineffizienzen und monströsen Projekten die irgendwann scheitern (siehe Herkules, Gesundheitskarte, Personalausweis, deutsche Bahn IT, PolizeiIT, smart metering, maut) bzw. mit immensen Aufwänden am Leben gehalten werden, bis es nicht mehr geht.
Per se bringen die Beratereinsätze anreizbedingt niemals die Vereinfachung und Effizienzsteigerung welche wir von Digitalisierung erwarten.
Politiker heutigen Schlages fehlt leider diese Sichtweise und die Kompetenz, einfache systeme und systematiken mit einer Vision zu koppeln.
Ausserdem fehlt gänzlich der Anreiz der eigentlich Verantwortliche und Wissensträger in den Behörden ertüchtigt, Berater an jenem Punkt zu stoppen an dem es 'schräg' wird. Ich würde im SPON gerne solche Themen analysiert und mit einem positiven und lösungsorientierten Artikel veröffentlicht sehen. Berater sind hilfreich, müssen aber 'eng' geführt werden.

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isar56 03.09.2019, 08:58
92.

Zitat von marcaurel1957
Übrigens ist die Zahl der Beamten nicht steigend, sondern seit 20 Jahren rückläufig.
Aber sicher nicht im Bundestag. Beim Fußvolk in kleinen kommunalen Behörden mag das zutreffen.
Zudem frage ich mich wozu wir seit der letzten BTW 200 zusätzliche Abgeordnete mit Gefolge in Berlin hocken haben. 500 dürften genügen, um Berateraufträge zu erteilen. Ansonsten zoffen sich die Herrschaften um neue Parteivorsitzende und sind damit beschäftigt die AfD zu verhindern, weil sie ansonsten nix mehr reißen - Kitaplätze, Erzieher, Hebammen, Lehrermangel, Wohnungsnot, Renten, Klima...... Migration...

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Humanfaktor 03.09.2019, 09:07
93. Fremdleistungen vs Berater

Zitat von touri
Wenn Sie das meinen. Dann können wir ja mal alle Programme von den Rechnern entfernen, die von den unfähigen Beratern installiert, eingerichtet und gepflegt wurden. Oh verdammt, da hat sich gerade z.B. SAP verabschiedet. Blöd, damit wäre jetzt (z.B. bei uns) die Personalverwaltung tot, also wieder zurück zu Papier und Lohntüten. ... Sorry Sie haben leider keine Ahnung, was alles unter Beraterleistungen fällt und was los wäre, wenn diese wegfallen würden. Nicht weniger als der komplette zusammenbruch, nicht nur des ÖD sondern auch der Wirtschaft, den praktisch alle Firmen sind auf beraterleistungen angewiesen und wenn es nur der Steuerberater eines selbstständigen Handwerkers ist
Das Problem ist also die Unschärfe der Bezeichnung.
Dass Fremdfirmen und Vorleistungen in den Ablauf eines jeden Unternehmens, wie auch der Behörden, gehören ist nicht mehr als eine Binsenweisheit.
Die Putzkolonnen würde aber niemand als "Berater" klassifizieren, oder? Auch die Handwerker, die kaputte Türen reparieren, sind keine 'Berater' ... offensichtlich, auch wenn Sie dem einen oder anderen den Hinweis geben, dass man Türen nur eine bestimmte Anzahl oft zuschlagen kann, bevor sie aus dem Rahmen fallen... ;-)

Was hier meiner Einschätzung nach nicht zufällig, sondern auffällig häufig geschieht, ist, die Grenzen zu verwischen um letztlich genau dieses Begriffschaos zu erzeugen, das dazu führt, dass man jede Kritik an der Flut der "Beraterverträge" - die es ja tatsächlich gibt - zu verschleiern, oder den Kritikern etwas wie bsw. "IT-Leute, die die EDV pflegen, braucht jede Administration" entgegen halten kann.
Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Framing ein Konzept ist, das von "echten" Beratern, gegen ein entsprechendes Honorar, entworfen wurde, um damit auch die eigenen Ziele zu schützen... ;-)
Ich habe selbst im Übrigen bereits mehrfach "bewundern" dürfen, mit welcher Hingabe sich Studienabgänger im Auftrag namhafter Beratungsfirmen wochenlang der minutengenauen Protokollierung sämtlicher Arbeitsabläufe eines Großraumbüros hingegeben haben, um anschließend einen umfassenden Bericht über die Verschwendung von Zeit, Wegen und Büromaterial - um damit das Vorhandensein potenzieller Rationalisierungspotenziale zu belegen - vorzulegen.
Nach Erhalt der Rechnung haben wir mal spaßeshalber ermittelt, dass alleine für das Honorar jahrelang einfach hätte weiter gemacht werden können, ohne dass dafür auch nur ein Cent gewonnen worden wäre... ;-).
Die Einschränkungen der täglichen Arbeitsleistung durch "Interviews" und andere Ablenkungen, oder die Beeinträchtigung der Arbeitsmoral durch die latent gefühlten Bedrohung durch die quasi lückenlose Observierung, hatten wir dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

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spon-facebook-1338657918 03.09.2019, 09:25
94. Gut und schön

Interessant dürfte eine Zusammenfassung aller Beraterkosten der letzten 12 Jahre sein. Um es mit einem Zitat von Helmut Kohl zu sagen "entscheidend ist was hinten raus kommt"! Wenn man sich den Zustand der Bundeswehr anschaut....verschlägt es einem die Sprache.......in Anbetracht der horrenden Beraterkosten. Was um Gottes Willen wurde da beraten??? Unter Schröder haben Berater der Finanzdienstleister Kohle kassiert und sich die eigenen Gesetzt geschrieben um den Finanzmarkt zu deregulieren. Die Agenda ist eine Berater Produkt, der Niedriglohnsektor, etc...Die gesamte neoliberale Ausrichtung der Politik wurde "beraten". Wohin hat das alles geführt???? Der Wahlsonntag im Osten hat es gezeigt.

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sarang he 03.09.2019, 09:26
95. Die Höhe der "Beraterkosten" ist aus meiner Sicht kein Thema

Thema sollte eher sein, was in der Realität daraus von den Behörden gemacht wird und da hat man manchmal das Gefühl, dass da einiges im Argen liegt.
Was hilft z.B. SASPF, wenn das was es zu Organisieren gäbe in der Realität nur virtuell gibt. Wieviele Schiffe und Jets sind aktuell einsatzfähig, obwohl dies alles doch mit Hilfe unserer hochmodernen IT besser und günstiger gewartet werden kann.
Oder gibt es auch hier das innovative Ticketsystem, wo auch nicht erfüllte Aufträge ganz einfach als erledigt gekennzeichnet werden können und damit die QM/QS-Indikatoren des Bereiches verbessern.

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lame77 03.09.2019, 09:26
96. Glaube ich nicht

Zitat von fblars
Enorm viele Fachverfahren in Behörden laufen auf IBM Großrechnern und das seit Jahrzehnten. Dort ist selbstverständlich permanenter Unterstützungsbedarf.
Als Behörden-Admin wage ich das anzuzweifeln. Fachanwendungen laufen üblicherweise auf virtuellen Maschinen. Und diese auf Stangenware-Servern mit Intel Xeon und den üblichen Hypervisors, oder auch mal Citrix. Wenn irgendwo noch ein wirklicher und proprietärer IBM Mainframe rumsteht in einer Behörde, würde mich das sehr wundern. Oder wenn irgendeine dieser Fachanwendungen zwingend einen IBM POWER9 oder z Systems verlangt. Meistens ist das ja nur eine VBASIC-GUI, Java-Middleware und hintendran irgendeine Oracle oder SQL DB, im schlimmsten Fall irgendwelche Access-Unkulturen. Wo da wirklich proprietäre IBM Hardware oder das Wissen darum nötig sein sollen, erschliesst sich mir nicht. IBM ist doch sowieso inzwischen eher an Prozess- und Projektberatung interessiert, als Serverbetriebsmodelle für mehr ode rminder obskure ÖD-Anwendungen zu stricken.
Kann im Forschungsbereich wieder anders aussehen, eventuell bietet das RISC von IBM da irgendwelche Vorteile, aber darüber lässt der Artikel ja sinnigerweise keinen Rückschluss zu.

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thomaswho 03.09.2019, 09:29
97. IBM und Conet

Wenn es bei der IBM eventuell noch unschärfen gibt, ist der Fall bei der Conet recht eindeutig: Das sind Softwareentwickler, IT-Spezialisten und IT-Architekten, ein paar Projektleiter.
Flapsig gespochen, tragen wohl 75% dieser Berater nicht einmal eine Krawatte.
Ganz normale externe ITler, wie sie bei unseren Autobauern, den deutschen Banken ebenfalls zu hunderten eingesetzt werden, es ist absolut üblich, daß IT-Projekte heute von externen Firmen "gestafft" und durchgeführt werden.

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wolfi55 03.09.2019, 09:39
98. daher weht der Wind

Zitat von Irene56
Hat IBM nicht schon immer gerne Geschäfte mit Deutschland gemacht? Mal recherchieren, meines Wissens stammen die Nummern für die Häftlinge in den KZ von IBM. Ein Auftrag von Nazi-Deutschland, der prompt erfüllt wurde?
Das war mir neu. Aber was ich weiß, dass ein Direktor der Dehomag nach dem Krieg entlassen wurde und als einziger eine Lizenz zur Herstellung von Lochkarten neben der IBM erhielt. Auch hat der IBM-Vertrieb diese Lochkarten des Mitbewerbers mit vertrieben. Damit starb er nicht arm. Die Firma gibt es bis heute noch. Und erst als er ausschied, lockerten sich die Beziehungen zur IBM Deutschland GmbH.

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pritt 03.09.2019, 09:43
99. IT-Dienstleister sind keine Berater

denn sie können gehen, wohin sie zeigen. Ganz im Gegensatz zu den Managementberatern. Die Branche und jeder Einzelne darin wäre gut beraten, wenn sie sich klarer Berufsbezeichnung geben würden. Statt auf alle Visitenkarten Consultant und Senior Consultant zu pinseln wären Softwarenentwickler, Prozessentwickler, Analytiker u. v. m. wesentlich stichhaltiger. Aber wahrscheinlich empfinden viele den Begriff Berater/Consultant als schmückend...keine Ahnung wieso?! Um nicht despektierlich zu erscheinen, ich glaube sehr wohl, dass es Top Unternehmensberater gibt. Mit mehrjährigen Branchenerfahrungen sind diese Leute jeden Cent wert. Die Verwässerung von Berufsbezeichnung schaden letztlich aber auch denen, werden sie doch mit den Powerpoint und Excel Heini's & Lieschen's in eine Topf geworfen.

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