Forum: Politik
Berlin nach dem Terror: Maximal unbeeindruckt
Polizei Berlin

Wie geht Berlin mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt um? Ein Streifzug durch die Hauptstadt zeigt Erstaunliches. Die Saat des Terrorismus scheint hier nicht aufzugehen.

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trompetenmann 21.12.2016, 10:26
150. Es ändert sich alles...

Weihnachtsmärkte sollen teilweise mit Betonpylonen geschützt werden vor derartigen Anschlägen? Und es wird hier so getan, als wäre alles wie vorher? Lächerlich. Es ist nichts mehr so, wie es vor 20 Jahren war, wie es gut war. Es wird immer schlimmer. Hätte man wirklich keine Angst, würde man alles so lassen, wie es ist. Tut man aber nicht.
Ich will jetzt auch gar nicht über die Ursachen sprechen, sondern nur über die Auswirkungen. Meine Kinder wachsen in einem Land auf, in dem man Weihnachtsmärkte vor Terroranschlägen schützen muss, weil das ein denkbares Terrorszenario ist. Wahnsinn. Ich frage ernsthaft: wo soll das hinführen?

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Lische 21.12.2016, 10:29
151. Politik vs. Volk

Zitat von auf_dem_Holzweg?
Es ist natürlich verständlich, dass sich Politik und Presse nach diesem unmenschlichen, hinterhältigen und feinem Anschlag um Volksberuhigung bemühen. ...
Sie und andere Foristen tun mir schon fast leid in dem steten Bemühen, jedes öffentliche Ereignis - und insbesondere diesen grausamen Anschlag - durch die "Politik/Presse gegen das Volk"-Mühle zu drehen. Das spricht mir eher für eine sehr eingeschränkte Wahrnehmungsbereitschaft als für eine Auseinandersetzung mit dem, was uns heute fast alle beschäftigt.
Ich kann nur beobachten, dass die Menschen in meiner Nähe sehr wohl angespannt und besorgt reagieren und sehr genau darauf achten, was nun geschieht und von offizieller Seite kommuniziert wird. Ich kann aber auch beobachten, dass trotz allem keine Ängstlichkeit entsteht, die erkennbare Auswirkungen auf unsere Alltagsplanung hat. Es mag aber wohl sein, dass wir - nicht erst seit Montag - mit ein wenig mehr Mißtrauen unseren Alltag (er)leben. Vielleicht schauen wir argwöhnisch auf Taschen, die auch nur für kurze Zeit scheinbar verlassen irgendwo rumstehen. Vielleicht fragen wir uns auch manchmal, ob der Mensch, der in der Bahn gegenüber sitzt nicht gerade einen Anschlag plant. Das ist dann eine schleichende Veränderung unseres Miteinanders, bei dem die Saat des Terrorismus ein wenig aufzugehen scheint. Das ist menschlich verständlich und nicht wirklich verwerflich aber vor allem benötige ich keine eilig hingeworfenen vertrauten Feindbilder, um all das zu bedenken.
Und dann vermute ich jedoch, dass Sie nicht von einem "feinen" Anschlag sprechen wollten, sondern Ihnen der Finger auf der Tatstatur verrutscht ist.
Ich wünsche trotz allem schöne Weihnachten!

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Räuber Hotzenplotz 21.12.2016, 10:32
152. Gut so, Berliner, bloß nicht ins Bockshorn jagen lassen!

Es ist schön zu sehen und m.E. auch nicht pietätlos, daß das Leben weitergeht, so normal wie möglich. Das war -trotz allem Leid und Trauer- schon immer so und ist auch gut so. War wäre sonst die Alternative, im Erdloch verkriechen und den Terroristen das Feld überlassen? Unabhängig davon: ja, die Sicherheits- und Zuwanderungspolitik gehört auf den Prüfstand, vollkommen unabhängig ob der Attentäter nun Einzeltäter, IS-gesteuert, Moslem, Christ oder sonst wer war. Die Anschläge in D haben sich einfach gehäuft und daß viele Bürger verunsichert sind, ist vollkommen normal. Dem muß die Politk Rechnung tragen und Abhilfe schaffen, soweit möglich. Derweil sollten wir nicht in Panik verfallen und unsere liberalen, rechtsstaatlichen Werte weiter stolz leben.

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darthmax 21.12.2016, 10:40
153. Volksberuhigung

was bitte soll die Politik denn anderes machen, wir können nicht jedem Besucher eines Marktes Personenschutz und gepanzerte Limousinen zu Verfügung stellen.
Also , weitermachen wie bisher, aber mit Maschinenpistolen tragenden Polizisten und Panzersperren.
Auch im WKII ging im Bombenhagel das Leben weiter.
Wir werden natürlich jetzt misstrauischer sein als zuvor. Der Absatz von Reizgas und kleinen Waffenscheinen erreicht neue Höhen, wird sicherlich ein lustiger Karneval.

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kohlon 21.12.2016, 11:01
154. Ich bin in der DDR aufgewachsen...

... und muss leider konstatieren: Geändert hat sich außer dem Namen der Medien ---- NICHTS!

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aslaug 21.12.2016, 11:13
155.

Mein Herz bluted. Alles, was Freude in ein Leben bringt, wird jetzt nach und nach vergifted mit Furcht. Obwohl ich seit 35 Jahren in Neuseeland lebe, moechte ich jetzt meine Familie in einen Flieger setzen und Nachhause kommen. Unterstuetzung leisten. Helfen. Troesten. Mitfuehlen. Ein absolut schreckliches und unbegreifbares Ereignis. Aber Berlin und Deutschland haben schlimmeres erlebt. Und ueberlebt. Meine Gedanken und mein Mitgefuehl sind mit allen, die von diesem barbarischen Verbrechen betroffen sind. Ihr seid nicht alleine. Die ganze Welt trauert mit euch.

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ancoats 21.12.2016, 11:24
156.

Zitat von sowasnettes
Ganz ehrlich? Autos fuhren heute schnell, huschi huschi durch die Stadt. Ab 20:00 war niemand mehr auf der Straße. Restaurants und Bars hatten heute Abend weniger Besucher und die Stimmung war nicht gut. Ab 21:00 war auch mein Lieblingsrestaurant leer. Dort bekommt man sonst erst einen Platz um 23:00 - ohne Reservierung. Wo der Journalist /die Jourlaisten war/en um sich dieses Bild zu machen, erschließt sich mir also nicht. (...)
So unterschiedlich kann die subjektive Wahrnehmung sein: für mich sah der gestrige Abend im wesentlichen genau so aus, wie bis jetzt jeder 20.12., an dem zudem mies-kaltes Wetter herrscht, viele auf dem Absprung irgendwohin sind und angesichts der kommenden Festivitäten auch deutlich weniger geneigt sind, abends noch mal um die Häuser zu ziehen. Alles in allem definitiv business as usual, vom Gesprächsthema "Anschlag" und Mitgefühl für die Toten und Verletzten natürlich abgesehen.
Berlin ist eine gelassene, weil problemgewohnte Stadt. Wer die scheinbar unbeeindruckbare Haltung mit Gleichgültigkeit oder gar Lethargie verwechselt, hat vom Charakter seiner Bewohner keine Ahnung. Oder wie mein Nachbar sagen würde: "Watt'n ditte?!"

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jojack 21.12.2016, 11:28
157. Das Leben geht weiter, die Wut bleibt

Ja, natürlich - der Mensch ist zum Glück stoisch. Für echte Angst muss das Bedrohungsgefühl deutlich konkreter werden. Eher schon schleicht sich ein Vermeidungsverhalten ein. Ob an diesem Silvester wieder ebenso viele Frauen auf der Kölner Domplatte feiern werden?

Aber es sollte sich niemand täuschen. Natürlich hat dieser Anschlag auch politische Folgen. Merkel wird den Vorwurf nicht abschütteln können, die Geschehnisse durch ihre Flüchtlingspolitik erst ermöglicht zu haben. Und auch die Fragen an die muslimische Community werden zunehmen. Natürlich sind die meisten Muslime friedlich. Aber ebenso wenig ist es glaubhaft, dass im Namen der Religion Anschläge verübt werden und niemand aus dem Umfeld bekommt etwas mit. Das ist ebenso wie damals bei der RAF und dem linken Milieu. Da gab es auch Mitwisser, Wegschauer, sich "klammheimlich" über die Taten freuende.

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eschoeff 21.12.2016, 11:31
158. Na ja

die Empfehlung gestern an die Berliner war doch zu Hause zu bleiben. Zwischen Gelassenheit und Ignoranz besteht doch ein kleiner Unterschied. Mein Eindruck ist leider immer noch, dass sich keiner wirklich mit den vorhandenen Problemen auseinander setzt, sondern so tut, als ob wir keine hätten. Unter diesen Voraussetzungen steht zu befürchten, dass es noch einige Vorfälle dieser und ähnlicher Art wiederholen.

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anyone 21.12.2016, 11:38
159. Rationalität schließt Empathie nicht aus!

Zitat von rebelrat
Wo ist die so viel beschworene Empathie? Wo ist die Anteilnahme an den Opfern dieser Katastrophe?
Wo steht denn in dem Artikel, dass es den Berlinern an Mitgefühlt mangelt? Hier noch einmal der erste Absatz, den Sie offenbar überlesen haben:

"Still steht das Riesenrad am Alexanderplatz, die Glühweinbuden sind verrammelt. Und die Kugel des Fernsehturms steckt im Nebel. Am Tag nach dem Lkw-Anschlag im Westen der Stadt haben fast alle 60 Weihnachtsmärkte Berlins geschlossen, so auch hier am Alex. "Aus Mitgefühl und Pietät", sagt Rudi Bergmann. Rasch schiebt er hinterher: "Aber nicht aus Angst!" "

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