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Berliner Mai-Krawalle: Richterin spricht Schüler von Mordversuch frei

Für die Staatsanwaltschaft ist der Freispruch zweier junger Berliner eine schwere Schlappe: Versuchter Mord lautete ihr Vorwurf - weil die Männer bei den Mai-Krawallen im vergangenen Jahr Molotow-Cocktails gegen Polizisten geschleudert haben sollen. Die Richterin kam zu einem anderen Ergebnis.

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los 28.01.2010, 15:09
1. Im Zweifel

... für den Angeklagten, so steht es in unserem Gesetz.

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yomow 28.01.2010, 15:11
2.

Wenn sich nicht mit 100% Sicherheit sagen lässt, ob die beiden es wirklich waren, darf man sie auch nicht verurteilen.
Finde versuchter Mord als Anklage auch etwas hochgegriffen. Aber ich bin nur Laie.

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tl-hd 28.01.2010, 15:14
3. .

Ich kann mich sowohl mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft als auch mit dem Urteil gut anfreunden. Es ist auf jeden Fall begrüßenswert, wenn hart gegen Randalierer vorgegangen wird und der Rechtsrahmen auch ausgeschöpft wird. Aber für eine Verurteilung muss die Schuld des Angeklagen bewiesen sein. Daher ist das Ärgerlichste an der ganzen Geschichte (neben der Tatsache, dass solche Prozesse überhaupt notwendig sind), dass die Schuldigen am Ende doch wieder straffrei ausgehen - sei es nun, weil ihre Schuld nicht nachgewiesen werden konnte, oder weil sie gar nicht erst auf der Anklagebank saßen, sondern stattdessen jemand anderes.

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Roque Spiegel 28.01.2010, 15:19
4. ...

Zitat von los
... für den Angeklagten, so steht es in unserem Gesetz.
Mehr gibt es zu dem Fall nicht zu sagen.

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sp0cky 28.01.2010, 15:19
5. Staatshaftungsrecht

Und genau deswegen brauchen wir endlich ein Staatshaftungsgesetz.
Was werden die beiden als Entschädigung bekommen? 2,70 pro Tag abzüglich Verpflegung? De facto kann heutzutage wohl jedermann verhaftet und fast unbegrenzt weggesperrt werden. Dies wird sich erst ändern, wenn die Budgetverantwortlichen das auch in der Kasse spüren.

Und die Polizisten sind vermutlich weiter im Dienst.
Wo bleiben die Forderungen nach harter Bestrafung von falsch Aussagenden Polizisten?
Aber bloß keine Identifikationsnummern tragen wollen, da könnte man ja auf Videos prüfen, ob die Zeugen überhaupt vor Ort waren.
Ein sauberer Verein die Polizei & Justiz, durch und durch…
http://gulli.com/news/kritische-poli...ung-2010-01-25
http://gulli.com/news/kritische-poli...alt-2010-01-25

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lorn order 28.01.2010, 15:20
6. Was denn sonst?

Zitat von yomow
Wenn sich nicht mit 100% Sicherheit sagen lässt, ob die beiden es wirklich waren, darf man sie auch nicht verurteilen. Finde versuchter Mord als Anklage auch etwas hochgegriffen. Aber ich bin nur Laie.
Wer von einem Molotowcocktail getroffen wird, läuft Gefahr, durch das brenndende Benzin (oder was auch immer für eine brennbare Flüssigkeit da drin ist) komplett in Brand gesteckt zu werden.
Dabei kann man auch leicht tödliche Brandverletzungen erleiden.
Der Molotowcocktail wurde nicht im Affekt geworfen sondern geplant und zielgerichtet zur Demo mitgebracht.

Also ich Mordversuch schon für eine berechtigte Anklage. Schade, dass man offensichtlich nicht die Richtigen vor Gericht gestellt hat oder zu wenige Beweise hatte.

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OnkelHotte 28.01.2010, 15:21
7. Das war ein Mordversuch

Zitat von yomow
...darf man sie auch nicht verurteilen. Finde versuchter Mord als Anklage auch etwas hochgegriffen. Aber ich bin nur Laie.
Richtig, im Zweifel für den Angeklagten.
Owohl ich auch nur Laie bin: Wer einen Brandsatz auf andere wirft, der will töten. So etwas als Mordversuch zu werten ist dann konsequent.

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john mcclane 28.01.2010, 15:24
8. .

Zitat von yomow
Finde versuchter Mord als Anklage auch etwas hochgegriffen. Aber ich bin nur Laie.
Da muß man eigentlich nur mal den gesunden Menschenverstand bemühen. Wenn ich ne brennende Pulle voll Benzin in eine Menschenmenge oder ein Gebäude schleudere, dann nehme ich zumindest billigend in Kauf, das Menschen dabei verletzt oder sogar zu Tode kommen könen. Ob das jetzt versuchter Mord oder versuchter Totschlag ist, ist Haarspalterei. Aber vielleicht würde ja bei dem einen oder anderen ja wieder so etwas wie Restverstand aufblitzen, wenn der Rechtsstaat mal ein Exempel statuieren würde.

In München wurde den Idioten, die in den Oktoberfestzelten Maßkrüge in die Menge werfen für "Brauchtumspflege" halten auch der Zahn gezogen, indem ein Schwachmat, der einem anderen auf die Art einen Schädelbruch zugefügt hatte, für sechs Jahre wg. versuchtem Totschlag von der Bildfläche verschwand.

Tja, so viel Mumm hat die Berliner Justiz scheinbar nicht. Jetzt kann die vereinigte Linke wieder von einem Sieg über das System fabulieren...

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Rover 28.01.2010, 15:30
9. Sieg für den Rechtsstaat

Zitat von OnkelHotte
Richtig, im Zweifel für den Angeklagten. Owohl ich auch nur Laie bin: Wer einen Brandsatz auf andere wirft, der will töten. So etwas als Mordversuch zu werten ist dann konsequent.
Angesichts der im Prozess zu Tage getretenen widersprüchlichen Zeuegenaussagen und einer recht schlampigen und vorverurteilenden Ermittlungsarbeit blieb dem Gericht nichts anderes übrig. Der Druck war von Anfang an da, ein Exempel zu statuieren, das zeigt die Anklage (einen Tötungsvorsatz zu konstruieren, der für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes Voraussetzung ist, finde ich sehr gewagt), das zeigt die - auch angesichts des Alters eines Angeklagten, lange U-Haft, das zeigt auch das aberwitzige Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Das Gute ist aber, dass der Prozesausgang zeigt, dass auch angesichts großen Drucks von Seiten der Politik aber auch der Polizei der Rechtsstaat funktioniert. Nicht fehlerfrei, aber immerhin.

Das Negative: Der Druck, bald eine Verurteilung irgendeines "linken Randalierers" zu erreichen, wird eher noch zunehmen. Und ein vertrauensvolleres klima zum nächsten 1. Mai ist auch nicht zu erwarten.

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