Forum: Politik
Boris Johnson: Der große Bluffer kommt nach Berlin
Michael Kappeler/ DPA

Vier Wochen lang hat Boris Johnson der EU die kalte Schulter gezeigt, jetzt möchte er reden. Geht es ihm darum, doch noch einen Brexit-Kompromiss zu finden? Oder hat Johnson schon ganz andere Pläne?

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apfelesser 21.08.2019, 15:29
1. Vertrackte Lage

Naja, das ist schon eine vertrackte Lage: May und Barnier haben den Backstop vorgeschlagen. Eine Aufweichung, die Barnier später vorschlug, scheiterte an der DUP, die wiederum die Minderheitenregierung von May/Johnson stützt. Also ist der Backstop mit Zustimmung beider Seiten im ausgehandelten Vertrag gelandet. Nur hatte die britische Seite offenbar kein Mandat. Das Patt kommt durch die Rechtslage: Ohne Austritt keine Neuverhandlung. Problematisch ist außerdem, dass der Backstop ausschließlich für Waren gilt, nicht für Personen. Der freie Verkehr von Personen ist m.E. genauso wichtig, wenn nicht wichtiger. Ich glaube, die Briten und die EU müssen da durch. Es kann nur bergauf gehen, wenn der Ausstieg hinter uns liegt. Für nichts anderes wird es Mehrheiten geben, weder auf der Insel, noch auf dem Kontinent.

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Grünspahn 21.08.2019, 15:29
2.

Zitat: Seine Regierung werde auf keinen Fall Grenzposten an der innenirischen Grenze errichten oder Grenzkontrollen durchführen und könne das auch verbindlich zusichern. Er hoffe, dass sich die EU ebenfalls dazu verpflichten werde."
Das glaube ich gerne, dass das UK keine Grenzposten auf der eigenen Seite will, denn es geht ja nicht darum, dass ungewollte Waren nach GB reinkommen, sondern im Gegenteil, das UK will weiterhin als günstige Zwischenstation für China- und sonstigen Krempel in die EU deien. Die EU tut gut daran, Zollstationen zu errichten, damit im dann Drittstaat GB keine hier nicht zugelassenen bzw. unverzollten Waren in die EU gelangen. Entweder begreift es Johnson nicht oder er glaubt, dass sein Hasadeurstück "Brexit" auf seine Art zum Vorteil von GB gelingen kann. Die EU sollte bei ihrer Position bleiben.

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cbhb 21.08.2019, 15:30
3. Es geht goch nur um den Beweis

dass nicht er selber schuld ist am vertragslosen Brexit, sondern nur einzig und allein die anderen!

Dass es nicht nur um Souveränität und Integrität des UK geht sondern auch um die von Irland und der EU ist ihm und seinen Wählern ja eh völlig egal.

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sikasuu 21.08.2019, 15:33
4. Es ist mMn. komplett sinnlos, weiter über den Brexit & B.J. zu reden!

Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Mit Neuwahlen kann er das Parlament wahrscheinlich über die/ in der heiklen Phase ausknocken & da die "Realität noch nicht eingetroffen ist, Stimmen von "Gläubigen" abstauben.
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Bert Brecht wird wahr: Nur die aller dümmsten Kälber, wählen ihren Metzger selber!
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Wird eine historische Sternstunde in der "selbsternannten ältesten Demokratie" der Welt!

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der-junge-scharwenka 21.08.2019, 15:36
5. Blase

Mein Eindruck aus zahlreichen Gesprächen in UK ist, dass B.J. zu Hause durchaus seine Anhänger hat. Die Stimmung gerade auf dem Land ist keineswegs so, dass bei einer neuen Befragung der Bevölkerung ein Remain-Votum wahrscheinlich wäre. Die Argumente sind zumeist ziemlich absurd. Die Krönung war eine alte Dame in Gloucestershire: "Die EU zwingt uns, hässliche blaue Schilder an Straßen aufzustellen, deren Sanierung die EU finanziert hat..." Wie will man dagegen anargumentieren? Natürlich: Jeder lebt in seiner Blase. Und das ist, was die Johnson-Strömung trägt. So gesehen finde ich keinen Grund für Entwarnung.

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nisse1970 21.08.2019, 15:43
6. Macron und Merkel

... freuen sich sicher wie ein Schnitzel über diesen völlig unsinnigen Besuch. Man weiss schon vorher welchen Stuss der PM im Gepäck hat und muss müde/freundliche Miene machen. Muss man das eigentlich? Vorschlag: Fragt ihn was er zu sagen hat und schickt ihn nach 5 Minuten wieder zu seinem Flieger. Pressekonferenz entfällt (wozu auch) und Berliner Polizisten müssen keine weiteren Überstunden ansammeln. Man sieht sich doch eh am Wochenende in Biarritz.

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max.stein 21.08.2019, 15:43
7. Ganz anderer Aspekt

Über dieses Thema wird eigenartiger Weise überhaupt nicht diskutiert: Boris Johnson will meines Erachtens einen Weg finden, Englands ganz erhebliche Schulden bei der EU nicht zu bezahlen bzw. fortwährend bei Verhandlungen als Druckmittel einzusetzen.

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kj.az 21.08.2019, 15:46
8. Absurdes Theater

Die Anzahl der skurrilen Figuren auf der internationalen Weltbuehne steigt immer mehr an. Das waere im allgemeinen nicht so schlimm, wenn die Trumps und Johnsons von den uebriggebliebenen rationalen Staatenlenkern auf den Boden der Tatsachen zurueckgebracht werden koennten. Werden sie aber nicht. Das ist das Dilemma, das die derzeitige Politkomoedie zur Tragikomoedie macht.

Trump schlaegt um sich, beleidigt Volk, Abgeordnete und zwingt die Weltwirtschaft in die Knie - und erhaelt noch immer massive Unterstuetzung von weiten Teilen der Bevoelkerung und des Kongresses. Boris Johnson ist von aehnlichem Kaliber, geht agressivst gegen sein eigenes Land und die EU vor - und wird vermutlich am Ende noch belohnt.

Ohne Wetten abzuschliessen, mir schwant schon wieder Ungutes in Sachen Einknicken der Europaeer; Rueckgrat ist ja in Bruessel und diversen europaeischen Hauptstaedten nicht mehr angesagt.

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Referendumm 21.08.2019, 15:59
9. Des Kaisers Kleider

Tja, als Pokerspieler dürfte BJ total versagt haben. Immer doof, wenn man kein zusätzliches As im Ärmel hat und schon ALLE Karten aufm Tisch liegen.
BJ will also ohne Kleider durch die EU tingeln, um irgendwelche Rosinen / Kirschen aufpicken zu können. Vom Stolz des (alten) Empire hat der noch nie was von gehört, oder?

Dumm auch, wenn GB mit aller Kraft die Quadratur des Kreises versucht - gelang bisher niemanden, wird ebenso dem Parlament in London nicht gelingen.

Wann war nochmals das (vor) letzte Referendum zum Brexit? 1976 oder so. da waren die Briten wenigstens noch so schlau "Niet" zu sagen. Heute, wo alles international hoch verzahnt ist, schießen die Briten sich komplett ins Aus - dazu mit einer mehr als mäßigen Regierung; egal ob mit May oder jetzt mit BJ oder ...

Der EU kanns letztendlich völlig egal sein; den ärmeren Schichten von GB dürfte es mal wieder an den Kragen gehen; aber sie wollten es letztendlich auch so. Also ist ebenfalls kein Mitleid angesagt.

Das mit einem zweiten (dritten) Referendum bis zum 31.10. kann man eh knicken; das wird nix mehr. Ich vermute, es kommt zu einer weiteren Fristverlängerung.

Wie schon mal erwähnt gehabt: Die Briten nerven die EU nunmehr seit über 30 Jahren mit ihrem Gequake eines Brexits. Jetzt nerven die Briten die EU weitere 30 Jahre mit einem Vollzugs des Brexit, um dann erneut 30 Jahren zu nerven, um, mit möglichst vielen Rosinen / Kirschen bestückt, erneut in der EU teilnehmen zu dürfen.

So lässt sich ein völlig unwichtiges Land auch in die Schlagzeilen bringen und die Leute dort haben ständig das Gefühl, irgendwie doch wichtig zu sein.
P.S.: Dass die EU (endlich !) einen definitiven Schlussstrich zieht, glaubt doch keiner ernsthaft.

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