Forum: Politik
Bosnische Auswanderer: Im Sog des Westens
Keno Verseck

In Bosnien-Herzegowina lernen Tausende Deutsch. Sie wollen ihre Heimat in Richtung Bundesrepublik verlassen. Es sind die Jungen und die Begabten - sie fehlen dann zu Hause.

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frank.huebner 27.07.2019, 20:52
1. Klar wollen alle hierher

Ich verstehe die Leute völlig. Entweder sie arbeiten für sehr wenig Geld in einem korrupten, unberechnebaren Umfeld, oder sie gehen nach Deutschland, wo sie gereglt bedeutend mehr Geld verdienen. Und wenn es mit der Arbeit nicht klappt, dann kommt Geld vom Amt. Fpür uns sicher nicht schön, für die aber auf jeden Fall eine Perspektive. Als EU-Länder wären die Länder heillos überfordert mit dem Aufbau von Strukturen, Arbeitsplätzen, Bekämpfung der Korruption etc.
Eine Alterative wäre vielleicht, Geld dorhin zu pumpen und unter Aufsicht Strukturen und Arbietsplätze zu schaffen. Aber das will her auch keiner. Also kommen die Leute zu uns.

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dhrb 27.07.2019, 20:55
2.

Ich weiß nicht so recht, in wessen Interesse diese Entwicklung eigentlich sein soll. Im Herkunftsland verbessert sich die skandalöse Lage nicht, v.a. was Korruption und Vetternwirtschaft angeht. Außerdem fehlen dort bald Kinder und auch pflegende Angehörige für die eigenen Eltern. Und in D? Da steigen die Mieten und Immobilienpreise ins Absurde und es wird immer voller, v.a in den Großstädten.

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gerhard_walter_kell 27.07.2019, 21:23
3. Eine Stadt

ist entweder klein oder einfach nur ein Städtchen. in der Bildunterzeile gibt es also nicht.

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rohanseat 27.07.2019, 21:36
4. Ein trauerspiel

aus meiner verwandschaft sind auch einige nach 1992 auf der flucht vor dem krieg im norden deutschlands geblieben.-Der krieg hatte sie nach Hamburg gebracht und gemeinsam bauten wir in der umgebung hamburgs ein haus.Damals war den jungs nicht klar ob sie wieder nach Bosnien gehen oder bleiben.-Ich selber bin deutscher meine damalige frau war bosnischer abstammung.Ich geniesse das leben in Rumänien.Spreche bosnisch und rumänisch.
Obleich mir selbst klar war alle drei jungs werden bleiben.--Zu oft habe ich in dem kleinen dorf gesehen, es wurde ein schönes haus in dem dorf der väter gebaut, dann wurde geheiratet, es kamen kinder.-Vor meinen augen habe ich noch das bild einer verwandten die vor dem haus sass und von einer zukunft im dorf träumte---Ja ich träumte mit ihr.- Für die kinder ist bosnien / der Balkan/ nur ein urlaubsland.sie sprechen teils schlecht ihr "mutter" sprache.Dazu ist die heimkehr fast nicht möglich.Den kindern fehlt alles was zu einem leben in den Balkan ländern befähigt.-
Aber das bild ist in Rumänien nicht anders.-Eltern im ausland und die kinder folgen später dorthin.--
Der mammon und das etwas einfachere leben im lande der germanen oder in skandinavien verblenden alles.-Schade um die menschen und ihre kultur.-

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bert1966 27.07.2019, 21:37
5.

Natürlich findet eine Nivellierung statt, ein Ausgleich zwischen der übermäßig reichen Bundesrepublik mit ihrem überbordenden Sozialsystem und den Ländern, in denen an solche Absicherungen gar nicht zu denken ist. Die Menschen, die ihre Heimat aufgeben, das ist mein Erleben, die aus fremden Ländern mit einem bestimmten Ziel hierher kommen, Sprachkurse machen, sie sind motivierter, talentierter, zielstrebiger als die "Eingeborenen", bei denen ich oft eine völlige Orientierungslosigkeit und Interesselosigkeit erkenne. Wer kann den Einwanderern ihr Streben nach Glück verdenken oder verbieten?

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teloudis 27.07.2019, 21:39
6. Ein toller Bericht

hatte pipi in den Augen, die Jungen gehen weg. Ja meine Eltern sind aus GR weg gegangen, als Gastarbeiter, um der Armut zu entkommen. Damals brauchte Deutschland Arbeitshände die die Schmutzarbeit übernahmen. Heute ist die Lage anders. Ich kam mit 18 auch hier, meine Eltern waren bereits hier, und bin geblieben, und Heute 66 Jahre alt. Ich verdanke Deutschland sehr viel, hatte Abitur, durfte studieren, Familie gründen, in sicheren Verhältnissen leben. Und Heute gehen viele gut ausgebildete Jungs und Mädels aus GR auch weg, um Ihr Glück woanders zu finden. Sie haben es einfacher als die Bosnien Jugend, sie sind ja kein EU Mitglied. Trotzdem es tut mir an der Seele weh, was alles zurück bleibt. Trostlosigkeit, Sorge um die Kinder, und leere Dörfer. Mein Dorf, wo mein Leben begann ist fast tot, leere verfallene Häuser, alte zurück gebliebene Menschen, die noch eine Spur vom Leben versuchen auf Recht zu erhalten. Ich besuche mein Dorf immer wenn ich dort bin und die alten Menschen sind stolz auf mich, das ich es geschafft habe. Nein, ich sehe es nicht so, ich hätte es lieber mit denen gemeinsam geschafft.

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ctrader62 27.07.2019, 21:42
7. Brain-Drain - Kolonialismus 2.0 ?

Wenn die geistige und wirtschaftliche Elite das Land verlässt, erleidet das Land immensen Schaden und wird faktisch seiner Entwicklungsmöglichkeiten beraubt.
Die ländlichen Gebiete in Südost-Europa sind jetzt schon Wüsten in Sachen Krankenversorgung und Pflege, aber auch dringend benötigte Handwerker und Busfahrer fehlen. Auch Griechenland verliert die meisten Akademiker.
Der ehemalige MP Biedenkopf wagte einmal anzudeuten, welche Folgen der Brain-Drain der 1950er Jahre (Abwanderung von 15% der Bevölkerung) bis heute spürbar im Osten hat).
Ist es deshalb wirklich christlich und ehrenhaft, wenn Minister (u.a. Spahn) in diese Länder reisen um die Fachkräfte abzuwerben ?
Einem kleinen Vorteil jetzt kann den wirtschaftlichen Zusammenbruch und die steigende erneute Kriegsgefahr später zur Folge haben.
Kolonialismus 1.0 war die Ausbeutung der materiellen Ressourcen, Kolonialismus 2.0 ist die Ausbeutung des geistigen und kreativen Potenzials.
Bitte bedenkt, welchen immensen Schaden man im Abwanderungsland anrichtet !

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bluebill 27.07.2019, 21:45
8. Blendwerk

"Die Wirtschaft" sucht immer nach den billigst möglichen Arbeitskräften. Hierzulande sind die rar. Deshalb holt man eben Einwanderer. Die gut ausgebildeten, jungen Menschen kommen nach Deutschland, weil sie hier mehr verdienen als zu Hause. Absolut gesehen stimmt das. Aber die Lebenshaltungskosten sind auch entsprechend höher, ebenso die Abgaben und Steuern. Vom Mehrverdienst bleibt eigentlich nichts übrig. Das merken sie aber erst, wenn sie schon da sind. So wie es ja auch vielen Deutschen geht, die in die Schweiz auswandern.

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kleinsteminderheit 27.07.2019, 22:11
9. Mehr als verständlich

Die Reportage hätte man im 19. Jahrhundert sehr ähnlich im Schwarzwald, in Schwaben, im Westerwald oder der Eifel schreiben können, wo sich damals ganze Dörfer geschlossen in die Fremde aufmachten. Heute betrifft der brain drain keinesfalls nur die Staaten außerhalb der EU. Auch in Bulgarien, Rumänien und Polen zog es die Jungen, Leistungsfähigen millionenfach gen Westen.

In Deutschland haben sich übrigens die Landesherren des Problems angenommen. Mit der Gründung von Gewerbeschulen und mit der Verbesserung der Infrastruktur förderten sie die Wirtschaft und schufen Zukunftsperspektiven, so dass sich Weg- und Zuzug nach einiger Zeit anglichen und zudem die Grundlage für stabile mittelständische Strukturen gelegt wurden, die heute Menschen anziehen statt sie zu vertreiben.

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