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Brandenburg vor der Landtagswahl: Gespaltenes Land, geeintes Gefühl
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Die SPD will Brandenburg vor der Landtagswahl einen. Aber gibt es wirklich "ein Brandenburg"? Zwischen Spreewald und Uckermark zeigt sich: Die Bedingungen sind sehr verschieden - die Stimmung ist es nicht.

whitewisent 01.09.2019, 14:11
1.

Das "Land Brandenburg" ist bestenfalls ein historistisch verklärtes Gebilde gewesen, als es 1990 gegründet wurde. Der Großteil der Menschen war bei der Abschaffung des Vorgängers 1952 noch gar nicht geboren, oder zog erst später dorthin. Dazu kam, das viele der damaligen Bewohner Flüchtlinge und Übersiedler aus dem Osten waren.

Es gibt ein "Kernbrandenburg", was aus den beiden DDR-Bezirken Potsdam und Frankfurt/Oder besteht. Heute ziemlich deckungsgleich mit dem "Speckgürtel" um Berlin herum. 1990 wurde daran die Lausitz angeschlossen, einer der historischen Fehler, diese nicht als eigenes Bundesland zu bilden. So wurde der Bezirk Cottbus zwischen Brandenburg und Sachsen aufgeteilt, und die schlesische Oberlausitz (bis 1945 preußisch, nicht sächsisch) wurde zwangsweise an das Bundesland Sachsen angehängt. Also keiner fühlt sich dafür so richtig verantwortlich, weil es nicht gewachsene Beziehungen sind. Auch die Uckermark und Prignitz wurden 1990 aus den "mecklenburgischen" Bezirken Schwerin und Neubrandenburg dem Land Brandenburg zugeordnet. Ja, aufgrund einer Volksabstimmung, aber nur weil die Bewohner dort zu Brandenburg gehören wollen, müssen die Kernbrandenburger sie nicht mögen. Bei der Kreisreform wurde dann versucht, mit einer "Tortenteilung" jeweils Kernkreise mit dem Rand zu verbinden. Kann man auch als gescheitert ansehen.

Es gibt mehr als eine Spaltung, aber eben auch eine Gemeinsamkeit, das Bewußtsein, als Märker weder Sachse noch Mecklenburger zu sein. Eine Basis, auf die leider nicht jeder zugereiste Politiker Rücksicht nahm und nimmt. Denn es ist mühsam, DDR-Historie bei Wikipedia nachzulesen, und sich zu merken. Lieber macht man Bauch-Politik, nur leider eher mit dem Darm als dem Herz.

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hausfeen 01.09.2019, 14:21
2. Das Wichtigste wird immer wieder übersehen. Von 33 bis 89 ...

... wurden unsere Mitbürger im Osten autokratisch regiert. Es gab genug, denen das durchaus gefallen hat. Die Kinder und Enkel verfallen ihrer Mimikri.

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eule_neu 01.09.2019, 14:25
3. Es war nach '89 schon mal viel besser ....

Was ist nur geschehen? Ich war beruflich gleich nach der Wende bis 2011 viel in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und Sachsen beruflich unterwegs und hatte viele Kontakte zur Bevölkerung. Es waren immer Gespräche auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt vor der Lebensleistung des bzw. der Einzelnen. Natürlich bekam ich mit, wenn es mit der Treuhand viel Ärger gab (wegen der Abwicklung von Betrieben, die erhalten hätten werden können), manchmal ballte auch ich die Faust in der Tasche, aber man war eben machtlos in dieser Abwicklungspolitik. Einmal konnte ich seinerzeit Frau Merkel den Koffer vom Band heben, aber da war sie eben noch nicht an der Spitze unserer Republik angelangt. Ich bin geborener Berliner und liebe das umgebende Land Brandenburg, schließlich bedeutete es eine neue Freiheit auch für uns Westberliner, nun konnten und können wir frisches Obst und Gemüse und andere Leckereien in der Umgebung kaufen und zudem die Landschaft tief in der Seele verankern.
Natürlich gab es auch seinerzeit unterschiedliche Gegenden, in den die Menschen etwas ernster schauten, die Jugend wegzog und die Älteren ihren Kummer in Unmengen von Alkohol ersäuften. Ich habe aber nie Unfreundlichkeiten erlebt, ich fühlte mich immer aufgehoben, wie in meiner zweiten Heimat in Freiburg/Brsg. und der nahen Umgebung wie auch in Frankreich und der Schweiz.
Was ist also geschehen? Materiell ist viel passiert (Straßenbau) und Farbe ins Land gezogen, aber die Politik hat wohl vergessen, die Wiedervereinigung auch in den Köpfen positiv zu verankern. Kanzlerin Merkel war eben Europa wichtig geworden und dabei hat sie ihre seinerzeitigen Landsleute vergessen. Gute Innenpolitik war eben auch nötig und nicht nur politische Posten zu besetzen. Der Mensch muss immer im Mittelpunkt der Regierenden stehen.
Mit dem Aufkommen der AfD war eigentlich für jeden erkennbar. dass etwas in die falsche Richtung läuft, was die "westlich" geprägten Altparteien nicht verstanden haben. So stehen wir inzwischen vor einem Scherbenhaufen, der mit einem "weiter so" nicht zu beseitigen ist. Die Wiedervereinigung hat Vielen vieles abverlangt und es hält an, aber es wurde auch vieles dem Renditestreben unterworfen und so Kliniken geschlossen, dito Busverkehrsstrecken und Bankfilialen. Ebenso finden Landarztpraxen keine Nachfolger. Die neuen Bundesländer sind am ausbluten, obwohl viele junge Leute wieder in ihre Orte zurückwollen. Was kann man nur tun, um die Politiker auf die richtige Schiene zu setzen ????

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katzekohle58 01.09.2019, 14:36
4. Amy 18

In Brandenburg dürfen Bürger schon mit 16 Jahren wählen und sie schreiben Amy wählt jetzt zum ersten Mal, weil sie 18 ist. Ich verstehe, immer schön locker bleiben, ist ja eine Geschichte...

- - - - - - - Was möchten Sie mit Ihrem Kommentar andeuten? Amy war offensichtlich bei der letzten Wahl vor fünf Jahren 13, also wählt sie jetzt zum ersten mal den Landtag... Oder wollten Sie auf etwas anderes hinaus? MfG Redaktion Forum

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max_schwalbe 01.09.2019, 15:35
5. Meckern auf hohem Niveau...

Globals gesehen sicherlich wahr. Aber, Toruistik-Sotcherkähne, Salzgurken und Schmalzstullen wurden auch schon vor der Wende lebhaft im Spreewald zelebriert. Das kann man nicht als eine Errungenschaft der vergangenen Jahre sehen. Und ob der Rathausplatzt schick aussieht oder nicht, nützt leider herzlich wenig, wenn es den Jugendklub, das Kulturhaus, Bäcker & Co auf dem Dorfe nicht mehr gibt. Eine schicke Fassade schafft auch keine Arbeitsplätze. Es wurden nach 1990 die falschen Prioritäten gesetzt. Viele brach weg, was im BIP nicht auftaucht und aus West-Sicht gar nicht wahrgenommen wurde. Die DDR kann man nicht an Finanzzahlen abrechnen, weil sie als sozialistischer Staat ja gerade das Ziel verfolgte, die Bedeutung des Geldes aus dem Alltag zurückzudrängen. Hier hat man bis heute teilweise nicht verstehen wollen, welches Ziel der Sozialismus eigentlich verfolgte und an welchen Werten er sich messen lässt. Und viele dieser (sozialen) Werte, waren damals verlorengegangen. Alles kein Grund, die AfD zu wählen, aber es trägt zur Erklärung bei, waum die AfD im Osten so erfolgreich ist. Die Medien sollte auch mal kritisch prüfen, ob sie mit der Verunglimpfung der damaligen PDS als Protestpartei der Ostdeutschen, tatsächlich zur Bewältigung der bestehenden sozialen Verluste beigetragen haben. Ob der Rathausplatz eine frische Fassade nun hat oder nicht, spielt dabei weder ökonomisch noch sozial eine relevante Rolle.

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upalatus 01.09.2019, 16:41
6.

Zitat von eule_neu
Was ist nur geschehen? Ich war beruflich gleich nach der Wende bis 2011 viel in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und Sachsen beruflich unterwegs und hatte viele Kontakte zur Bevölkerung. Es waren immer Gespräche auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt vor der Lebensleistung des bzw. der Einzelnen. Natürlich bekam ich mit, wenn es mit der Treuhand viel Ärger gab (wegen der Abwicklung von Betrieben, die erhalten hätten werden können), manchmal ballte auch ich die Faust in der Tasche, aber man war eben machtlos in dieser Abwicklungspolitik. Einmal konnte ich seinerzeit Frau Merkel den Koffer vom Band heben, aber da war sie eben noch nicht an der Spitze unserer Republik angelangt. Ich bin geborener Berliner und liebe das umgebende Land Brandenburg, schließlich bedeutete es eine neue Freiheit auch für uns Westberliner, nun konnten und können wir frisches Obst und Gemüse und andere Leckereien in der Umgebung kaufen und zudem die Landschaft tief in der Seele verankern. Natürlich gab es auch seinerzeit unterschiedliche Gegenden, in den die Menschen etwas ernster schauten, die Jugend wegzog und die Älteren ihren Kummer in Unmengen von Alkohol ersäuften. Ich habe aber nie Unfreundlichkeiten erlebt, ich fühlte mich immer aufgehoben, wie in meiner zweiten Heimat in Freiburg/Brsg. und der nahen Umgebung wie auch in Frankreich und der Schweiz. Was ist also geschehen? Materiell ist viel passiert (Straßenbau) und Farbe ins Land gezogen, aber die Politik hat wohl vergessen, die Wiedervereinigung auch in den Köpfen positiv zu verankern. Kanzlerin Merkel war eben Europa wichtig geworden und dabei hat sie ihre seinerzeitigen Landsleute vergessen. Gute Innenpolitik war eben auch nötig und nicht nur politische Posten zu besetzen. Der Mensch muss immer im Mittelpunkt der Regierenden stehen. Mit dem Aufkommen der AfD war eigentlich für jeden erkennbar. dass etwas in die falsche Richtung läuft, was die "westlich" geprägten Altparteien nicht verstanden haben. So stehen wir inzwischen vor einem Scherbenhaufen, der mit einem "weiter so" nicht zu beseitigen ist. Die Wiedervereinigung hat Vielen vieles abverlangt und es hält an, aber es wurde auch vieles dem Renditestreben unterworfen und so Kliniken geschlossen, dito Busverkehrsstrecken und Bankfilialen. Ebenso finden Landarztpraxen keine Nachfolger. Die neuen Bundesländer sind am ausbluten, obwohl viele junge Leute wieder in ihre Orte zurückwollen. Was kann man nur tun, um die Politiker auf die richtige Schiene zu setzen ????
Warum nur wird ausschließlich auf Politik verwiesen, wenn was nicht genehm läuft? Die Jungen gehen halt mal gern weg, das ist hier in Bayern (den Superbesserwessis pur und Ziel zahlreicher eingeborener Flüchtlinge aus ganz Deutschland...) in der Provinz nicht anders. Es gibt keine 'richtige Schiene' oder eine geheime Politikrezeptur. Die Leut verhalten sich nun mal so, wie es eine freiheitliche Gesellschaft wohl auch nicht verbieten möchte. Hoffentlich. Vielleicht gibts ja unter der afd inländische Ausreisebeschränkungen und Bleibepflicht.

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suedniedersachse 01.09.2019, 17:02
7. Ich war gerade in Brandenburg.

Östlich von Berlin. Viele Straßen sahen merkwürdigerweise immer noch so aus wie 1988. Viele lustige blaue Plakate der neuen deutschen Partei. Unfreundliche und unflexible Angestellte in der Dienstleistung und zwar der hochpreisigen. Geteilt wird das Land immer bleiben und zwar nicht nur Brandenburg. Da war nichts. Sand. Tannen. Sand. Sand. Sand. Tannen. Furchtbar.

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