Forum: Politik
Brasilien: Bolsonaros Verteidigungsminister will Scharfschützen gegen Kriminelle eins
AFP

Mit General Augusto Heleno will der künftige brasilianische Präsident Jair Bolsonero einen weiteren Hardliner ins Kabinett aufnehmen. Der hat bereits Pläne für einen härteren Kampf gegen Verbrecher.

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carahyba 01.11.2018, 16:14
20.

Zitat von mwroer
Wer die Favelas wirklich kennt - abseits von Michael Jackson Videos oder Fast & Furios Aufnahmen - der weiß dass dort die Polizei und das Militär nicht gegen Bürger und Drogenhändler des Schlages Berlin/Hasenheide antritt. Wenn sogar SPON, ausnahmsweise mal völlig zutreffend, den Begriff "kriegsgefechtsähnlicher Auseinandersetzungen" benutzt dann sollte Ihnen das zu denken geben. Wirklich. Verstehen Sie bitte dass das was in Brasilien jeden Tag (!) zig mal passiert in Deutschland so außerhalb des Krieges, schlicht und ergreifend noch nie und nirgends passiert ist. Ich bin kein Freund von Waffen in den Händen von Zivilisten und lehne die Bewaffnung von 'regierungsfreundlichen treuen Staatsbürgern' aus vollem Herzen ab, das mal ganz klar gesagt, aber die Polizei in Brasilien steht auf verlorenem Posten und braucht mehr Rechte. Amnesty International in allen Ehren aber ich habe, in meiner Zeit in Zentralamerika und Brasilien, keinen von den da rumspringen sehen. Nein ich habe keine Lösung für die Probleme in Brasilien. Freundlich drum bitten den Drogenhandel und den Menschenhandel in den Favellas einzustellen wird aber nicht funktionieren. Ich habe Freunde in der Ecke die klar sagen: Abriegeln, Luftwaffe drüber, Ende. Und das sind keine ultrarechten Hardcoresoldaten sondern normale Menschen die einfach keinen Ausweg mehr sehen.
Wenn Sie Brasilien wirklich kennen, dann sollten sie wissen, dass Gewalt seit der Militärdiktatur an der Tagesordnung war.

Besonders schlimm wurde es unter dem Präsidenten Sarney und seinen Nachfolgern, Collor de Melo (eigentlich Koller) und Fernando Henrique Cardoso, der korrupteste von allem im Mäntelchen des liberalen Ökonomieprofessors. Von den Medien hoch gefeiert. Der hat den Stimmenkauf zur vollkommenen Kunst geführt.

In der Präsidentschaft Lula wurde ein umfangreiches Sozalprogramm umgesetzt, sowohl in den Städten und auf dem Lande. Das war teuer und die Oligarchie hat nun ihr Ziel erreicht, es wird keine Sozialprogramme mehr geben.

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carahyba 01.11.2018, 16:22
21. richtig ...

Zitat von realist4
Wer dagegen ist, sollte mal ein paar Tage durch Rio spazieren. Wir können die dortigen Zustände nicht mit unseren deutschen Alltagsleben vergleichen. Die bereits 71 toten Polizisten in Rio 2018 und 6749 Morde in 2017 sind genug Argumente. Höchste Zeit, dass mit harter Hand durchgegriffen wird.
Und es wird noch viel mehr tote Polizisten und Zivilisten geben, den die Oligarchie und die Mittelklasse weigert sich weiterhin die Favelas und Baixadas zu sanieren, ähh stimmt nicht. Vidival und Teile von Rossinha werden schon zu QM-Preisen von über 1000 Euro verkauft. Ist auch eine Form von Sanierung.

Die höchsten Preise gibt es in Vidigal, der beste Panoramablick in Rio-Sul. Wenn ich in Rio bin lauf ich da hoch.

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Strafjurist 01.11.2018, 16:26
22. Waffenfreigabe + Scharfschützen gegen Bewaffnete = ???

Bolsonaro will einerweits den Waffenbesitz freigeben, es also trumpartig möglichst allen erlauben, selbst bewaffnet herumzulaufen. Sein Verteidigungsminister will aber Scharfschützen gegen Bewaffnete Zivilisten einsetzen. Wie passt das? Ganz einfach: Bewaffnete Weiße = gut, bewaffnete Schwarze, schlimmstenfalls in einer Favela = Gangster = legitimes Ziel für Scharfschützen. Menschenrechte sind halt was für Weicheier, sie zu ignorieren hat auch noch nie geschadet. Sehr beängstigende Entwicklungen...

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ODI 01.11.2018, 16:35
23. Sozi Programme

Zitat von carahyba
Wenn Sie Brasilien wirklich kennen, dann sollten sie wissen, dass Gewalt seit der Militärdiktatur an der Tagesordnung war. Besonders schlimm wurde es unter dem Präsidenten Sarney und seinen Nachfolgern, Collor de Melo (eigentlich Koller) und Fernando Henrique Cardoso, der korrupteste von allem im Mäntelchen des liberalen Ökonomieprofessors. Von den Medien hoch gefeiert. Der hat den Stimmenkauf zur vollkommenen Kunst geführt. In der Präsidentschaft Lula wurde ein umfangreiches Sozalprogramm umgesetzt, sowohl in den Städten und auf dem Lande. Das war teuer und die Oligarchie hat nun ihr Ziel erreicht, es wird keine Sozialprogramme mehr geben.
Die Sozialprogramme werden nicht abgeschafft und teils dienen diese lediglich dazu, die notwendigen stimmen der armen im Nordosten zu gewinnen. Deshalb wurde auch in den letzten Zügen vor der Wahl am Sonntag nochmals versucht weitere Stimmen durch versprochene Anhebung des Grundeinkommens & Reduzierung des Gaspreises zu gewinnen. Sehr nachhaltig wenn sie mich fragen. . geliehenes Geld verschenken statt damit Jobs zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln, so dass man sich selbst tragen könnte.

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r+l 01.11.2018, 16:36
24. ..was fuer ein muell hier geschrieben wird.

...es lohnt sich hier einfach nicht mehr, gegen die Meinung dieser einseitigen Berichterstattung der Spiegel Journalisten zu Brasilien zu argumentieren, bzw. gegen jene die gerade irgendwo in Deutschland im warmen Stübchen mit einen Kaffee in der Hand sitzen, und nochmal eben schnell die brasilianische "Realitäten" im Forum kommentieren möchten. Heute, November 01 gibt es eine weitere brillante Ministerernennung des neuen brasilianischen Präsidenten: Bundesrichter Sérgio Moro wird neuer Minister für Justiz und öffentliche Sicherheit. Auf seiner Agenda ab 1. Januar 2019: Breite Bekämpfung gegen Korruption und Kriminalität. Ich hoffe nur, dass wenigstens die deutsche Wirtschaft inzwischen erkannt hat, dass Brasilien am Anfang eines tiefgreifenden Paradigmenwechsels steht...... bei der Qualität der neuen Ministern, die bisher benannt wurden, muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Brasilien in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum erleben dürfte, was zwangsläufig zu weniger Arbeitslosigkeit führen wird, weniger Arme, weniger Kriminalität, usw. Bin sehr gespannt wie es genau am 01.11.2020 in Brasilien aussehen wird!

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ODI 01.11.2018, 16:44
25.

Zitat von Ketamo
Und warum steht die Polizei mittlerweile auf verlorenem Posten da? Ganz einfach, weil sie durch und durch korrupt ist. Ein überwältigend großer Teil der Waffen in den Händen der kriminellen favelados stammt nämlich von wem? Ganz genau, der Polizei und den Militärs. Das ist doch alles Schwachsinn...fight fire with fire! "O Coiso" sollte lieber die Korruption innerhalb der Polizei (und des ganzen Landes) bekämpfen, Menschen aus den Favelas reelle Chancen im Alltag einräumen abseits einer Karriere als "traficante", egal welcher Hautfarbe/sozialem Stand. Auch ich kenne Brasilianer, die die Favelas am liebsten einfach wegbomben würde...und ich verabscheue diese Haltung! Solch eine Aussage ist einfach nur dumm! Lediglich ein geringer Teil der in Favelas lebenden Menschen ist in den Drogenhandel verstrickt. Der Rest hatte einfach nur Pech, an einem solch trostlosen Ort geboren zu werden. Bolsonaro ist ein Idiot, der kein Konzept hat! Ein religiöser Fanatiker der mit Hilfe von einem anderen Idioten (Edir Macedo) ins Amt gehoben wurde. Die Verstrickung der religiösen Fanatiker auf allen Ebenen in Brasilien ist wahnsinnig gefährlich. Ein Jammer, was aus "meinem Brasilien" wird...
Welches genau ist denn "Ihr Brasilien", wann begann die Zeitrechnung? In den letzten 15 Jahren jedenfalls nahm & nimmt die Kriminalität überhand. Touristenstrände werden regelmässig von Horden Krimineller Banden heimgesucht; LKWs werden täglich samt Fracht ausgeraubt; Banken & Automatensprengungen wurden zum Hobby; Bars und Restaurants werden überfallen; Gangs sind besser bewaffnet als die Polizei- und das auf deren eigene Bestechlichkeit zu schieben, ist zu kurz gedacht. Waffen kommen Teils aus den USA hier her oder auch als 're-Importe' aus den Nachbarländern.
Würden Beamte besser bezahlt und müssten nicht mit 20 Jahre alter Ausrüstung überleben wäre die Bestechlichkeitsrate mit Sicherheit geringer. Aus Angst vor einer starken Staatsgewalt wurde aber eben genau das verhindert in den letzten Jahren, die Konsequenz sehen und erleben wir in den letzten Jahren.

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gunpot 01.11.2018, 17:01
26.

Zitat von mwroer
Wer die Favelas wirklich kennt - abseits von Michael Jackson Videos oder Fast & Furios Aufnahmen - der weiß dass dort die Polizei und das Militär nicht gegen Bürger und Drogenhändler des Schlages Berlin/Hasenheide antritt. Wenn sogar SPON, ausnahmsweise mal völlig zutreffend, den Begriff "kriegsgefechtsähnlicher Auseinandersetzungen" benutzt dann sollte Ihnen das zu denken geben. Wirklich. Verstehen Sie bitte dass das was in Brasilien jeden Tag (!) zig mal passiert in Deutschland so außerhalb des Krieges, schlicht und ergreifend noch nie und nirgends passiert ist. Ich bin kein Freund von Waffen in den Händen von Zivilisten und lehne die Bewaffnung von 'regierungsfreundlichen treuen Staatsbürgern' aus vollem Herzen ab, das mal ganz klar gesagt, aber die Polizei in Brasilien steht auf verlorenem Posten und braucht mehr Rechte. Amnesty International in allen Ehren aber ich habe, in meiner Zeit in Zentralamerika und Brasilien, keinen von den da rumspringen sehen. Nein ich habe keine Lösung für die Probleme in Brasilien. Freundlich drum bitten den Drogenhandel und den Menschenhandel in den Favellas einzustellen wird aber nicht funktionieren. Ich habe Freunde in der Ecke die klar sagen: Abriegeln, Luftwaffe drüber, Ende. Und das sind keine ultrarechten Hardcoresoldaten sondern normale Menschen die einfach keinen Ausweg mehr sehen.
Es ist so wie der Forist schreibt. Diejenigen, die jetzt die Gegenwehr der Wähler in Brasilien nicht verstanden haben, waren wohl nie vor Ort. Dort ist Krieg auf den Straßen einiger bedeutender Großstadtviertel. Nun kommen all die juristischen Bedenkenträger. Die sollten mal mit mir durch einige Viertel von Lagos oder Johannesburg gehen. Die Polizei hat schon resigniert. Grundrechte sind richtig, sie durchzusetzen ist in gewissen Weltgegenden aber sehr schwierig. Sie zu wahren, erfordert vor Ort eben die entsprechenden Maßnahmen.

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Ketamo 01.11.2018, 17:02
27.

Zitat von ODI
Welches genau ist denn "Ihr Brasilien", wann begann die Zeitrechnung? In den letzten 15 Jahren jedenfalls nahm & nimmt die Kriminalität überhand. Touristenstrände werden regelmässig von Horden Krimineller Banden heimgesucht; LKWs werden täglich samt Fracht ausgeraubt; Banken & Automatensprengungen wurden zum Hobby; Bars und Restaurants werden überfallen; Gangs sind besser bewaffnet als die Polizei- und das auf deren eigene Bestechlichkeit zu schieben, ist zu kurz gedacht. Waffen kommen Teils aus den USA hier her oder auch als 're-Importe' aus den Nachbarländern. Würden Beamte besser bezahlt und müssten nicht mit 20 Jahre alter Ausrüstung überleben wäre die Bestechlichkeitsrate mit Sicherheit geringer. Aus Angst vor einer starken Staatsgewalt wurde aber eben genau das verhindert in den letzten Jahren, die Konsequenz sehen und erleben wir in den letzten Jahren.
Meines Erachtens nach war die Kriminalität in Brasilien vor zehn Jahren bei weitem nicht so schlimm wie heutzutage. Vor 6-7 Jahren bin ich morgen ums 4 oft alleine in Copacabana nach Hause gelaufen, passiert ist mir nie etwas. Ich habe 2009 für ein Jahr in Sao Paulo gelebt und hatte nie Probleme. Meine Zeitrechnung beginnt 2005 und es gab zwischenzeitlich definitiv eine Besserung der Sicherheitslage, basierend auf Erfahrungen vor Ort.

Aber ungeachtet dessen gebe ich Ihnen Recht, dass die Sicherheitslage mittlerweile (wieder) prekär ist. Ich bin mir der arrastões bewusst, der Entführungen und der alltäglichen Gewalt. Aber mit Waffengewalt Gewalt zu bekämpfen geht niemals gut. Ich kenne viele Brasilianer, die mehr Angst vor der Polizei als vor irgendwelchen malandros hat. Und ja, die Polizei muss besser ausgerüstet, besser bezahlt und besser ausgebildet werden, keine Frage. Das ist längst überfällig. Und sie muss vor allem überwacht werden. Die Verstrickung der Polizei in die Kriminalität ist eine riesen Problem, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht. Einfach mal wieder Tropa de Elite anschauen...

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knok 01.11.2018, 17:30
28.

Je mehr Waffen und je laxer die Waffengebrauchsgesetze, desto mehr Verbrechen. Neoliberale Ideologie, Religion und Rassismus tun ihr Übriges. Siehe USA.

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bemuebe 01.11.2018, 17:45
29. Menschenrechtler

Ich wünschte diese Leute 3 Jahre in Favelas. Freunde lebten in Brasilien und ich vertraue auf deren Bericht mehr, als Zeitungsartikeln, obwohl hier im SPON auch von 63.880 Morden in einem Jahr berichtet wird.

Menschenrechtler: Eure Lösung? Nein, das reicht nicht!

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