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Brasilien: Zehntausende demonstrieren gegen Bolsonaros Bildungspolitik
FABIO MOTTA/EPA-EFE/REX

Jair Bolsonaro will die Bildungsausgaben um 30 Prozent kürzen. Die Pläne haben in Brasilien massive Proteste ausgelöst. Ihren Präsidenten nennen die Demonstranten einen "Feind der Bildung".

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interessierter10 31.05.2019, 11:35
1. Das sollte aber niemanden wundern.

Das erste, was Rechte auf ihrem Weg zur Diktatur anstreben, ist die Abschaffung der Pressefreiheit und die Beseitigung bzw. Eindämmung des Intellektuellen.

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icke_floripa 31.05.2019, 12:46
2. Brasilien ist keine Diktatur

Erst einmal zu den angeblichen 30% Kürzungen im Bildungetat. Das ist so nicht korrekt. Es sind 30% der „nicht verpflichteten Kosten“. Dies sind i.d.R. 20%. Von diesen 20% sind es 30%. Die restlichen 80% sind Gehälter etc. Daran wird nicht gerüttelt. Die Regierung gibt einen durchschnittlich zu kürzenden Wert von 3,5% des Gesamtwertes an, allerdings sind sie dabei diesen zu überdenken wegen der Proteste.

Das Problem ist der Staatshaushalt von 2019 der von der vorherigen Regierung beschlossen wurde. Die aktuelle Regierung hat stark damit zu kämpfen diesen bindenden einzuhalten, was wohl schwierig ist aus diversen Gründen. Die Kürzungen betreffen viele Bereich, so wird bei der Verteidigung 43% dieses Jahr eingespart. Das Problem in Brasilien sind die extrem hohen Staatsausgaben. Trotz hoher Einmahnen fehlt es an allen Ecken und Enden. Dabei ist das aktuelle Rentensystem der größte Faktor. Die aktuelle Regierung versucht, wie auch die vorherige Interimsregierung, das veraltete Rentensystem zu reformieren. Nach dem alten System kann man mit 25 Arbeitsjahren voll Rente beziehen. Das ist ein großes Problem, da viele, vor allem Staatsangestellte, deutlich mehr als der durchschnitt verdienen. So gehen in höheren Positionen Staatsangestellte mit R$25.000 oder weit mehr in Rente. Das durchschnittliche Gehalt in Brasilien liegt aber weit 3000.

Ich kann bis jetzt keine Tendenz zu eine Diktatur in Brasilien erkennen. Ich mag Bolsonaro auch nicht und finde viele seiner Aktionen falsch und irritierend. Aber trotz seiner Dekrete kann er nicht walten und schalten wie er will. Einige seiner Dekrete wurden blockiert oder mussten geändert werden. Gegen Teile seiner Familie wird ermittelt, und jeder, inklusive die Medien, sehen da genau hin. Brasilien ist immer noch ein demokratischer, parlamentarischer Staat mit juristischer Unabhängigkeit. Sieht auch nicht so aus als würde sich da was ändern.

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4711_please 31.05.2019, 12:59
3. So ähnlich machte es die Union auch...

... bei der Reform des Urheberrechts... und fordert jetzt Respekt für ihre Meinungen, die zum Teil eher eine Trolloffensive ist, weiteres Beispiel Mindestlohn... der Oberreformer Axel Voss wurde für seine Bolsonaro-Leistung sogar als EU-Parlamentarier gelobt... Und was lese ich im HANDELSBLATT? Bolsonaro hätte eine ganz tolle Wirtschaftskompetenz... neoliberaler Trollism...

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Atheist_Crusader 31.05.2019, 13:26
4.

Natürlich ist er ein Feind der Bildung. Gebildete Leute wählen selten populistisch, weil sie weniger auf Angstmacherei, Nationalismus und schlechte Argumente hereinfallen. Je dümmer Jemand ist, je schwerer es ihm fällt seinen Unmut in Worte zu fassen, desto besser für die Herrschenden.

Das Problem ist natürlich: Wenn man nicht gerade auf lächerlich großen Rohstoffreserven sitzt die man nur ausbeuten muss, dann ist eine ungebildete Bevölkerung auch sehr viel weniger produktiv. Oh, und der ganze andere Kram von wegen Bildung als Selbstzwecke, aufgeklärter Gesellschaft, et cetera. Aber der interessiert Menschen wie Bolsonaro ja bekanntlich eher wenig.

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icke_floripa 31.05.2019, 13:39
5.

Zitat von 4711_please
... bei der Reform des Urheberrechts... und fordert jetzt Respekt für ihre Meinungen, die zum Teil eher eine Trolloffensive ist, weiteres Beispiel Mindestlohn... der Oberreformer Axel Voss wurde für seine Bolsonaro-Leistung sogar als EU-Parlamentarier gelobt... Und was lese ich im HANDELSBLATT? Bolsonaro hätte eine ganz tolle Wirtschaftskompetenz... neoliberaler Trollism...
Ich hoffe Sie meine mich nicht als Troll. Wenn ja wäre es sehr bedauerlich. Weil, ich bin definitiv keiner. Lebe seit vielen Jahre Brasilien und kann mir ein gutes Bild von hier machen.
Daher nehme ich mir auch die Freiheit, ebenso wie jeder andere, Berichte hier zu kommentieren und meinen Standpunkt zu erläutern. Zumal ich finde, dass der Spiegel sehr spärlich über die Situation in Brasilien berichtet bzw. berichtete. Mir fehlen sehr oft die Hintergründe oder auch andere wichtige Themen. Ein riesiges Thema, eigentlich das größte, im Moment ist die Rentenreform. Zu Themen wie diesen liest man eher nichts. Die Beiträge sind sehr kurz und selten, und wenn es mal Kommentarbeiträge vom Spiegel gibt sind diese eher tendenziell, da nur auf einen Kommentator in Brasilien gesetzt wird, welcher seine Sympathien in eine Richtung vielfach dargestellt hat.

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Rmoenikes 31.05.2019, 13:56
6. Demokratie

So ist das halt in der Demokratie. Wenn die Mehrheit einen Anführer will, der ihr sagt, was sie tun sollen, leiden eben Minderheiten. Bolsonaro wird es schon richten, da braucht man sich selber keine Gedanken mehr zu machen. Schönen Dank auch an die korrupten und unfähigen Vorgänger-Regierungen, die haben Bolsonaro den Weg zur Macht geebnet.

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icke_floripa 31.05.2019, 14:27
7. Erwähnenswert

Zu den kurzen Nachrichten, zu welchem der Spiegel auch hätte schreiben können wäre z.B., dass in der letzten Woche beschlossen wurde, dass homophobe Äußerungen oder Taten juristisch als Rassismus eingestuft wurden, und somit in Zukunft härter bestraft werden. Da muss dann auch Bolsonaro mit seinen Äußerungen aufpassen.
Ausserdem gab es am Wochenende große Sympathiedemonstrationen für Bolsonaro, mit wesentlich mehr Leuten auf der Straße. Hätte man auch hier erwähnen können. Meine Sympathie hat er nicht, würde aber zur Ausgewogenheit bei der Berichterstattung beitragen.
Wie gesagt, Bolsonaro erzählt und macht viel Mist. Es gibt aber auch einiges gutes. Brasilien hat sehr mit der Krise und strukturellen Problemen zu kämpfen. Der Staatshaushalt ist sehr kompliziert. Neben der hohen Verschuldung wiegen die Rentenausgaben und die hohen Verwaltungskosten schwer. Dieses Land hat es nicht leicht z.Z. das alles zu bewältigen und es für die Zukunft zu stabilisieren. Es geht langsam voran. Zum Glück wurde in den letzten Jahren und auch aktuell sehr erfolgreich gegen die Korruption vorgegangen, unabhängig von welcher Regierung oder anderer Machtposition. Ich denke all das ist Teil gesellschaftspolitischen Evolution ist. Brasilien ist eben noch nicht bei einem Standard entwickelter demokratischer Länder angekommen.

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geotie1 31.05.2019, 14:41
8.

Morgens wird in den Schulen ein kleines Lied gesungen, wo auch Gott gedankt wird. Bolsonaro hätte es gerne erweitert, zusätzlich mit seinem Namen versehen. Wurde aber nichts draus. Das ist scheinbar die Rache dazu. Übrigens kenne ich viele Lehrer, die an mehreren Schulen Unterricht geben. Jetzt darf man nur noch eine Stelle haben. Also weniger Geld!
Und die Rentenreform bedeutet nur weniger Geld und dafür länger arbeiten. Gilt natürlich nicht für Politiker oder den Leuten vom Militär. Vor der Wahl gab es in meiner Familie sehr viele, die unbedingt Bolsonaro gewählt haben. Glaube kaum, dass das nur auf meine Familie zutrifft und das Bolsonaro, wenn heute nochmal gewählt worden wäre, dass der die Wahl gewonnen hätte.
Das Bolsonaro kaum Ahnung von Wirtschaft hat, was er auch selbst zugibt und immer wieder beweist, ist die Bemerkung, die Brasilianer sollen nur das Notwendigste wie Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und dann nur noch arbeiten. So funktioniert die Wirtschaft nicht! In Russland zu kommunistischen Zeit sollten die Menschen auch nur arbeiten und kein Geld ausgeben, haben ja auch nichts verdient. Und - wo steht Russland wirtschaftlich?
Des Weiteren fällt mir noch der Wunsch für die Abholzung des Amazonas ein, damit die Wasserenergie besser genutzt werden kann. Bloß ohne Bäume wird kein Wasser ins Hinterland gelangen, das Land wird versanden und es wird dort nichts mehr wachsen. Was für eine kluge Idee. Vielleicht schaut es sich die Sahara mal an und wie dort die Wirtschaft abläuft!

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recepcik 31.05.2019, 14:57
9. Daß Rechtspopulisten

Bildungsfeindlich sind, dürfte nicht neu sein. Je höher der Bildungsgrad, umso niedriger der Stimmanteil für sie. Das traurige ist aber das gerade die, die am meisten auf gute Bildung angewiesen sind, sie wählen. Auch den Armen haben sie nichts anzubieten. Aber auch diese Bevölkerungsschicht wählt Rechtspopulisten.

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