Forum: Politik
Brexit-Folgen: Die Briten gehen. Na und?
DPA

Für Großbritannien wird der Brexit dramatische Folgen haben. Doch für die EU überwiegen die Vorteile. Drei Prognosen.

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Calen 26.06.2016, 14:21
140. Mehr Europa wagen

Die Argumente gegen die EU hier im Forum ähneln doch sehr den Argumenten der Brexit-Kampagne. Welche Chancen werden die einzelnen europäischen Staaten in einer globalisierten Welt haben, wenn man sich die anderen Industriestaaten anschaut? Welches Gewicht werden diese Staaten im Rahmen von Verhandlungen zu außenpolitischen und wirtschaftlichen Fragen mit den anderen Staaten haben? Man kann immer bestimmte Entscheidungen der EU-Kommission hinterfragen und nicht alles, was von der Kommission kommt, ist gut. Wenn ich mir aber so die ein oder andere Behörde in Deutschland oder in den einzelnen Bundesländern anschaue, dann sehe ich das gleiche in grün. Entscheidungen, die nicht von jedermann mitgetragen und nicht allen verständlich sind.
Das Grundproblem der EU ist, dass sie eigentlich ein zahnloser Tiger ist, denn jede Entscheidung irgendeinem der wichtigen Staaten nicht schmeckt und dieser auf seine Souveränität pocht. Daher werden die wirklich wichtigen Entscheidungen nicht getroffen, sondern nur um sie gestritten. Dieses Europa kann und wird nicht überleben.

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dieter 4711 26.06.2016, 14:24
141. Nicht schade

Zitat von AlbertGeorg
wenn die Briten uns verlassen. Andererseits hat der Gedanke seinen Charme, dass Nordirland und Irland eine Föderation schaffen könnten und Schottland als selbständiges Mitglied in der EU bleibt. England könnten dann in voller Freiheit seine Depressionen ausleben! Das wäre doch eine Lösung.
Lieber Albert,
ich finde es nicht schade, es gibt dadurch neue Möglichkeiten, die Du schon beschrieben hast.

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jowitt 26.06.2016, 14:26
142. @ek333

Zitat von ek333
Soll ich euch, liebe Mitforisten, sagen was passieren wird: man wird mit den Briten alle Handelsverträge (Zölle etc.) übernehmen! Man will ja weiter Geschäfte machen! So haben die Briten nichts mehr mit Nettozahlungen für Europa zu tun, brauchen keine Vorgaben aus Brüssel zu beachten, und müssen sich keine Sorgen mehr machen, dass man ihre Finanzprodukte versteuert oder gar verbietet! Sie werden die Gewinner sein! (Und je nach Gesinnung, kann man sich gerne noch Gedanken über die Freizügigkeit etc. machen!?)
Wie kommen Sie darauf, GB müsse sich fortan in Ihrem Szenario nicht an Vorgaben aus brüssel halten? Sie glauben nicht wirklich, das GB dann alles hierhin exportieren darf, auch wenn es den Vorschriften aus Brüssel zuiwiderläuft? Das ist ja Unsinn. Auch weiterhin muss sich GB natürlich bei Export an die Vorschriften und Normen innerhalb der EU halten.

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spmc-12355639674612 26.06.2016, 14:27
143. Mir geht

Zitat von suppenfliege
Wer glaubt, dass nach dem Brexit die Wirtschaftsunion noch angesagter ist, hat nichts begriffen. Die Idee eines vereinten Europas ist theoretisch ganz nett, und auch als Ziel in Ordnung, aber die bisher verfolgte Zeitachse ist von den Bürgern noch nie gewollt worden. Das ganze muss mit viel mehr Augenmaß und viel langsamer umgesetzt werden. Die kulturellen Unterschiede zwischen den Regionen sind schlicht viel zu groß, und das Misstrauen der Nationen zueinander auch. Man kann nicht gegen die Bürger regieren. Jetzt muss es erstmal weniger Europa sein, dann wird sich die Lage wieder beruhigen. Sprüche wie "Scheitert der Euro, scheitert Europa" hätte Merkel sich besser verkniffen. Das wird von den Bürgern durchschaut und war nie richtig. Falsche Griechenlandpolitik, falsche Flüchtlingspolitik, falsche Türkeipolitik. Mit Erdogan darf man keine politischen Geschäfte machen. Die Russlandsanktionen braucht auch keiner - mit Putin darf man auch keine Geschäft machen, aber die Russlandsanktionen treffen die Bürger und geben Putin politische Munition. Abgesehen davon, will wirklich jemand ein Russland ohne Putin? Haben wir im Nahen Osten nicht schon genug Probleme?
das mit dem vereinten Europa eher zu langsam als zu schnell. Im Grunde ist Europa ein Nachbau des römischen Reiches - damals gab es übrigens schon einmal eine gemeinsame Währung und das Konstrukt hielt sich ca. 500 Jahre lang. Ich habe jedoch keine Lust, auf ein stärker geeintes Europa noch 100 Jahre zu warten. Die verfehlte Politik in der Ukraine, in Griechenland und im Verhältnis zur Türkei und zu Russland ist hauptsächlich der schneckenhaften Langsamkeit, dem Zaudern und Zögern sowie einer gewissen Ideenlosigkeit geschuldet als großer Tatkraft. Das Ukraine-Debakel hätte man locker verhindern können, wenn man Politik für Europa gemacht hätte und nicht einfach alten Anti-Russland-Reflexen gefolgt wäre. Der Türkei hätte man nicht frühzeitig mit offener Ablehnung begegnen dürfen sondern man hätte sie rechtzeitig am europäischen Prozess teilhaben lassen müssen.

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derfriemel 26.06.2016, 14:32
144. Meine Meinung

Moin zusammen

Ich weiß gar nicht was so schlimm an der Sache ist.
Es werden Menschenleben gerettet, mit diesem Brexit.
Auch die EM hilft ganz kräftig mit.

Oder habe ihr in den letzten 2 Wochen etwas von Flüchlingen gehört oder gelesen?

Die kommen seitdem nicht mehr übers Mittelmeer und auch nichts mehr von Ertrunkenen ist zu lesen.

Sogar das Thema TTIP ist ganz weg aus den Nachrichten.


Also das finde ich schonmal gut. Ihr nicht auch?

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taxikutscherHH 26.06.2016, 14:36
145. taxikutscherHH denkt :-(

Brexit, EU und €-Krise, Flüchtlingskrise, Immigration und Integration, usw..

Jedes Ding lässt sich in diversen Facetten schlachtfeldartig und punktuell diskutieren. Aber so verkommt der Kern der Dinge.

Überwiegend bin ich von den Kommentierenden von Artikeln ebenso enttäuscht wie von den Redakteuren eben der Artikel.

Letzter Tage konnte ich von Sigmar Gabriel hören: Wir (Deutschland) sind nicht Nettozahler sondern Nettogewinner (in der EU). Wie wahr. Seit der GR-Krise, also seit Jahren, warte ich auf solche Einsicht. Warum?

Deutschland exportiert 60% seiner Waren in den €-Raum. Das bedeutet preisstabile Absatzmärkte. Damit einhergehend Arbeitsplätze -> Steuereinnahmen -> Sozialversicherungseinnahmen. Wie viele Maschinen, Daimler oder auch Kühlschränke wären noch absetzbar von bzw. GR, Italien, Spanien, Frankreich nationale Währungen und schon lange abgewertet hätten?

Der € ist eine Mischwährung. Die Probleme der schon angeführten Länder führen zu einem relativ schwachen €, im Verhältnis zur deutschen Prosperität. Die Folge, früher war made in germany 15% (?) teurer auf den Weltmärkten, heute 15% (?) günstiger. Wie viele Daimler sind in den USA absetzbar wenn bzw. der Daimler nicht 30.000.- $ kostet sondern 40.000.-$? Auch hier wieder Arbeitsplätze -> Steuereinnahmen -> Sozialversicherungseinnahmen.

Aufgrund der Probleme der anderen EU-Volkswirtschaften flutet die EZB den €-Geldmarkt mit billigem Geld. Wiederum profitiert Deutschland als in der Relation sicherer Hafen für ängstliches Kapital. Endlos fortgesetzt zahlt Deutschland bald keinen Kapitaldienst mehr für seine Schulden. Der Traum eines jeden Hausbauers.

Deutschland profitiert in einem immensen Ausmaß von den derzeitigen Problem der EU, des €. In Folge dessen wächst die relative Stärke Deutschlands, wirtschaftlich und damit auch politisch. Deutschland wird oder hat schon faktisch eine Hegemonialposition eingenommen. Wir ziehen, saugen regelrecht Arbeitsplätze an, Kapital, Steuern und Sozialversicherungsgeld, Migranten und Flüchtlinge. Wie ein Schwamm. Und damit Macht. Gleichzeitig bluten wir andere EU-Länder aus. Das mag kurzfristig erfolgreich sein, vielleicht sogar mittelfristig. Aber langfristig zerstören wir das übergeordnete Ganze, Europa. Nicht Spanien, Italien etc. sollten aus der EU, dem € verschwinden. Deutschland sollte aus der EU, dem €, verschwinden.

Die Leistung von Merkel, Schäuble und Co., also wirtschaftliche Stärke, Arbeitsplätze, schwarze Null etc., sind aufgebaut auf den Problemen der EU, des €, also unserer Partner. Die originäre Leistung genannter Personen besteht also nicht darin EU, €-Probleme zu lösen sondern sie am köcheln zu halten. Deutschland über alles (?). Das in Deutschland „unten“ davon so wenig ankommt ist ein innerdeutsches Problem, nicht der EU oder des €.

Apropos. Ich bin Deutscher. Ich liebe dieses Land. Aber auch Frankreich, Spanien, England etc.. Ich möchte aber nicht alleine sein. Ich liebe auch die Familie.

Mit besten Grüßen. Ein Blödkutscher aus Hamburg.

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Ökofred 26.06.2016, 14:44
146. Quark

Zitat von faustus-von-zeuch-strasse
Die Briten gehen gerade noch rechtzeitig. Bevor der Pleitegier sich nicht nur in Griechenland, Zypern, Irland niederlässt, sondern auch in Italien, Portugal, Kroatien, den Baltikum-Staaten, Rumänien, Bulgarien. Wer erinnert sich noch an die Piiics-Staaten von 2011? Weil es von den Medien verschwiegen wird, heisst das nicht, dass die Situationen sich grundlegend gebessert haben. Die Finanzprobleme und die Überschuldungen sind doch keineswegs gelöst und kochen bei jeder Finanzkrise erneut hoch. Die EZB wurde schon wegen dieser Staaten zu einer rechtlosen Gaunerinstitution, nur um die Insolvenzerklärung dieser Länder zu verhindern. Real ist die Union eine Union der Pleitiers. Aber das kommt zurück und damit die Haftungsunion. Die anderen Staaten werden irgendwann zahlen müssen. Nicht in Bares, sondern mit dem Trick über die Inflation, die das Vermögen der Bevölkerung und der Rentner aufzehrt. Grossbritannien ist dann draussen und freut sich, dass sie klug genug waren, rechtzeitig zu gehen. Ein Gentleman weiss eben immer, wenn es Zeit ist zu gehen.
Beiträge wie dieser zeigen die Irrationalität der ganzen Diskussion hier manchmal. Ob der werte Forist wohl verstanden hat, dass sich GB NICHT (jetzt ganz stark sein) aus dem Euro verabschiedet? Was soll das ganze Gerede mit der Haftungsunion? Über den IWF tragen übrigens auch nicht EURO Länder die Risiken mit und das sogar für Länder, die gar nix mit dem Euro oder der EU zu tun haben...(staun....) wie zB 1997 (?) bei der asiatischen Wirtschaftskrise (thailändische Währung).

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seppvonderalp 26.06.2016, 14:52
147. Problem erkannt - aber falsche Schlussfolgerung

Zitat von Thomas Kossatz
Referenden über Sachverhalte, die extrem komplex sind, rufen geradezu nach einem emotionalen "ja" oder "nein". Kein Engländer hatte auf dem Plan, dass möglicherweise Schottland entgültig genug vom not-so-United Kingdom haben könnte. Der ur-britische "Mini" könnte plötzlich nicht mehr auf der Insel gebaut werden. Die ersten Populisten waren jene, die uns "Basisdemokratie" als einen Mehrwert verkauft haben, tatsächlich war es der Einzug irrationaler Stimmungsentscheidungen in unsere Politik. Um zu wählen, braucht man Vertrauen in den Gewählten, um zu entscheiden benötigt es jedoch Fachwissen. Wir brauchen eine Erneuerung der repräsentativen Demokratie. Sonst ersetzen wir dauerhaft Staatsführung durch Politik-Lotterie. Der Brexit ist gut - als abschreckendes Beispiel. Immerhin dazu ist Cameron's aberwitzige Entscheidung zu gebrauchen, sich zur Geisel der Parteirechten und der Boulevardpresse zu machen.
Sie liegen mit ihren Schlussfolgerungen falsch: bei Entscheidungen über "extrem komplexe" Sachverhalte verhalten sich Vertreter der "repräsentativen Demokratie" genauso "emotional und irrational" wie in der "direkten Demokratie".
Nur das in der "direkten Demokratie" die Entscheidungen breiter abgestützt sind und somit letztendlich auch das Vertrauen zwischen Politik und Bürger.

Zudem wie heisst es : "it's sometimes better to be roughly right than precisely wrong" - dies zu "Bauchentscheidungen".

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plasmopompas 26.06.2016, 14:54
148.

Zitat von kritischer-spiegelleser
Dann müssen wohl erst noch einige EXITs kommen bevor die EU aufwacht. Die den Warnschuss nicht gehört hat! Die EU muss sich demokratisieren und auf Kernaufgaben beschränken. Dieser Moloch in Brüssel ist zu groß und hat nichts zu tun! Und was er tut macht er geheim um den Bürger nicht zu verschrecken.
Das Märchen von der mangelnden Demokratie der EU kann ich nicht mehr hören! Manch einer, auch hier im Forum schwadroniert ja sogar von der "EU-Diktatur!". Über so viel Ahnungslosigkeit kann ich nur den Kopf schütteln. Noch nie hatte das demokratisch gewählte europäische Parlament so viel Macht und Kompetenzen wie heute. Auch der europäische Rat, der die Entscheidungen von hoher und Grundsätzlicher Bedeutung trifft, ist demokratisch gewählt, er besteht nämlich aus den gewählten Regierungschefs der Mitgliedsländer. Auch die Mitglieder der europäischen Kommission werden von den gewählten Regierungschefs der Mitgliedsländer bestimmt. Die Strukturen in der EU sin demokratischer als in manchen Mitgliedsstaaten!

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trompetenmann 26.06.2016, 14:57
149. @134 Vera Gehlkiel: nicht sicher, ...

... worauf sie hinaus wollen.
Ob und wie dramatisch die Folgen für GB sein werden, lässt sich doch jetzt nicht voraussagen. Es wird auch kein reines "nur schlechter" bzw "nur besser" geben, vermutlich. Wie die Situation dann von den Bürgern beurteilt wird, ist vermutlich sehr individuell.
Wenn es aber so sein sollte, dass die Freiheit zum Preis einer wirtschaftlichen Krise erkauft wurde, werden auch viele Bürger kritischer über die Rechtspopuliszen denken.
Sollte es GB aber besser gehen - dann werden sich vermutlich weitere Austritte nicht vermeiden lassen- wieso auch? Wäre ja total bescheuert.
Vermutlich können die Rechten EU Austreter in Moment keine Mehrheiten sammeln, da die Situation von GB viel zu ungewiss ist. Das verängstigt sicher viele Exit Befürworter. Die Angst vor der eigenen Courage!?

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