Forum: Politik
Brexit-Hochburg Boston: Die gespaltene Stadt
Seamus Murphy

Nirgendwo war die Zustimmung für den Brexit so hoch wie in Boston im Osten Englands. Die Stadt ist zerrissen zwischen zwei Bevölkerungsgruppen: Den alten englischen Bürgern und den EU-Migranten aus Osteuropa.

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maikel 26.06.2016, 20:26
1. Noch ist England nicht verloren

Na ja. Wenn die Haltung lautet "Einwanderer sollten nicht nur wegen der besseren Sozialleistungen kommen, sie sollen dem Land nützen, ihm einen gewissen Respekt entgegenbringen, sich zu einem guten Teil anpassen, und sich nicht abschotten", dann finde ich das eigentlich nicht borniert oder antieuropäisch, sondern ganz normal.

Ich selbst studierte, arbeitete (und bezog auch Sozialleistungen) vor 20 Jahren in den East Midlands (also der Landschaft, wo auch Boston liegt), und wenn es in meinem Leben anders gelaufen wäre, dann wäre ich wohl heute britischer Bürger mit deutschen Wurzeln -- und hätte natürlich gegen den Brexit gestimmt.

Aber, kleiner Tipp an die polnischen Kollegen: Während der EM 1996 in England stand ich jedenfalls nicht mit Deutschlandfahne im Pub und habe mit Deutschen auf Deutsch "Deutschland vor, noch ein Tor" gegrölt.

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curly988 26.06.2016, 20:41
2.

Das "nebeneinander her leben" gibt es leider auch bei uns in der Region ( Leimen,Baden-Württemberg)
Mittlerweile schon in der 3 Generation ist die russisch stämmige Bevölkerung immer noch isoliert. Wirklich sehr schade.. Das selbe gilt für Mannheim mit vielen türkischen Nachbarn.

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Tuolumne Meadows 26.06.2016, 21:15
3. Das Problem ist....

....wir leben alle in Europa.... viele besitzen aber keine europäische Identität. Würden diese Menschen sich wiederum z.B. in USA begegnen, könnten sie vielleicht sogar beste Freunde werden.... weil sie alle aus Europa stammen. Gemeinsamkeiten verbinden eben....aber nur im richtigen Kontext. Eines zeigte das britische Referendum auch....viele jungen Menschen fühlen hier inzwischen anders. Das gibt Hoffnung. Manchmal braucht es nur Zeit, bis sich etwas entwickelt und einmal als vollkommen normal angesehen wird.

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salamicus 26.06.2016, 21:17
4. Schön...

..., dass diese Bilderbuchbriten schon mal den Pub verlassen haben - oder wollen sie erst eintreten? Egal, sie werden sich unbändig darauf freuen, die hochbezahlten und gleichzeitig kinderleichten Jobs der Osteuropäer zu übernehmen. Wenn sie den täglichen Rausch ausgeschlafen haben. Dieses Referendum soll eine Lehre für alle sein, die an ein mündiges und kluges Wahlvolk glauben. Eine verblödete Gerontokratie hat zusammen mit den Intelligenzschlusslichtern einer ganzen Generation von jungen und begabteren Briten die Zukunft versaut. 75% der 19-24-Jähringen haben für "Remain" gestimmt.

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eremit123 26.06.2016, 21:57
5.

wobei 74 % der 18-24-jährigen gar nicht an der Abstimmung teilgenomme haben....

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egoneiermann 26.06.2016, 22:01
6.

Zitat von curly988
Das "nebeneinander her leben" gibt es leider auch bei uns in der Region ( Leimen,Baden-Württemberg) Mittlerweile schon in der 3 Generation ist die russisch stämmige Bevölkerung immer noch isoliert. Wirklich sehr schade.. Das selbe gilt für Mannheim mit vielen türkischen Nachbarn.
Das ist ein Unterschichtenproblem, im Grunde lebt die deutsche auch in einer eigenen Welt zwischen RTL2 und Aldi. Auch das lässt sich in Mannheim schön sehen, wo auf der Schönau dann der AfDler direkt in den Landtag gewählt wurde. Sobald aber russische oder türkische Migranten sich der Mittelschicht nähern, werden sie den Deutschen immer ähnlicher. Das hat man auch schon bei den Spaniern und Italienern gesehen, die heute in der Gesellschaft nur noch bei der EM auffallen, weil sie eben andere Fahnen aus dem Fenster hängen.
Die Aussagen die in dem Artikel gemacht werden, sind natürlich falsch. Kein EU-Migrant kann sich als erstes um eine Sozialwohnung bewerben, im Gegenteil die Freiheit in der EU endet dort, wo man sich nicht selbst versorgen kann. Wer also in Boston keine Arbeit und Wohnung findet, den kann jetzt schon UK wieder nach Hause schicken.

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tomy1983 26.06.2016, 22:13
7. @maikel

Ja und die Deutschen zeichnen sich vor allem durch großen Integrationswillen in der Welt aus. Glauben Sie mir -nach 6 Jahren Schweiz- 95% der Deutschen erzählen den Schweizern, dass ihre Sprache falsch ist und was sie sonst noch alles besser machen können.

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ohnebenutzername 26.06.2016, 22:16
8. Denkanstoß durch Brexit

Ich kann alle Brexit Befürworter verstehen, aber auch die, die davor Angst haben. Vielleicht ist das alles ein guter Ansatz, um sich noch einmal zu verdeutlichen, dass die Konstruktion der EU zutiefst undemokratisch ist. Durch Direktwahl kann der einzelne Bürger das EU-Parlament wählen, während das entscheidende Gremium - die Kommission - von den jeweilligen Regierenden der Mitgliedstaaten gebildet wird. Der Wähler hat daher kein Mitbestimmungsrecht an der Regierung. Wie soll das funktionieren?

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spontanistin 26.06.2016, 22:34
9. Feindbilder ...

... sind ideal zur Abgrenzung und Ablenkung von eigenem Versagen. Und wenn dann auch noch eine andere Sprache und Kultur gepflegt wird, ist doch Abgrenzung ganz einfach! Vielleicht sollte die EU sich nicht nur auf eine gemeinsame Währung, sondern auch eine Amtssprache und eine Armee einigen. Würde den immer wieder betonten Friedenswillen aller bedeutend glaubwürdiger machen.

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