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Brexit-Votum: So gespalten ist Großbritannien
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Die Brexit-Abstimmung zeigt: Durch Großbritannien geht ein Riss. Nord gegen Süd, Jung gegen Alt, Arm gegen Reich. Die interaktive Wahlkarte.

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sefopo 24.06.2016, 11:34
140. Komplexität ist der Feind der Massen.

Zitat von mirroroffline
(...) Ich bin ab heute überzeugt: Keine Volksabstimmung zu solch komplexen Themen – niemals!
Das ist ja das Dilemma:

Einerseits: Demokratie, Volksherrschaft, demokratische Teilhabe
Andererseits: Masse statt Klasse

Was glauben Sie, würde aus dem Verbot der Todesstrafe, wenn der Plebs entscheiden dürfte.

Lösung kann nur sein: Es gibt Bereiche, über die darf man niemals abstimmen (lassen).

Aber das die Mitgliedschaft zur EU einer dieser Bereiche ist, will mir nicht ganz einleuchten. Auch die Massen dürfen Fehler machen, solange diese nicht gleich tödlich für die Mitmenschen sind.

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Arthur Travers Harris 24.06.2016, 11:34
141.

Zitat von intschutschuna
steht ihr mit eurem Recht so ziemlich allein da. Schaut euch doch die Schweizer und die Norweger an. Um Zugang zum EU Markt zu haben müssen sie sich an EU Regeln halten und in den EU Topf einzahlen. Nur mit bestimmen, das können sie nicht. So wird es euch auch bald gehen. Achja, und Freizügigkeit gilt auch für die Schweiz und für Norwegen. Also habt ihr auf allen Fronten eigentlich nur verloren. Und möglicherweise steht ihr auch bald ohne Schottland und Nordirland.
Alleine gestanden haben wir schon oft, sogar gegen den ganzen Kontinent. Wir sind immer staerker daraus hervorgegangen.
Die Beteiligung Norwegens an EEA cohesion sind laut einer norwegischen Ministerin "voluntary" also freiwillig.
Die Sache ist ganz einfach:
EU Staaten wollen ihre Produkte im UK verkaufen, manche haben sogar einen Handelsanteil von 15% mit dem UK.
Also wird man ganz schnell die Kadenz der Drohungen und Beleidigungen zurueckfahren muessen wenn man seinen betruegerischen Schrott weiter verkaufen will. Oder glaubt man wirklich schnell und einfach rund 1/5 seiner Autoproduktion oder 15% seines Exports irgendwo anders unterbringen zu koennen?

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Wertheo 24.06.2016, 11:35
142. Vergreisungssyndrom

Die Briten trifft als erstes europäisches Land, ein paar Jahre nach Japan, das Vergreisungssyndrom. Die Generation 55plus bestimmt mit satten Mehrheiten die Zukunft eines Landes, an dessen Zukunft sie eigentlich nicht denkt. Zitat: "In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen sprachen sich 53 Prozent der Befragten dafür aus, dass Großbritannien in der EU bleibt, 29 Prozent waren dagegen." Letzte Woche.
Ähnliches ist in Deutschland bei Großprojekten wie Stuttgart 21 zu beobachten. Die Rentner bestimmen die Demonstrationen dagegen, nicht die Jungen. Ähnliche Verteilung - Zustimmung satt bei den 18-30-Jährigen. Aufpassen! Gefährlicher, biologisch determinierter Trend.

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jotha58 24.06.2016, 11:37
143. schade

aber es war absehbar.

Für mich stellt sich eher die Frage, ob es wirklich gut ist, das man bei solch wichtigen Fragen tatsächlich eine Volksbefragung zu lassen darf.
Ich bin ohnehin kein großer Freund der Volksbefragung.
Zum einem, wer kann für sich behaupten, zu einem staatsübergreifenden Thema genügend Hintergrundwissen zu besitzen?
Zum anderen, es wird häufig von einer überwältigenden Mehrheit gesprochen und das Volksbefragungen so grundsatzdemokratisch sind.
Sind sie eben nicht!
In GB sind gerade knapp 48% der Wähler um ihre Stimme betrogen wurden.
Dann gibt es noch die 28% Nichtwähler und die Nichtwahlberechtigten.
Schlussendlich bestimmt nur ein sehr kleiner Teil der Briten die Zukunft von 65 Mio Briten bestimmt.
Was die Zukunft bringt wird leider erst die Zukunft zeigen.

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axcoatl 24.06.2016, 11:39
144. Na, Klasse - Ballermann gehört bald zu 100% den Deutschen

Denn die Engländer brauchen ja bald ein Visum, um in die EU zu reisen. Spätestens dann wird der finanziell eher schlechtergestellte Brite merken, dass er nicht mal schnell nach Griechenland, Italien, Frankreich Portugal oder Spanien fliegen kann. Dann bleibt eigentlich nur noch die türkische Riviera für Billigreisen.Ob ihnen das vorher bewusst war? ;-)

Wenn es nicht so traurig wäre.... man könnte das als Satire sehen.

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sibbi78 24.06.2016, 11:39
145. Man überlege sich allerdings einmal

was geschehen würde, wenn das Abstimmungsergebnis genau umgekehrt ausgegangen wäre:
Die Brexit-Befürworter würden sofort die Rechtmäßigkeit der Wahl anfechten, das Land wäre immer noch gespaltenes EU-Mitglied, was für zusätzliche Unruhe in den verbliebenen EU-Ländern sorgen dürfte und für alles Negative würde auch weiterhin die EU verantwortlich gemacht.
Da die Engländer immer einen Plan B haben, wird wohl in Zukunft mit verstärkten Wetten gegen den EURO aus UK zu rechnen sein. Außerdem wird London wohl die skandinavischen und osteuropäischen Länder zu einem Austritt aus der EU und evtl. einem Freihandelsverbund mit Großbritannien überzeugen wollen.
Als Speerspitze der USA sehen sich die Briten ja ohnehin, das Commenwealth soll auch wieder "aufleben" - wenn sich die Briten da mal nicht irren...

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Hatch 24.06.2016, 11:41
146.

Zitat von themistokles
Aber die Verhältnisse in und vor Gibraltar und am Kanaltunnel haben Sie schon mitbekommen, oder? Die Einwandungswelle aufgrund des Commenwealth und den damit verbundenen Familiennachzug auch, der?
und was interessiert das die Leute auf der Insel ?

Ohne die EU hätten die Briten ja auch wieder die Möglichkeit eigene Gesetzte bzgl. der Flüchtlinge zu erlassen und diese auszuweisen. Ob das fair oder richtig ist sei mal dahingestellt.

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Mr.Arbogast 24.06.2016, 11:41
147. thedoctor46

Wie gesagt, ich halte eine Verkürzung bei der Frage, wer warum für den Brexit gestimmt hat, für fatal. Es geht hier nicht um die Wahl einer rechtspopulistischen Partei, sondern um eine Frage zur Mitgliedschaft in der EU. Und auch wenn diese Frage von Rechtspopulisten für sich vereinnahmt und instrumentalisiert worden ist, darf man sie nicht darauf beschränken.
Es gibt eine große Unzufriedenheit mit der EU, wie sie sich im Jetzt-Zustand darstellt. Es gibt wenige, die sie lieben. Aber es gibt viele, die sie als alternativlos betrachten. Und pragmatisch betrachtet, ist sie das wohl auch. (Der Pragmatismus selbst ist aber eben nicht alternativlos!) So ist nicht nur das Lager der Brexit-Befürworter und -Gegner gespalten, sondern auch das derjenigen, die die EU in der heutigen Ausprägung kritisieren. Denn man kann sich ja durchaus drängend eine andere, eine bessere EU wünschen und gleichzeitig die jetzige als das kleinere Übel betrachten. Deswegen ist man noch lange kein EU-Anhänger. Aber eben auch kein Brexit-Befürworter. Auf der anderen Seite kann man auch gegen Nationalismus und Isolationismus sein und gleichzeitig die EU, wie sie sich heute darstellt, leidenschaftlich ablehnen - WEIL man sich eine bessere wünscht, die es aber ohne äußeren Druck niemals geben wird. Darum mein Plädoyer gegen simple Schlussfolgerungen. Der Brexit kann sich auch als Chance erweisen. Wenn man die richtigen Konsequenzen zieht. Bin ich, was das angeht, hoffnungsfroh? Natürlich nicht.
Aber die einfache Rechnung: ungebildetes, rohes Pack = Brexit; akademisches, kultiviertes Bürgertum = Pro-EU trifft wohl kaum zu, schon gar nicht was die Be- und Abwertung angeht. Und das schreibe ich als entschiedener Gegner aller rechtspopulistischen Bewegungen!

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Hans Neumann 24.06.2016, 11:43
148.

Es wird das Stichwort "verführt worden" für die Anhänger des Brexit verwendet. Das halte ich für unklug, weil man sich damit um Frage nach den Entscheidungsgründen herummogelt.

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r.muck 24.06.2016, 11:43
149. Goodbye United Kingdom

Das Wahlergebnis in Schottland, 62% remain, leitet den Zerfall des Vereinigten Königreiches ein.

Die Schotten werden nochmal über die Unabhängigkeit abstimmen. War es am 18.9.2014 noch eine knappe Mehrheit die für den Verbleib im Vereinigten Königreich stimmten, wird sich nun die Mehrheit gegen United Kingdom und für die EU aussprechen.

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