Forum: Politik
Britische Ukip-Rechtspopulisten: Die Abgehängten
imago/ ZUMA Press

Ihr Vorstoß ins Labour-Land ist gescheitert: Nach der Wahlpleite in Mittelengland verzettelt sich Ukip in Streitereien, der Parteichef taucht tagelang ab - naht das Ende der britischen Rechten?

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scoopx 03.03.2017, 19:21
10. Rechtspopulismus zum letzten.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit fasse ich nochmal zusammen, was ich seit gut einem Jahr über den Rechtspopulismus geschrieben habe:

Der Rechtspopulismus ist eine Bewegung alter Knacker ohne Saft und Kraft. Er ist eine Koalition von Angsthasen.

Er hat nicht die Energie und den Enthusiasmus der Jugend. Er ist eine Bewegung alter Männer, die nicht daran denken, sich unterzuordnen, sondern im Gegenteil Forderungen stellen. Und natürlich hat er auch keine Massenorganisationen. Er hat an sich auch nichts, was ihn als Bewegung zusammenhält, sondern besteht im wesentlichen aus Wankelmut, Nörgelei und diffuser Unzufriedenheit.

Markt und Wettbewerb haben die ökonomische Basis seiner Wähler angegriffen, und die Unzufriedenheit mit der neoliberalen Wirtschaftsordnung ist der Grund für seinen Erfolg. Der Rechtspopulismus wird die alten Konservativen hinwegfegen und kurz darauf selber untergehen, weil er den Kampf gegen die globale Plutokratie nicht gewinnen kann.

Dem Rechtspopulismus ganz allgemein fehlen die drei Hauptstützen des traditionellen Konservatismus: Klerus, Militär, Nationalbürgertum.
Bekanntlich versucht der Klerus seit Jahrzehnten, sich sozusagen links-alternativ anzubiedern, weil er glaubt, auf diese Weise dem religiösen Glauben wieder Bedeutung verleihen zu können über das Private hinaus. Das Jahr 1968 hat dem Klerus die Macht über die Sitte genommen, und danach ist er sozusagen "zum Feind übergelaufen". Das Militär war einmal die "Schule der Nation", es sollte, auch geistig, die Jugend formen. Auch damit hat 1968 aufgeräumt. Außerdem ist das Offizierskorps gewissermaßen "technokratisch zermürbt": die Anpassung an immer komplexere Waffentechnik und die immer höheren Kosten dieser Technik absorbieren seine gesamte Energie. Seit Jahrzehnten hat sich in Europa kein hoher Offizier mehr auch nur politisch geäußert. Das Großbürgertum schließlich ist seit langem "kosmopolitisch". Nationalismus ist geradezu ein Unterschichten-Phänomen geworden.

Ansonsten ist der Rechtpopulismus bestimmt zu 80% ein Medienereignis und eine Scheinbewegung. Er findet als politische Kraft einfach nicht statt. Er hat keinen eigenen Gestaltungswillen, keine Ziele und reagiert nur auf Stimmungen. Ein Nachrichtenboycott wäre gegen ihn das beste Mittel.

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.patou 03.03.2017, 19:29
11.

Es wäre ja zu wünschen, dass diese Partei sich zerlegt. Ich glaube aber noch nicht so richtig daran. Außerdem ist es jetzt, nach der Zustimmung zum Brexit, auch schon fast egal.

Was Nuttall in Stoke vermutlich in erster Linie um einen Sieg gebracht hat, sind seine offenkundigen charakterlichen Schwächen, d.h. die zahlreichen Lügen hinsichtlich seiner persönlichen Betroffenheit beim Hillsborough disaster oder bzgl. eines nicht existierenden Doktortitels. Ganz so unempfindlich wie die Anhänger Trumps scheint man in Großbritannien angesichts alternativer Fakten doch noch nicht zu sein.

Und Farage ist auf Carswell vor allem deshalb wütend, weil dieser Farages Wunsch von der Queen geadelt zu werden, mehr oder weniger öffentlich ins Lächerliche gezogen hat. Wenn es um die persönliche Eitelkeit geht, verstehen ja neuerdings einige Politiker keinerlei Spaß.

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haltetdendieb 03.03.2017, 19:34
12. Haha, träumt weiter! Die Ukip wird weiter ein Stachel im Fleisch der Etablierten bleiben

Acu wenn sie ihr Zeil genial erreicht hat! Wer war denn für den Brexit? Einzig und allein die Ukip! Und sie hat es erreicht. Ich beneide GB, das noch reichtzeitig den Absprung gefunden hat. Die EU ist am Ende, und am Ende wird Deutschland Alles bezahlen, so einfach ist die Gleichung. Es ist in England das Gleiche wie in Österreich, weil es die Ukip bzw. eine starke FPÖ gibt, rücken die Regierenden wieder in den Bereich der Vernunft, wird wieder Recht gesprochen. Eine starke Ukip wird einfach benötig, wie eine starke FPÖ. Den Rest erledigen die sogenannten Regierenden dann selbst!

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haltetdendieb 03.03.2017, 19:38
13. Dann haben Sie aber noch nicht Alexander ´Gauland gehört und gesehen

Zitat von scoopx
Aus Gründen der Übersichtlichkeit fasse ich nochmal zusammen, was ich seit gut einem Jahr über den Rechtspopulismus geschrieben habe: Der Rechtspopulismus ist eine Bewegung alter Knacker ohne Saft und Kraft. Er ist eine Koalition von Angsthasen.
Der hat mehr Saft und Kraft als viele 20Jährige! Man kann nicht so tun. als ob alle Älteren meschugge und dement wären. Im Gegenteil, die haben mehr Power als viele Jugendliche heutzutage! Diese Anbetung der Jugend entbehrt jeglicher Grundlage!

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horstschmitzberger 03.03.2017, 19:38
14. och, rassismus geht immer.......

das eigendliche Problem ist doch der getarnte Brexiteer im Labour Gewand. Corbyns indifferenter Kurs, sein lavieren zwischen internationaler Arbeitersolidarität und engstirnigen Nationalismus. Er zerreißt Labour, dikreditiert die Partei in Schottland, verspielt die Friedensdividende in Nord Irland und ist nicht in der Lage der größten Opositionspartei ein klares Profil zu geben, gegen den Brexit und die Toris oder Ukip. Traurig und damit leichtes Spiel für May und Farange, egal wi dumm die sich anstellen, in bald little England, former known as Great Britan.

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lupenreinerdemokrat 03.03.2017, 19:53
15. Der Brexit machts möglich,

dass die Rechtspopulisten in GB an Boden verlieren.
Wäre im übrigen in Deutschland bei einem Austritt aus der EU das gleiche. Die AfD würde in der Bedeutungslosigkeit versinken, weil keiner sich mehr genötigt sähe, diese Rechtspopulisten zu wählen.

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pulverkurt 03.03.2017, 20:04
16. Sehr gute Analyse!

Zitat von h.hass
Ist schon interessant, dass den Rechtspopulisten gerade überall die Puste auszugehen scheint. Es ist zu früh, um ihren endgültigen Niedergang zu beklatschen, aber von den früheren Triumphen sind diese Parteien und ihre seltsamen Führungsfiguren doch weit entfernt. Vor allem beherrschen sie nicht mehr durch Hetze und Hass den öffentlichen Diskurs. Statt dessen zerfleischen sich ihre Funktionsträger gegenseitig oder müssen sich der Justiz stellen. Die Strategie, durch dauernde Provokationen, Lügen und Halbwahrheiten im Gespräch zu bleiben und dumpfe Ressentiments zu bedienen, scheint sich abzunutzen. Und die dümmliche Propaganda, mit der seit Jahren die Internetforen und die Talkshows kontaminiert werden, dürfte vielen Leuten mitterweile auch auf die Nerven gehen. Meines Erachtens kam der "Erfolg" von Herrn Trump gerade rechtzeitig, um den europäischen Wutbürgern vor Augen zu führen, was konkret passiert, wenn man dumpfe Hassprediger wählt. Dann wird das Land von inkompetenten Chaoten regiert, die die Gesellschaft spalten und sich gründlich lächerlich machen. Man kann nur hoffen, dass die westeuropäischen Rechtspopulisten sich immer weiter marginalisieren. Sollte tatsächtlich ein Abwärtstrend eingesetzt haben, dürfte dieser unumkehrbar sein. Dann springen die karrieregeilen Sektierer und Aluhutträger, die auf ein gut dotiertes Mandat gehofft hatten, reihenweise ab und verkriechen sich wieder in ihren Löchern.
@h.hass: Sehr lesenswerte Analyse! Ich würde noch gerne ein generelles Problem von Rechtsaussen hinzufügen: Die meisten dieser Leute haben (naturgemäß) ein Problem damit, Konflikte zivilisiert und mit gegenseitigem Respekt auszutragen. Dasselbe Verhalten, das sie in für sie florierenden Zeiten gegenüber vermeintlichen Sündenböcken an den Tag legen, zeigen sie unter ihresgleichen sobald Widerstände aufkommen. Dann beginnt das Hauen und Stechen. Unter bzw. zwischen Rechtsaussen gibt es niemals auf lange Zeit stabile, friedliche Zustände. Man kann immer nur hoffen, dass die unvermeintliche Auflösung solcher Bewegungen geschieht, bevor sie an die Macht kommen und durch Machtmißbrauch unermeßlichen Schaden und Leid anrichten. Bzw. wenn es dann tatsächlich passiert ist (so wie gerade in den USA), dass das jeweilige demokratische System robust genug ist, diese Bewegungen bis zur nächsten Wahl auszuhalten, bevor es mit seinen eigenen Mitteln (so wie bei der Machübernahme der Nationalsozialisten 1933) abgeschafft wird.

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multi_io 03.03.2017, 20:08
17.

Farage redet über den Brexit und sonst nix. Immer schon, vor und nach der Abstimmung. Der ist ein Ein-Themen-Parteichef. Ein One Trick Pony. Dass der Brexit tatsächlich gesiegt hat, ist paradoxerweise das Unglück von UKIP. Die hätten es lieber gehabt, bei der Abstimmung knapp zu verlieren. Farage selbst hat am Wahlabend damals, kurz nachdem die Wahllokale geschlossen waren, aber bevor die ersten Zahlen reinkamen, in mehrere Fernsehkameras "remain may have edged it" geirrlichtert -- das ist symptomatisch. Der hat gesagt, was erwartet und GEHOFFT hat. Wenn Remain gewonnen hätte, hätte UKIP jahrzehntelang weiter gegen den "Ausverkauf" GBs an die EU wettern können. So aber sind sie auf dem falschen Fuß erwischt worden -- und dazu verdammt, über ihren "Erfolg" zu reden. Es gibt praktisch kein Interview von Farage, das den Brexit nicht erwähnt. Selbst wenn er über irgendwas ganz anderes sprechen soll, kriegt er die Kurve zum Brexit, jedes Gesprächsthema wird bezugnehmend auf den Brexit verwurschtelt. Fragt sich nur, wie lange die Nummer noch zieht.

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scoopx 03.03.2017, 20:27
18. Gerade Gauland!

Zitat von haltetdendieb
Der hat mehr Saft und Kraft als viele 20Jährige! Man kann nicht so tun. als ob alle Älteren meschugge und dement wären. Im Gegenteil, die haben mehr Power als viele Jugendliche heutzutage! Diese Anbetung der Jugend entbehrt jeglicher Grundlage!
Ich hab' mal ein Interview gelesen mit ihm, ich glaube, in der "Zeit", und war erschrocken über seine gedankliche Schwäche.

In meinem Beitrag wollte ich auch nicht die Jugend glorifizieren sondern den Unterschied zum Faschismus herausstellen. Dieser war geradezu eine Jugendbewegung, sowohl in Italien als auch in Deutschland. Nur junge Leute können einen Liedtext singen wie "Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem großen Krieg."

Bei Gauland würde das leicht lächerlich wirken. Er hat ja selber morsche Knochen.

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Liberalitärer 03.03.2017, 20:49
19. Peinlichkeiten

Zitat von multi_io
...Wenn Remain gewonnen hätte, hätte UKIP jahrzehntelang weiter gegen den "Ausverkauf" GBs an die EU wettern können. So aber sind sie auf dem falschen Fuß erwischt worden -- und dazu verdammt, über ihren "Erfolg" zu reden. Es gibt praktisch kein Interview von Farage, das den Brexit nicht erwähnt. Selbst wenn er über irgendwas ganz anderes sprechen soll, kriegt er die Kurve zum Brexit, jedes Gesprächsthema wird bezugnehmend auf den Brexit verwurschtelt. Fragt sich nur, wie lange die Nummer noch zieht.
Anfügen möchte ich, dass ein knapper Sieg von Remain die Tory Partei zerrissen hätte. Nebenbei war ein Referendum nicht zu verhindern, jede Souveränitsabtretung hätte ein Referendum ausgelöst. Und es hätte eine üble Dolchstoßlegende gegeben. Nebenbei sieht sich auch die Kommission jetzt zum Nachdenken genötigt, was nicht schlecht sein muss. Herr Farage hat sich zunehmend lächerlich gemacht. Das Anmelden des Botschafterpostens in den USA war peinlich und seine Nähe zu Russland auch nicht zu übersehen. Das kommt nicht so gut an. UKIPs Überlebenschancen stehen sehr schlecht. Farage ist ein guter Redner (das muss kein Qualitätsmerkmal sein, aber immerhin). Alles dahinter ist ausgesprochen schwach.

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