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Bürgerkrieg in Nordafrika: Erdogans riskante Libyen-Wette
REUTERS/Suhaib Salem

Die Türkei mischt aktiv im libyschen Bürgerkrieg mit: Präsident Recep Tayyip Erdogan stellt sich gegen Warlord Khalifa Haftar. Für Ankara steht dabei viel auf dem Spiel.

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motoko_kusanagi 10.07.2019, 08:58
1. Immerhin

hat SPON mal etwas detailierter berichtet über die geopolitische Situation in Libyen.
Aber dennoch recht unvollständig das Puzzle.
Wesentliches Stückchen fehlt, nämlich das ebenfalls Italien in diesem "Spiel" um Öl mitmischt - auf der selben Seite der anerkannten Regierung.
Dann fehlt das andere maßgebliche Stück, dass nämlich Frankreich exakt den Warlord Khalifa Haftar unterstützt - ebenfalls fürs Öl.
Damit stellt sich Frankreich nicht nur gegen die international anerkannte Regierung! Sondern auch gegen seine europäischen Verbündete.
Ich habe hier auf SPON schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Rolle von dem schmarten Macron mal genauer unter die Lupe genommen werden sollte. unser strahlender "Europäer" strahlt nämlich nicht, sondern verschleiert (mehr oder weniger) seine knallharten französischen Interessen.
Präsidente Imperial.

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mzlfifi 10.07.2019, 09:08
2. Hoffentlich nicht ! Siehe unten !

" Die Türkei will ihre Kontrolle über das östliche Mittelmeer und die dort vermuteten Öl- und Gasvorkommen ausbauen - dabei spielt Libyen eine Schlüsselrolle. "

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peterpeterweise 10.07.2019, 09:09
3. Staaten haben keine Freunde - sondern Interessen

Alle in Libyen beteiligten Staaten handeln entsprechend ihrer langfristigen Interessen. Ob Macht und Einfluss, Erdöl, politische Verbündete, es geht darum das zu erreichen, was für das eigene Land am besten ist. Was wäre das deutsche Interesse in Libyen? Verhindern dass Menschen aus den Ländern südlich der Sahara sich von Libyen aus mit Hilfe von Schleppern in Richtung Europa begeben. Wenn sie dabei umkommen ist es ein tragischer Verlust von Menschenleben. Wenn sie es schaffen werden die Schlepper und Kriegsherren damit reich, und können Libyen und Nordafrika weiter destabilisieren. Also sollte sich Deutschland ganz klar auf die Seite derer stellen, die mit aller Macht gegen die Schlepper vorgehen und dafür sorgen, dass keine Schlepperschiffe mehr aus den Hoheitsgewässern Libyens herauskommen. Damit würden wir helfen, dass weder Menschen ertrinken, noch die Schleppermafia ihre Gewinne scheffelt. Es wäre schön, wenn auch Deutschland sich seiner Interessen in Libyen bewusst würde.

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thequickeningishappening 10.07.2019, 09:21
4. Da verliert man leicht Die Uebersicht

Wer mit Wem gegen Wen Warum usw. ? Machtpolitik, Wirtschaftsinteressen und Religion ueberlappen sich vielfach. Man kann angesichts Der Gefahren Eines Flaechenbrandes in Der Region Eine Patt Situation schon fast begrüßen (wenn dann noch Die Waffen schweigen wuerden).

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Grandiot 10.07.2019, 09:22
5.

Bin ja mal sehr gespannt, ob die EU dem vermuteten Verstoß der Türkei gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen weitere Ermittlungen und ggf. Sanktionen folgen lassen wird. Allzu große Hoffnungen habe ich allerdings nicht, unterstützt Erdogan mit seinen Panzern doch die international anerkannte libysche Regierung und damit einen Freund des Westens. Auf diesem Wege sieht die EU ihren Mann in Libyen gestärkt, ohne sich selber die Finger schmutzig machen zu müssen. Dass dabei der nächste große Krach zwischen der Türkei und der NATO, diesmal auf libyschem Boden, nur einen Herzschlag entfernt ist, nimmt man vorerst in Kauf. Der Erdogan wird es in der Türkei wohl ohnehin nicht mehr lange machen, sein Nachfolger dürfte sich hoffentlich wieder etwas leichter handeln lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Putin weiterhin schön die Finger stillhält, sonst wird das ganze am Ende doch noch kompliziert...

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amun76 10.07.2019, 09:25
6. Die einzigen ...

die ein legitimes Recht haben sich einzumischen sind die Ägypter, denn Libyen grenzt an Ägypten. Es kann nur in ihrem Sinne sein, das der unterstützt wird der das Gebiet an Ägyptens westlicher Grenze beherrscht u dafür wird Ägypten alles tun ggf selbst aktiv eingreifen mit ihren Truppen. Ägypten ist militärisch DIE Macht im Nahen Osten. Neben einem Militärfughafen der durch die VAR u Ägypten bereits gebaut wurde, hat Ägypten dem General eingelagerte Mig‘s geschenkt u unterstützt sie mit den VAR bei Luftangriffen u Aufklärungsflügen ohne das wäre Haftar gar nicht in der Lage eine Offensive zu starten geschweige denn erfolgreich zu gestalten !!

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Beat Adler 10.07.2019, 09:36
7. Moechtegern-Starkes-Maennli sitz auf einem Scherbenhaufen zu Hause

Moechtegern-Starkes-Maennli sitz auf einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen zu Hause und benimmt sich im Ausland wie der grosse Macker, der mit seinen militaerischen Muskeln, dafuer ohne Wirtschaftskraft, herumfuchtelt und glaubt, dass er dabei Ernst genommen wird.

Erdogan kopiert Putin. Beides sind Verlierer, denn bei ihnen zu Hause machen die Leute immer weniger bei diesen Volksvermoegens veschwendenden Abenteurn mit.
mfG Beat

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whitewisent 10.07.2019, 09:39
8.

Der Artikel zeigt ein Dilemma deutlich. Obwohl die deutsche Außenpolitik der letzten 20 Jahre klar gescheitert ist, fehlt es Politikern wie Journalisten an Einsicht und Willen zur Selbstkritik. Stattdessen verteilt man immer noch oberlehrerhaft Schulnoten an andere Staaten. Selbst wenn wie hier Erdogan sich für eine gewählte und durch die EU anerkannte Regierung einsetzt, wird er kritisiert. Was meint man damit zu erreichen? Es gibt dort keine demokratischen Massenbewegungen, die man als vermeintlich "Gute" unterstützen kann. Im Gegensatz zu früher haben sich einige Machtblöcke entwickelt, mit denen Deutschland treffliche Geschäfte macht. Aber es sind immer Partnerschaften mit Autokraten, egal ob Türkei, Iran oder Saudi Arabien. Selbst die vermeintlich besten Verbündeten in Marokko und Jordanien sind autokratische Herscher und Despoten. Die man aber scheinbar nur kritisiert, wenn es um Minderheitenrechte und Gleichberechtigung geht, was Nichts kostet.

Poltische Stabilität und wirtschaftlicher Wohlstand sind die Basis jedes Friedens. Und wenn man immer noch nicht auf die Stammesstrukturen in Libyen eingehen will, und den damit verbundenen Ansprüchen auf Rohstoffquellen, grenzt man die naheliegenste Lösung auf. Die EU sollte aufhören, die postkolonialen Grenzen als unantastbar und Basis jedes Friedens zu sehen. Denn so bekommt am Ende der Sieger Alles, und es gibt immer jede Menge verlierer. Die Küste bis Bengasi gehört historisch eindeutig zum ägyptischen Kulturkreis, während Libyen aber vom Tripolis und Misurata im Westen regiert wurde. Zumindest die Anerkennung dieses Unterschieds wäre nötig, um Lösungen zu finden. Und wenn jedes dieser Gebilde Schutzmächte hat, die gemeinsam in der NATO sind, wären militärische Konflikte eher zu beenden, als dieser Stellvertreterkrieg, den kaum jemand klar definiert und verurteilt, obwohl er für viele Probleme verantwortlich ist.

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bran_winterfell 10.07.2019, 09:40
9. unvollständiges Bild

Man hätte -neben Italien und Frankreich - auch ruhig Russland mal erwähnen können, welches sich auf die Seite von Haftar schlägt und Militärtechnik zur Verfügung stellt (u.a. Flugabwehrsysteme).. Tja, wenn man selbst gewisse Interessen vertritt, ist es anscheinend ganz ok, Rebellengruppen gegen die international anerkannte Rechnung zu unterstützen, was in anderen Fällen (Venezuela) ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht wäre. Jedenfalls ist das Verhältnis Türkei/Russland bzw Putin/Erdogan äußert interessant (Libyen, Syrien, S400 etc.). Für Erdogan ist die Türkei die "naturliche" bestimmende Kraft in dieser Region und die Russen dort eher unerwünscht. Ohne einen Ausgleich zwischen diesen beiden wird es keinen Frieden in der Region geben können.

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