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CDU-Politiker Heilmann: Warum ich als Konservativer für die Ehe für alle bin
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In der Union ist die gleichgeschlechtliche Ehe hoch umstritten. Der Berliner CDU-Politiker Thomas Heilmann unterstützt das Vorhaben - und fordert die Gegner in seiner Partei zum Umdenken auf.

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hbeier 29.06.2017, 13:43
20. Danke

Herr Heilmann. Ich begrüsse es, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, diese großartige Zusammenfassung zu schreiben. Es ist in einer richtigen Demokratie kein Nachteil, wenn eine Position lange und schwer erkämpft wird. Leider werden hier nicht alle zufrieden gestellt, es gab keinen Kompromiss, sondern eine Entscheidung aus wahltaktischen Gründen verknüpft mit einem Koalitionsbruch und Druck durch Eile. Das Ergebnis wird unter diesen Umständen an Ansehen leiden. Ich persönlich bin der Ansicht, dass alle Privilegien einer Ehe, ausser Adoption schon vorher gegeben waren und es gereicht hätte die fehlenden Zugeständnisse zu machen. Der Begriff Ehe allerdings wird durch die Entscheidung in seiner Bedeutung beschädigt bzw. absurd. Begrifflich ist eine Ehe etwas Einzigartiges und hätte nicht aufgegeben werden müssen/sollen.

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elli1965 29.06.2017, 13:43
21. Zeiten ändern sich

Leider gibt es immer Menschen, denen Schwule und Lesben nicht ins Weltbild passt. Vermutlich trifft man diese eher bei den Konservativen als bei den Progressiven oder Liberalen. Wer die Ehe nur als eine Verbindung zwischen Mann und Frau mit der Aufgabe zum Kinder zeugen sieht, der kann diese Sicht nur aus der religiösen Überzeugung begründen. Auch das Adoptionsverbot durch gleichgeschlechtliche Paare ist letztlich durch religöse Überzeugung bedingt. Da steckt immer noch der dumpfe Glaube einer "Sünde" dahinter. Zeit, dass dies sich ändert.

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markniss 29.06.2017, 13:45
22. Widerspruch!

Zitat von petrapanther
Im Moment sprechen wir über die Ehe für Homosexuelle. Über die Vielehe (und jede andere Form der Eheschliessung, die Ihnen sonst noch einfallen mag) können wir gern ein andermal diskutieren. Denn diese Dinge haben nichts miteinander zu tun! Die Ehe für homosexuelle Paare zu öffnen impliziert eben NICHT, dass man sie dann auch für Polygamisten, Pädophile, Schäferhundfetischisten und was-weiss-ich-noch öffenen muss. Diese Form des logischen Fehlschlusses hat sogar einen Namen: https://de.wikipedia.org/wiki/Dammbruchargument Es wird immer gern verwendet, wenn Leute sonst keine Argumente haben.
Ich würde selbst zwar wahrscheinlich nie heiraten, aber ich bin liberal genug, um nicht dagegen zu sein. Meiner Meinung nach ist die Ehe aber letztlich nichts als ein privatrechtlicher Vertrag zwischen Erwachsenen. Mir war und ist nie klar gewesen, warum ein "besonderer Schutz" des Grundgesetzes ausgerechnet für diesen freiwilligen privaten Vertrag besteht (inklusiver steuerlicher Vorteile, die ich völlig ungerechtfertigt finde!). Dieser "besondere Schutz" kann nur Bibel-basiert sein, was überholt ist. Deshalb sehe ich das so: Wenn man die Ehe modernisieren will, dann sollte man sie für jede Form von Ehe zwischen Erwachsenen öffnen. Wenn sechs oder acht Menschen gemeinsam eine Ehe führen und das vertraglich festlegen wollen, welches ernsthafte Argument kann es in einem modernden, freien Land dagegen geben? Gibt es doch Argumente, dann dürften die recht mittelalterlich anmuten.

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NightToOblivion 29.06.2017, 13:46
23. Ein Konservativer

Ein Konservativer der für die gleichgeschlechtliche Ehe eintritt und Rosa Luxemburg zitiert.
Jetzt hab ich alles gesehen. :-D

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zeichenkette 29.06.2017, 13:48
24.

Zitat von RustinCohle
Es bleibt trotzdem die Frage, warum die Politik knapp 100 Tage vor der Bundestagswahl inmitten großer weltpolitischer Herausforderungen ein Thema zum Maß aller Dinge erhoben hat, das mit der Lebenswirklichkeit der allermeisten Deutschen nichts zu tun hat. Mit dieser Hauruck-Entscheidung wurde die "Ehe für alle" auf nichts mehr als einen weiterer Schritt auf dem Weg in eine Sammelsuriumgesellschaft reduziert, in der ein Ja zu grenzenloser Toleranz allem und jedem gegenüber den letzten verbindlichen Wert darstellt. Diese Toleranz wird allerdings schon jetzt mit einer solchen Schärfe und Intoleranz eingefordert, dass jemandem, der in manchen Sachen noch traditioneller denkt, Angst und Bange werden kann.
"Es bleibt trotzdem die Frage, warum die Politik knapp 100 Tage vor der Bundestagswahl inmitten großer weltpolitischer Herausforderungen ein Thema zum Maß aller Dinge erhoben hat, das mit der Lebenswirklichkeit der allermeisten Deutschen nichts zu tun hat. " -- Das hat nicht "die Politik" getan, das haben ausschließlich diejenigen getan, die sich seit langem mit Händen und Füßen dagegen wehren, obwohl es doch mit ihrer Lebenswirklichkeit nichts zu tun hat (da sie ja in der Regel nicht homosexuell sind). Genau deshalb sollten wir das jetzt einfach möglichst schnell hinter uns bringen, damit wir uns wichtigeren Themen zuwenden können. Dann muss man darüber nämlich nicht mehr reden. Nach den letzten Umfragen sind 83% der Bevölkerung dafür, bei der Ehe keinen Unterschied zwischen Hetero- und Homosexuellen zu machen. Es sind die restlichen 17%, die hier meinen, daraus einen Riesenproblem machen zu müssen, obwohl sie überhaupt nicht betroffen sind.

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jojack 29.06.2017, 13:48
25. Auch mal eine Gegenmeinung?

Veröffentlicht der Spiegel eigentlich auch einmal eine Gegenmeinung zu dem Thema?

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stoffi 29.06.2017, 13:51
26.

Zitat von elli1965
Leider gibt es immer Menschen, denen Schwule und Lesben nicht ins Weltbild passt. Vermutlich trifft man diese eher bei den Konservativen als bei den Progressiven oder Liberalen. Wer die Ehe nur als eine Verbindung zwischen Mann und Frau mit der Aufgabe zum Kinder zeugen sieht, der kann diese Sicht nur aus der religiösen Überzeugung begründen. Auch das Adoptionsverbot durch gleichgeschlechtliche Paare ist letztlich durch religöse Überzeugung bedingt. Da steckt immer noch der dumpfe Glaube einer "Sünde" dahinter. Zeit, dass dies sich ändert.
Aber auch die Steuervorteile für Paare ohne Kinder müssten wegfallen. Ich denke, dann lässt der Wille zum heiraten rapide nach.

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Phleon 29.06.2017, 13:53
27. Super!

Vielen dank für diesen tollen Beitrag.

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Realist111 29.06.2017, 13:54
28. Mit meiner Frage wandte ich mich ...

Zitat von petrapanther
Im Moment sprechen wir über die Ehe für Homosexuelle. Über die Vielehe (und jede andere Form der Eheschliessung, die Ihnen sonst noch einfallen mag) können wir gern ein andermal diskutieren. Denn diese Dinge haben nichts miteinander zu tun! Die Ehe für homosexuelle Paare zu öffnen impliziert eben NICHT, dass man sie dann auch für Polygamisten, Pädophile, Schäferhundfetischisten und was-weiss-ich-noch öffenen muss. Diese Form des logischen Fehlschlusses hat sogar einen Namen: https://de.wikipedia.org/wiki/Dammbruchargument Es wird immer gern verwendet, wenn Leute sonst keine Argumente haben.
... an Herrn Heilmann. Und er spricht nicht (nur) die Ehe für Homosexuelle an. Allein beim Lesen seiner Überschrift könnte Ihnen das auffallen:
"Warum ich als Konservativer für die Ehe für alle bin"

Wenn Sie hier eine Einengung vornehmen wollen und großzügig anbieten, über die Ehe für alle gern ein andermal diskutieren zu wollen, steht Ihnen das frei. Es wird allerdings nach meiner festen Überzeugung über kurz oder lang darauf hinaus laufen, dass Gerichte zu klären haben werden, ob nun nicht andere Formen von Partnerschaften diskriminiert werden - nämlich die, die Sie jetzt als nächste offensichtlich gerne ausschließen möchten.
Übrigens: Dass wir schon jetzt Vielehen in gewissen Kulturkreisen in D haben, dürfte Ihnen nicht entgangen sein - sie bräuchten in einem nächsten Schritt nur noch legalisiert und damit für alle geöffnet zu werden.

Btw: Dass das Dammbruchargument eine Form des logischen Fehlschlusses ist, ist wohl Ihre exklusive Interpretation ...

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Metternich 29.06.2017, 13:54
29. Die Ehe.

Ganz wertfrei festgestellt: Mit der Ehe für alle stirbt eines der ältesten Rituale der Menschheit, die Hochzeit zwischen Mann und Frau als einzigartiges, konstitutiv- gesellschaftliches Ereignis. Diese traditionelle Feier der Familiengründung ist jetzt obsolet. Die Familie als Keimzelle menschlicher Gesellschaften wird abgelöst durch frei wählbare Beziehungskonstellationen als "Ehe für alle". Die Kulturgeschichte schließt ein Jahrtausende altes Kapitel, das sich in allen Sparten der Künste und in zahllosen Artefakten widerspiegelt. Das kulturübergreifend-Heilige der alten Ehe einerseits im Sinne von etwas Überzeitlich-Immateriellem, andererseits im Sinne einer Wiederholung des Schöpfungsaktes löst sich auf. Das Transzendentale der Verbindung zwischen Mann und Frau wird von einer historisch-materialistischen Betrachtungsweise neutralisiert.

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