Forum: Politik
CDU und Kirche: Den Katholiken geht das politische Personal aus
AP

Kanzlerin und Präsident: beides Protestanten. Die Abkehr vom rheinischen Katholizismus, die sich in diesen Spitzenpositionen spiegelt, ist dabei paradoxerweise eine Folge der Säkularisierung. Evangelische Politiker kommen besser an beim Wähler - weil sie nicht von der Kirche her denken.

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h.hass 12.03.2012, 15:12
90.

Zitat von Olaf
Ja, und mit einem Wirtschaftswunder. Die katholisch geprägten Bundesländer gehören bis heute zu den wirtschaftlich erfolgreichsten. Das gehört auch dazu.
Das tiefkatholische Bayern hat doch jahrzehntelang Kohle aus dem Länderfinanzausgleich bekommen, weil es wirtschaftlich hinterherhinkte. Das hätte bei soviel tiefempfundenem Katholizismus ja 'ne prosperierende Region sein müssen.

Wie sieht's mit, sagen wir, Sizilien aus? Ein zutiefst katholischer, bettelarmer Landstrich? Mit Irland? 90 % Katholiken, bis in die 90er Jahre wirtschaftlich total unterentwickelt und vor ein paar Jahren quasi pleitegegangen.

Der Mythos "Katholiken wirtschaften besser" dürfte keiner tiefergehenden Untersuchung standhalten. Kann sein, dass sie in ganz bestimmten historisch/politischen Konstellationen gut wirtschaften - aber in anderen Konstellationen wiederum sehr schlecht.

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incognito@spon 12.03.2012, 21:24
91. Tradition vs. Moderne

Das Zurückdrängen des politischen Katholizismus ist erst einmal einigen Errungenschaften der Moderne zuzuschreiben. So haben Wohlstand, moderne Kommunikationsformen, Demokratie sowie nicht zuletzt moderne Verhütungsmittel ein neues Bewußtsein der Selbstbestimmtheit geschaffen.

Schließlich ist die Zahl der ernsthaft Gläubigen ja nicht zurückgegangen. Besucherrekorde auf Kirchen- und Katholikentagen zeugen ja immer noch für reges Interesse an religiösen Themen. Aber inzwischen geht halt die schweigende Mehrheit nicht mehr so oft in die Kirche, nur "weil man es so tut". Und das ist gut so. Bis in die 60er Jahre wachte in ländlicen Gebieten ein Landvogt, also ein Kirchenvertreter über den Kirchenbesuch der Bürger und stellte unliebsame Fragen, wenn dem nicht so war. Und züchtigte Kinder, die in der Schule nicht folgsam war. Ich meine das wollen die wenigsten zurück.

Der Papst mag das "Zunahme der Beliebigkeit" nennen, für die Bürger ist es mehr Freiheit und Demokratie.

Den politischen Katholizismus zeichnet aber vor allem ein Phänomen aus, welches im katholischen Familienbild und der familiären Fürsorge wurzelt: Dem Clandenken, in Köln auch "Klüngel" genannt. Daraus entsteht Vettern- und Günstlingswirtschaft, wie man es typischerweise aus katholischen Gesellschaften in Italien, Irland, Brasilien oder den Philippinen kennt. dieser religiös-ökonomische Komplex wird nur noch von muslimischen Gesellschaften übertroffen.

Von daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn die Katholiken in der CDU aussterben - von den Amigos in Bayern über die Atomfreunde in BW bis hin zum Wulff-Clan in Hannover. Wenn die wirtschaftliche Effizienz solcher Seilschaften nachläßt, verlieren diese in einer Wettbewerbsgesellschaft ihre Effizienz.

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