Forum: Politik
Chancen der Flüchtlingskrise: Tschüs, altes Deutschland!
AFP

Krisen, Kriege, Konflikte: Mit dem Chaos in direkter Nachbarschaft wandelt sich Deutschlands Rolle in der Welt. Egal ob Zuwanderung oder Eurokrise - wir müssen neue Wege gehen.

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Whitejack 04.09.2015, 14:23
80.

Zitat von japhet
Und das hat auch damit zu tun, dass "soziale Gerechtigkeit" eben doch nicht ausreicht, ein Gemeinwesen zusammenzuhalten. Gesellschaften werden von gemeinsamen Regeln, von gemeinsamen Werten zusammengehalten.
Das ist eine der klassischen Selbsttäuschungen moderner Gesellschaften. Nur autoritär regierte, gleichgeschaltete Gesellschaften haben "gemeinsame Werte".

Aber welche gemeinsamen Werte haben denn ein Pegida-Demonstrant und ein Antifa-Aktivist? Welche gemeinsamen Werte haben ein Geschäftsführer einer Großfirma und ein Obdachloser? Welche gemeinsamen Werte haben eine atheistische Karrierefrau und eine streng religiöse Hausfrau und Mutter dreier Kinder?

Und wer von denen hat das Recht, den Stempel "echte deutsche Werte" zu führen?

Es gibt keine Leitkultur und keine homogene Gesellschaft mit gemeinsamen Werten. Diese Fantasie lebt davon, dass Linke wie Rechte im Inneren davon überzeugt sind, dass eigentlich jeder vernünftige Mensch so denken muss wie sie selbst. Aber es ist eine Fantasie, mehr nicht. Der gemeinsame Kitt, wenn überhaupt, ist das Grundgesetz. Vermutlich aber nicht einmal das, sondern nur die Akzeptanz des Gewaltmonopols des Staates und die Änderungsmöglichkeit durch demokratische Wahlen.

Und das soll so typisch deutsch sein, dass die Zuwanderer in dieser Bandbreite keinen Platz finden?

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jjcamera 04.09.2015, 14:24
81. Tschüs?

Als Deutscher, der zweifelt, ob das alles gut gehen kann, fühle ich mich von Politik und Presse ausgegrenzt. Die Grünen sind empört über mich und drücken mich an den rechten Rand, die Linken haben mich wegen meines guten Einkommens noch nie gemocht und die Regierung setzt auf ein Wunder (Ist ja immer noch gut gegangen) und nicht auf konkrete Zahlen und Fakten. Ist das vernünftige Politik oder pures Wunschdenken? Die Presse hält mich für ein unmenschliches Monster, weil ich zu denen gehöre, die rechnen: 200 000 in 2014, 800 000 in 2015, 2,4 Millionen in 2016, und wie viel in 2017...? Welche noch geheime Information spricht für eine Abnahme des Stroms? Eine Berliner Ausländerbeauftragte sagt im TV: 5 Millionen warten in den Lagern rund um Syrien auf ihre Ausreise. Frau Merkel sagt: "wir schaffen das". Die Menschen, die kommen, wollen nach Deutschland, nicht nach Ungarn oder Polen, Estland oder Finnland...
Ich bin in Sorge. Das ist heutzutage schon ein Verbrechen.
Vom alten Deutschland will ich mich nicht verabschieden. Schon gar nicht mit "Tschüs".

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elaps 04.09.2015, 14:30
82.

Eine wesentliche Aufgabe Deutschlands sehe ich in der diplomatischen und friedensorientierten Vermittlung in der Welt und der Wahrung moralisch-ethischer und humanistisch-sozialer Werte solange dies denn möglich ist und genau das imponiert vielen Menschen weltweit die von Krieg, US-amerikanischer Verlogenheit, anachronistischem Machogehabe a la Russland und dem Abschlachten im Namen Allahs restlos die Nase voll haben - wir sollten diese Rolle nicht leichtfertig aufgeben und dennoch selbstbewusst auftreten was die nationalen Belange zu denen auch ein Einwanderungsgesetz gehört anbetrifft!

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ChrisBlessing 04.09.2015, 14:34
83. Warum Tschüss altes Deutschland?

In ihrem Artikel befinden sich diverse Punkte, denen zu widersprechen ist.
Die Unterschiede der Einkommens- und Reichstumsverteilung nehmen in Europa (exklusive Russland) nicht zu, wie Sie behaupten (übrigens ohne Beweise dafür zu nennen) das Gegenteil ist der Fall. Noch nie waren diese Unterschiede in gut funktionierenden Demokratien so gering wie heute. Richtig ist dagegen, dass die Spannungen in Ländern mit starker Einwanderung, besonders solcher von Menschen anderer Kulturen/Religionen extrem zunehmen. Wieso sollte man also solche Einwanderung fördern? Nur Zuwanderung, egal welche, hat bisher noch nie etwas Gutes gebracht. Oder kennen Sie auch nur EIN Land auf dieser Welt, wo Multikulturalismus wirklich funktioniert? Das ist, wie Kommunismus, ein netter, aber gefährlicher Traum.
Wieso soll es "grober Unfug sein" sich aus Kriegen heraushalten zu wollen? Ich nenne das grosse Klugheit. Die Welt hat seit 1950 ihre Kriege ganz gut ohne deutschen Beitrag machen können. Am besten belässt man es doch wohl dabei. Sehen Sie sich das Beispiel Kanadas an: ein grosses Land, ein ziemlich friedliches und gut funktionierendes Land. Grösse muss nicht immer Einmischung in allen Mist, der auf dieser Welt produziert wird, heissen. Im Gegenteil.
Richtig ist, dass sich Deutschland, wie jedes andere Land auch, sehr stark für Friedensförderung einsetzen sollte, auf diplomatische Weise und mit den richtigen Anreizen (d.h. NICHT Geld im Giesskannenprinzip an alle und jede Diktatoren und KEINE WAFFENLIEFERUNGEN an Irgendwen). Nur wenn diese dummen, grausamen Kriege endlich aufhören, wird es keine Flüchtlinge mehr geben. Und nur in friedlichen Gesellschaften wird Reichtum für alle gefördert, statt grosser Reichtum für die Kriegsgauner und Waffenlieferanten und alle anderen versinken in Chaos und Armut.

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kalim.karemi 04.09.2015, 14:41
84. tschüß altes Deutschland, hahaha

ich und viele meiner Mitmenschen, finden dieses alte Deutschland aber extrem ok. Niemand hat gefragt, ob eine Veränderung überhaupt gewollt ist. Es wird ein Zustand herbeigeredet, der so nicht eintreffen wird. Was uns warum sollte in Zukunft besser werden, warum bedeutet massenhafter Zuzug eine Chance. Wer außer der üblichen Phrasendrescherei von der alternden Gesellschaft, der Chance für die Sozialsysteme und wunderbar ausgebildeten Migranten eine Erklärung hat die einleuchtet, bitte her damit.

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TBF 04.09.2015, 14:45
85.

Zitat von Whitejack
Das ist eine der klassischen Selbsttäuschungen moderner Gesellschaften. Nur autoritär regierte, gleichgeschaltete Gesellschaften haben "gemeinsame Werte". Aber welche gemeinsamen Werte haben denn ein Pegida-Demonstrant und ein Antifa-Aktivist? Welche gemeinsamen Werte haben ein Geschäftsführer einer.......
mehr als sie glauben haben die beiden gemeinsam.
beide sehen sich als vertreter einer demokratischen position. beide würden zusätzliche einnahmen eher in die altersvorsorge als in zusätzliche kinder investieren. beide akzeptieren (abgesehen von den äußersten radikalen) das recht auf eigentum und den schutz des inviduums durch den rechtsstaat.
DAS ist das Fundament der westlichen Gesellschaften, das einfach nicht wegzureden ist und in vielen Herkunftsstaaten der Flüchtlingen nicht vorhanden ist. Die "Zwiebel der Diktatur", wie sie mal ein prominenter Autor aus dem Nahen Osten nannte, die die gesellschaft bis ins tiefste vergiftet und eben nicht nur aus der Regierung und dem bösen Diktator besteht. Altersvorsorge durch Nachkommenschaft und Malthus Gesetz in Lebensgröße. Rechtsstaatliche Unsicherheit, Nicht-Respektieren der persönlichen Freiheitsrechte von Individuuen gerade Frauen.
All das sind ganz fundamentale Differenzen, die man nicht wegdiskutieren kann und entweder will man sie nicht sehen oder man überschätzt die Integrationsleistungsfähigkeit der westlichen Gesellschaften maßlos angesichts sinkender Geburtenrate, gesellschaftlicher Entfremdung und Desinteresse an Staat und Gesellschaft. Aber das werden alles nicht unsere Probleme sein. Vielleicht werden uns unsere Kinder verfluchen, vielleicht werden sie es nicht, weil sie es nicht anders kennen.
Die Welt selbst aber kann sich keinen Niedergang, nicht mal ein Luftholen, der westlichen Welt leisten.

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arkimethans 04.09.2015, 14:45
86.

Die jetzige Welle der Hilfsbereitschaft wird dem Gefühl von Überforderung weichen, wenn der Zustand länger andauert. Wie viele Millionen kann ein Land auf einmal aufnehmen? Wir werden es bald erfahren.
Eine sachliche Debatte kann man nicht mehr führen. Die Sachlage ist auch viel zu komplex. Gefährliche Meinungsanteile in der Bevölkerung blenden wir einfach aus und beenden die Diskussion einseitig. Dadurch schotten wir nur weiter ab. Das aber steigert den Druck im Kessel.

Ich glaube, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis uns alles um die Ohren fliegt. Die Flüchtlinge tragen daran keine Schuld. Sie haben einen guten Grund zu flüchten. Ich habe Mitleid mit den Menschen. Ich helfe, ich verteidige, ich höre zu. Aber ich denke auch an die Abgehängten in unserer Gesellschaft.

Die Weltwirtschaft schlittert auf eine neue Krise zu. Selbst die gewaltige Geldflut konnte die Wirtschaft nicht erfolgreich antreiben. Nur die Verteilung des Vermögens ist ungleicher geworden. Unser Land ist ein gutes Beispiel dafür.
An vielen Grenzen brennt es. Ich glaube, es steht ein großer Umbruch bevor. Eine Veränderung, die wir noch nicht wirklich begriffen haben. Vielleicht sogar ein Krieg.

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ruewe 04.09.2015, 14:47
87. Eben bei n-tv:

Steinmeier fürchtet Spaltung Europas, Herr Steinmeier: wäre das schön!

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fgordon 04.09.2015, 14:47
88.

"Norwegen zum Beispiel erwartet bis Ende dieses Jahres 12.000 Flüchtlinge, das ist angesichts von 5 Millionen Einwohnern eine noch größere Herausforderung als die unsrige."
?
Norwegen pro 416 Einwohner 1 Asylbewerber
Deutschland pro 100 Einwohmer 1 Asylbewerber
Was soll denn an Norwegen so toll sein dass die im Verhältnis zur Bevölkerung gerade mal 1/4 von dem aufnehmen was Deutschland macht?
Wenn die mit Deutschland gleichziehen wollten müssten die bei 5 Mio Einwohner 50.000 aufnehmen und nicht nur lächerlich wenige 2.000

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Whitejack 04.09.2015, 14:48
89.

Ich finde es befremdlich, dass von vielen Leuten hier suggeriert wird, die Frage, ob die Flüchtlinge hierher kommen, sei eine Frage der richtigen Parteienwahl (sprich: verkappte Wahlwerbung für AfD oder Parteien, die noch weiter rechts stehen).

Das ist in etwa so, als würde man versuchen, die Erdanziehungskraft durch Wahl der richtigen Partei außer Kraft zu setzen, oder als könnte man Pi = 3 im Grundgesetz verankern.

Die USA haben einen hohen Zaun zu Mexiko gebaut, an und wegen dem pro Jahr mehr Leute sterben als an der Berliner Mauer während ihrer gesamten Existenz gestorben sind. Trotzdem schaffen es jedes Jahr fast eine halbe Million Mexikaner in die USA, die große Mehrzahl illegal.

Europas Grenzen sind viel schwieriger zu kontrollieren und viel länger als die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Man müsste allein zigtausende Kilometer Küste und Strand einmauern, um die Flüchtlingsströme zu unterbinden. Und man müsste auf die Flüchtlinge schießen und sie zu Zehntausenden hinrichten, um irgendetwas zu bewirken. Man ahnt schon - die einzige Partei, die dies durchsetzen würde, ist seit 70 Jahren verboten.

Wer also nicht gerade darauf setzt, dass ein neuer Adolf es für ihn löst (und nebenbei das Land zugrunde richtet), der wird akzeptieren müssen, dass es hier gar keine Alternativen gibt. Wir können die Situation menschenwürdig abwickeln oder unwürdig. Wir können ein Klima des Willkommens schaffen oder ein Klima der Angst, in dem rechte Banden durch die Straßen ziehen und "aufräumen". Diese Wahl haben wir. Mehr nicht. Und in meinen Augen ist das keine wirkliche Wahl.

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