Forum: Politik
Chinesische Wanderarbeiter: Wer den Bauboom in Afrika vorantreibt
Heike Klovert/ SPIEGEL ONLINE

Chinesen ziehen in Afrika gigantische Bauwerke hoch, etwa das neue Nationalstadion in Addis Abeba. Xu Ding Qiang hat seine Familie zurückgelassen, um daran mitzubauen - in einem Land, dem er wenig abgewinnen kann.

Seite 1 von 3
login37 23.11.2019, 15:01
1.

Wenn China in Afrika neue Flughäfen, komplizierte Brückenbauten u.ä. hochzieht, ist das durchaus sinnvoll. Die Chinesen haben damit viel Erfahrung und dieses spezielle Knowhow ist in afrikanischen Ländern häufig nicht da. Wenn die Chinesen aber jede einzelne Straße im Land bauen, ist das desaströs. Das Knowhow ist auch im Land da. Die Chinesen bauen aber, weil die meisten afrikanischen Länder das Geld nicht haben und bei internationalen Instituionen nicht mehr kreditwürdig sind. Die Chinesen bezahlen den Straßenbau erst mal selbst und lassen die afrikanischen Ländern das abzahlen. grundsätzlich wird mit den Straßen auch Infrastruktur geschaffen, die für die Entwicklung des Landes wichtig ist. Wenn man sich das vor Ort anschaut, muss man sich bei einigen Straßen aber schon fragen, ob die nötig waren. Wenn da nur 3 Autos am Tag lang fahren, dann eher nicht...

Ansonsten sind die Chinesen als Arbeitgeber bei vielen Afrikanern verhasst. Viele Afrikaner äußern, dass die Chinesen sie als minderwertig und von oben herab behandeln. Rassismus eben. Die Chinesen zahlen in der Regel auch schlechter, als wenn Firmen aus dem Westen Bauaufträge ausführen. Bei je nach afrikanischem Land 15-95% formaler Arbeitslosigkeit* bleibt den Menschen aber keine Wahl. Man ist froh über jeden Cent, den man verdienen kann. Daneben erzählen Afrikaner, dass es sich bei den Chinesen häufig um Kriminelle handelt, die in China vor die Wahl gestellt wurden, entweder in den Knast zu gehen oder für einige Jahre zum Arbeiten nach Afrika. Da kann ich nicht beurteilen, ob das eine aus der Ablehnung heraus erfundene Erzählung ist oder ob das stimmt.

*Die extreme hohe formale Arbeitslosigkeit ist in der Praxis häufig nicht ganz so hoch (aber immer noch desaströs) weil viele im informellen Sektor arbeiten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schweizerbesserwisser 23.11.2019, 15:24
2. guter Artikel

Mal schauen ob die "Chinesen" in 50 Jahren noch in Afrika präsent sind.
Ich erinnere mich an die Zeit als in Uganda die "Inder" herausgeworfen wurden.
TIA

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Gwylim 23.11.2019, 15:29
3. Perspektiven

Zitat von login37
Wenn China in Afrika neue Flughäfen, komplizierte Brückenbauten u.ä. hochzieht, ist das durchaus sinnvoll. Die Chinesen haben damit viel Erfahrung und dieses spezielle Knowhow ist in afrikanischen Ländern häufig nicht da. Wenn die Chinesen aber jede einzelne Straße im Land bauen, ist das desaströs. Das Knowhow ist auch im Land da. Die Chinesen bauen aber, weil die meisten afrikanischen Länder das Geld nicht haben und bei internationalen Instituionen nicht mehr kreditwürdig sind. Die Chinesen bezahlen den Straßenbau erst mal selbst und lassen die afrikanischen Ländern das abzahlen. grundsätzlich wird mit den Straßen auch Infrastruktur geschaffen, die für die Entwicklung des Landes wichtig ist. Wenn man sich das vor Ort anschaut, muss man sich bei einigen Straßen aber schon fragen, ob die nötig waren. Wenn da nur 3 Autos am Tag lang fahren, dann eher nicht... Ansonsten sind die Chinesen als Arbeitgeber bei vielen Afrikanern verhasst. Viele Afrikaner äußern, dass die Chinesen sie als minderwertig und von oben herab behandeln. Rassismus eben. Die Chinesen zahlen in der Regel auch schlechter, als wenn Firmen aus dem Westen Bauaufträge ausführen. Bei je nach afrikanischem Land 15-95% formaler Arbeitslosigkeit* bleibt den Menschen aber keine Wahl. Man ist froh über jeden Cent, den man verdienen kann. Daneben erzählen Afrikaner, dass es sich bei den Chinesen häufig um Kriminelle handelt, die in China vor die Wahl gestellt wurden, entweder in den Knast zu gehen oder für einige Jahre zum Arbeiten nach Afrika. Da kann ich nicht beurteilen, ob das eine aus der Ablehnung heraus erfundene Erzählung ist oder ob das stimmt. *Die extreme hohe formale Arbeitslosigkeit ist in der Praxis häufig nicht ganz so hoch (aber immer noch desaströs) weil viele im informellen Sektor arbeiten.
Es gibt die von Ihnen angesprochenen Probleme ganz bestimmt, aber vom Ergebnis her würde ich trotzdem von einer Win-Win Situation reden:
1. Egal wie viele Afrikaner mitgearbeitet haben, es waren mehr als ohne diese Bauaufträge.
2. Die Länder haben ihre Straßen, Häfen, Stadien bekommen, die sie selber oder der Westen nicht bauen konnten oder wollten.
3. Den Rassismus gibt es leider überall wie wir gerade sehen. Lesen Sie mal den Artikel über den Rassismus in Südafrika den Menschen aus anderen afrikanischen Ländern gegenüber. In Äthiopien gibt es wie in dem Artikel angesprochen einen inneräthiopischen Rassismus der die Stabilität des Landes gefährdet. Die verschiedenen Volksgruppen in Äthiopien handeln gerade nicht solidarisch. Die Eigeninteressen mancher Volksgruppen gehen so weit, dass sie am liebsten das Land teilen würden...
4. Die westlichen Baufirmen sind nicht da, die Afrikaner die für Chinesen arbeiten, werden also ganz bestimmt mehr verdienen, als wenn die Chinesen nicht da wären und sie nichts verdienen würden.

Die Chinesen verhalten sich auf jeden Fall besser, als es die Europäer früher getan haben. Und wenn die Europäer jetzt pennen und keine neuen Wege der Zusammenarbeit mit den afrikanischen Staaten finden, jenseits von Korruption und Ausbeutung, dann ist dies ganz bestimmt nicht die Schuld der Chinesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sporer 23.11.2019, 15:43
4. Die Effizienz der Chinesen in Afrika ist zu bewundern

Ich kenne die Chinesen in Kamerun aus 15 jähriger Erfahrung. Ihre Effizienz ist einfach enorm. Sie bauen Strassen, Gebäude, Telekommunikationsinfrastruktur in kürzester Zeit, eröffnen als Privatpersonen Geschäfte und betreiben Handel. Sie sind sich nicht zu schade dort in einfachsten Verhältnissen zu leben. Der Direktor einer Baufirma den ich kannte lebte mit seinen Vorarbeitern in einer einfachen Siedlung in einem 20qm Zimmer, kochte sein Essen selber und wenn er ins Ministerium gerufen wurde nahm er seine Krawatte von einem Nagel an der Wand und fuhr selbst dorthin. Welch ein Unterschied zu den naiven deutschen Entwicklungshelfern die voll umfänglich gepampert werden damit sie Gender Gerechtigkeit oder sinnlose Öko Projekte vorantreiben die keiner braucht. Die Chinesen sind leistungsorientiert und verfolgen einen Deal: Infrastruktur gegen Rohstoffe. Und ja, ich finde das ist die einzige Möglichkeit wie man Afrika weiterbringen kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kepchen 23.11.2019, 15:43
5.

Was hier beschrieben wird entspricht ziemlich genau dem, wie auch deutsche Firmen ihre Baustellen leiten. Ich selbst war als Kaufman auf einer Baustelle in Nigeria, wo eigens ein Camp für die ausländischen expats gebaut wurde mit eigener Stromversorgung, deutschem Metzger und Bäcker, eigenem Sicherheitsdienst und regelmäßigen Bier Lieferungen aus Deutschland. Da hat man sich auch eher für die Arbeit und das Geld interessiert als für Land und Leute. Und ein deutsch-englisch-lokales Kauderwelsch war da ebenso angesagt. Es gehen nicht unbedingt die Feingeister aus jedem Land ins Ausland, um da auf einer Baustelle zu malochen. Sollte vielleicht in dem Artikel erwähnt werden, daß das beschriebene die Normalität im internationalen Großbaubereich ist..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
udo46 23.11.2019, 15:51
6.

China macht es genau richtig.
Das ist Entwicklungshilfe im besten Sinne des Wortes.
Da brauchen die Chinesen überhaupt keinen Druck auszuüben,
um irgendwelche angeblichen ideologischen Machtansprüche durchzusetzen.
Dass man dort gern mit Chinesen zusammenarbeitet, ergibt sich aus der Zielsetzung Chinas, für beide Seiten Vorteile zu schaffen, auf Augenhöhe zu kooperieren und nicht wie Kolonialherren aufzutreten.

Und wer glaubt, die westlichen Staaten würden sich in Afrika aus lauter Selbstlosigkeit engagieren,
der ist nur naiv. Das Gegenteil ist der Fall. Vor allem die USA mischen sich ständig in die inneren Angelegenheiten
anderer Staaten ein und versuchen, diese Staaten wirtschaftlich und politisch von sich abhängig zu machen, indem sie die reiche Elite der jeweiligen Staaten pampern und korrumpieren. Das kommt bei den meisten Menschen dieser Länder nicht gut an.
Man sieht es mittlerweile ganz deutlich in Lateinamerika.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kasob 23.11.2019, 15:55
7. Keine handwerklichen Fähigkeiten?

Männer die kaum handwerliche Fähigkeiten haben, bauen ein Stadion? Bei uns muss man 3 Jahre lernen für einen Beruf. Frage mich gerade in welchen Zustand das fertige Stadion ist. Das soll nicht überheblich klingen, aber ich würde mir von Ungelernten kein Haus bauen lassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
suplesse 23.11.2019, 15:55
8. Es ist moderner Kolonialismus

Es ist keine win win Situation, weil der Eigennutz der Chinesen Triebfeder ist. Es geht um wirtschaftlichen Einfluss und somit um politschen Einfluss. Es wird das Geld, was investiert wurde schon doppelt und dreifach zurückfliessen. Wir Westeuropäer geben Geld, was in den dunklen Kanälen ders Machtapparates vor Ort versickert. So dumm sind die Chinesen nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neandiausdemtal 23.11.2019, 16:12
9. 5 x Danke

Die ersten 5 Foristen-Beiträge sind mindestens so wichtig und inhaltlich wertvoll, wie es der eigentliche Beitrag ist. Das ist in diesem Forum und in anderen erst recht, keine Selbstverständlichkeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3