Forum: Politik
Chronologie: So eskalierte der Streit um die Armenien-Resolution
DPA

Drohungen gegen Abgeordnete, Bluttest-Forderungen von Erdogan, verhaltene Reaktionen der Kanzlerin: Seit der Armenien-Resolution ist das deutsch-türkische Verhältnis stark belastet. Die Woche der Eskalation im Überblick.

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rkinfo 09.06.2016, 08:38
1. Tayfun Baydar:

Der immer noch vorhandene Hass vieler Türken und der Erdogan-Bande gegen Armenier ist doch das wirklich Unwürdige.
Auch Österreich hat bereits April 2015 auf faire Behandlung Armeniens gedrängt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-parlament-verurteilt-voelkermord-an-armeniern-a-1029853.html

Wer 13 Monate nicht nutzt die alte Sache aufzuarbeiten verdient eigentlich nichts anderes als die 2. Mahnung per Berlin !

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Peter Bernhard 09.06.2016, 08:44
2. Türken wie mir

Türken wie mir - vielleicht geht das ja Türken wie mir: ich habe noch keine Erklärung dafür, dass "asugerechnet jetzt" etwas aus einer historischen - sorrry - Mottenkiste hervorgeholt wird. In eiinem Artikel des Spiegels, den ichgestern las, war "Armenien" das Thema, erst im letzten Absatz kam eine Info zu "Kurden". Viele werden das dann längst mit Armenien gleichgesetzt haben; ich hätte das jedenfalls bei durchschnittlichem Interesse. Während es bei Türken vielleicht gar nicht so sehr um Armenier und Kurden geht, sondern um die Beziehung Türkei - Deutschland als solcher, um das Verhältnis Musloims - Westler, kann ich mir als konventioneller Deutscher, für den ich mich halte, nur besagte Verwechslungsgefahr als staatsbürgerliche Herausforderung zum Grund des Resolutionierens erklären. Da brauch ich mich nicht so sehr wie gelernt zu schämen, wegen Einmaligkeit des Deutscherseins in Bezug auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zunehmend scheint das ganz normal, was die Nazis da anstellten. Das ist das eine Diffuse, das andere - Bewusstere - ist die Koninzidenz mit Kurden und noch koinzidenter der seltsamen Visumsfreiheit für Türken, also auch für Kurden. HIer A und B. A - 80 Prozent der Flüchtlinge kommen ohne Pass - da ist eine Visumsfreiheit eine Gleichstellung - offizielle gar, somit unrechtstaatliche - der Türken in einem illegalen, doch geduldeten Sichaufhalten in einem sehr lässig darstellbaren Westen, grosso mode. Und B - aufgeworfen ist das Problem einer Definition von "Terrorismus". Wenn die Kurden sogar mit Waffen von der Leyen beliefert werden - kommen sie einem traditionellen Staat gleich. Wer nicht mitmacht - könnte als ausländischer Wehrdienstverwegierer eben sogar Asylant sein, nicht nur Flüchtling. Und sind das überhaupt Flüchtlinge? Oder aber bei Nichtasy - logisch interessent: deswegen - Deserteure und als solcher zurückzuweisen? Sicherlich nicht nu international gar nicht mal indus-kutabel. Oder auch: bei welchem Grade und wie messbar ist AA. eine Terrortruppe keine kriminelle Vereinigung mehr, die polizelich bekämpft werden darff und BB. wann ist eine polizeliche Bekämpfung keine mehr, sondern inhumnitärer Völkermord? Und dazwischen Bürgerkrieg als logische "Normalität"; gut wenn er dermaßen normalisiert ist, dass nur im Parlament, nicht mal geschossen, sondern nur äh gedroht wird damit.

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micromiller 09.06.2016, 08:49
3. Ohne Not haben unsere

Abgeorneten mehrheitlich ein 100 Jahre altes Drama auf die Tagesordnung der Politik gehievt. Sicher war das weder intelligent noch umsichtig. Das Erdo und seine Bürger das nicht gut finden war absehbar, seine Reaktion ebenfalls. Der einzig vernünftige Weg diese neuste homemade Krise auf Sparflamme zu halten ist etwas leiser zu treten, wir haben wirklich wichtigere Dinge zu bewältigen.

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obenim 09.06.2016, 08:52
4. Die Geister die ich rief

Obwohl ich ein totaler Erdogangegner bin, führen solche Aktionen/Äusserungen der Regierung/Medien die nicht nur gegen Erdogan sondern auch gegen die Türkei>>türkisches Volk

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Zaphod 09.06.2016, 08:59
5. Rationales Handeln

Von Politikern dürfen wir einigermaßen rationales Verhalten erwarten, sowohl von türkischen als auch von deutschen Politikern. Daher sollten die Abgeordneten des Bundestages doch bitte einmal erläutern, welchen Sinn der Völkermord-Beschluss hatte. Welche Verbesserung der Lebensverhältnisse in Deutschland oder der Türkei wurde mit diesem Beschluss angestrebt? Wurde eine Abwägung getroffen, ob die Vorteile des Beschlusses größer sind als die Nachteile und Risiken?

Bei rationaler Betrachtung bringt eine geschichtliche Bewertung längst vergangener Ereignisse für niemanden einen unmittelbaren Vorteil. Dafür erleiden nun sowohl die Deutschen als auch die Türken große Nachteile, indem die Beziehungen beider Länder sich verschlechtern. Diese Entwicklung war auch vorhersehbar. Daher ist es nicht nachvollziehbar, wieso ein derartiger Beschluss gefasst wurde, sicherlich nicht, um "Schaden vom deutschen Volk" abzuwenden!

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SK3112 09.06.2016, 09:00
6. Idee.

Oh, oh, oh, das kann böse enden. Vielleicht lässt sich Herr Erdogan besänftigen, wenn Frau Merkel ihm verspricht, dass die Bundesversammlung ihn im Februar zu unserem neuen BuPrä wählt. Die Kleinigkeit mit der fehlenden deutschen Staatsangehörigkeit lässt sich durch eine GG-Änderung bis dahin sicher parlamentarisch lösen, wenn sie den Bundestag endlich "auf Linie" bringt. Oder unbürokratisch durch eine fixe Einbürgerung, klappt bei Nationalmannschaftsaspiranten doch auch.

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Bagratuni 09.06.2016, 09:00
7. Tagesordnung

Wir sollten so langsam bei diesem Thema zur Tagesordnung übergehen. Ja, es war Völkermord. Ja, es ist gut, dass das deutsche Parlament es endlich nach 101 Jahren anerkannt hat - wie übrigens > 20 anderer Länder. Ja, die meisten Historiker, sind sich hierüber einig.
Wir haben auch die Taktik der türkischen Regierung zum x-ten mal gehört:
1) "Straftatbestand Völkermord erst 1948 geschaffen, deshalb kann es kein Völkermord sein" (Was ist denn dan mit Holocaust?)
2) "Warum das Thema erst jetzt; will man der Erdogan(-s Türkei) eins auswischen?" (nein, das Thema kommt seit 2005 immer wieder auf die Tagesordnung)
3) ,,Gemeinsame Historikerkommission" (Warum? die internationalen Historiker sind sich einig; und die türkischen Archive sind ,,gesäubert", siehe Wikileaks zu diesem Thema)
4) ,,Man soll die Vergangenheit ruhen lassen" (kann man nur sagen, wenn man nicht zu den verleugnten Opfern gehört)

Also, alles tausendmal gehört. Tagesordnung wieder!!!

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siekmund 09.06.2016, 09:06
8. Auf alle Fälle Genozid

Darüber muss man nicht diskutieren. Was mich wundert ist warum Cem Özdemir als deutscher Parlamenterier nicht unser deutsches Gewissen versucht zu entlasten.
Denn die Altlast ist der Genozid an den Herrero und Manu. Es fand wenige Jahre vor den anotolischen Ereignissen statt. Vergessen wir nicht die Massaker der Wehrmacht in Griechenland und Serbien. Und wenn man die bisherigen Vorgänge betrachtet, wiegeln die deutschen Politiker mit den gleichen dämlichen Argumenten die Verantwortung ab, wie die türkischen Politiker.
Aber es ist ja Mode auf die "bösen anderen zu zeigen".
Es erstaunt mich auch, dass im Rahmen der Abstimmung über das Genozid vor dem Bundestag Fahnen der Armenier, Griechen und der Terrororganisation PKK Fahnen geschwenkt wurden.
Falls wir vergessen haben sollten. Im 1. Weltkrieg haben Engländer, Russen, Franzosen, Griechen und Kurden versucht das osmanische Reich unter sich aufzuteilen. Dabei haben auch verschiedene Volksgruppen in Anatolien versucht ihre Unabhängigkeit zu erlangen. Es kamen verschiedene Koalitionen zustande, die nicht immer friedlich agiert haben.
Die Frage ist nicht Genozid oder nicht Genozid.
Alle haben sich in unterschiedlicher Ausprägung mit Blut besudelt. Das lässt sich über die letzten Jahrhunderte über den ganzen Planeten nachweisen.
Konsequenterweise müsste Herr Özdemir nun jeden Fall vor den Bundestag bringen. Ich bin kein Freund von Erdogans Politik und Philosophie. Aber für mich ist das eine Art Racheakt des alevitischen Özdemir. Und unsere Volksvertreter haben sich blind einspannen lassen.
Damit ist eine Lavine mit Schadensforderungsansprüchen an unser Land ausgelöst, das ich mit meinen Steuergeldern bezahlen muss. Zudem wird ausserdem die Politik der Bundesregierung destabilisiert. Als Wähler der Grünen (seit 35 Jahren) ist nun mir doch die besonnene Art unserer Bundeskanzlerin lieber.

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robertelee 09.06.2016, 09:13
9. Das hat auch was Gutes.

Wie heißt es doch so schön: In jedem Teig sind auch Rosinen. Im Falle der Armenien-Resolution respektive des türkischen Umgangs damit besteht die Chance in dem Zwang zur Selbstreflexion.

Deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln sind was? Deutsch-Türken? Türkisch-Deutsche? Wem schulden sie Loyalität, wenn mal kein Schönwetter herrscht, sondern das Höschen kneift?

Und, weit schwerwiegender: Mitglieder des Deutschen Bundestags mit türkischen Wurzeln sind was? Deutsche Volksvertreter? Oder Vertreter - wessen auch immer - unter Vorbehalt?

Der türkische Präsident, die türkische Regierung und der größte Teil der türkischen Medienöffentlichkeit reagieren so, wie sie reagieren, weil sie erwarten, daß es nur eine (ungeteilte) Loyalität geben kann und darf. Wer das Abstimmungsverhalten von Bundestagsabgeordneten mit der Forderung nach "Bluttests" kontert, der gibt zu Protokoll, daß er "seine Landsleute" in der Fremde primär in einer Brückenkopf-Funktion sieht. Eine andere Deutung der hochemotionalen Reaktion auf den "Verrat am Türkentum" ist nicht möglich.

Das mag uns befremden, es ist aus türkischer Sicht aber völlig nachvollziehbar. Daß Deutschland eine von oben verordnete, artifizielle "postnationale" Attitüde pflegt, heißt ja noch lange nicht, daß andere Länder und Völker das ebenso sehen müssen. Die Türken haben jedes Recht, von ihren Landsleuten ein klares Bekenntnis zu verlangen. Daran ist nichts verwerflich.

Nur gilt das umgekehrt eben auch. Der Bundestag ist ein deutsches Verfassungsorgan, seine Mitglieder sind Vertreter des deutschen Volkes. Punktum. Wer das als MdB anders sieht, muß deshalb kein schlechter Kerl sein – er ist nur am falschen Ort im falschen Job.

Und wer die deutsche Staatsbürgerschaft in freier Entscheidung erworben hat, ist Deutscher. Gleichfalls punktum. Wer das anders sieht und seine Herkunft für mehr als eine Privatsache und biographische Randnotiz hält, kann seinen Fehler immer noch korrigieren.

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