Forum: Politik
Debatte über Dienstpflicht: Balsam für die Basis
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Wehrpflicht, Dienstpflicht, Deutschland-Dienst - die Politik diskutiert darüber, ob junge Menschen eine Zeit lang für das Wohl der Gesellschaft arbeiten sollen. Nur eine Sommerloch-Debatte?

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Miere 06.08.2018, 23:31
60. Werbeverbot an Schulen aufheben

Ich dachte, der Startpunkt war, dass die Bundeswehr trotz teurer Werbekampagnen online und im Fernsehen Personalmangel hätte, weswegen sie ja auch schon überlegt, Bürger anderer EU-Staaten einzustellen. (Was ich im Übrigen gut fände, ein weiterer Schritt zum Zusammenwachsen und nützlich für alle Beteiligten. Warum soll ein arbeitsloser Grieche, eine unterbezahlte Bulgarin, jeden Job hier in Deutschland annehmen dürfen, nur gerade bei der Bundeswehr nicht, wenn die doch gerade Leute braucht?) Es gibt aber ein Kommunikationsdefizit zu den Schülern, die kurz vor Schulabschluss ihre Zukunft planen. Das gleiche Problem hat das Handwerk. Viele Berufe, ihre Jobsicherheit, Gehälter und Anforderungen, sind den meisten Schülern unbekannt. Sie entscheiden sich für das Bekannte (Mechatroniker, Kauffrau) oder studieren aus Verlegenheit erstmal irgendwas. Die Bundeswehr darf nicht einmal an Schulen für sich werben. Warum nicht? In den USA ist das erlaubt, und die Amerikaner sind nicht dran zugrunde gegangen. Wem schadet es, wenn in der Schule ein Plakat hängt, das auf Ausbildungsberufe, studiengänge und Aufstiegschancen bei der Bundeswehr hinweist?

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widower+2 06.08.2018, 23:31
61. Warum nicht?

Zitat von ferg
wieso eigentlich eine Dienstpflicht für junge Menschen? warum nicht mit 50 oder 60? da wäre etwas Einblick in sozialen Bereich meiner Erfahrung nach notwendiger. Wetten das da alle die jetzt nach Zwangsarbeit für junge Menschen sind plötzlich einen auf empört machen. ich habe übrigens meine Zeit noch mit Zivildienst verplempert.
Nun, ein Argument wäre wohl, dass die Menschen mit 50 oder 60 oder dazwischen diese Dienstpflicht schon einmal geleistet haben und zwar nicht wie Sie wahrscheinlich 9 oder 12 Monate, sondern 15 bis 18 Monate plus etwaige Wehrübungen. Ich habe damit mit meinen 57 Jahren garantiert mehr Zeit verplempert als Sie. Wenn Ich dann nochmal ran soll, dann Sie bitte auch, aber mit entsprechender zeitlicher Mehrleistung um meinen Vorsprung aufzuholen. Da sind Sie doch sicher gerne dabei, oder?

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kleinsteminderheit 06.08.2018, 23:37
62. Dienst an der Gemeinschaft tut nicht nur der Gemeinschaft gut.

Ich denke, dass ein Jahr Dienst an der Gemeinschaft auch den meisten jungen Menschen gut tut. In meiner Generation haben viele die Zeit genutzt um sich über ihre berufliche Ziele klar zu werden. Viele mussten sich auf der Stube oder im Altenheim erstmals mit Menschen aus anderen Schichten oder mit anderen Bildungshorizonten auseinandersetzen. Man lernte sein Ego zurückzunehmen und sich in eine Gemeinschaft einzufügen . Sollte es tatsächlich so sein, dass Männer und Frauen zwischen einer Vielzahl von Einsatzstellen von Bundeswehr über Feuerwehr und Altenheim bis zur Vogelschutzwarte wählen können, wäre dies sicherlich kein verlorenes Jahr.

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aggro_aggro 06.08.2018, 23:38
63. freiwillig muss reichen!

Man sollte die Bezahlung und die Attraktivität der freiwilligen Dienste erhöhen, viele junge Menschen wissen nach der Schule nicht was sie machen sollen oder wollen. Die erstmal wie selbstverständlich ein Jahr auf Kosten des Bundes zu beschäftigen kann so falsch nicht sein.
Natürlich bleibt das Problem, dass weder die Bundeswehr noch die Pflege ausgerechnet die Jugendlichen braucht, die bei dem hohen Angebot an Ausbildungsplätzen "übrig bleiben".
Und dann der Nutzen von Wehrpflichtigen... Soldaten, die nach 10 Monaten auf Nimmerwiedersehen verschwinden sind für die Bundeswehr doch nur eine Belastung. Zehntausende fest angestellte Unteroffiziere und Offiziere wären nur damit beschäftigt IMMER WIEDER Leuten das selbe beizubringen, und zwar Sachen die sie nie wieder brauchen (es sei denn es kommt zu einem Infanteriekrieg mit Millionenheeren). Nur damit 5% der Wehrpflichtigen sich fest verpflichten um die Personallücken zu schließen? Da muss es doch Werbekampagnen geben, die effektiver sind.

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thoerchen 06.08.2018, 23:40
64. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

Weder die BW noch alle anderen Dienstleister, die sich aus der Masse der Wehrpflichtigen oder der Ersatzdienstleistenden mit billigen Arbeitskräften versorgen konnten sind heute attraktive Arbeitgeber, die qualifiziertes Personal langfristig an sich binden können.
Aber bevor eine AKK darüber nachdenkt die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass die erforderliche Attraktivität erreicht wird, möchte sie das Rad der Zeit lieber um Jahre zurückdrehen...! Versenken wir lieber nochmal Milliarden um Strukturen zu schaffen, die wir in den letzten Jahren abgebaut haben. Und in der BW und bei den sozialen Dienstleistern verbessert sich hinsichtlich der Arbeitsbedingungen? Richtig, gar nichts! Politiker, die solche Forderungen formulieren, gehören aufs Altenteil! Seniorenheim für Demente, gerne in Bulgarien, Hauptsache weit weg!

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theodtiger 06.08.2018, 23:47
65. Verfassungswidrig

Zitat von whitemouse
Die Wehrpflicht wurde "ausgesetzt", um die Bw statt zur Verteidigung in aller Welt einzusetzen. Ich bin für die Verteidigung - und gegen alle Auslandseinsätze. Natürlich ist ein Zwangsdienst für alle sinnvoll. Die Faulen und sozial Gestörten werden nie freiwillig irgendetwas tun. In einem Zwangsdienst können Sie aber möglicherweise sozialisiert werden.
Sie wissen aber schon, dass das was Sie fordern schlicht verfassungswidrig ist. Zwangsdienst (wie der Forist es selber nennt) hatten wir im Dritten Reich und ähnliches hat das Grundgesetz aus guten Gründen ausgeschlossen. Ich persönlich habe jahrezehntelang sinnvolle Arbeit für die Gesellschaft geleistet, nachdem ich mein durch den Zwangsdienst Anfang der 70er Jahre unterbochenes Studium abgeschlossen hatte - alles sinnvolle Tätigkeiten, die von mir mit großen Engagement verfolgt wurden, bis auf die komplett verschwendeten 15 Monate Zwangsdienst. Lassen wir doch den Quatsch und bezahlen diejenigen ordentlich die wichtige Aufgaben für die Gesellschaft verrichten, während ALLE ordentlich ihre Steuern zahlen - dann ist auch genug Geld dafür da.

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ser4t 06.08.2018, 23:51
66. "Nach so langer Zeit..."

Es sind nur sieben Jahre, seit der Wehrdienst ausgesetzt wurde.
Was hat sich seitdem verändert? Warum nicht wieder den Wehr- und Zivildienst einführen?
Es hat unserem Staat gutgetan, dass junge Menschen ein Jahr lang das wahre Leben kennenlernen durften.
Und es hat auch mir gutgetan. Man lernt seine Grenzen kennen. Deshalb: Ein klares Ja dazu!

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humble_opinion 06.08.2018, 23:52
67. Win-Win

Und gleich geht der Furor hier wieder los.

Im Gegensatz zu vielen saufenden und Zeit-absitzenden Wehrpflichtigen sind mir sehr viele Berichte über die 'Zivis' in Erinnerung, die aus ihrer Zeit mit Alten, Kranken, Pflegebedürftigen usw. viel für sich und ihr weiteres Leben gewonnen haben.

Und da wir ja nun mal einen Pflegenotstand haben, ist die Idee doch zunächst einmal _in Ruhe_ prüfenswert.

Es könnte eine Win-Win-Situation werden. Wenn die Umstände für die Jugendlichen so gestaltet werden, dass sie nicht nur als Lückenbüßer herhalten sollen. Eine einigermaßen vernünftige Entlohnung sollte drin sein, denn heute kostet Alles ja nun mal viel Geld. Evtl. sogar ein Rentenanspruch für die Zeit - das mögen im Detail die Politiker abwägen.

Wenn die o.g. Kranken usw. kurzfristig verbesserte Umstände bekämen, hätten sie auch viel davon.

Der Staat gewänne Zeit, das grundsätzliche Problem Pflegekosten usw. in einem besseren Zeitrahmen zu Lösungen zu führen.

Wie gesagt - vernünftig ausgestaltet durchaus eine gute Idee.

Ist natürlich nix für die gradlinigen, karriereorientierten Jugendlichen/Heranwachsenden, die nur auf möglichst schnell zu verdiendendes Geld aus sind. Und das ist vermutlich auch die Krux.

In unserem heutigen Werteschema werden am Allgemeinwohl interessierte Menschen ganz fix zu Losern, sogar Opfern stilisiert, während sich der mit 18 Jahren überteuerte Anzüge, Uhren und IPhones tragende Typ als clever und Winner gilt.

Das wird vermutlich noch eine Zeit lang gut gehen. Aber man spürt doch das Rumoren in weiten Teilen der Gesellschaft. Ewig eben nicht. Als In Frankreich seinerzeit die Adligen (hier und heute bei uns der Geldadel) überzogen hat, hat das Volk ernst gemacht und Galgen/Guillotine waren vollbeschäftigt. Die Frage ist demnach, wie viel Egoismus und wie viel gesellschaftliches Engagement tut uns allen insgesamt gut.

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MünchenerKommentar 07.08.2018, 00:05
68. Wehrpflicht ja, Dienstpflicht WTF?

Dass sich alle Deutschen an der notwenigen Verteidigung des Landes beteiligen müssen, sollte klar sein. Deshalb ist auch eine Wehrpflicht ok, wenn sie denn sinnvoll ist (d.h. zum Beispiel irgendwelche Probleme in der Bundeswehr lösen kann) und wenn sie notwendig ist (weil man diese Probleme nicht anders lösen kann). Das scheint zur Zeit nicht der Fall zu sein. Eine allgemeine "Dienstpflicht", die nicht als Abfallprodukt aus einer Wehrpflicht entsteht, bei der man auch den Verweigerern eine Beschäftigung verschaffen muss, ist schlicht Zwangsarbeit. Man bringt junge Menschen um ein Lebensjahr, damit man billige Arbeitskräfte hat, die Pflegeversicherung nicht erhöhen muss und sich keine Gedanken darum machen muss, wie man eine überalterte Gesellschaft versorgen muss. Volkswirtschaftlich ist es verantwortungslos, diejenigen, die nach einem Studium oder einer Ausbildung in der Zukunft für das Land verantwortlich sein werden, ein Jahr auf irgendwelchen Anlernjobs zu parken, statt jeden entsprechend seiner Fähigkeiten möglichst gut in die Gesellschaft zu integrieren. Aber man sieht sehr schön, wohin eine Gesellschaft treibt, in der die Alten das sagen haben: Sollen uns doch die Jungen den Hintern abwischen, und wenn sie keine Lust darauf haben zahlen wir nicht etwa soviel, dass es jemand freiwillig macht oder erhöhen den Zuzug nach Deutschland, sondern zwingen einfach die Jungen, uns den Hintern abzuwischen.

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theodtiger 07.08.2018, 00:07
69. "Orientierungslose Jugend" oder fehlt es anderswo an Orientierung?

Zitat von auweia
Dann ist die orientierungslose Jugend beiderlei Geschlechts wenigstens für einen gewissen Zeitraum sinnvoll beschäftigt. Und wenn einige Foristen hier über die "billige" Möglichkeit der Gestellung von Pflegepersonal barmen - was ist so schlimm daran?
Der Forist ("auweia" - nomen est omen) fragt: "was ist so schlimm daran?" wenn es Zwangsverpflichtungen für "die orientierungslose Jugend beiderlei Geschlechts" geben sollte. Erstens, ist das schlicht verfassungswidrig und zweitens muss ich mit 67 Jahren sagen, ist es eigentlich eine bodenlose Diffamierung junger Menschen - denn der Forist scheint ja zur Differenzierung nicht fähig oder willens zu sein (alle wären orientierungslos). Ich kann ja verstehen, dass Nostalgiker längst überwunden geglaubter Zeiten in und außerhalb der AfD feuchte Augen kriegen, wenn sie an die Disziplinierungsmöglichkeiten denken, mit denen Einfluss auf Jugendliche genommen werden kann. Allerdings schließt das Grundgesetz in Abwehr der Verhältnisse bis 1945, als genau diese Dienstverplichtungen für die "Jugend beiderlei Geschlechts" bestanden, eine Wiederholung aus - und das mit sehr gutem Grund.

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