Forum: Politik
Debatte über Doppelpass: Wer sind wir ...

... und wenn ja wie viele? An der doppelten Staatsbürgerschaft entzünden sich alte Debatten neu: Was bedeutet es, ein Deutscher zu sein. Und wie wird man dazu? Angela Merkel kennt die Antwort nicht.

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rennflosse 26.08.2016, 10:59
190. Kleinteilig

Zitat von Darwins Affe
Vielleicht greift der Artikel zu kurz. Der deutsche Nationalstaat hat in vielen Bereichen die Grenzen seiner Einflussmöglichkeiten verloren: »Ubi bene ibi patria« heisst heute die Parole: Viele Begüterte und Hochqualifizierte gehen in die Schweiz und USA und sonstwohin, Arme und Unqualifizierte suchen Unterschlupf im deutschen Sozialsystem. Das Kapital wandert sowieso in Sekundenschnelle rund um den Planet. Als Gegenbewegung sehen wir die Abschottungsapostel von Rechtsaussen und die Globalisierungsgegner von Linksaussen. Die EU scheint vor dem Ende, der Euro am Zusammenbruch. Es ist nur zu hoffen, dass der europäische Kontinent nicht wieder in einem System brutaler Diktaturen versinkt. Der Brexit könnte den Anfang vom Ende signalisieren. Die Briten hatten historisch schon immer eine gute Nase angesichts bevorstehenden Katastrophen.
Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Erfindung des "globalen Dorfes" die Menschen nicht glücklicher gemacht hat. Im Gegenteil.

Der Mensch ist von Natur aus dazu programmiert, in kleinteiligen Gemeinschaften zu leben. In der Familie, dem Dorf, dem Stamm. Nur denen gegenüber verhält er sich solidarisch.

Das gilt nicht nur, aber auch für die Muslime. Die unterschiedlichen Gruppierungen (Schiiten, Sunniten, Alawiten, usw) bekämpfen sich gegenseitig bis auf's Blut.

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Kit Kerber 26.08.2016, 11:08
191. Assimilation - Integration

Als Erdogan sagte, Assimilation sei ein Verbrechen, hat mich das geärgert, weil das niemand gefordert hat. Integration wird dagegen sehr wohl gefordert und muß auch gefordert werden. Integration ist das Einfügen in eine Werte- und Rechtsgemeinschaft. Assimilation ist eine kulturelle Angleichung. Niemand erwartet von einem Muslim, daß er Schwein grillt und seine Tochter mit einem Otto verheiratet (also Assimilation). Aber man muß von ihm erwarten, wenn er in D lebt, daß er sich an die Gesetze hält und seiner Tochter die Heirat mit einem Otto auch nicht verbietet (Integration). Ich glaube, der Unterschied ist nicht schwer zu verstehen, wenn man ihn überhaupt verstehen will.

Das Gute am Grundgesetz und allen freiheitlichen Verfassungen ist ja, daß sie keinen kulturellen Anpassungsdruck auf Menschen ausüben. In D muß niemand befürchten, wegen seiner Sexualität bestraft zu werden. Die Mehrheit der Muslime äußert aber auf Befragen, daß sie eine Bestrafung von Homosexualität für richtig halten, und in vielen muslimischen Staaten werden Homosexuelle sogar in großer Zahl hingerichtet. Hier haben wir ein Beispiel für schlechte Integration. Die Muslime, die Homosexuelle gerne baumeln sehen würden, haben vom GG nichts verstanden. Niemand fordert, daß Muslime schwul werden sollen, man erwartet nur von ihnen, daß sie tolerant sind. Daß Erdogan diesen Unterschied verwischt und dafür von seiner deutschen Klientel bejubelt wird, zeigt nur, daß wir mit den Muslimen ein gewaltiges Integrationsproblem haben, daß sich auch nicht so leicht in den nächsten Generationen "auswachsen" wird, wie hier mancher blauäugige Forist meint.

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Ruhri1972 26.08.2016, 11:12
192. Assimilierung

Assimilation muss das Ziel jeglicher Integration sein. Unter den Nazis stand die Assimilierung unter Strafe - der Terrorpate vom Bosporus verbietet auch die Assimilierung (Rassismus in Reinkultur) und in Deutschland werden Menschen die Assimilierung einfordern als NAZIS beschimpft. Was für ein Treppenwitz der Geschichte. Nicht jede Kultur oder Unkultur ist eine Bereicherung.

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Bondurant 26.08.2016, 11:15
193. Wo

Zitat von Juro vom Koselbruch
Ich denke, Sie und andere werden sich hüten dürfen, dieser ... Aussagen wie "Ich bin rein, ihr nicht." zu unterstellen.
in Ihrem Text ergibt sich, dass die Dame das nicht aussagt? Warum trägt sie denn das Kopftuch?

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unbekanntgeblieben 26.08.2016, 11:19
194. Na Prost ...

Nach den Merkmalen ist es vielen Deutschen schwierig deutsch zu sein ... (1) und (2) sind blanker neoliberaler Hohn und Realitätsfremde, (3)-(5) Idealismus und den muss man sich bekanntlich leisten können, sie machen Deutsch-Sein also an meinen Konto-Stand fest? Na, Danke ...

Aber gut, jede Gemeinsamkeit mit Heuchlern wie Merkel ist mir ohnehin zu wider ... und die 'stolzen Deutschen' wecken jetzt auch nicht übermäßig ein Interesse am Gemeinschaftsgefühl ...

Und was die Deutsch-Türken angeht, äußern sie nur die leiseste Kritik Richtung Erdogan und warten sie ab was passiert ... das ist wirklich nicht mehr feierlich.

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Dengar 26.08.2016, 11:21
195.

Zitat von s.l.bln
Toleranz ohne(!) Akzeptanz? Wie bekommen "wir" denn diesen Spagat hin?
Das müssen Sie schon die Grünen fragen - ist deren Spielwiese.

Niemand konnte mir bisher erklären, wie man es schafft, sich für Gleichberechtigung und Gendergedöns starkzumachen, und gleichzeitig im Namen der Toleranz ein frauenverachtendes Kleidungsstück wie die Burka zu verteidigen (von anderen religiös motivierten Praktiken mal ganz zu schweigen).

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Putin-Troll 26.08.2016, 11:22
196. Nur sehr bedingt...

Zitat von Juro vom Koselbruch
Fühlen Sie sich nicht dem Respekt und der Achtung unsres Grundgesetzets verpflichtet?
Würde ich mich dem Grundgesetz verpflichtet fühlen müsste ich eigentlich aufgrund von Artikel 20 bewaffnet das Kanzleramt stürmen. Da mir die Bundesrepublik aber wie gesagt den Buckel runterrutschen kann, genieße ich lieber mein Leben, bis hier alles vor die Hunde gegangen ist...

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hockeyversteher 26.08.2016, 11:22
197. Wahrscheinlich ....

Zitat von thrashmail
Sie haben völlig Recht mit Ihren Ausführungen. Sie scheinen ja Hochdeutsch zu sprechen. Gedanken muss sich allenfalls der Bayer oder Saarländer machen wenn man ihn nicht versteht. Sie jedenfalls nicht. Im übrigen ist das Thema "Integration" sowieso nichts für Deutsche. Hier weiß man nicht einmal wie der Nachbar heißt. Und zum Beispiel in Spanien lebende Deutsche ? Auch nach 5 oder mehr Jahren dort sprechen sie nicht spanisch, hocken dort zusammen in einer deutschen Kneipe und sind absolut Integrationsrenitent.
... haben Sie mit ihren offensichtlichen Ressentimentes gegen Deutsche auch keine so richtige Vorstellung davon, wer sie sind, was deutsch sein ist und wer in Integrationsprozessen die mit Abstand größere Leistung zu erbringen hat.

Wenr nur die Sprache sprechen will, ein bischen die Regeln verstehen und ansonsten von der ganzen Gesellschaft in Ruhe gelassen werden will, seine Gott anbeten und sein Geschäfte machen will - der ist meilenweit von Integration entfernt. Wenn die Geschäfte nicht mehr laufen und dieser Mensch zurück geht, bleibt vom ihm nichts.
Menschliche Gesellschaft, Demokratie verlangen Teilnahme, den Willen mit zu gestalten. Dazu gehört auch Interesse am Anderen, nicht nur an sich selbst. Dazu gehört z.B., dass man sich mit den Dialekten, Gebräuchen seiner Mitbürger befasst, sie achtet und nicht verhöhnt. Mit denen von Saarländern oder Bayern scheinen Sie es ja nicht so haben.

Staatsbürger zu sein, umfasst Rechte und Pflichten. Manchmal finden wir beides in einem. Wählen zu gehen ist nicht nur Recht sondern demokratische Pflicht.

Und Deutscher zu sein heißt auch, sich mit der Vielfältigen deutschen Geschichte zu befassen - ohne die dieses Land nicht wäre was es ist, sich mit den vielfältigen landschaftlichen Ausprägungen dieses Landes zu befassen, seinem Reichtum an geistigen und kulturellen Leistungen. Das heißt auch, sich zu all dem umfassend zu bekennen.

Deutscher zu sein ist ein Bekenntnis. Dafür spielt die Hautfarbe keine Rolle. Erst Recht kann man, im Gegensatz zu Erdogans Türkentum auf Bluttests verzichten. Deutsch zu sein, wie Französisch, Schweizerisch, Englisch etc. ist die Erklärung, sich einem definierten Kulturkreis, mit eigener Geschichte, Sprache, Kultur angehörig zu fühlen.

Meschen wir Herr Augstein oder Frau Roth wollen genau das für Deutschland nicht. Sie arbeiten mit ihrer Gleichmacherei daran, das kulturelle Vielfalt verschwindet. Die haben gar nicht verstanden - das Multikulti keine eigene Kultur ist, dass Multikulti keine eigene Kulturelrache hervorbringen kann. Das Ende von Multikulti ist ein identitätsloser Einheitsbrei, der selber nichts Neues mehr hervorbringt. Und vor allem verstehen sie nicht, dass Majorität die Identitätsbildende Kultur einer Gesellschaft gestalten. Schauen wir uns alle muslimischen Länder dieser Welt an - alle gleich - gesellschaftlich arm und im Mittelalter verhaftet, Andersgläubige verfolgend. Wer will dass es in Deutschland auch so wird,muss die Zahl der Muslime steigern.

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geando 26.08.2016, 11:23
198. Assimilation?

Ich fasse es nicht: nun bricht Augstein eine Lanze für die Assimilation. Assimilation ist ein Anpassungsprozess. Anpassung an was? Augstein ist ein Gegner von Begriffen wie Volk, Nation oder Leitkultur- wie immer man es nennen mag- ohne diese gibt es nichts zum Anpassen. Die USA, die Augstein hier anführt hatten und haben eine sehr starke Leitkultur und einen ausgeprägten Nationalismus. Eine Unterordnung unter diese Prämisse wird von den Einwanderern wie selbstverständlich erwartet. Ausserdem versteht sich die USA als "melting pot", ein völlig anderes Konzept als "Multikulti". Im Gegensatz zu "Multikulti" geht der "Melting Pot" davon aus, das vielen unterschiedlichen Kulturen schliesslich eine einzige "Zusammenschmilzt". "Multikulti" aber geht vom dauerhaften Nebeneinander vieler unterschiedlicher Kulturen in einem Land aus. Unterm Strich bleibt die Feststellung, das die Denkschule eines Herrn Augstein kein Konzept enthält für eine klare Definition von einer Nation oder einer Gesellschaft, an die sich Einwanderer im Sinne einer Assimilation anpassen könnten, da alles Deutsche, inklusive deutscher kultur und Identität per se schlecht sind, bleibt da nichts mehr. Im Gegensatz zu den USA gibt es nämlich eine deutsche Nation und ein deutsches Volk auch vor Beginn der neuen Zuwanderungswelle. Im übrigen ist gerade bei den jungen Menschen der Anteil mit Migrationshintergrund mittlerweile so hoch, das keinerlei Anpassungdruck mehr besteht. Die räumliche Verteilung der Migranten erledigt den Rest: Schulklassen mit deutlicher Mehrheit von Migrantenkindern sind in grösseren Städten schon die Regel. Dort findet eher die gegenteilige Anpassung statt. Tendenz steigend.

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Thilo_Knows 26.08.2016, 11:23
199. Zustimmung

Ich finde den Satz von unserer Kanzlerin absolut nicht verwerflich. Im Gegenteil. Es bräuchte viel mehr solch klarer Ansagen. Aber die 5 Thesen kann man tatsächlich so unterschreiben. Ohne Einschränkung. Die Auslegung ist aber Definitionssache. Wie hier: "Die Überzeugung, dass der religiöse Glaube eine Privatangelegenheit ist, die im gesellschaftlichen Leben eine nachgeordnete Rolle zu spielen hat." Das heißt für mich, dass religiöse Symbole (ja, auch das Kopftuch) in der Öffentlichkeit nichts verloren haben. Ebenso darf es keinen Anspruch auf Gebetsräume an Arbeitsplätzen oder Universitäten geben. Weil, richitg, Religion eine reine Privatsache ist, mit der man weder die Gesellschaft noch seinen Arbeitgeber belästigen darf.

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