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Debatte über Prostitution: SPD-Politikerinnen fordern Sexkaufverbot
Marijan Murat/ DPA

Ist Prostitution legale Arbeit oder behindert sie die Gleichstellung von Frauen? Einige SPD-Politikerinnen wollen Bewegung in die Debatte bringen. Sie wollen ein Verbot von Sexerwerb nach schwedischem Vorbild.

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amerlogk 07.07.2019, 12:50
20.

Es wäre ja schön, wenn die Redaktion auch fähig wäre nicht nur Forderungen zu transportieren, sondern das schwedische Modell zu analysieren.
1. Der erfolgreiche Teil des schwedischen Gesetzes war die Förderung vom "Ausstieg" aus der Prostitution. Gerade aber die Finanzierung dieses Teils hat man zurückgefahren.
2. Die Verurteilung von Freiern beläuft sich auf etwa 50 Fälle pro Jahr. Man darf annehmen das dies eine vernachlässigbare Anzahl ist.
3. Die Diskriminierung, Verunsicherung hat sich erhöht. Weil z.B. Leute die eine Wohnung an eine Prostituierte vermieten bestraft werden können.
4. Die Anzahl an Prostituierten hat sich nicht verringert. Straßenprostitution war nach Erlaß des Gesetzes etwas verschwunden, ist zurück auf altem Niveau.

T'schuldigung, leider ist das "nordische Modell" keine Lösung.

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Grünspahn 07.07.2019, 12:56
21.

Ich war noch nie bei einer Prostituierten und werde deren Dienste wohl auch nie in Anspruch nehmen. Menschenhandel und Zwangsprostitution müssen ganz klar bekämpft werden. Das man das mit einer Strafandrohung für Freier erreicht darf wohl zu recht bezweifelt werden. Warum dürfen Frauen und wohl auch Männer nicht prostituieren? Eine Mitstudentin hat sich nicht prostituiert, die hatte einen reichen Gönner, der ihr Leben und eine schöne Wohnung während des Studiums finanzierte und sie war so dankbar dafür, dass sie mit ihm ins Bett gegangen ist. Was sagen denn die SPD-Frauen zu solchen Modellen? Oder glaubt jemand wirklich, dass die junge schöne Russin in Davos wegen der schönen grauen Haaren mit dem alten und reichen Mann zusammen ist, der ihr aus lauter Liebe Diamanten und Pelze schenkt? Prostitution hat es in unterschiedlichen Formen immer gegeben und wird es immer geben, selbst in den Ländern, in denen Prostitution verboten war und drastisch bestraft wurde. Warum eht man den Weg der Entkriminalisierung bei gleihzeitiger harter Bekämpfung der Zwangsprostition nicht noch konsequnter weiter? Das läßt den Prostituierten m/w/d ihre Wahlfreiheit bei gleichzeitigem Schutz.

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jolly.jumper 07.07.2019, 12:56
22. Schwedisches Model ist nachahmenswert.

Bin eigentlich eher gegen Verbote und mag auch Sex, wer nicht? Aber die Materialisierung der Sexualität ist weder für Mann och Frau gut. Der Mann denkt, dass man jede Frau kaufen kann und überträgt diese Einstellung auch ins Privatleben. Und Frauen denken, dass sie erst nach materiellen Vorteilen mit einem Mann ins Bett gehen sollten, z.B. Geschenke, teueres Abendessen etc ...Männer werden also angelernt, Frauen als käufliche Objekte anzusehen und Frauen machen nichts ohne "Geschenke". Wenn Prostitution verboten wird und beide Geschlechter verstehen, dass Sex nicht materialistich ist, werden wir zu natürlicheren Beziehungen kommen, die auf gegenseitige Sympathie und Anziehung beruhen. Dann werden sich auch Männer Mühe geben müssen, sportlich-fit und attraktiv zu sein, damit sie eine Frau abkriegen, denn kaufen geht nicht mehr (so leicht). Und Frauen werden lernen müssen, dass sie nicht erwarten können, von einem Mann mit Geschenken überhäuft und ausgeführt zu werden, um Sex zu haben.

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okav 07.07.2019, 13:00
23. Immer der Reihe nach

Zunächst sollte mal klar definiert werden, was man für Ziele erreichen möchte. Dann sollte die Maßnahmen, die man ergreift, daraufhin geprüft werden, ob sie das Ziel oder die Ziele auch erreichen lassen. Hier zeigt sich doch schon ganz deutlich, dass die gewünschten Maßnahmen gar nicht zum Ziel führen. Prostitution würde es weiterhin geben. Ich vermute, ein Verbot von käuflichem Sex wird dazu führen, das die Bezahlung komplett an den Prostituierten vorbei geht und die wiederum von Zuhältern so unter Wind und verborgen gehalten werden, das sie ihren Mund nicht aufmachen würden.
Von daher denke ich, wenn Prostitution schon nicht verhindern werden kann, es stärker reguliert und kontrolliert werden müsste. Beim Thema Mindestlohn und Schwarzarbeit hat der Staat doch auch ein entsprechendes Instrumentarium in der Hand, um Missbrauch und vergehen zu ahnden.
Von daher denke ich das Registrierung, Gesundheitspässe, evt. standardisierte Arbeitsverträge und Gewerbescheine den Markt transparenter machen. Die Prostituierten müssten sich persönlich an einer zentralen Stelle anmelden und ihren Arbeitsort offenlegen, in diesem Rahmen könnten sie auch aufgeklärt werden über ihre Rechte und Möglichkeiten.

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ruhepuls 07.07.2019, 13:11
24. Genau so ist es!

Zitat von techkritik
Schön wäre es natürlich, wenn man das älteste Gewerbe einfach verbieten könnte bzw. die Freier zur Strafe verurteilen könnte. Aber das Schwedische Model ist durchaus nicht ungefährlich - es zwingt die Prostituierten wieder im ungeschützten, verborgenen zu arbeiten. Statt in Bordellen, die von der Polizei überwacht und auch ansonsten über allerlei Schutzfunktionen verfügen, würde es die Prostituierten wieder in abgelegene Wohnungen, Parkplätze usw. treiben. In Australien (quasi, das australische Model) hat man aus genau den Gründen den umgekehrten Weg eingeschlagen - eine "Legalisierung", raus aus den schmuddeligen Hinterhöfen, unbewachten Parkplätzen in organisierte Häuser. Die Gewalt gegen Prostituierte hat signifikant abgenommen. Für mich macht es Sinn, die Maßnahmen gegen Zwangsprostitution zu verschärfen. Aber - als wir eine Vorsitzende eines Hurenvereins im Kontext der Weltmeisterschaft zur Problematik befragten, hatte die eine klare Meinung: Nachfrage und Angebot könnt ihr nicht beeinflussen. Was wichtig ist: lasst es in der Öffentlichkeit laufen, nur so können Regeln und Standards für einen großen Teil festgelegt werden.
Man kann die Befriedigung von Bedürfnissen nicht verbieten. Aber man kann sie in den Untergrund treiben (man denke nur an die "Erfolge" der Prohibition in Amerika...). Den Prostituierten ist nicht damit geholfen, dass sie in die Illegalität abwandern müssen. Wo eine (zahlende) Nachfrage ist, wird es auch immer ein Angebot geben.
Die SPD ist ein eigenartiger Verein geworden: Auf der einen Seite beantragt die Berliner SPD "feministische Pornos" - und auf der anderen Seite möchte man "käufliche Sexualität" am liebsten verbieten.

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taiwo 07.07.2019, 13:12
25.

Gott sei Dank bin ich nicht hauptberuflich auf die Prostitution angewiesen. Ich gehe dem nach, um mich aus meinem eigentlichen Job - psychisch anstrengend und schlecht bezahlt-ein bisschen zurückziehen zu können. Und um mehr Zeit (kein Geld) für das zu haben, was mir eigentlich am Herzen liegt. Das ist sicherlich eine Form der "Wohlstandsprostitution" und ich kann gut über Quinten nachdenken, während ich mich von hinten vögeln lasse... zusammengefasst: die prostitution einzig und allein wegen der gewollten gleichstellung zu verbieten, halte ich für Quatsch. Es gibt viele höfliche Kunden. Viele von ihnen suchen nur das Abenteuer, das Unbekannte oder sind schlichtweg einsam. Das hat nicht immer zwangsläufig etwas mit herabwürdigendem Verhalten zu tun. Wenn man den Prostituierten helfen will, sollte man Beratungsstellen, kostenlose oder billige Gesundheitstests, niedrigschwellige Angebote zur Umschulung und ein solidarisches Grundeinkommen in Erwägung ziehen. Ich denke da vor allen Dingen an all jene, die wirklich darauf angewiesen sind.

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happyrocker 07.07.2019, 13:13
26. Lieder vergisst der Artikel zu erwähnen,

dass sich Deutschland in Folge der liberalen Rot-Grünen Gesetzgebung zum Zentrum des Menschenhandels in Europa entwickelt hat. Prostitution ist untrennbar mit organisierter Kriminalität verbunden, und die Handvoll Frauen, die als angeblich freiwillige Prostituierte durch Talkshows tingeln und erzählen, wie gern sie den Job machen, sind in Wirklichkeit meist Bordellbetreiberinnen oder Dominas. Auch Vorzeige-Talkgast Rudloff, der jahrelang im Fernsehen sein angeblich sauberes Vorzeige-Bordell in Stuttgart bewerben durfte, ist inzwischen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der vorsitzende Richter stellte fest, dass ein solches Großbordell ohne Zwang im Grunde nicht möglich ist. Ich empfehle allen Befürwortern der "freien Berufsausübung" von Prostituierten, einmal Berichte von Aussteigerinnen und Hilfsorganisationen zu lesen. Damit sie wissen, was für menschenverachtende Verhältnisse sie da unterstützen. Die tatsächlich freiwilligen Prostituierten dürfen wenige Prozent der vor allem im Luxussegment Tätigen ausmachen. Sie sind nicht in Großbordellen und Laufhäusern und schon gar nicht auf dem Straßenstrich zu finden. Auch darüber sollten Freier, die sich ansonsten für Befürworter der Menschenrechte halten, mal nachdenken.

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tizona 07.07.2019, 13:23
27. Selbstbestimmung

Ich habe ein tiefes Misstrauen und eine tiefe Abneigung gegenüber Politikern, die sich unter fadenscheinigen Vorwänden derart massiv in die persönliche Lebensführung von Menschen einmischen wollen. Wenn eine Frau sich aus freien Stücken dafür entscheidet, als Prostituierte zu arbeiten, etwa, weil sie auf diese Weise ein wesentlich höheres Einkommen erzielen kann als durch einen Job im Büro oder am Fließband, wo liegt dann das Problem? Wenn ein Mann keine Lust auf Beziehungsstress hat und die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen will, was ist daran verwerflich? Der Staat sollte sich darauf beschränken, entschieden gegen jede Art von Zwangsprostitution und Ausbeutung von Prostituierten vorzugehen.

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ruhepuls 07.07.2019, 13:25
28. Was ist heute schon "normal"...

Zitat von altais
Das ist doch Unsinn. Der " natürlichste Trieb des Menschen" wird doch nicht in der Prostitution ausgelebt, sondern in Beziehungen zwischen zwei Menschen, egal welchen Geschlechts. Wer das nicht hinbekommt, die Beziehung, muss zu bezahltem Sex greifen, wenn er sich nicht anders behilft. "Wenn ich eine Frau das shoppen bezahle und davon ausgehe daß sie mit mir danach ins Bett geht" ist das Prostitution. Keine Frage. "Wenn ich das Abendessen bezahle und nicht auf getrennte Kassen bestehe", die Frau aber von einer freundschaftlichen Geste ausgeht, ist das fast schon Nötigung, aber keine Prostitution. "Wenn ich sie kostenlos in einer Wohnung wohnen lasse" und sie kennt die Bedingen nicht, nämlich, dass für das Wohnen Sexdienstleistungen erbringen muss, ist es keine Prostitution. Wenn sie die Bedingung kennt, und einwilligt, ist es Prostitution. Was ist daran zweifelhaft? In meiner Welt ist eine "Paarbeziehung" auf Respekt, gegenseitiger Zuneigung, gegenseitige Unterstützung (in guten wie in schlechten Zeiten) Sex mit beidseitigem Einverständnis und, auf Verabredung, einer gemeinsam geführten Haushaltskasse aufgebaut. Heutzutage können sich Frauen lässig für oder gegen einen Mann entscheiden. In der Regel benötigen sie den Tausch Sex gegen Unterhalt nicht mehr. Ihr Plädoyer für das Recht auf käuflichen Sex kommt aus sehr vergangenen Zeiten.
Nicht jede/r kann oder will eine "normale" Beziehung führen. Manchem/Mancher fehlt dafür der Sinn - und er/sie will nur Sex. Dann ist es besser, er/sie sucht in der Prostitution nach Sex, als, dass man/frau jemand in der Disko aufreißt - und am nächsten Tag dann vor die Türe setzt.

Ich kann mir nicht vorstellen, jemals zu einer Prostituierten zu gehen, weil das im Grunde nichts anderes ist als Selbstbefriedigung - und die kann ich einfacher haben. Aber das muss ja nicht für alle gelten.
Solange Sex einvernehmlich ist - egal ob aus gegenseitigem Interesse oder für Geld - sehe ich kein Problem darin. Es ist ja auch nicht anstößig sich massieren zu lassen - und es soll nur keiner glauben, alle Masseure/Masseurinnen wären "glücklich", den ganzen Tag an fremden Körpern Schwerarbeit zu leisten. Und glaubt irgendjemand, ein Psychotherapeut, der sich den ganzen Tag ähnliche Geschichten anhört, macht das immer mit Freude? Therapeuten prostituieren sich im Grunde auch, denn wir bieten "eigentlich zwischenmenschliches" (Gespräche, Zuhören, Berühren usw.) gegen Geld - eben eine Dienstleistung. Nur nennt man das eben nicht Prostitution...

Wer die Prostituierten schützen will, muss sie legalisieren und rechtlich besser stellen, sodass sie sich gegen Übergriffe oder Zwang oder säumige Zahler wehren können.

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Grünspahn 07.07.2019, 13:25
29.

Zitat von ynwa_
Kommentare der Prostitutionsverbot Gegner, ob der ein oder andere dann zu den Betroffenen zählen würde, möchte ich erst gar nicht in den Raum stellen. Was mir an diesen ganzen Diskussionen fehlt ist die grundsätzliche Frage, warum Mann sich überhaupt Sex erkaufen will. Ich denke es die Umgehung des natürlichen Machtgefälles in Paarbeziehungen zu Ungunsten des Manns. Ein Verbot wird Prostitution nicht stoppen aber es wird sicherlich den Sextourimus stoppen und Deutschland nicht mehr zum Bordell Europas machen. Ein Verbot würde auch die Diskussion über die Prostitution intensivieren und deren Umgang damit ,
Die Damen, die in 3. Welt Länder fahren und sich dort von einheimischen Männern verwöhnen lassen nutzen nicht die Dienste von Prostituierten? - Prostituierte sind nicht nur weiblich, Freier sind nicht nur männlich! Es braucht klare Regeln (die gibt es schon überwiegend) die Zwangsprostitution eindämmen (verhindern wird man es nie ganz können) und auch den Willen und die Ressourcen diese durchzusetzen (daran hapert es leider sehr oft).

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