Forum: Politik
Debatte über Ungleichheit : Liberale Lügen
DPA

Die Rechtspopulisten haben geschafft, was linken Politikern und Publizisten seit Jahren nicht gelungen ist: Die Elite debattiert über Ungleichheit. Nicht aus Anstand - sondern aus Angst.

Seite 23 von 28
latrodectus67 30.12.2016, 11:34
220. Vorsicht

Zitat von martinbabenhausen
Gelder einer Solidar-Gemeinschaft (in diesem Falle dem Volk) an Menschen außerhalb dieser Solidar- Gemeinschaft zu verteilen hat nichts mit sozialer Gesinnung zu tun, sondern mit Diebstahl. Und am allerwenigsten sozialer mit Gerechtigkeit.
Mit Unterscheidungen Volk vs die ausserhalb wäre ich sehr vorsichtig. Gemäß dem Rahmenbeschluss zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit der EU sind solche Äusserungen demnächst mit 1 bis 3 Jahren Haft belegbar.

Hassreden
Folgende Verhaltensweisen gelten als Strafdelikte:
Aufstachelung zu Gewalt oder Hass gegen eine nach den Kriterien der Rasse, Hautfarbe, Abstammung, Religion oder Weltanschauung oder nationalen oder ethnischen Herkunft definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe;
[...]
Auch die Anstiftung und die Beihilfe zur Begehung derartiger Straftaten sind strafbar.

Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist nicht nur durch die Ehre des Anderen wie in Deutschland, sondern auch durch die politische Korrektheit in der EU begrenzt.

Beitrag melden
herr wal 30.12.2016, 11:39
221.

Zitat von merrailno
was Augstein schreibt. Nur in einem irrt er, nicht nur die Afd will in die 50er, hinter die 50er zurück, auch das konservative Establishment benötigt diese Dumpfheit der "Abgehängten" ihre Politik durchzusetzen, denn der Konservatismus sieht in diesem 50 Jahre Mief sein .....
Ich hätte noch ein weiteres Merkmal von Konservatismus im Alltag anzubieten, das mir des öfteren aufgefallen ist. Und zwar ist das die Übertragung des Konzeptes von Vater - Sohn – Heiliger Geist auf die real existierenden Lebensumstände der bürgerlichen Welt. Da laufen eine ganze Menge vermeintlicher kleiner Hohepriester rum und verkünden, nur durch sie könne der gewöhnliche Sterbliche Zugang zum Patriarchen sowie zu unverrückbaren Gewißheiten erlangen. Und werden dann stinkig, wenn man an ihnen vorbei agiert. Ist nach meiner Beobachtung wirklich häufig anzutreffen, aber nur schwer mit einer selbstbestimmten Lebensart zu vereinbaren.

Beitrag melden
realpolitics 30.12.2016, 11:40
222. Guter Kommentar, einige Anmerkungen

Ein guter Beitrag, der mich zum Nachdenken anregt hat. Es ist klar, dass seit dem Ende des kalten Krieges und seit der Wiedervereinigung Deutschland wie auch Europa sukzessive in eine vehemente Schieflage - genannt Krise - geraten sind. Ich möchte Augstein ausdrücklich dafür loben, dass er sich diesen Krisenherden in letzter Zeit ohne Vorurteile und Scheuklappen anzunähern versucht. Ich stimme mit Augstein darüber ein dass eine der Hauptursachen des erwähnten Krisenkonglomerats der Turbokapitalismus ist. Darunter verstehe ich den Tanz um das goldene Kalb der Gewinn- und Profitmaximierung, zusammen mit einer gefährlichen Philosophie die besagt, dass der Globalisierungsgewinner, der Krisengewinner, der Absahner ein besserer Mensch sei als der 'Modernisierungsverlierer'. Letzterer hätte es eben nicht verdient, dass es ihm besser gehe, so die menschenverachtende Maxime, frei nach dem Motto, jeder Mensch sei seines eigenen Glückes Schmied und jeder könne Dreck zu Gold machen, wenn er denn nur wöllte. Nicht umsonst sind derartige Philosophien ('The Secret' etc.) so zum Verkaufsschlager geworden, auch und gerade unter intelligenten Leuten. Kurzum: Diese philosophische 'Elite' versucht mit aller Macht, dem Rest der Welt eine - sich teilweise selbsterfüllende - Philosphie aufzudrücken und diese auch christlich zu rechtfertigen. Nach dem Motto 'dem, der hat, wird gegeben werden, dem der nichts hat, dem wird auch noch das genommen werden, was er hat'. Hier ist äußerste Vorsicht angebracht, da muss ich Augstein generell Recht geben: Wir hatten schon einmal eine ähnlich realitätsverdrehende, spirituell-okkulte Philsophie, sie mündete im Nazi-Reich. Was wir dringendst brauchen ist eine neue 'Linke', eine Partei, die sich vehement gegen das Abzocken und die Profitgier und für eine maßvolle Verteilungskultur einsetzt.

Beitrag melden
busytraveller 30.12.2016, 11:42
223. Wer nicht lernt und nicht zuhört, geht unter.

AfD und andere rechte oder neu - konservative Gruppen führen das Thema soziale Gerechtigkeit nicht als wichtigstes an. Ihre Wortführer sind Menschen aus bürgerlichen Berufen, viele Studierte, durchaus keine Arbeiterkämpfer. Ihre Hauptthemen sind immer wieder solche, die mit fehlendem finanziellem Ausgleich zwischen arm und reich nichts zu tun haben. Die nicht funktionierenden EU - Errungenschaften wie Schengen, Dublin, der Euro, usw, und vor allem die unkontrollierte Masseneinwanderung aus islamischen Ländern und die damit verbundenen inzwischen für jedermann sichtbaren Probleme. Es scheint mir also eher das Problem der Linken -und hier auch Augsteins in seinen Kolumnen- zu sein, dass sie nicht darüber nachdenken, warum diese Themensetzungen die "Rechten" so erfolgreich machen, sondern stattdessen immer wieder zu dem Schluss kommen, das materielle Ungleichheit das Problem und deren Nivellierung die Lösung ist. Das uralte Linke Programm, wieder und immer wieder. Wer aber nicht lernt und nicht zuhört, geht unter. In der Politik und den Medien ganz sicher.

Beitrag melden
esckey 30.12.2016, 11:42
224. Könnte es nicht auch sein,

dass es viel einfacher ist und nicht nur die "Abgehängten" opponieren, sondern auch die, die einfach die Schnauze voll davon haben, dass die Regierung ständig in irgendwelchen Berichten Passagen löscht, die ihr nicht in den Kram passen? Dass es so ist, haben Sie beschrieben. Irgendwelche Schlüsse ziehen Sie nicht daraus.

Beitrag melden
merrailno 30.12.2016, 11:46
225. Jetzt lassen

Zitat von dirk.resuehr
ist Vermögen verteilt. Augstein als wohlbestallter Erbe und Testamentsvollstrecker weiß das wohl.Nebbich. Wenn alle nichts besitzen ist auch nichts, diese Sysreme sind samt und sonders gescheitert.Der Mensch in den Industrienationen hat nun,mal das Bedürfnis, Leistung zu erbringen und Wohlstand zu erwerben. Je mehr, je besser. Fakt ist, bisher kennt keiner ein besseres System, Augstein kennt nur Umverteilung, er hat ja genug.
Sie mal Augsteins Vermögen aus dem Spiel.
Bislang ist kein sozialistisches System gescheitert, es gab nämlich noch keins. Wo es Ansätze gab wurden diese von konservativer Seite bis aufs Blut bekämpft und zerstört, die Afd versucht gerade das bei der etwas gemässigten Rechten ebenfalls. Die Folge sind und waren immer entweder Nationalsozialismus oder "realer" Sozialismus, sprich systeme die Konservativ und der konservativen Ideologie gemäß unmenschlich, totalitär oder autokratisch geführt wurden.

Der Mensch in den Industrienationen ist konservativ neoliberal ideologiesiert und indoktriniert. Daraus resultiert entsprechendes Verhalten. Es ist keines wegs natürlich sich unsozial und auf dem Rücken von schwöchern sich zu bereichern. Es ist keineswegs menschlich seinen Profit ohne Rücksicht auf Ressourcen und Umweld und damit auf Mitmenschen zu mehren.

Beitrag melden
Peter Bernhard 30.12.2016, 11:52
226.

... verdanken wir der Flüchtlingskrise, würde ich sagen. Rechts wie Links muss sich anhand der praktischen Möglichkeit, dass ein Land nicht mehr das eigene Land ist von heute auf morgen, fragen, was es den "faschistisch" in den Ruten zusammenhält. Da teilte ich mir ein: rechts der Einzelne als Element der Menge und b als Leistender, Erfüllender von Regeln, links die Menge als Regelsetzende und Mengendefinierende. Interssant finde ich heute, zu unterstellen, die Definition von Menge und ihrer Zugehörigkeiten geschiehe links konservativ, nämlich eine bestehende Menge erhaltend und abschottend, während die angesprochene "Angst" etwas somit rechtes sei, wo nämlich der Einzelne durch also paradox un-konservative soziale Mobilität durch sein Eintreten in einen Kreis diesen "gleich schaltend" neu definiert: weil er konservativ "eigentlich" nicht dazugehöre. Wenn es also heißt: der Islam gehöre zu Deutschland dazu, bringt mir dies mein Gedachtes ganz verblüffend auf den Punkt: weil dieser Spruch den gewordenen Ist-Zustand konstatiert: es wird nicht in diesem Sinne rechts geängstigt, es stehe der Herr Islam an, ante portas, sondern es wird somit links festgestellt, das sei schon längst umdefiniert, was deutsch nun sei, also könne und werde alles Liebe und Teure so bleiben - was ich als links problematisiert gerade angenommen habe, in der Definition einer Menge, etwa der Deutschen.
Ansonsten hatte ich mr Links verortetet, als die Mittel in der Menge haltend, aus der sie gekommen sind - was Asyl zu was Wirtschaftlichem verfremden kann und Rechts als paradoxerweise die Arbeit, das Immer-Besser-Sein als Heranzuziehendes, Tragendes belobigend - was wie hier etwa gelesen logisch einhergeht mit einem Belassen von Geld dort, wo es nun mal ist -- wobei mir durch die Flüchtlingskrise die eigentliche recht Menge klar gemacht wird: die heilige, somit nicht eilige Familie. Undsofort. Danke.

Beitrag melden
Maria-Galeria 30.12.2016, 11:56
227. Den Nagel auf den Kopf getroffen

AFD unterscheidet sich im Wahlprogramm kaum von der CSU. Die AFD bedient in ihrem Fall die Ressentiments der weniger gebildeten Prekeriäner und der geldgeilen Mittel- und Oberschicht (Trump hat scheints von der AFD gelernt) zu der ich den gesamten Beamtenkörper zähle mit z.B. ihren überprivilegierten Pensionsansprüchen. Die große Frage ist, wer verzichtet freiwillig auf seine Privilegien. In der Vergangenheit waren es die großen Revolutionen (z.B. Frankreich) und Bürgerkriege (z.B. Amerika) die das Ruder zugunsten der Bevölkerung, mit viel Blutvergießen herumgerissen haben. Meiner Meinung nach stehen wir mehr oder weniger vor den ähnlichen Ausgangskriterien wie z.B. massives Ungleichgewicht in der monetären Ausstattung der einzelnen Personen, wie sie z.B. erwähnt haben, mit der in Zukunft grassierenden Altersarmut. Wie eine ewige Leier kann man nur immer wieder wiederhohlen, Mieten kaum noch erschwinglich, Lebenshaltungskosten haben sich mehr als verdoppelt, Rentenkürzungen, zehn Jahre Lohnstillstand. Als praktisches Beispiel für das Heute, heute benötigen wir zu Zweit, unsere 3 Kinder sind erwachsen, zur Ernährung und deckeln des alltäglichen Gebrauchs genauso so viel Geld, wenn nicht sogar mehr, als für fünf Personen im Haushalt, das andere Brimborium lassen wir mal außen vor, wie z.B. steigende Stromkosten, Versicherungen langen zu usw., was allerdings genauso zu Buche schlägt. Erwähnenswert dazu, wir kaufen keine Ökoprodukte und auch nicht übermäßig Fleisch, wir sehen zu, dass wir auch mit günstigen Angeboten über die Runden kommen. Bin gespannt ob unsere eingelullte, gut versorgte politische Klientel für die tatsächlich existierende flächendeckende Realität ihre Augen öffnet und sich nicht nur mit ihrer Argumentationen hinter wohlfeilen Statistiken versteckt.

Beitrag melden
localpatriot 30.12.2016, 11:58
228. Die Welt ist heute ganz anders

Zitat von realpolitics
Nach dem Motto 'dem, der hat, wird gegeben werden, dem der nichts hat, dem wird auch noch das genommen werden, was er hat'. Hier ist äußerste Vorsicht angebracht, da muss ich Augstein generell Recht geben: Wir hatten schon einmal eine ähnlich realitätsverdrehende, spirituell-okkulte Philsophie, sie mündete im Nazi-Reich. Was wir dringendst brauchen ist eine neue 'Linke', eine Partei, die sich vehement gegen das Abzocken und die Profitgier und für eine maßvolle Verteilungskultur einsetzt.
Die Arbeitslosigkeit war 1932 um die 40% und Deutschland hatte 4 Jahre Irrsinnskrieg, Reparationen, Hungersnot in vielen Städten und die Grosse Depression hinter sich.

Die Frust der Wähler wird in der normalen representativen Demokratie über den Wechsel von Regierung zur Opposition abreagiert.

Leider waren die heutigen Parteioberen zu klug um eine effektive Opposition zu erhalten. Die Folgen sind schöne Posten fuer einige und keine echte alternative Regierung für unzufriedene Wähler und Nichtwähler.

Echte Opposition ist die schwierigste Rolle in einer Demokratie und die SPD war leider nicht in der Lage diese Rolle zu stellen.

Aber eine Rückkehr wie sie hier andeuten steht ausserhalb der rationalen Erwartungen. Dennoch, man weiss ja nie wie verärgerte Wähler reagieren.

Ich stimme zu: Man muss sich Mühe geben.

Beitrag melden
dr.eldontyrell 30.12.2016, 11:59
229.

Zitat von localpatriot
Deutschland ist die erfolgreichste Wirtschaft Europas und eine der erfolgreichsten in der Welt und sie machen hier Entschuldigungen für den miserablen Eigenheimbesitz oder den unterentwickelten Aktienmarkt. Ihr Argument kann ich weder nachvollziehen noch akzeptieren. Das Problem liegt an der Struktur und dem mangelnden Willen der Volksparteien Kapitalbildung effektiv zu fördern oder an der Einstellung der Menschen in anderen Regionen. Wo ich herkomm hat es früher geheissen: Schaffe, schaffe Häusle baua. Und die grosse Mehrzahl derjenigen die mit mir eingeschult wurden haben es auch geschafft. Um ehrlich zu sein, mir kommt keine Ausnahme in den Kopf, aber ...... Und deren Kinder und Enkel haben nun was zum erben und sie können dann eine Stufe höher klettern.
Seltsam, in meiner Entourage (Gymnasiast) liegt die Quote an Eigenheimbesitz max. bei 30%. Und das sind die, die auch von zuhause aus schon gute Vorraussetzungen hatten (von Papi bezahlte Studienzeit, Taschengeld, Auto, Bude, Kühlschrank, Wäsche bei Mutti). Die Kollegen aus einfachen und mittleren Verhältnissen leben zur Miete (und blechen ihr BAföG zurück). Und das sind keine Heiopeis, Unfallchirurgen, Ingenieure im Maschinenbau, Industriemeister, Hausärzte, Selbstständige, also durchweg Leute mit Bildung, Berufserfahrung und Motivus. Nur ohne Vitamin-B.
Die Entfesselung der Kapitalmärkte hat erst zu deren Situation geführt, Stagnation der Löhne, Personalabbau, Einsparungen überall, Hauptsache Rendite und Shareholder-Value stimmen. Und Sie fordern mehr davon. Lässt weit blicken.
Wer nicht verstehen (will), dass des einen Reichtum auf des anderen Armut basiert, dem kann nicht mehr geholfen werden. Egoist bis ins Mark.
Das Problem ist Systemimmanent, fest im Kapitalismus verankert. Polarisierung, Krieg, Neustart.

Beitrag melden
Seite 23 von 28
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!