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Debatte um Ausnahmen: Genossen verteidigen Mindestlohn für fast alle
DPA

Aus der Union gibt es immer neue Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn - jetzt reagiert die SPD. Parteichef Gabriel, sein künftiger Vize Stegner und Fraktionsvorstand Heil pochen auf die weitgehende Verbindlichkeit der Vereinbarung.

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luny 27.12.2013, 21:39
110. Wegen

Zitat von m.schrader
eigentlich haben sie recht. Aber in meinem Umfeld macht ein Betrieb zum 01.07.14 zu, weil er 2012 und 2013 rote Zahlen geschrieben hat und die Mitarbeiter einen Tariflohn von 9,25 € erhalten. Richtig, wenn man die Unkosten(u.a.Lohn) nicht erwirtschaften kann, das hat der Betrieb keine Existenzberechtigung. Die 15 Angestellten fallen ja sanft ins hervorragende soziale Netz!
Hallo M.schrader,

der Betrieb, den Sie als Beispiel wählten, macht zu, weil die
Tariflöhne zu hoch sind?

DAS kann ich mir nicht vorstellen.

Wie hoch sind denn die Lohnkosten an den Gesamtkosten?

Tariflöhne werden ja nicht aus dem hohlen Bauch ermittelt. Sie
werden zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften
festgelegt.

LUNY

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wauz 27.12.2013, 21:45
111. Wo leben Sie denn?

Zitat von ks82
Perspektivisch glaube ich schon, dass der Mindestlohn daran etwas ändern kann. Soetwas wie eine "Lohnprüfung" wäre ein bürokratischer Molloch auch wenn ich das gleiche Ziel habe und sehe wie sie. Ich denke die Marktprinzipien reichen hier aus: [...] Die Preise werden durch den Markt festgesetzt und nicht durch den Willen des Kunden. Dies gilt im Supermarkt und (nach dem Ende der staatlichen Subvention von Arbeit) auch für Firmen und Arbeitskräfte. Die Sicherstellung eines Existenzminimums führt dazu, dass jeder die Wahl hat, ob er eine schlecht bezahlte Arbeit annimmt und der Mindestlohn setzt eine Untergrenze quasi als Indikator ob die Art der Arbeit dem Entwicklungsstand des Landes angepaßt ist. Wer eine schlecht bezahlte Arbeit anbietet, hat mit dem Mindestlohn nun die Wahl: Kann und möchte ich diese Arbeit hier erhalten und evtl. so gestalten, dass sie mit Mindestlohn vergütet werden kann und wie erreiche ich das. Es ist ja einleuchtend, dass in einem hochtechnisierten Land primär andere Arbeiten verrichtet werden (müssen) als in einem Land der Dritten Welt (ein in Deutschland geknüpfter Teppich wäre zum Beispiel völlig unbezahlbar bzw. es könnte davon niemand leben - anderswo aber könnte diese Tätigkeit noch kostendeckend erledigt werden). Dazu muss dann vor allem in Bildung und Forschung investiert werden, damit die Bevölkerung auch in der Lage ist diese höherwertigen Arbeiten zu verrichten.
Es gibt keinen Arbeitsmarkt. Die freie Austauschbarkeit der Ware Arbeitskraft ist Fiktion. Erstens muss Nachfrager nach Arbeitskraft die passende Arbeitskraft finde. Das ist schwer genug, weil Arbeitskraft nicht beliebig mobil ist. Auch und gerade in den unteren Lohngruppen. Wenn einer aus der Uckermark in Rosenheim Getränkekisten stapeln soll, dann funktioniert das aus einem ganz einfachen Grund nicht: er findet keine bezahlbare Wohnung. Mobilität ist immer da gegeben, wo es um richtig viel Geld geht. Für eine kleine Elite an Spezialarbeitskraft-Anbieter wie Ingenieure oder Manager, existiert ein bisschen was Markt-ähnliches, wo mit ein paar Scheinen gewunken werden kann, und dann kommt die Arbeitskraft. Da bezahlt eine Firma auch einmal ein paar Dollar mehr. In den unteren Lohngruppen ist solche Mobilität Wunschdenken und die Preise (= Löhne) sind ökonomisch begrenzt. Es wird eher keiner eingestellt, als ein zu teurer.
Das Existenzminimum ist auch nicht in einer Weise gesichert, dass irgendwer noch eine Wahl hätte. Im Niedriglohn-Berich hat jeder jede angebotene Stelle anzunehmen, bei Strafe des Untergangs durch AfA/Jobcenter-Sanktionen. Und nachher kümmert sich neimand darum, ob die Bedingungen eingehalten werden.
Das alte Rechtskonstrukt der Sittenwidrigkeit, das per Hartz-Gesetzgebung ausgeschlossen wurde, hat eine Überprüfung erlaubt.
Ohne eine Kontrolle werden alle Pflichteinrichtungen umgangen. Es gibt ja auch eine Sozialversicherungspflicht und trotzdem finden genug Firmen Wege, auf denen sie sich der Pflicht entziehen können. (Dito Steuern).

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luny 27.12.2013, 21:51
112. Mindestlohn vs. Rente

Zitat von prologo1
Selbst ein Mindestlohn der Linken von 10 € bringt nach 45 Jahren nur eine Rente von 698,72 € mtl. und das ist genau die Höhe der Grundsicherung.
Hallo Prologo1,

ehrlich gesagt, die ganze Diskussion ist erbärmlich!

8,50 EUR/h wäre eine Art Minimaleinstieg in den flächendeckenden
Mindestlohn gewesen.

Und den läßt sich die SPD jetzt auch noch verwässern.

Nun, verwässert wurde er sowieso schon, weil erst ab 2017
flächendeckend gültig, was in den Kategorien von vier Jahren
denkenden Politikern so etwas wie der St. Nimmerleinstag ist.

Der Koalitionsvertrag zwischen der CDU/CSU und der SPD ist
eine reine Farce.

LUNY

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luny 27.12.2013, 21:55
113. Keinesfalls

Zitat von m.schrader
fast der gesamte Dienstleistungssektor. Aber es ist müssig drüber zudiskutieren. es wird jedenfalls ein wirtschaftspolitischer Blindflug, die Sache mit den Mindestlohn. Man kanns ja dann wieder korrigieren.
Hallo M.schrader,

nein, müßig finde ich die Diskussion überhaupt nicht.

Viele Dienstleistungen sich schlichtweg NOTWENDIG. Darauf kann
man nicht verzichten.

Oder planen Sie, sich demnächst Ihr Haar selbst zu schneiden???

LUNY

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McMacaber 27.12.2013, 21:56
114. optional

Ein Bekannter ist IT- Berater (Senior ) - nur doof für ihn: Ostberlin.
4-5 Tage reisend, meist 2-3 Kunden die Woche, und er steht bei 25,- / h.
Kunden zahlen 175,- / h. (alles brutto).
In diesem Fall würde ich stark für einen Mindestlohn plädieren :).
Nehm ich als Beispiel den etwas schäbigen Kiez-Friseur ums Eck, "waschen, schneiden, föhnen, legen", "der Herr 7,50, die Dame 12,50", frage ich mich, wer diesen Mindestlohn am Ende bezahlt.
Erwirtschaftet haben wird ihn der angestellte Hairstylist nicht.
Also muss der Inhaber die Preise anheben ... und da kommt mein Bekannter wieder ins Spiel, der jetzt nur noch alle vier Wochen zum Friseur geht - oder sich gar einen Langhaarschneider kauft.
Das Spiel lässt sich branchenübergreifend wiederholen, daher meine feste Meinung: lasst die Tarifverträge dort wo sie hingehören.

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luny 27.12.2013, 21:59
115. Genau

Zitat von Stäffelesrutscher
Und wenn in Bangla Desf faire Löhne gezahlt würden, dann würde - wenn alle anderen Preisbestandteile gleich bleiben - das billige Shirt 5,10 Euro und das teure 50,10 Euro kosten. Mehr nicht. Das würde hier niemandem wehtun.
Hallo Stäffelesrutscher,

Sie sagen es.

Der Preisunterschied erklärt sich aus dem Marketing, der Aus-
stattung der Läden und dem geplanten Gewinn.

Fair zu zahlen, das würde hier in der Tat niemandem weh tun.

LUNY

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luny 27.12.2013, 22:01
116. Ruin

Zitat von prologo1
Frankreich zahlt schon 10,80 €
Hallo Prologo1,

wenn Frankreich 10,80 EUR/h als Mindestlohn zahlt, ist Frankreich
demnächst pleite :-)

Ach, pleite ist Deutschland eigentlich auch schon, so ganz ohne
Mindestlohn?

Naja, irgendeinen "Schuldigen" muß man ja finden, oder? :-)

LUNY

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wauz 27.12.2013, 22:09
117. Wenn die Arbeitsagentur bloß könnte

Zitat von schnuffschnuff
Die ganze private Arbeitsverleihung gehört mMn verboten. Es kann nicht sein, dass Menschen zum Zwecke der Profiterzielung Menschen verleihen. Zeitarbeitskräfte zur Überbrückung von temporärem Arbeitskräftebedarf kann auch die Arbeitsagentur vermitteln und damit Missbrauch von vorn herein unterbinden.
Arbeitsagenturen zahlen ALG-1 aus, bieten manchmal Fortbildungskurse und ansonsten schikanieren sie Leute. In feste Jobs vermitteln die Arbeitsämter schon seit Anfang der 90er nicht mehr. Dann gab es noch ein paar Jahre die Jobvermittlung für Kurzzeitjobs. Das hat ein bisserl funktioniert und wurde zum 1.1.2004 abgeschafft.
Die Arbeitsämter haben auch mal versucht, selbst in den Zeitarbeitsmarkt einzusteigen. Das ging grandios in die Hose. Um es ganz ehrlich zu sagen: die tolle Agentur gehört auf das Minimum reduziert, nämlich das Auszahlen des Arbeitslosengeldes.

Zeitarbeit/Leiharbeit funktionierte über Jahre gut, bis die Hartz-Gesetzgebung und die unsäglichen DGB-Tarife Zeitarbeit zu einem Instrument der Lohnsenkung machten. Dieser Drops ist auch gelutscht: Es fehlt den Zeitarbeitsfirmen an Nachwuchskräften. Schon seit zwei Jahren gilt: wer einen Mann hat, bekommt den Auftrag. Es wird nicht mehr lange dauern, bis da dann tatsächlich Markt-Mechanismen greifen und die Kundenfirmen tiefer in die Tasche greifen, um überhaupt noch jemanden zu bekommen.
Die ökonomische Aufgabe der Zeitarbeit wird sein, die knappe Ressource Arbeitskraft punktgenau zu verteilen. Daran ist nichts Schlechtes. Es geht lediglich darum, dass diese Leute dann anständig bezahlt werden. Und das bedeutet, dass sie mehr bekommen müssen, als die Festkräfte. Man darf nicht vergessen: erfahrene Zeitarbeiter (die gibt es!) sind KnowHow-Träger. Und daran geht die Mindestlohn-Debatte völlig vorbei.

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v.papschke 27.12.2013, 22:32
118. Immerhin

haben ca. 25 % der SPD - Mitglieder die GROKO abgelehnt. Die Diskussion die jetzt losgetreten wurde, war genau der Punkt, auf den es diesen Genossen ankam. Und wie sich schon jetzt zu zeigen beginnt, völlig zu recht. Wenn das verwässert wird, dann kann die SPD sich nach 4 Jahren von alleine auflösen. Die FDP läßt grüßen.

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btraven 27.12.2013, 22:34
119. 2.Ölkrise

Ich stimme Deiner Aussage zu 97% zu. Nur, die Spirale dreht sich für die arbeitende Bevökerung ( der wirklichen Leistungsträger, derjenigen die den Rahm "erstrampeln" ,den dann einige wenige abschöpfen) schon seit Ende der 70 Jahre (2.Ölkrise) immer weiter nach unten, mit der von dir richtig beschriebenen Konsequenz, das seitdem auf Grund der mangelnden Binnennachfrage, ("Wachstum" hat es seitdem immer nur über einen steigenden Handelsbilanzüberschuss,Export gegeben), es niemals gelungen ist ein dauerhaftes "Wachstum" zu generieren. Definitiv ist seit dem Ende der 70er nichts mehr vom Produktivitätszuwachs bei den Arbeitnehmer angekommen, noch nicht einmal ein dauerhafter Inflationsausgleich.
Eine gerechte Verteilung des Produktivitätszuwachses ist eine der grundlegenden Eigenschaften der sozialen Marktwirtschaft eines Ludwig Erhard gewesen.
Bis Ende der 80er ist der daraus resultierende "soziale Frieden", nicht nur etwas gewesen,um das uns alle anderen Länder beneidet haben, etwas was für die BRD im Laufe der Jahre immer typischer wurde,nein, dieser soziale Frieden ist eine der Grundlagen dafür gewesen, das dieser Staat, aus den Ruinen der Nazizeit neu erstehen konnte.

Zitat von algenib
Bei euch in Deutschland dreht sich seit nunmehr 10 Jahren eine Spirale nach unten was Preise und Löhne angeht. In den unteren Lohnklassen dreht diese Spirale schneller was zur folge hat , dass die Kaufkraft verloren geht und der Binnenkonsum leidet. Nur mit einem Mindestlohn kann diese Spirale gestoppt werden. Wer seine Arbeitskraft und Zeit zur Verfügung stellt muss anständig Entlohnt werden. Ein Arbeitsplatz welcher sich nicht für 8.50 rechnen lässt hat keinen Sinn aufrecht erhalten zu werden, oder man bezahlt mehr für das Produkt. Das Argument der Schwarzarbeit zieht auch nicht. Leute , die Schwarz arbeiten lassen wird es immer geben.

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