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Debatte um Ausnahmen: Genossen verteidigen Mindestlohn für fast alle
DPA

Aus der Union gibt es immer neue Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn - jetzt reagiert die SPD. Parteichef Gabriel, sein künftiger Vize Stegner und Fraktionsvorstand Heil pochen auf die weitgehende Verbindlichkeit der Vereinbarung.

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widower+2 27.12.2013, 19:59
70. Alimentieren?

Zitat von spiekr
alle, welche mit ihrer Arbeit die zusätzlichen Arbeitslosen alimentieren müssen, ausser es gibt keine zusätzlichen Arbeitslosen. Jedoch können alle In- und Ausländer unter 8,50 alles ablehnen und in Harz 4 gehen. Da es angeblich viele unerwünschte Geschäftsmodelle unter 8,50 gibt, die komplett wegfallen sollen, sagen Sie uns bitte, was mit den Entlassenen geschieht.
Ob Sie irgendjemanden alimentieren, möchte ich mal dahingestellt sein lassen. Wenn doch, dann werden Sie in Zukunft ca. 300.000 Aufstocker weniger und 100.000 Arbeitslose mehr alimentieren. Ein Nullsummenspiel für Sie.

Geschäftsmodelle unter 8,50 Euro heißt ja bisher, dass sich Unternehmer auf Kosten des Steuerzahlers die Taschen vollstopfen, weil die gezahlten Löhne aufgestockt werden müssen. In den meisten Fällen würde ein Mindestlohn nur die Gewinnmarge dieser "Unternehmer" etwas schmälern. Wenn es eine Nachfrage für eine Dienstleistung oder ein Produkt gibt, wird dieses Produkt oder diese Dienstleistung auch nach Einführung eines Mindestlohns bereitgestellt.

Es gibt keinerlei Beweis dafür, dass die Einführung eines Mindestlohns in den vielen Ländern, in denen es ihn schon gibt, auch nur einen einzigen Arbeitsplatz gekostet hat.

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ölsardine 27.12.2013, 20:01
71.

Zitat von spiekr
Genau: je niedriger die Miete gesetzlich gedeckelt wird, desto weniger Wohnungen werden gebaut. Nur eine erhebliche Verknappung der Geringqualifizierten wird ihnen helfen oder der Steuerzahler.
Sie wollen nicht diskutieren, sie wollen mißverstehen. Wenn nicht die Lohnentwicklung in D durch breite Ausweitung der Niedrig- und Dumpinglöhne derart aus dem Ruder gelaufen wäre, dann bräuchten wir keinen Mindestlohn. Ein Millionenheer von ausgegrenzten Arbeitslosengeld - und Hartz IV-Bezieher sowie die Schwächung der Gewerkschaften durch neoliberalen Polit- und Lobbydruck hat für diese sittenwidrige Lohnentwicklung gesorgt.
Gesetz des Marktes ist es, dass kein AN sich unter Selbstkosten (Lebenshaltungskosten) verkaufen kann. Auch discounter oder Supermärkte dürfen ihre Waren nicht unter Einstandspreis abgeben.

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MeineMeinungist... 27.12.2013, 20:02
72. Was für einen Unsinn?

Mindestlohn ist Mindestlohn. Einzige Ausnahmen sind Ausbildungverträge, ansonsten gibt es keine Lehrstellen mehr. Wobei dort Hungerlöhne wie im Friseurhandwerk auch nicht gezahlt werden dürfen.

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akeley 27.12.2013, 20:05
73. optional

"Wenn ihr Alle zu Hause bleibt, d.h. euch einfach mal krank meldet oder nicht mehr zur Arbeit geht oder euren mies bezahlten Job kündigt, dann muss der Arbeitgeber reagieren, sonst kann er dicht machen. "

Dagegen hat man das System ja schon mit HartzIV abgesichert. Denn wer seinen Job kündigt, bekommt eine Sperrzeit des Arbeitslosengeldes und steht vor der Wahl, drei Monate lang von Ersparnissen zu überleben oder einfach obdachlos zu verhungern. Wer wegen schuldhaften Verhaltens (nicht erscheinen, falsch krank melden) gekündigt wird, ist ebenfalls 3 Monate nicht zum Arbeitslosengeld berechtigt.
Da kann der Arbeitgeber gut reagieren, denn das Jobcenter schickt ihm nicht nur auf Zuruf sofort jede beliebige Anzahl von neuen Kräften, er bekommt für die Einstellung sogar noch Fördergelder.

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katzenheld1 27.12.2013, 20:10
74. Ade, Minijob

Zitat von friedensengel
...nur weil sie für 450 EURO arbeiten? Stellt für mich kein plausibelen Grund dar. Kann es sein, dass die SPD es unterlassen hat, ihren Mitgliedern das Kleingedruckte vorzulegen?
Für einen Minijobber mit einem Stundenlohn von 8,50 EUR (brutto für netto für den Arbeitnehmer) muss der Arbeitgeber 11,47 EUR zahlen, da die von ihm zu zahlenden Pauschalabgaben (KV, RV, Steuern, Umlage 1 + 2, Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung, Insolvenzgeldumlage) ja hinzu gerechnet werden müssen. Da erledigen in kleinen Firma Chef oder Chefin z.B. Botenfahrten, Kaffeekochen und Brötchen holen, Schreibtische und Boden putzen eher doch allein – anstatt eine zuverdienende Kraft (Rentner, Schüler, Hausfrau, Zweitjob) zu beschäftigen für immerhin 607 EUR im Monat bei 1,3 Std. täglicher Arbeitszeit.

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ölsardine 27.12.2013, 20:15
75.

Zitat von katzenheld1
Für einen Minijobber mit einem Stundenlohn von 8,50 EUR (brutto für netto für den Arbeitnehmer) muss der Arbeitgeber 11,47 EUR zahlen ...
Nein, für solche 400€ oder 450 € - Minijobber bezahlt der AG eine Pauschale an Steuern und SV (von der der AN nichts hat), das sind max. 120 € im Monat, also jammern Sie bitte nicht so falsch herum wie eine AG-Heulboje.
Der AG kann jederzeit die Zersplitterung von echten Arbeitsplätzen in Minijobs rückgängig machen, wenn ihm das so nicht passt.

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verwunderterzeitungsleser 27.12.2013, 20:19
76. Ich hab`das früher auch nicht glauben wollen, aber...

Zitat von macinfo
Wenn ein wirtschaftliches Wunderland wie Deutschland es sich nicht leisten kann jedem arbeitenden Menschen diesen geringen Stundenlohn zu garantieren, dann weiß ich auch nicht mehr. Es ist nur noch eine Schande! Auf der gegenüberliegenden Seite sieht es dagegen so aus: Als Bundestagsabgeordneter bekommt man zum üppigen Salär auch noch Geschenke wie iPad & Co., finde nur ich das unanständig? Vielleicht sollte man einfach mal der Oberklasse den Dosenöffner für die Kaviardosen verstecken, bis diese eindlich einmal zur Vernunft kommt.

es handelt sich hier nicht um Schande oder Großzügigkeit oder Boswilligkeit der Arbeitgeber, sondern um das Grundprinzip des Kapitalismus - die Erzielung von Maximalprofit ist das Ziel. Und dafür lässt man alles rings herum zugrunde gehen. Da ließ der IG-Farben-Konzern die Häftlinge in Auschwitz solange unter den jämmerlichsten Bedingungen schuften, bis sie tot umfielen. Da verkaufte man schon im ersten Weltkrieg die deutschen Zünder für die Granaten an den "Feind" England, mit denen dieser dann die deutschen Männer der Zünderherstellerinnen, es waren ja bloß deren Ehemänner und Söhne, vernichtete.

Da leider aber alles das, was sich Sozialismus und Kommunismus nannte, ebenfalls in diese Richtung ging ( siehe neulich erst der Tod von Kalaschnikow und die Verbreitung seiner Erfindung) müssen völlig neue Gesellschaftskonzepte erfunden werden, wenn die Menschheit diesen Teufelskreis durchbrechen will. Ob es das jemals geben könnte, wage ich zu bezweifeln. Gegenwärtig bleiben nur die kleinen Schritte: Gewerkschaften bilden - Tarifverhandlungen -streiken! Und die Gewerkschaften müssen sich mit den Arbeitern anderer Länder zusammenschließen und sich ebenfalls globalisieren: Ein guter Anfang war die Unterstützung der Amazonarbeiter durch die polnischen Gewerkschafter. Vielleicht hilft uns Solidarnost`- Solidarität weiter. Das hat schon mal ein Weltsystem ins Wanken gebracht. Das ist möglicherweise der Königsweg.

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m.schrader 27.12.2013, 20:21
77.

Zitat von citizen_kane
Der Arbeitnehmer muss auch ein Minimum an Lebenshaltungskosten verdienen, sonst kann er seine Arbeit gar nicht anbieten. Unternehmer sind nicht die meisten Menschen in dieser Welt, die ökonomischen Sachzwängen unterliegen. So viel zum Thema "wirtschaftlicher Sachverstand".
eigentlich haben sie recht. Aber in meinem Umfeld macht ein Betrieb zum 01.07.14 zu, weil er 2012 und 2013 rote Zahlen geschrieben hat und die Mitarbeiter einen Tariflohn von 9,25 € erhalten. Richtig, wenn man die Unkosten(u.a.Lohn) nicht erwirtschaften kann, das hat der Betrieb keine Existenzberechtigung. Die 15 Angestellten fallen ja sanft ins hervorragende soziale Netz!

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ks82 27.12.2013, 20:27
78.

Zitat von spiekr
verdammen Sie zurecht. Aber was machen Sie mit denen, welche die nachgefragten Qualifikationen für Std. € 10-50 nicht haben? Bedenken Sie die hohen Grundkosten in Deutschland, die eine hohe Wertschöpfung pro Arbeitsplatz erfordern, was mit Hochqualifierten gut funktioniert. Kurzum: Der Laden kostet dasselbe, ob dort eine sehr gute Verkäuferin / etc. steht oder eine Hilfskraft für Mindestlohn.
Es gibt da zwei Fälle: Sollte sich in der Gesellschaft eine andere Aufgabe finden, welche diese Menschen ausführen können und dabei einen Mindestlohn verdienen können, dann muss der von Ihnen genannte Arbeitsplatz zu Gunsten des besseren Arbeitsplatzes wegfallen. Sollte sich keine andere Aufgabe für diese Menschen finden, müssen wir uns als soziale Gesellschaft um das Existenzminimum dieser Menschen kümmern. Es gibt leider keinen anderen Weg: Es wird in diesem System durch das Bestreben der Gewinnmaximierung immer Menschen geben, die keine Arbeit haben - Vollbeschäftigung ist ein netter Mythos, die wir systemisch bedingt nicht erreichen können.

Ganz perspektivisch (viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte) wird man schauen müssen, dass man am kompletten System etwas grundlegend ändert. Wie sie richtig sagen, hat nicht jeder eine gute Qualifikation und nicht jeder wird auch dahin kommen können. Im Betreben Kosten zu sparen geht der Trend zu immer größerer Automatisierung, sodass der Endzustand des Systems eigentlich der ist, dass wir alle "arbeitslos" in dem Sinne sind, dass wir obwohl wir nicht arbeiten trotzdem durch Maschinen versorgbar wären. Dann würde es um ein System gehen welches die Menschen vorhandene Kreativität für neue Entwicklungen und Veränderungen optimal ausnutzen und ausreizen kann. Man sollte dann überlegen, ob Gewinnmaximierung, was die Grundlage des jetzigen Systems bildet, noch die ideale Triebfeder darstellt. Mir schwebt da so etwas wie Gemeinwohlmaximierung vor. Sprich eine Änderung der zentralen Frage: "Welcher Mehrwert ergibt sich für mich dabei", hin zur Frage: "Welcher Mehrwert ergibt sich für alle anderen dabei". Ein solches System muss allerdings erst noch konstruiert werden - allerdings bin ich davon überzeugt, dass es konstruierbar ist.

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rotfront 27.12.2013, 20:28
79. Da irren Sie sich aber gewaltig

Zitat von katzenheld1
Für einen Minijobber mit einem Stundenlohn von 8,50 EUR (brutto für netto für den Arbeitnehmer) muss der Arbeitgeber 11,47 EUR zahlen, da die von ihm zu zahlenden Pauschalabgaben (KV, RV, Steuern, Umlage 1 + 2, Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung, Insolvenzgeldumlage) ja hinzu gerechnet werden müssen. Da erledigen in kleinen Firma Chef oder Chefin z.B. Botenfahrten, Kaffeekochen und Brötchen holen, Schreibtische und Boden putzen eher doch allein – anstatt eine zuverdienende Kraft (Rentner, Schüler, Hausfrau, Zweitjob) zu beschäftigen für immerhin 607 EUR im Monat bei 1,3 Std. täglicher Arbeitszeit.
glauben Sie wirklich,die machen das dann selber???Nur weil diese Leute nicht mehr Ausbeuten dürfen???Die finden sicher andere Wege.
Noch 1998 hat ein Angestellter bei der Landschaftsgestaltung 11,45 DM verdient.Was die DM damals wert war,wissen wir alle.Nun zwingt man H4-Empfänger für 1 oder 1,50 Euro je Stunde diese Job ( Laub harken,Beete bepflanzen und pflegen,Grünanlagen hegen,Parks bewirtschaften--also die gleichen Tätigkeiten wie damals )dies zu machen.
Das ist einfach Sklaverei.Durch den Mindestlohn werden dann eben nicht mehr 20 Leute im Park Laub harken,sondern vielleicht nur noch 5.
Schöner Nebeneffekt,von der Regierung aber gefürchtet,die Arbeitslosenstatistik wird wieder annähernd reell dargestellt werden müssen.
Denn das wir auch jetzt über 7 Mio Arbeitslose haben,dürften sogar Sie wissen.Und nicht um die 3 Mio.Frei nach Nahles:"Ich male mir die Welt... "

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