Forum: Politik
Debatte um PID: Bundesrat streitet über Gentests bei Embyros

Auch Eltern mit erblichen Vorbelastungen wünschen sich gesunde Kinder - sollen deswegen Gentests an Embryonen aus der Petrischale erlaubt sein oder würde eine Präimplantationsdiagnostik einem "Dammbruch" gleichkommen? Im Parlament wurde heftig diskutiert. Welche Position sich durchsetzt, ist noch unklar.

Seite 3 von 17
Rainer Helmbrecht 15.04.2011, 06:25
20. Ohne Titel ist man freier.

Zitat von jüttemann
Letzteres hat sich die medizinische Indikation beim Schwangerschaftsabbruch ja auch als "humanes Ziel" auf die Fahnen geschrieben. Was mich jedoch stutzig macht sind die alarmierenden Untersuchungen über die physischen und psychischen Spätfolgen einer Abtreibung, die merkwürdigerweise fast nur von Abtreibungsgegnern veröffentlicht (und vielleicht auch in Auftrag gegeben) wurden, aber seitens der offiziellen Stellen (Gesundheitsministerium etc) ist zu diesem Thema selbst bei langem nachgoogeln nichts zu finden......
Ich finde es seltsam, dass sich gerade bei der Abtreibung die Folgen so gravierend herausstellen und man sie darum verbieten will. Wenn Kinder und Jugendliche Schule und Ausbildung verweigern, sind doch die Folgen ebenso schlimm für das Leben der Verweigerer.

Da werden Hilfen angeboten und wer sie nicht annimmt, muss mit den Folgen weiter leben. Wer sich einen falschen Beruf, oder Ehepartner sucht, muss die Konsequenzen tragen. Da helfen doch keine Verbote. Ab einem bestimmten Alter muss man für seine Entscheidungen einstehen.

Übrigens, gibt es diese physischen und psychischen Spätfolgen auch bei einer Fehlgeburt. Da kann man auch nichts verbieten. Das sind Ereignisse mit denen man fertig werden muss. Bei einem Abbruch weiss ich wenigstens warum.

Dass Frauen und auch Männer, da Trauerarbeit leisten müssen, gehört dazu. Aber das müssen Eltern auch, wenn ihr Kind in den Krieg zieht, aber dabei gibt es lange nicht so einen Aufstand, wie gerade bei einer Untersuchung, die das Ziel hat, gesunde Kinder zu bekommen.

MfG. Rainer

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Celegorm 15.04.2011, 06:42
21. ...

Zitat von jüttemann
Ich habe den Verdacht, dass man politischerseits keine neue Debatte über den Schwangerschaftsabbuch will und deshalb die Risiken und Nebenwirkungen schlichtweg verschweigt.
Ich habe da eher den Verdacht, dass man konservativ-politischerseits auf Teufel komm raus eine neue Debatte will und deshalb irgendwelche "Studien" zusammen montiert, um sich auf einmal mit "Nebenwirkungen" als die mitfühligen Frauenversteher hervor zu tun, nachdem sich die alten Strategien weitgehend totgelaufen haben. Wirkt allerdings reichlich scheinheilig, war diesen Kreisen die Gemütsverfassung der Frau in dieser Situation bisher doch ziemlich egal.

Wie auch immer, vielleicht hat auch Ihre Version einen wahren Kern. Bloss, diesen "Verdacht" hier als suggestive Wahrheit zu monieren ist offensichtlich nur billig. Ist wie aufgezeigt alles eine Frage des Blickwinkels, es lässt sich auf einer solchen Ausgangslage jeder beliebige "Verdacht" konstruieren.

Im übrigen will wohl niemand bestreiten, dass ein Schwangerschaftsabbruch kein "Kindergeburtstag" ('tschuldigung für den Kalauer) ist, sondern durchaus Risiken bergen kann und auch psychisch nicht immer leicht zu verarbeiten ist. Es ist aber blanker Hohn aus dem Umstand ein Argument gegen Abtreibung drehen zu wollen. Denn ein Verbot ist ja was Sie und Gesinnungsgenossen offenbar anstreben. Aber wenn einem das Anliegen ernsthaft am Herzen liegen würde müsste man sich da schon bessere Lösungen einfallen lassen, alles andere entlarvt nur wes Geistes Kind hier theatralisch die Sorgenfalten runzelt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
netzangreifer 15.04.2011, 08:24
22. Nicht Parteien diskutieren das Thema

Zitat von hausmeister hempel
Wer noch nie das Leiden von Menschen, die sich in die Hände von Humangenetikern begeben, um endlich Hilfe zu bekommen, erlebt hat, sollte auch nicht über PID mitreden können! Moral und Ethik sind nicht mehr abstrakt, wenn man das menschliche Elend dort miterleben muß.
Wollen Sie die Betroffenen jetzt die Gesetze entwerfen und entscheiden lassen? Das hat dann aber nichts mehr mit Demokratie zu tun, oder? Es ist garnicht verkehrt, wenn Unbeteiligte da ihre Bedenken in den Ring werfen. Bedenken, die Betroffene einfach wegwischen würden, weil sie nur Positives in der PID sehen.
Bemerkenswerterweise werden die Diskussionen im Bundestag ja auch parteiübergreifend geführt, hier diskutieren nicht Parteien miteinander, sondern Menschen mit ihren unterschiedlichen moralischen Einstellungen.

Ich halte die PID in Fällen schwerer Erbkrankheiten auch für sinnvoll, lehne aber eine PID zur Auswahl des Geschlechts strikt ab.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
reuanmuc 15.04.2011, 08:27
23. .

Zitat von hausmeister hempel
Ohne IVF ist PID hinfällig.
Das ist logischerweise richtig, Sie meinten es aber vermutlich umgekehrt: ohne PID ist IVF hinfällig. Jeder vernünftige, ideologiefreie Mensch würde zustimmen.

Auch ohne Verbot der PID bliebe es den PID-Gegnern freigestellt, auf PID zu verzichten. Eine Empfehlung der PID-Gegner würde vollkommen ausreichen. Es geht eindeutig nur um Machtansprüche zur Bevormundung von Mitmenschen.

Niemand wird durch eine PID geschädigt, keine Werte werden verletzt, außer den völlig willkürlich gesetzten Werten einer embryonalen Menschenwürde. Dafür wird die drastische Verletzung der Menschenwürde für die Eltern inkauf genommen, denen die Bestimmung ihrer eigenen Zukunft geraubt wird und denen ohne Sinn schwerwiegende Ängste zugemutet werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
reuanmuc 15.04.2011, 09:13
24. .

Zitat von hausmeister hempel
Ohne IVF ist PID hinfällig.
Das ist logischerweise richtig, Sie meinten es aber vermutlich umgekehrt: ohne PID ist IVF hinfällig. Jeder vernünftige, ideologiefreie Mensch würde zustimmen.

Auch ohne Verbot der PID bliebe es den PID-Gegnern freigestellt, auf PID zu verzichten. Eine Empfehlung der PID-Gegner würde vollkommen ausreichen. Es geht eindeutig nur um Machtansprüche zur Bevormundung von Mitmenschen.

Niemand wird durch eine PID geschädigt, keine Werte werden verletzt, außer den völlig willkürlich gesetzten Werten einer embryonalen Menschenwürde. Dafür wird die drastische Verletzung der Menschenwürde für die Eltern inkauf genommen, denen die Bestimmung ihrer eigenen Zukunft geraubt wird und denen ohne Sinn schwerwiegende Ängste zugemutet werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hausmeister hempel 15.04.2011, 09:28
25. Überschrift

Zitat von netzangreifer
Wollen Sie die Betroffenen jetzt die Gesetze entwerfen und entscheiden lassen? ......
... zumindest sollten die, die damit täglich umgehen, gehört werden. Am "grünen Tisch" ist immer alles so einfach "schwarz/weiß", die Realität ist aber meist völlig anders! Man geht mit dem Thema ideologisch um und völlig inhuman.

Zitat von netzangreifer
Ich halte die PID in Fällen schwerer Erbkrankheiten auch für sinnvoll, lehne aber eine PID zur Auswahl des Geschlechts strikt ab.
Nur mal ein Fall, vor etwa zwei Jahren: Ein Paar kommt zur Beratung, weil sie Kinder haben möchten. Mann ist zeugungsunfähig (klassischer genetische Defekt). aber man kann mittels seiner Spermien Eizellen seiner Frau im Reagenzglas befruchten (natürlicherweise funktioniert das aufgrund der Spermiendichte und -beweglichkeit nicht). Ehepaaar wollte aber, da dieser Gendefekt nur an das männliche Geschlecht gekoppelt ist (Y-chromosomal), auf keinen Fall einen Jungen bekommen, denn der hätte dann dasselbe Problem, wie sein Vater. Nun, sie hatten Glück, es ist ein Mädchen geworden.
In solchen Fällen ist es sehr wohl angezeigt, geschlechtspszifisch zu selektieren. Das ist man dem zukünftigen Kind und den Eltern schuldig!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jüttemann 15.04.2011, 09:35
26. ...

Zitat von reuanmuc
Niemand wird durch eine PID geschädigt, ...
Woher wissen Sie das? Gibt es dazu schon irgendwelche Studien oder sogar Langzeitstudien an PID-untersuchten Kindern? Oder behaupten Sie das mal so ....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pitterw 15.04.2011, 09:44
27. D.T.P. (Deutsche Tea Party) ?

Zitat von sysop
Auch Eltern mit erblichen Vorbelastungen wünschen sich gesunde Kinder - sollen deswegen Gentests an Embryonen aus der Petrischale erlaubt sein oder würde eine Präimplantationsdiagnostik einem "Dammbruch" gleichkommen? Im Parlament wurde heftig diskutiert. Welche Position sich durchsetzt, ist noch unklar.
Aus unerklärlichen Gründen ist mein gestriger Beitrag in dem Blog "Babytest mit Strandurlaub", Nr. 43
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=33618&page=5
gelandet. Darum hier noch einmal:

Selten hat mich etwas mehr angekotzt, wie diese, an Scheinheiligkeit und Moralinschwangerschaft nicht mehr zu überbietende heutige Debatte des Bundestages. Und dabei durften die Abgeordneten ja sogar frei reden, was sie sonst, Artikel 38 GG hin oder her, offensichtlich nicht dürfen. Ich bin kein Freund von PID, ich lehne die ganze „In-Vitro-Fertilisation“ und sonstige Kunstgriffe, „Leihmutter“ usw. überhaupt ab. Wenn Eltern auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können, dann weiß die Natur, warum das so ist! Ich bin auch (als Mann) gegen Abtreibung, halte das aber für die alleinige und ausschließliche Sache der Frau, in die sich Männer überhaupt nicht einzumischen haben und erst recht nicht der Staat oder der selbsternannte „Stellvertreter“ in Rom.

Nun handhaben wir Abtreibungen in unserem Lande, Dank Alice Schwarzer, Romy Schneider und vielen Anderen, heute recht liberal und das ist auch gut so. Eine künstlich befruchtete Eizelle darf einer Mutter also eingesetz werden und sie darf sich, bzw. das heranwachsende Kind, auch ständig untersuchen lassen. Stellt sie nach einigen Wochen fest, daß das Kind „Erbkrank“ oder „Mißgebildet“ ist oder auch nur, daß es ein Junge ist und sie ein Mädchen wollte, darf sie es ungestraft innerhalb der ersten 3 Monate abtreiben lassen. Den Vorgang darf sie auch beliebig oft wiederholen (Psychische und Gesundheitsschäden lassen wir mal unbeachtet, scheint ja auch kaum einen unserer Abgeordneten zu interessieren).

Sollte aber jemand auf die Idee kommen, bereits die einzusetzende Eizelle vorher zu untersuchen und diese, falls nicht gesund, absterben zu lassen, dann soll das auf einmal eine moralisch verwerfliche (und strafbare) Vernichtung von menschlichem Leben sein. Man entblödet sich nicht, sogar das Unwort „Selektion“ zu verwenden. Hier feiert die Heuchelei und Bigotterie der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts fröhlich Urständ!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hausmeister hempel 15.04.2011, 09:45
28. Überschrift

Zitat von jüttemann
Woher wissen Sie das? Gibt es dazu schon irgendwelche Studien oder sogar Langzeitstudien an PID-untersuchten Kindern? Oder behaupten Sie das mal so ....
...das liegt in der Natur der Technik!
Ein wenig Weiterbildung in Entwicklungsbiologie hilft!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pitterw 15.04.2011, 09:55
29. Vernünftige Gesetzentwürfe?

Zitat von Antje Technau
Es liegen zum Glück zwei sehr vernünftige Gesetzesentwürfe pro PID vor.
Nein. Ein vernünftier Gesetzentwurf würde sich auf die Worte beschränken:
"Eine Prä-Implantations-Diagnostik ist erlaubt". Ende.
Bereits das Wort "Ethikkommission" verursacht mir einen ununterdrückbaren Brechreiz.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 17