Forum: Politik
Demokratie: Volk und Wahrheit

Alle klagen über den Mangel an Demokratie. Aber Wahlen sind nicht die Lösung. Es ist paradox: Wer Demokratie will, darf die Menschen nicht direkt befragen.

Seite 51 von 51
jenoc 12.04.2016, 12:23
500. ! Augstein liegt richtig !

Je direkter eine demokratische Staatsform sich organisiert, desto stärker ist sie auf ihren allumfassend gebildeten Nukleus angewiesen: Den Bürger.
Genau hier geht aber die Schere gerade weit auseinander: Gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und vor allem technische Entwicklungen rasen dem einzelnen Bürger doch seit jüngeren Zeiten immer schneller davon. Er ist nurmehr rudimentär in der Lage, die einzelnen Entwicklungen zu verfolgen oder gar richtig zu bewerten.

Insofern liegt Herr Augstein völlig richtig. Direktere Demokratie mag ein verständlicher Reflex angesichts dieser Entwicklungen sein. Aber leider auch der falsche.
In Zeiten immer stärkerer Spezialisierung wird Demokratie nur durch Vertrauen in ihre Repräsentanten bestehen.

Beitrag melden
Freedom of Seech 12.04.2016, 12:33
501. Augstein: schwarz-weiss

In einer funktionierenden Demokratie kann man sehr wohl Volkasbastimmungen veranstalten. Allerdings sollte man die Latte hochhängen: sagen wir: > 30% der Bevölkerung muss erst einmal eine Volksabstimumng per Unterschrift befürworten (danach ggf. die eigentliche Abstimmung). Damit wird verhindert, dass über jeden Mist abgestimmt wird bzw. im emotionalen Überschwang und aus dem Bauch heraus mal schnell eine Fehlentscheidung getroffen wird. ,

Beitrag melden
fritzberg1 12.04.2016, 12:36
502. Verrückte Welt!

Zitat von turbomix
Diejenigen, die ganz scheinheilig nach direkter Demokratie schreien, werden als Erstes die Demokratie abschaffen, sobald sie die Macht haben. Dieser Ruf nach direkter Demokratie, kommt doch nur aus der ganz rechten/ Rechten Ecke.
So so, der Ruf nach Demokratie kommt also aus der rechten Ecke. Das ist wohl der allerneueste "Neusprech".
Da alles was von "rechts" kommt aber böse ist, ist also Demokratie auch böse und muss deshalb abgeschafft werden.
Bestechend einfache linke logische Schlussfolgerung.

Aber wahrlich eine verrückte Welt, wo die "Linke" selbst nicht mehr weiß ob sie noch "links" ist oder doch schon "rechts".

:-)

Beitrag melden
Robert_Rostock 12.04.2016, 12:46
503.

Zitat von turbomix
Diejenigen, die ganz scheinheilig nach direkter Demokratie schreien, werden als Erstes die Demokratie abschaffen, sobald sie die Macht haben. Dieser Ruf nach direkter Demokratie, kommt doch nur aus der ganz rechten/ Rechten Ecke.
"Dieser Ruf nach direkter Demokratie, kommt doch nur aus der ganz rechten/ Rechten Ecke."

Bundestagswahlprogramm der Grünen 2013:
"Alle vier Jahre die Wahl zu haben, reicht nicht. Wir wollen auch im Bund direkte Demokratie ermöglichen. Sie kann die repräsentative Demokratie gut ergänzen."

Bundestagswahlprogramm Die Linke 2013:
"Wir wollen, dass endlich auch auf Bundesebene Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide mit niedrigen Zugangshürden sowie bürgerfreundlichen
Abstimmungsbedingungen (Straßensammlung, Briefwahl u. a.) stattfinden können."


Bundestagswahlprogramm Piraten 2013:
"Die Piratenpartei will die direkten und indirekten Mitbestimmungsmöglichkeiten eines jeden Einzelnen steigern. Die Bürger sollen in Volksabstimmungen direkt über Gesetze entscheiden können und so Verantwortung übernehmen:
## Ein im Parlament beschlossenes Gesetz soll nicht in Kraft treten, wenn die Bürger es in einer Abstimmung ablehnen (fakultatives Referendum).
## Wichtige EU-Reformen und Verfassungsänderungen müssen immer durch die Bürger in einer Abstimmung bestätigt werden (obligatorisches Referendum).
## Die Piratenpartei ist für die Einführung von Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden auf Bundesebene. "


Schon interessant, wer so alles ganz rechts steht.

Beitrag melden
fördeanwohner 12.04.2016, 12:52
504. -

Zitat von AlexisdeToqueville
... Mir ist auch nicht bekannt, dass die Schweiz mit ihren plebiszitären Elementen eine Bananenrepublik wäre. Demokratie soll also nur denen anvertraut werden, die damit umgehen können? ...
Die Schweiz führt bereits seit 1848 Volksabstimmungen durch. Damals lebten gerade mal 2,4 Mio. Menschen dort, von denen bekanntlich nur Männer stimmberechtigt waren. Das heißt, die Anzahl war überschaubar. Daraus entwickelte sich also ein recht erfolgreiches System mit plebizitären Elementen.
Heute leben in der Schweiz ca. 8,4 Mio. Menschen, was für mich immer noch eine relativ kleine Bevölkerung darstellt.
Wir haben ja nun bereits bummelig 80 Mio. Einwohner, d.h. der Einzelne hat dadurch weniger Bedeutung (was nicht so sein sollte, aber de facto zutrifft, und Vergleiche mit anderen großen Bevölkerungen bestätigen das leider nur).
Und jetzt ein System wie das in der Schweiz einzuführen, fände ich sehr gefährlich.
Kurzum: Man kann Deutschland nicht mit der Schweiz vergleichen.

Beitrag melden
Seite 51 von 51
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!