Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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jeg 20.12.2018, 08:52
90. Mainstreampropaganda wird nicht hinterfragt - sie wird ausgezeichnet!

… Er schreibt noch "Ein Kinderspiel", sein vorletztes Werk, das am Montag vor drei Wochen, am 3. Dezember, mit dem Deutschen Reporterpreis 2018 ausgezeichnet wird als beste Reportage des Jahres. Der Text über einen Jungen, der ein Anti-Assad-Graffito an eine Wand in Daraa sprühte und so womöglich eine Massenbewegung lostrat, erschien im SPIEGEL am 23. Juni 2018. Es ist nur, leider, wie so viele andere Arbeiten aus Relotius' Manufaktur, ein fantasievolles Machwerk. Schwer zu sagen, wie sich hier die Fakten von der Fantasie trennen lassen, schwer, die Fragen danach zu beantworten, mit wem Relotius eigentlich Kontakt hatte, wie oft, wie intensiv, wie eigentlich übersetzt wurde, wie all diese Handy-Verbindungen überhaupt rein technisch möglich gewesen sein sollen.

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mimikri 20.12.2018, 08:53
91. Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen?

An Ihrer Stelle würde ich mich fragen, ob seine Narrative nicht viel eher so genau Ihren Erwartungen entsprachen, dass Sie seine Geschichten für echt halten wollten.

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schmidt-post 20.12.2018, 08:53
92.

Zitat von qwertzay
"Uns ist bewusst, dass der Fall Relotius den Kampf gegen Fake News noch schwerer macht..." Den Kampf gegen Fake News? Auch jenseits von Relotius seid Ihr doch ein Teil der Fake News!
Belege?

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Kalle84 20.12.2018, 08:53
93. Vertrauensbruch

Mein ganzes Erwachsenenleben halte ich ein Abo des Spiegels und habe der Zeitschrift auch die Treue gehalten, als ich von der Qualität zeitweise nicht sehr überzeugt war. Gerade in Zeiten einer aufgeheizten Stimmung, Fakenews und Propaganda aus allen Richtungen, kommt nun das. Muss zugeben, dass mich das sehr enttäuscht und nachdenklich macht. Andererseits gestehe ich auch zu, dass Qualitätsmanagement natürlich auch seine Grenzen hat. Einige Reportagen von dem Herrn haben mir gut gefallen und blieben mir in bleibender Erinnerung. Ich verstehe den Anreiz, sich mit Preisen schmücken zu dürfen. So schade dass für die ehrlichen Kollegen ist, könnte der Spiegel vlt. darüber nachdenken, künftig auf die Annahme von Preise zu verzichten. Sofern das möglich ist.

Ich hoffe sehr und als langjähriger Abonnent fordere ich das auch, dass in Ihrem Hause nun jeder Stein umgedreht wird, aber die Kraft dieses Skandals wird Ihnen selber bewusst sein. Ich für meinen Teil werde nicht vermeiden können, künftig kritischer zu lesen und auch auf die jeweiligen Autoren achten.

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Björn L 20.12.2018, 08:54
94. Aufstehen, weiter machen.

Der Spiegel wälzt sich nun im Sud der Demut. Löblicherweise von sich aus veröffentlich. Ich für meinen Teil bin derart medienkritisch, denn Nachrichten sind ein Geschäft. Auch die eigene Überprüfung fällt nicht immer leicht, da fast alle Medien Reuters und Co heranziehen. Reportagen kann man im Tenor aus den mit Vorsicht zu geniessenden sozialen Medien entnehmen. Buddelt nicht dem Claas seinen Mist aus und guckt nach vorne.

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Tom77 20.12.2018, 08:54
95. Journalismus statt Belletristik

Eines der Probleme ist, dass Spiegel sich nicht auf Fakten und den Journalismus konzentriert, um über Themen zu berichten. Diese tollen, ausgezeichneten Artikel, die nun Fake News sind, hätten besser als Roman oder Filmvorlage getaugt denn als journalistische Berichterstattung. Lautmalerische Texte voller Bilder und Emotionen gehören ins Reich der Belletristik und nicht in das des Journalismus. Hier sollte objektiv, sachlich und neutral berichtet werden. Wenn Geschichten so dermaßen aufgebläht werden, dass man daraus schon einen Hollywood-Film voller Pathos und Melodramatik drehen könnte, dann ist das Ziel des Journalismus definitv verfehlt. Spiegel sollte generell weg von diesen Geschichten und hin zum Journalismus. Das Gleiche gilt übrigens auch für all die Meinungen und Kolumnen, die ebenfalls nicht objektiv sind, sondern in den allermeisten Fällen links eingefärbt (man schaue nur mal, wie auf Spiegel Online über AKK, Spahn und Merz berichtet wurde, um nicht zu sagen, wie Merz-Bashing durchgeführt wurde).

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JensJacob 20.12.2018, 08:56
96. Die Frage die man sich jetzt

bei Ihnen stellen sollte ist doch, was für eine Kultur herrscht im Hause. Wenn ein scheinbar brillanter Schreiber sich dazu genötigt fühlt seine Geschichten aufzumöbeln oder gar zu erfinden um dem Druck an sich selbst, aber sicher auch seitens der Redaktion standhalten zu können.
Der Spiegel war einst...also vor gut 20 Jahren lange vor der Online Abteilung mein Blatt der Wahl. Ein Korrektiv in der sonst so "heilen" Welt des deutschen Gartenzwergs. Heute ist der Spiegel der Vertreter dieses deutschen Gartenzwergs. Klar, der kommt heute Anders daher, ist aber im Kern genau das Gleiche. Man könnte auch einfach sagen das der Spiegel Opfer seiner eigenen politischen Gesinnung geworden ist. Und natürlich dem Druck dem heute alle Medienhäuser ausgesetzt sind. Zu Groß, zu fett zu unflexibel. Der Umbau ist schon längst überfällig. Gute Artikel kommen heute von anderen, schnelleren und kleineren Verbindungen, die sich ja teilweise aus ehemaligen Mitarbeitern zusammengeschlossen haben. Dort findet man die spitze Feder die man beim Spiegel schon lange vermisst.
Ich wünsche viel Erfolg bei der Aufarbeitung, aber daran glauben kann ich nicht. Denn dieser Fall ist meiner Meinung nach ein Überspitzter Moment in einem Problem welches tief im System der meisten Blätter steckt.

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muellerthomas 20.12.2018, 08:56
97.

Zitat von Le-usxh
aber kann man sich auch vorstellen zuzugeben, dass der politische Begriff „Lügenpresse“ / „Lückenpresse“ doch eine gewisse Berechtigung hatte? Einfach mal reflektieren!
Nunja, tatsächlich verbreiten doch gerade die Medien, die gerne mit diesem Begriff so um sich werfen, laufend und ganz bewusst Lügen.

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docker 20.12.2018, 08:57
98. Literatur

Spannende Literatur a la Relotius ist allemal besser als langweilig -
moralinsaure Reportagen. Letztere werden nie die volle Wahrheit berichten, denn diese gibt es schlicht weg nicht.

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Denalos 20.12.2018, 09:00
99. Die Realität oder Wahrheit ist leider oft trivial

Hinter vielen großen Ereignissen stecken häufig leider triviale Geschichten. Es ist nun mal schwierig, die Trivialität des überall anzutreffenden Irrsinns spannend darzustellen. Wenn über Personen berichtet wird, die vermeintlich bedeutsame Dinge tun oder erleben (egal ob positiv oder negativ), so ist die bedeutsame Komponente doch häufig nur ein sehr kleiner Teil des Ganzen. Um eine Geschichte dann spannend zu gestalten, muss wohl das eine oder andere hinzugefügt, vereinfacht oder gestrafft werden. Täte man dies nicht, so gäbe es sehr viel weniger "große Reportagen (zu bezahlbarem Preis)". Genau darin liegt dann wohl das Problem, der Journalismus möchte die große Geschichte, derer gibt es aber eigentlich viel zu wenige (zumindest zu niedrigen Kosten). Watergate, Panama Papers etc. sind unglaublich teuer in der Recherche, da ist es einfach naheliegend, die schöne Geschichte zu akzeptieren, wenn sie denn "billig zu haben ist". Auch der Journalismus ist nun mal nicht frei vom gesamten Spektrum der kognitiven Verzerrungen.
Ich selbst habe schon den einen oder anderen Artikel - nicht nur im Spiegel - über Dinge, von denen ich wirklich Ahnung habe, gelesen, und dachte mir dabei "dass ist aber wirklich reißerisch aufgemacht, in der Wirklichkeit ist das deutlich trivialer". Genialität bedeutet nun mal 10% Inspiration und 90% Transpiration, sehen tut man jedoch nur die 10%, aber die geben dann leider häufig keine Geschichte her, und die 90% sind "so öde", dass man sie kaum erzählen mag.

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