Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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Mittelalter 20.12.2018, 09:01
100. Dieser Artikel der Chefredakteure

ist überschrieben mit:

„Wir haben sehr viele Fragen an uns selbst.“

Im Artikel selbst, findet man aber nicht ein einziges Fragezeichen. Welchen Fragen stellt sich den nun der SPIEGEL?

Was man liest sind gefühlsduseligen Entschuldigungen, Verständnis für den Täter und die Erklärung, dass man dem jungen Mann „zu viel Druck“ gemacht habe.
Da kommen einem echt die Tränen. In wieweit unterscheiden sich den die Texte von C.R. und dieser der Chefredakteure?

Der Plot, in dem diese Geschichte in den nächsten Wochen erzählt wird, ist schon zu erkennen. Es handelt sich um einen bedauerlichen Einzelfall an dem die Gesellschaft (im Fall die Redaktion) durch „nicht genaues Hinschauen auf die einzelne Person“ „schuld“ ist.

Was aber, wenn es sich hier nur um die Spitze des Eisberges handelt? Was, wenn ein ganzes System hier nur sichtbar wird? Und wie könnte man dieses System benennnen? Was, wenn es andere Triebfedern als „redaktioneller Druck“ gibt?

Solche Fragen scheint man sich beim SPIEGEL nicht zu stellen.

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fpq 20.12.2018, 09:02
101. Reise-/Spesenabrechnungen mal anschauen

Muss doch allein durch den Abgleich mit Reise-/Spesenabrechnungen auffallen, dass da was nicht stimmen konnte.
Relotius schreibt am laufenden Band grandiose Geschichten v.a. aus dem Ausland - war er anhand Reisekostenbelegen überhaupt jemals dort?
=> würde dem Spiegel empfehlen alle „preisverdächtigen“ Geschichten mal mit dem Reiseplan der Journalisten abzugleichen.

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Cey 20.12.2018, 09:02
102. Ehrliche Diagramme

Was ich aus wissenschaftlicher Sicht aüßert fragwürdig finde, sind die Achsenabschnitte in Diagrammen. Der vertikale Achsenursprung ist nie bei der 0, und damit werden extreme relative Unterschiede vorgegaukelt, die nüchtern betrachtet minimal sind.

Geht die abgeschnittene Achse nur von 8 bis 10, sieht ein Wertveranderung von 9 auf 10 wie 50% Unterschied aus. Eine nicht-manipulative Darstellung wäre eine 0 bis 10 Achse: Hier sind es auch grafisch nur 10%.

Macht die meisten Statistiken unspektakulär, aber wenigstens ehrlich!

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sarandanon 20.12.2018, 09:03
103.

Zitat von freudentanz
Die Kollegen aus dem tiefen Süden bieten mir eine weit ausgewogenere Darstellung der Dinge. Alles Gute und schönes Fest!
Oha! Wenn ich so was lese, schrillen bei mir die Alarmglocken (nicht unbedingt auf Sie persönlich bezogen, es mag für Sie nicht zutreffen).

Viele die regel- oder auch unregelmäßig von "ausgewogen" fabulieren meinen im Grunde etwas ganz anderes:

1. Entweder man möchte mindestens eine bestimmte Lesart einer Berichterstattung nicht lesen oder sogar getilgt wissen, weil es die eigene nicht widergibt und nennt das Vorhandensein anderer, evt. persönlich passendere Meinungen "ausgewogen"

2. oder man akzeptiert NUR die Lesart, die die eigene persönliche Meinung widerspiegelt und nennt das "ausgewogen".

Menschen, die derlei Ansichten vertreten, tummeln sich auch zu Hauf in diesem Faden. Kann man unschwer aus den zahlreichen besserwisserischen Kommentaren herauslesen. Alles große Kenner der Journalistenbranche [Ironie aus], die ihre "ausgewogene" Meinung hier hinein schreibseln.

Diese tendieren auch in der Mehrheit dahin, die großen Medieninstitute mindestens als manipulative "Mainstreammedien" zu bezeichnen oder sogar als "Lügenpresse". Das hat mit dem eigenen Anspruch und schon gar mit der Bedeutung des Begriffes der "Ausgewogenheit" natürlich nicht im Entferntesten etwas zu tun.

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Lobhudel 20.12.2018, 09:04
104. Reflektieren Sie mal "Des Kaisers neue Kleider"...

Zitat von Le-usxh
aber kann man sich auch vorstellen zuzugeben, dass der politische Begriff „Lügenpresse“ / „Lückenpresse“ doch eine gewisse Berechtigung hatte? Einfach mal reflektieren!
Reflektieren Sie mal "Des Kaisers neue Kleider", und dann noch mal über die, die "Lügenpresse" rufen und dabei gleichzeitig den Nacktä... zujubeln.

Was den Spiegel-Kollegen und den diversen Preis-Juroren passiert ist - ist ein ärgerlicher Betriebsunfall. Ungefähr so, wie wenn Sie Ihren Abteilungsleiter erwischen, wenn er seine Zahlen etwas schönt. Oder wenn Sie selbst den nächsten Powerpoint-Präser geschickt aufhübschen, damit die Leute nicht sofort einschlafen.

Das ist meine professionelle Sicht. Wenn Sie sich partout als notorisches Leseropfer sehen möchten - auch das ist Meinungsfreiheit.

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ruhepuls 20.12.2018, 09:05
105. Und leider auch weniger Auflage...

Zitat von großwolke
Dieses unsinnige Bemühen, eine Geschichte zu erzählen, finde ich leider in vielen Artikeln auf dieser Seite, selbst im Spiegel+-Angebot. Ihr Journalisten solltet Euch eins immer wieder klarmachen: Ihr seid Generalisten, der Normalzustand ist der, dass Ihr NICHT versteht, was eigentlich los ist, jedenfalls nicht völlig, nicht einmal nach ausgiebiger Recherche. Anstatt Geschichten zu erzählen, solltet Ihr vor allem eins tun: für Euch selbst und auch für Eure Leser aufschreiben, was wisst und auch, was Ihr nicht wisst, und zwar ganz plump, deutungsfrei. Das Narrativ soll im Kopf des Lesers entstehen, nicht in Eurem. Das ist nicht allein eine Schwäche vom Spiegel, das passiert leider überall, und es gefällt mir auch in konservativen Publikationen keinen Deut besser, selbst wenn ich deren Storys im Herzen eher zustimme. Würde man das abstellen, gäbe es auch für offensichtlich talentierte Geschichtenerzähler wie Herrn Relotius keine Bühne.
Es ist leider so: "Nachrichten" müssen verkauft werden. Die Zeiten, wo eine Nachricht also solche bereits zum Kaufen anreizte sind, in Zeiten massenhaft vorhandener Medien längst vorbei. Also entscheidet letztlich die Aufmachung, ob ein Medium sich verkauft oder nicht. Und (gute) Geschichten sind da sehr wichtig...
Journalisten möchten eben auch gerne ihre Jobs behalten, wie wir anderen auch.
Heutzutage gibt es im Grunde von allem zu viel. Und niemand hat eine Lösung dafür, wie wir auch mit weniger leben könnten - ohne dass der ganze Laden zusammenbricht und wir mit viel weniger leben müssten.

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spon-facebook-10000026491 20.12.2018, 09:07
106. Früher einmal die Woche - heute alle halbe Stunde

Das kommt davon, wenn man meinte alle halbe Stunde einen neuen Aufmacher präsentieren zu müssen. Und in scheinbar endlosen Überschriften jedes Ressort bedienen zu müssen. Trennung Silbereisen/Fischer u.ä. Inklusive ...
Also wird auf Masse statt Klasse gesetzt, Jungstars („der rockt das Netz“ ist in der Branche so ein Spruch) statt erfahrener seriöser Journalisten und schwupps isses passiert.
Wenn man sich selbst nämlich so wie der Spiegel (der ja längst ein online Medium ist) dermaßen unter Druck setzt, permanent Output zu liefern, dann KANN (!) das nicht funktionieren ...

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Lobhudel 20.12.2018, 09:08
107. Der kritische Leser - Traum eines jeden Journalisten!

Zitat von Kalle84
[...] Ich für meinen Teil werde nicht vermeiden können, künftig kritischer zu lesen und auch auf die jeweiligen Autoren achten.
Der kritische Leser - Traum eines jeden Journalisten!
Hat die Affäre doch etwas Gutes - die Leser nehmen Ihre Verantwortung wieder wahr.

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stefan taschkent 20.12.2018, 09:09
108. Beispiel

Zitat von schmidt-post
Belege?
Jüngst in Chemnitz. Obwohl zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des SPON-Artikels noch keinerlei Fakten bis auf ein eher und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in jedem Falle fragwürdiges "Hasi"-Video vorlagen - weder SPON noch sonstwem - wurde bei SPON von "Menschenjagd" geschrieben, Headline inklusive. Nachher und wirklich erst einige Tage nachher kamen einige Infomationen zusammen, die wiederum Raum für Interpretationen ließen. Zum Zeitpunkt der Publikation des Artikels und auf Basis der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Informationen kann hier eindeutig von Fake News gesprochen werden. Wie man zu Rechts oder Links steht, ist dabei übrigens völlig unerheblich.

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cobaea 20.12.2018, 09:10
109.

Zitat von AlfredVail
Das schlimmste ist nicht...... das es passiert ist. Das schlimmste ist wie vehement der Spiegel und andere Qualitätsmedien den Vorwurf der Lügenpresse von sich gewiesen haben ohne die Vorwürfe auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Man glaubte zu gerne was man glauben wollte.
Dass man gerne glaubt, was man glauben will, gilt wohl auch für diejenigen, die "Lügenpresse" schreien und jedem Medium, das ihre Meinung nicht teilt, gerne unterstellen, gezielt verschwörerisch und absichtlich Fehlinformationen zu verbreiten. Genau das tut der "Spiegel" im vorliegenden Fall ja nicht: Er legt das Fehlverhalten offen.

Es gibt in jedem Beruf Blender, Überforderte, extrem Ehrgeizige und auch Nichts-Könner. Der Unterschied zum Journalismus ist, dass dessen Fehler und/oder Fälschungen öffentlich werden. Das hat vor Jahren der "Stern" mit den Hitler-Tagebüchern erfahren, das ging aber auch diversen Zeitschriften und Zeitungen (von "Zeit" bis "NZZ") mit den gefakten Star-Interviews von Tom Kummer so.
Solche Dinge sind nicht völlig zu vermeiden - gerade wenn's um Reportagen geht, die ja nur machbar sind, wenn die Journalisten vor Ort waren. Da kann in der Redaktion bzw. Dokumentation nicht alles überprüft werden - das geht schlicht nicht. Im vorliegenden Fall Relotius hat ja nicht nur die "Spiegel"-Redaktion ihrem Kollegen vertraut, sondern auch einige Institutionen, die Journalismus-Preise vergeben und andere Medien wie die "Weltwoche" und die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag". Wie aber sollte denn die innerredaktionelle Kontrolle nachprüfen, ob Relotius tatsächlich mit einer nicht öffentlich bekannten Person gesprochen hat? Kritikwürdig ist meiner Meinung nach nur, dass man dem zweifelnden Kollegen, der vor Ort dabei gewesen war, so lange keinen Glauben schenkte.

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