Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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meinsenf123 20.12.2018, 09:18
120.

Keine Sorge, lieber Spiegel. Die Glaubwürdigkeit Deutscher Medien war ohnehin bereits im Eimer. Insofern ist diese Episode nicht weiter tragisch.

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storchentante 20.12.2018, 09:18
121. Aufklärung

Ich lese den Spiegel seit den späten 80 er Jahren. Aufgeklärt ist es für mich dann, wenn ich Berichtigungen sämtlicher Reportagen lesen kann. Ich bin gespannt ob Ihr das wirklich leisten könnt.

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cobaea 20.12.2018, 09:20
122.

Zitat von emeswe
Das Sturmgeschütz der Demokratie hat einen Rohrkrepierer! In den letzten Jahren hat sich der Spiegel auf eine unangenehme Art und Weise kommerzialisiert. Sowohl die Printausgabe, aber viel schlimmer der Online-Auftritt nervt mit agressivster Werbung. Dem Geldverdienen um jeden Preis ist dann wohl auch die journalistische Ethik zum Opfer gefallen. Die Krokodilstränen und das mitfühlende Verständnis für den betrügenden Mitarbeiter wären bei einem solchen Fall bei einem Konkurrenzblatt wohl anders ausgefallen.
Leute, wir lesen hier Spiegel online gratis - und dann meckert ihr über die Werbung? Ja wovon glaubt ihr denn, werden Berichte, Meldungen, Reportagen, Kritiken, Bilder etc. bezahlt? Oder sollen ReporterInnen, Freie JournalistInnen, Festangestellte, RedakteurInnen, Agenturen (und deren JournalistInnen) gratis arbeiten? Das gilt auch für Gedrucktes: Abo-Zahlungen decken immer nur einen Teil der Kosten. Entweder wir zahlen (mehr) oder es gibt eben Werbung.

Und es gab auch bei Konkurrenzblättern schon Ähnliches (von "Zeit" über "FAZ" bis "NZZ"), ohne dass sich die Konkurrenz zerfleischend auf diese gestürzt hätte. Alle wissen, dass auch sie nicht vor solchen Fälschungen gefeit sind. Dieses Mal hat's ja auch nicht den "Spiegel" alleine getroffen. Von der politisch weit rechts angesiedelten "Weltwoche" bis zur "NZZaS" sind andere mitbetroffen.

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rgw_ch 20.12.2018, 09:20
123. Eigentlich keine Lügen

Sondern nur ein wenig ideologischer Feinschliff, damit die Geschichte besser ins Spiegel-Konzept passt. Und solchen ideologischen Feinschliff findet man ja in vielen Spiegel-Artikeln, wenn man sich die Mühe macht, ihn zu suchen. Relotius hat nichts grundsätzlich Anderes getan, er hat nur damit übertrieben.

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derwahrepaolopinkel 20.12.2018, 09:21
124. Überschrift

"Ein Kinderspiel" hat mich sehr berührt. Is mir egal ob alles so stimmt oder nicht. Es sind Menschen am Werk, da passieren Fehler. Ich werde weiterhin den Spiegel lesen. Mit gutem Gewissen.
Danke auch für die umfangreiche Aufarbeitung.

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Anthropos 20.12.2018, 09:22
125. Muss kein Glaubwürdigkeits-SuperGAU für den Spiegel werden

Meine Güte, es ist natürlich ein journalistischer SuperGAU, aber ein zutiefst menschlicher. Wer hätte ahnen können, dass dieser Reporter seine Umwelt so dermaßen geschickt täuschen könnte? Damit rechnet doch niemand! Denn Relotius hat ja beileibe nicht nur Geschichten erfunden: Er hat sich selbst erfunden, er hat sich in einer hochstaplerischen Weise selbst inszeniert. Da liegt meiner Meinung nach auch die Quelle der abgrundtiefen Bestürzung, die jetzt nach außen dringt. --- Es ist natürlich richtig, den Fall genaustens aufzuarbeiten, aber allzu viele Konsequenzen werden sich nicht daraus ableiten lassen. Freiheit und Sicherheit, das weiß man beim Spiegel wohl nur zu gut, schließen sich ein Stück weit eben auch aus. Will man nicht ein menschenverachtendes Kontrollsystem aufbauen, wird man weiterhin das Risiko eingehen müssen, auf solcherlei Täuschungen reinzufallen. Das Wichtigste ist daher nun, glaubwürdig zu vermitteln, dass hier kein systemischer Fehler vorliegt, sondern ein Fehler, der in einem Menschen begründet liegt. Und wenn doch auch systemische Gründe bestehen, dass jemand wie Relotius so lange erfolgreich sein konnte, dann diese aufzuspüren und abzustellen. Und das scheint man beim Spiegel auch in aller Konsequenz begriffen zu haben und umsetzen zu wollen. --- Ich behaupte, der überaus mehrheitliche Teil der Spiegel-Leserschaft vertraut weiterhin der Reputation des Spiegels. Wenn Ihr es richtig anfasst, könnt Ihr sogar gestärkt aus dieser Affaire hervorgehen. Aber bitte, gebt Euch nicht der Illusion hin, menschliche Abgründe vollständig kontrollieren oder auch nur verstehen zu können.

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Mooncake 20.12.2018, 09:23
126. Mehr qualifizierte Berichterstattung statt Tränengeschichten!

Vermutlich ist das Relotius-Ding nur ein Symptömchen was den Spiegel und anderen aus meiner Sicht immer noch relativ seriösen Medien plagt!

Die Relotius-Stories in Fleiß-Fließbandarbeit erstellt und nicht nur die, waren mir sowieso viel zu emotional aufgeblasen, in zig Varianten schon gehört, gelesen, gesehen und austauschbar, hatten zumindest für mich bestenfalls Unterhaltungscharakter.
Diese lebenszeitfressenden Erzählungen waren aber offenbar nicht nur beim Spiegel sehr gefragt und wurden wohl entsprechend finanziell vergütet, sondern auch mit begehrten Journalistenpreise prämiert und sind somit journalistische „Richtschnur“ für Kollegen?

Also doch eher die Spitze eine Eisberges?
Das der Spiegel jetzt relativ offen mit diesen Fall umgeht, ist das Mindeste was man als genarrter Leser erwarten darf.

Wird es aber reichen diese Sache als ein reines Relotius-Problem zu begreifen?

Wird es reichen mal ein bisschen am „Qualitätssicherungssystem“ rum zuschrauben?

Mein erster Eindruck, dass die Spiegelredaktion erst nach dem ersten Schock wirklich das Ausmaß mit seinen vielschichtigen gesellschaftlichen Aspekten und Auswirkungen dieses Outing wirklich begreifen wird!

Diese „Meldungen und ihre Geschichten“ und andere Weichthemen egal von wem scrolle ich in der Regel als Beifang, wie die unvermeidliche Werbung einfach weiter.

Der Begriff „Geschichte“ offenbar als Synonym für Spiegelartikel die wahr aber auch erfunden sein können erscheint im Eröffnungs-Artikel über diesen Fall 45 mal!

Wie wären es wenn der Spiegel sich auf sein Kerngeschäft auf die reine objektive Berichterstattung beschränkt oder zumindest wieder darauf fokussiert und solche Gefühlsgeschichten deren Wahrheitsgehalt noch schwerer überprüfbar sind auf ein Minimum reduziert oder am Besten ganz und damit auch möglicherweise auf bestimmte Leserkreise verzichtet.

Weg von den oft oberflächlichen und weich gespülten Geschreibsel!!!

Kann sich Der Spiegel/Spon das noch leisten?
Ist er noch dazu unabhängig genug?
Wo ist die coole Spiegel-Schreibe der 70/80er?

Wenn Kohl damals den Spiegel boykottierte hat, war das ein Qualitätsnachweis!

Das die Bedingungen für Journalisten heute ganz andere sind, ist auch mir klar aber ein weiter so, wird sich der Spiegel wohl auch kaum leisten können …

Kann der Spiegel sich noch einmal neu erfinden?

Trotz aller Enttäuschung und sehr, sehr vielen Zweifeln, ich drücke Ihnen den Daumen, dass das genau Ihnen gelingt!

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ingo.adlung 20.12.2018, 09:26
127. Kirche im Dorf

Zitat von JohnBobsel
Ein sofortiger Rücktritt aller Verantwortlichen ist die einzige Lösung. Ein einfaches "Tut uns leid" reicht da nicht.
Denken Sie den Gedanken doch bitte zu Ende. Die Kollegen sollen wirtschaftlichen Selbstmord begehen, damit Sie sich besser fühlen? Was für einen "Rücktritt" stellen Sie sich denn vor, von wem, von was und wohin? Wir sprechen hier nicht von vorsätzlichen persönlichen Fehlleistungen in einem politischen Amt oder als Vorstand eines Unternehmens. Wir reden mit Menschen, die wie Sie und ich von ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Was ist das denn für eine seltsame Einstellung, bei Versagen (echt oder angenommen) "Hängt ihn auf" zu rufen bzw. die wirtschaftliche Form des japanischen Seppuku einzufordern. Nein, der Spiegel muss den "harten" Weg gehen: Aufklärung betreiben, Steine umdrehen, Lehren ziehen, seine Leser über die Schritte informieren, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und damit besser werden. Ob dem Spiegel dies gelingt und wie glaubwürdig ihm dies gelingt werden Leser und Abonnenten entscheiden.

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wortgewalt87 20.12.2018, 09:26
128. Geld wofür?

Zitat von ruhepuls
Es ist leider so: "Nachrichten" müssen verkauft werden. Die Zeiten, wo eine Nachricht also solche bereits zum Kaufen anreizte sind, in Zeiten massenhaft vorhandener Medien längst vorbei. Also entscheidet letztlich die Aufmachung, ob ein Medium sich verkauft oder nicht.
Ich bin bereit, für eine umfassende und übersichtliche Aufbereitung von Fakten zu bezahlen. Gut zu bezahlen. Der Markt für moralisierende Märchen mag größer sein, aber es gibt genug Leute mit Sehnsucht nach Futter, mit dem sie sich ihre eigene Meinung bilden können. Und die werden in Deutschland derzeit ihr Geld eher nicht los.

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spon_12 20.12.2018, 09:27
129.

Zitat von großwolke
Dieses unsinnige Bemühen, eine Geschichte zu erzählen, finde ich leider in vielen Artikeln auf dieser Seite, selbst im Spiegel+-Angebot. Ihr Journalisten solltet Euch eins immer wieder klarmachen: Ihr seid Generalisten, der Normalzustand ist der, dass Ihr NICHT versteht, was eigentlich los ist, jedenfalls nicht völlig, nicht einmal nach ausgiebiger Recherche. Anstatt Geschichten zu erzählen, solltet Ihr vor allem eins tun: für Euch selbst und auch für Eure Leser aufschreiben, was wisst und auch, was Ihr nicht wisst, und zwar ganz plump, deutungsfrei. Das Narrativ soll im Kopf des Lesers entstehen, nicht in Eurem. Das ist nicht allein eine Schwäche vom Spiegel, das passiert leider überall, und es gefällt mir auch in konservativen Publikationen keinen Deut besser, selbst wenn ich deren Storys im Herzen eher zustimme. Würde man das abstellen, gäbe es auch für offensichtlich talentierte Geschichtenerzähler wie Herrn Relotius keine Bühne.
Was sollen die ganzen Deutungen in Ihrem Beitrag? Schreiben Sie bitte nur: "Ihr sollt nur schreiben." Den Rest, also das, was Sie nicht wissen - die Begründungen und Deutungen überlassen Sie bitte den Forenlesern. Danke.

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