Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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slider 20.12.2018, 12:28
260. Na und???

Die einen "finden" Hitlers Tagebücher, die anderen haben einen Münchhausen. Journalisten sind nicht etwas besonderes, sie spiegeln den Querschnitt der Bevölkerung und es gibt wie in jedem Beruf Fehlfarben, Narzisten, Hochstabler und Unfähige. Davor kann sich kein Verlag, Behörde, Unternehmen usw zu 100% schützen.
Wenn man es freiwillig aufarbeitet und bekannt macht, dann ist auch mal wieder gut.

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mundi 20.12.2018, 12:34
261. Beispiel aus Großbritannien

Irgendeine britische Zeitung (den Namen habe ich vergessen) drückt nur dann eine Nachricht, wenn sie unabhängig von 2 Journalisten oder Reportern verifiziert wurde.
Offensichtlich lehrt die Erfahrung, dass so etwas nötig ist.

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xxgreenkeeperxx 20.12.2018, 12:34
262. Spitze des Eisbergs

Ich denke diese Art von "kreativem Journalismus" ist sicher kein Einzelfall und auch nicht nur auf "Nachrichtenmagazine" wie den Spiegel oder nur auf Deutschland beschränkt. Und das dieser Fall jetzt so ernsthaft aufgearbeitet wird hat sicher auch damit zu tun, dass ansonsten die Amis das übernehmen würden, die in der deutschen Öffentlichkeit in falschem Licht präsentiert wurden und darüber ziemlich erbost sind. Aus meiner Sicht liegt die Ursache wohl hauptsächlich darin, dass der Druck auf die Journalisten, Artikel zu schreiben, die sich gut verkaufen und mit Medien-Preisen "überhäuft" werden ständig zunimmt. Wenn ich lese dass Herr Relotius seine Festanstellung erst ziemlich spät bekam, nämlich erst nachdem man auf sein Schreibtalent auch außerhalb des Spiegels aufmerksam geworden war und das ihn anschließend seine Vorgesetzten noch vehement verteidigt haben, bis die Beweislast wahrscheinlich wie ein Tsunami über ihnen zusammenbrach, wird mir einiges klar. Jetzt hat der Spiegel endlich auch seinen "Schuster Vogt" wie einst das preußische Militär. Ich verurteile Herrn Relotius deswegen nicht. Er hat nur im ständigen Konkurrenzkampf der Redakteure um einen sicheren Arbeitsplatz alle seine "Talente" in die Waagschale geworfen und ist dabei in seine eigene Welt abgedriftet. Ich lese solche Artikel sowieso nur wie ich auch Karl May lese. Als Reisebeschreibungen mit Abenteuercharakter ohne größeren Informationsgehalt. Von daher hat mich Herr Relotius auch nie enttäuscht. Ich fühle mich ihm auch irgendwie zu Dank verpflichtet, dass er hier die Schwachstelle des Journalismus so offen gelegt hat, dass selbst sein Arbeitgeber nicht mehr daran vorbeikam, dazu eine öffentliche Stellungnahme abzugeben. Ich hoffe er schreibt jetzt ein Buch über seine Zeit beim Spiegel, ich werde es auf alle Fälle lesen.

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andreaschmidt8 20.12.2018, 12:35
263. So erbärmlich: "Spiegel" noch kaufen?

Glaubt irgendein denkender Mensch, dass im Ressort "Gesellschaft", traditionell die journalistische Spielwiese des "Spiegel", niemand geahnt habe, was los war? Als Medienprofi mit langjähriger Erfahrung auch bei "GEO" oder "Stern", die sich gleichfalls ihrer Fact-Checker-Crews rühmen, kann ich nur sagen: lächerlich! Es gibt Storys, die einfach zu gut sind, um wahr zu sein, und der Autor dieser "Märchen", wie es nun heisst, war gewiss kein "Einzeltäter", sondern hat sich garantiert die Feigheit vor Konflikten in seiner Redaktion zunutze gemacht.
Und vor allem: Warum musste sich der Einzige, der dagegen vorgegangen ist, auch noch mobben lassen? Diese Redaktion ist offenbar ein grosser Misthaufen.
Was wir aus LeserInnen daraus lernen können? "Spiegel"-Abo kündigen oder nicht mehr am Kiosk kaufen! Denn die einzige Sprache, die Verlagschefs, die gerade beim "Spiegel" keine Ahnung von Journalismus haben, ist der Griff ans Portemonnaie.
Schliesslich gab und gibt es noch eine hanseatische Kaufmannsethik, der zufolge man seine Kundschaft nicht betrügen sollte. Wer sich daran nicht hielt, wurde damals zumindest konsequent geächtet.
Das sollten wir alle auch mit dem "Spiegel" tun: Wer glaubt, dass eine so degenerierte Redaktion sich von selbst verändert, liegt grundfalsch – genauso, wie es die katholische Kirche nicht schafft, die Missbrauchsfälle mit der nötigen Brutalität aufzuarbeiten. (Ich bin felsenfest überzeugt, dass der aktuelle Fall beim "Spiegel" nur die Spitze des Eisbergs ist.) Denn die Eitelkeit ist die schlimmste Berufskrankheit der Journalisten, die, wie im Artikel erwähnt, allzu geil auf ihre Branchen-Auszeichnungen sind und noch dazu ohne jede wirkliche Ethik arbeiten. Das gilt auch für ihre Ressortleiterinnen und Ressortleiter sowie Chefredaktionen.
Also: Wer seriösen und guten Journalismus möchte, kündigt sein "Spiegel"-Abonnement beziehungsweise kauft das Heft nicht mehr. Dann – und erst dann – wird geldgeilen Verlags- und Redaktionschefs, die beispielsweise "Spiegel"-online-Autoren so unverschämt niedrige Honorare zahlen, dass sie nicht mal mehr die Telefonkosten decken, die Tür gewiesen. Sie, ja Sie, die Leserinnen und Leser haben die Macht, diesen Journalismus auf Dauer zu beenden.

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Rio connection 20.12.2018, 12:36
264. Ist es wirklich Demut?

Ich lebe in Brasilien und nutze die SPON Seite, wie wohl viele Deutsche im Ausland, um mich ueber Geschehnisse und Hintergruende in der Heimat zu informieren. Der Spiegel ist mir seid der Jugend als extrem serioese Quelle bekannt, vielleicht hier und da etwas linkslastig, aber das ist scheinbar die Natur intellektueller Betrachtungen.
Waehrend der brasilianischen Praesidentenwahlen habe ich mich masslos ueber die einseitige und verfaelschte Berichterstattung AUCH im SPON aufgeregt. Das er selten ueber den muehsamen inneren Kampf dieses Landes gegen seine marode Administration und korrupte Politikerklasse berichtet wird ist nachvollziehbar, denn schliesslich gaebe es aus jedem Land interessantes zu berichten. Wenn dann aber ein offensichtlich verblendeter Kommentator der deutschen Oeffentlichkeit seine einseitige Betrachtung - ohne jeden Zusammenhang praesentiert, dann ist das fahrlaessig und ethisch hoch bedenklich. Brasilianer schauen auf die internationale Presse und lassen sich von Ihr beeinflussen.
Die gehobene hiesige Presse ist im uebrigen beispielhaft wenn es um Darstellung internationaler Sachverhalte geht. Globo News oder Band News liefern profunde Hintergrundberichte die immer alle Seiten beleuchten. So kann man sich ein Bild machen.
Dagegen empfinde ich viele Berichte im SPON mittlerweile als reisserisch und oberflaechlich. Man will schoene Geschichten erzaehlen und die Leser unterhalten.
Wenn Sie also von Demut sprechen und in zeitweise bis zu 6 Artickeln versuchen, sich als selbstkritisch darzustellen habe ich die Befuerchtung das ihre Selbstkritik geheuchelt sein koennte und sie diesen Fall einmal mehr benutzen, um sich selbst auf die Schultern zu klopfen. Demuetige Pharisaeer?

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nixproblem 20.12.2018, 12:36
265. Keine Schadenfreude, aber...

Zuerst Respekt für die Offenlegung. Wahrscheinlich war sie "alternativlos", aber trotzdem richtig. Was aber jetzt auffällt ist der brachiale Wechsel von doch häufig überheblicher Selbstgerechtigkeit in ein Wandeln in Sack und Asche, genannt Demut. Das erscheint übertrieben und auch nicht besonders glaubwürdig. Demut ist die letzte Eigenschaft, die ich Spiegel und SPON zutraue. Mehr kritische Betrachtung der eigenen Positionen und Leistungen verbunden mit weniger überheblichem messianischem Pathos würde schon sehr viel Positives bewirken.

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Bala Clava 20.12.2018, 12:37
266. Selbstreferenziell

Mit seiner "großen" Reportage in Sachen Spiegel glaubt Fichtner, er sei Teil der Lösung. Und merkt nicht einmal ansatzweise, dass er in Wahrheit Teil des Problems des Spiegel ist. Genau dieser personalisierende, storyfizierende, preis"gekrönte" Reportagestil ist es doch, der diese Fake-Geschichten anzieht wie Motten das Licht. Wenn der Spiegel nicht begreift, dass die Zeit der Haudegen, die um die Welt jetten und Storys "ausgraben", vorbei ist, ist die Zeit des Spiegel auch bald vorbei.

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tinaho 20.12.2018, 12:39
267. nur Relotius?

Ich finde es schon bezeichnend, wie das jetzt aufgearbeitet wird, indem man nur Claas Relotius die Verantwortung und Schuld dafür gibt. "Wir haben ihm nie das Gefühl gegeben" - das wisst Ihr doch gar nicht!
Die Art und Weise wie Reportagen geschrieben werden, geht mir schon lange auf die Nerven, deswegen habe ich vor 10 Jahren aufgegeben, den Spiegel zu abonnieren. Vielleicht kommen Sie ja jetzt wieder zu sauber recherchiertem Journalismus zurück, ohne Literarisches Blabla oder Einleitungen wie "XY betritt den Raum, schaut noch einmal auf seine Rolex am Arm, richtet den Blick auf den Besucher und trägt ein blaues Sacco" - Will keiner wissen! Und genau in dieser Art sind Relotius Artikel geschrieben. Gefühle vermitteln, Bilder malen, das ist kein Journalismus!

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eisfuchs 20.12.2018, 12:41
268. Zu viel Emotionen

Fast in jedem Magazin und Zeitung, ob analog oder digital, scheint Emotion das zu sein was auf Teufel komm raus produziert wird. Dass Fakten dabei auf der Strecke bleiben wundert mich nicht. Ich kenne fast keine geschriebene Reportage, bei der ich nicht denke "Hm, die Szene klingt zu gemalt und wie ein Theaterstück um wahr zu sein". Jedoch sind nunmal FAKTEN entscheidend. Die wollen wir Leser in Magazinen wie dem Spiegel finden. Diese Beeinflussung durch bestimmte Beschreibungen zielt gefühlt für mich immer auf Beeinflussung ab. Auch bei dieser Geschichte wird der Betrüger geradezu in Schutz genommen, ohne richtig zu sagen, dass "der arme Kerl ja eigentlich nichts dafür kann. Der böse Druck des Erfolges..tja, kann man nix machen...", aber es wird so heftig angedeutet, dass ich mich Frage: wo bleibt die Entschädigung des Lesers? Wo die Wiedergutmachung an den Opfern? Was ist mit dem Kollegen, der schon länger warnte, aber nicht gehört wurde? Ich hoffe dessen Gehalt wird verdoppelt. Es wird immer vollmundig im Spiegel Entschädigungen für die Diselbetrugsopfer gefordert: zahlt der Spiegel jetzt Geld zurück an die Abonennten, weil ihnen Lügen aufgetischt wurden? Und der Betrüger gehört streng bestraft, auch damit sowas nicht wieder vorkommt und ganz klar wird, dass man damit seine Karriere vollständig ruiniert! Aber vor allem hoffe ich, dass künftig Fakten und Faktenprüfung im Haus eine größere Rolle spielen!

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Hörbört 20.12.2018, 12:42
269. Schöne Bescherung

Was für'n extrem ärgerlicher Mist. Die Lauterkeit des SPIEGEL zweifle ich wegen dieser Geschichte nicht an, was wohl daran liegt, dass ich schon während meiner Ausblidung mit einem Betrugsfall im Lehrbetrieb konfrontiert wurde. Mein damaliger Chef gab mir mit auf den Weg: "Wenn es einer mit allen Mitteln darauf anlegt, dich zu betrügen, dann schafft er das auch." Sollte heißen: Du kannst dich auf den Kopf stellen und wirst doch nicht alles verhindern. Daher finde ich auch den Ansatz gut, die Mitarbeiter nicht "wie die Stasi" zu überwachen.

Ein Aspekt ist jedoch katastrophal: Die längst begonnene Ausschlachtung durch AfD & Co, ihrerseits notorische Lügner und Faktenverdreher. Das werden die so lange durchnudeln wie den Steinwurf von Joschka Fischer - ein "Klassiker" rechtsdumpfen Debattenspammings. Mir graut schon jetzt vor der erwartbaren Flut...

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