Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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Ruhrsteiner 22.12.2018, 17:11
510. an 501.: Sicher, der Unterschied zwischen gutem Journalismus....

und Effekthascherei mag dem verschärften Erfolgsdruck jedes Verlages geschuldet sein, wäre m. E. auch eine sogar akzeptable stilistische Frage - solange die Inhalte bzw. Informationen KORREKT sind. NUR ist genau letzteres grundsätzlich durch diesen Skandal in Frage gestellt, sicher vorrangig ausgerechnet betreff den SPIEGEL - mit seiner hohen journalistischen Reputation, auch im Ausland. Aber auch für den gesamten Journalismus in der Bundesrepublik. Giovanni di Lorenzo hat auch das in seinem SPIEGEL-Interview wie ich meine gut auf den Punkt gebracht. Die beiden Kernfragen lauten doch: Kann ich mich im SPIEGEL wirklich noch informieren, wenn ich sachlich und korrekt informiert sein will? Nein, ab jetzt nicht mehr. Und: Welche Zeitung oder welches Wochenmagazin publiziert so Märchen wohl noch, um effekthaschend seinen Umsatz zu steigern? Bleibt mir jetzt deutschsprachig nur noch die Pressealternative NZZ, die Schweizer Ausgabe? Weil hier gedruckten Zeitungen inhaltlich schlichtweg nicht mehr zu trauen ist? Das ist politisch ein ganzer umgeleiteter Fluss auf die Mühlen der AfD. Wie konnte die Spiegel-Redaktion nur derart politisch leichtfertig ihren journalistischen Romancier C.R. von der Leine lassen? Oh Spieglein, Spieglein an der Wand … (Pardon!!!!)….

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k70-ingo 22.12.2018, 19:04
511.

Zitat von caliper
Wenn der Leser ein schönes Märchen lesen will und sich dabei entspannen kann dann holt er das Buch der beiden Gebrüder aus dem Regal. Wenn er infomiert werden möchte, dann liest er entsprechend andere Texte. Ausserdem leidet die Gesellschaft und die Politik darunter. Nicht umsonst wird den Medien die informelle vierte Gewalt zugeschrieben. Wie sollen Poltiker und Wähler die richtige Politik machen bzw. wählen wenn Märchen für Wahrheit ausgegeben werden? Die Denke man muss dem Wähler etwas vormachen, dass er nicht falsch wählt und dafür darf man sich auch des Stilmittels der Lüge zunutze machen, zeugt von Arroganz und falsch verstandener Demokratie. Impizit steckt dahinter die Annahme dass der Leser nicht für voll genommen werden kann und man ihn nur davon abhalten kann falsch zu wählen wenn man ihn entsprechend einseitig oder falsch informiert. Ich habe auch den Eindruck, dass man die Wucht dieses Skandals unterschätzt. Es werden sich vermehrt Interviewte aus der Ecke trauen und Berichte gegenlesen. Der Gewinner dieser "Zäsur" wird der Leser und am Ende auch die Medienbranche sein. Jedenfalls die Medien, die diese Chance nutzen.
Genau das ist der Hauptgrund für den Niedergang des einstigen Sturmgeschützes der Demokratie (von Zeit und ZON übrigens auch, dort geht es genauso zu):
Nanny-Journalismus

Überhebliche Schreiber -Haltung beats Fachkenntnis und Lebenserfahrung- sehen die Leserschaft als kleine naive Schlafschäfchen, den beigebracht werden muß, was richtig und falsch ist.
Und Tatsachen, die die Leserschaft vermeintlich intellektuell überfordern könnten (oft, weil sie dem Schreiber nicht ins Konzept passen und/oder die Haltung beeinträchtigen) werden nicht erwähnt.

Das ist nicht nur eine bodenlose Frechheit gegenüber dem Leser, sondern birgt auch für das Blatt sehr große Gefahren - denn der übliche SPIEGEL- und Zeit-Leser weist eher einen höheren Bildungsstand und ein überdurchschnittliches Interesse an Politik auf.
Der merkt das und ist entsprechend vergrätzt.

In der Hoffnung, daß die Kommentare hier ihren Weg finden, sei den SPIEGEL- und SPON-Schreibern noch Eines gesagt:
Barmt nicht: "Das haben wir nicht gewußt!"
Doch, habt Ihr!
Ich werde nicht der einzige Leserbriefschreiber und SPON-Forum-Kommentator gewesen sein, der den Nanny-Journalismus über die Jahre immer wieder kritisch angesprochen hat.
Und ich war auch nicht der einzige, der das SPIEGEL-Schreibern persönlich gesagt hat! Etwa beim ersten SPIEGEL-Dinner, bei dem ich das Glück hatte, dabeisein zu dürfen, oder bei einer "Hate-Poetry"-Lesung, von denen es vor vier, fünf Jahren einige gab.

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MKAchter 22.12.2018, 19:16
512. Agenda

Claas Relotius hat nicht zuletzt eine bestimmte politische Agenda bedient; das wird nicht nur beim nun viel besprochenen "Jaegers Grenze" deutlich.

Auch das hat zu seinem Erfolg, und wohl auch einer gewissen Kritiklosigkeit, beigetragen.

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Heitgitsche 22.12.2018, 19:30
513. Widerrede war zwecklos

Dieser Tendenzjournalismus hat Merkel in ihrem diktatorischen Tun 2015 bestätigt. Ohne die kräftige Unterstützung oder verängstigtes Schweigen der deutschen Medien wäre ihr Zerstörungswerk nicht so einfach gelungen.

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farley.bfi 22.12.2018, 21:47
514.

Was ist nur aus dem Spiegel geworden?
Ich bin Jahrgang 62 und der Spiegel spielte seit meiner Gymnasiumszeit eine wichtige informative Rolle. Der junge Journalist Claas Relotius ist bei allem Schock nicht das eigentliche Problem. Er ist ein Schnösel, wie man hier in Wien sagt, ein Hochstapler, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Die hat und wird es immer geben. Aber was, um Gottes Willen ist nur mit dem Spiegel los?
Ich bin von Beruf Religionslehrerin und ich würde die gesamte Belegschaft zur einem Einkehrwochenende in ein Kloster schicken ohne Handy und Laptop am liebsten hoch oben auf einem Berg und dann wird mal reflektiert, was schon länger nicht mehr richtig läuft. Warum die ideologische Brille so fest sitzt, dass man sie einfach nicht mehr abnehmen kann und immer unfähiger wird die Wirklichkeit zu beschreiben. Ich wünsche Ihnen eine ehrliche Umkehr und Läuterung.
Der Artikel der beiden Einwohner aus Fergus Falls “The Spiegel Journalist messed with the wrong small town “ erfûllt mich wieder mit Hoffnung und Freude, dass es immer noch genug einfache Leute gibt, die ihren Verstand einsetzen und sich die Mühe machen mutig zu widersprechen.

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caliper 22.12.2018, 22:42
515.

Zitat von derboesewolfzdf
wenn ein System versagt, haben Menschen ihren Job nicht gemacht. Der Spiegel selbst fordert gerne auch für Lappalien den Rücktritt...siehe dazu Maaßen. Ein Unternehmen kann sich solche Mitarbeiter nicht leisten, wenn es weiter wirtschaftlich rentabel sein will. Ob die Personen jetzt selbst Konsequenzen aus ihrem Verhalten ziehen (was natürlich unwahrscheinlich ist) oder vom AG gekündigt werden ist dabei egal..... Hauptsache, die Mitarbeiter sind weg.
Ich glaube nicht dass es erforderlich sein wird diese Mitarbeiter zu entlassen wenn sie sich nicht grob falsch verhalten haben. Vielleicht muss man sie mit anderen Aufgaben versehen und die Qualiitätssicherung zumindest teilweise mit Journalisten auffüllen, die von der politischen Orientierung her nicht dem typischen Spiegel Journalisten entsprechen.
Wenn alle die gleiche politische Einstellung haben, dann ist die Gefahr einfach zu groß dass sich alle wechselseitig auf die Schlulter klopfen und sich so allmählich und unbemerkt extreme Meinungen zu ganzen Themenkomplexen bilden können.

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lubale 23.12.2018, 23:42
516. Schade

Es bringt mMn, jetzt nicht viel,die Asche auf das eigene Haupt zu streuen - alles bleibt doch beim Alten: die regierungstreue Linie von SPON wird vortgesetzt und die Berichte der Journalisten werden der Meinungsmache gedient.
Betrifft leider nicht nur den Spiegel,es ist ein allgemeiner Trend der deutschen Medien.
Schade.

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n.strohm 23.12.2018, 07:38
517. Ich befürchte,

dass Herr Relotius kein Einzelfall ist.
Blender und Menschen, die alles glauben, was in die eigene Schublade passt, gibt es zu Hauf in dieser Welt. Menschen, die für ein bisschen mediale Aufmerksamkeit ihre Seele verkaufen sehen wir jeden Abend bei RTL, SAT1 und ProSieben.


Leider schreien, gerade jetzt diejenigen nach Bestätigung für Fake News, die diese selbst verbreiten. Insoweit hat der Spiegel und seine Recherche-Abteilung hier ganze Arbeit geleistet.

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unschärfer 23.12.2018, 08:32
518. Moralische Selbstüberhöhung

Mich erinnert das Verhalten des CR an das Verhalten der Kirche zu Zeiten der Iquisition. Geschichten erfinden, diejenigen stigmatisieren und gesellschaftlich ausgrenzen die Zeifel an diesen Geschichten haben und sich auch noch mit Spenden persönlich bereichern. Alles nur meine ganz persönliche Meinung.

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andikah 23.12.2018, 09:50
519.

Relotius hat nur das geliefert was der Spiegel geliefert haben wollte. Der war nur ein Handlanger und hat seine Chance genutz. Der Fisch stinkt vom Kopf.

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