Forum: Politik
Der Fall Relotius: Liebe Leserin, lieber Leser,
SPIEGEL ONLINE

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FatherMacKenzie 20.12.2018, 08:26
70.

Zitat von großwolke
Dieses unsinnige Bemühen, eine Geschichte zu erzählen, finde ich leider in vielen Artikeln auf dieser Seite, selbst im Spiegel+-Angebot. Ihr Journalisten solltet Euch eins immer wieder klarmachen: Ihr seid Generalisten, der Normalzustand ist der, dass Ihr NICHT versteht, was eigentlich los ist, jedenfalls nicht völlig, nicht einmal nach ausgiebiger Recherche. Anstatt Geschichten zu erzählen, solltet Ihr vor allem eins tun: für Euch selbst und auch für Eure Leser aufschreiben, was wisst und auch, was Ihr nicht wisst, und zwar ganz plump, deutungsfrei ...
Vielen Dank. Treffender kann man es nicht beschreiben. Ich meine mich gut zu erinnern, als ich das erste Mal Personen getroffen haben*, die Redakteuren vom Spiegel ein Interview gaben. Vor allem die Nachsätze hatten mich immer interressiert, die, die einen Geschichte "rund machen" ... Erst später habe ich erfahren, dass man so etwas '"polieren" nennt. Fast jede "Geschichte", "Reportage", "Interview" vom SPON hat diese Eigenart. Seit wenigstens zehn Jahren. Da sind die "Märchen" vom fernen Stern Relotius zwar kein Lacher, aber in Relation gesehen nicht wesentlich besser. Who cares - not my business. Not my news. Not my magazine.

*Für die Recherche: Andreas Niedrig - Der Marathon-Mann, Ende des Interviews; "Manchmal möchte ich einen Joint rauchen!" Hat er nachweislich so nie gesagt. O-Ton Niedrig: "Ich habe mich über den letzten Satz geärgert weil er falsch ist. Aber der Redakteur sagte "das müsse so sein, dann ist es rund!" Und auch gerne weiter ;-)

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matse22 20.12.2018, 08:26
71. Fehler und Loyalität

Ich finde die Art und Weise wie Der Spiegel die Aufarbeitung beginnt sehr gut: Transparent. Ich wünsche Ihnen und uns Lesern, dass es Ihnen gelingt. Fehler werden sich nie vermeiden lassen. Wichtig ist, aus Fehlern zu lernen.
Die Leser, die hier nach Kündigung aller Verantwortlichen rufen, sollten sich fragen, ob sie auch bei Fehlern an Ihrem Arbeitsplatz sofort gekündigt werden wollten. Mich ermutigt jedenfalls die begonne, offene Aufarbeitung mein Spiegel+ Abo noch eine Weile zu halten. Ich selbst habe Personalverantwortung an meinem Arbeitsplatz. Aus meiner Erfahrung ist Loyalität, und die Fähigkeit anderen Fehlern zuzugestehen, die wichtigste Zutat um erfolgreich zu arbeiten und sich stetig zu verbessern. Voraussetzung: Fehler werden nicht vertuscht, sondern aufgearbeitet.

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AlfredVail 20.12.2018, 08:29
72. Das schlimmste ist nicht...

... das es passiert ist. Das schlimmste ist wie vehement der Spiegel und andere Qualitätsmedien den Vorwurf der Lügenpresse von sich gewiesen haben ohne die Vorwürfe auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Man glaubte zu gerne was man glauben wollte.

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wortgewalt87 20.12.2018, 08:31
73. Mein Wintermärchen

Zu meinen Vorsätzen fürs nächste Jahr gehörte, endlich mein Spiegel-Abo zu kündigen. Mit dem Spiegel habe ich Lesen gelernt. Eine meiner ersten Amtshandlungen als Erwachsene war, mir ein Abo zuzulegen.
Ich habe eine Zeitlang mit geprügelten Frauen gearbeitet. Und musste erleben, wie sie immer wieder zu ihrem Prügler zurückgingen. Einmal, zweimal, oftmal. Zu schmerzhaft war die Erkenntnis, dass der geliebte Mensch ein ruchloser Brutalo war. Als mir aufging, dass mein Verhältnis zum Spiegel exakt so war, beschloss ich, die Reißleine zu ziehen. Trotz der tollen Erinnerungen an frühere Zeiten.
Und jetzt, paar Tage vor D-Day, kam der Knall.
Sie kriegen von mir jetzt ein Jahr Bewährung, in dem ich Ihnen eine wirksame Katharsis und die Rückkehr zu ehrbaren journalistischen Grundsätzen wünsche.
Wie es beim derartigen Klima Herrn Moreno gegangen sein muss, vermag ich mir kaum auszumalen. Diesem Helden wünsche ich alles erdenklich Gute.

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stefan taschkent 20.12.2018, 08:35
74. Wie wahr

Zitat von großwolke
Generalisten, der Normalzustand ist der, dass Ihr NICHT versteht, was eigentlich los ist, jedenfalls nicht völlig, nicht einmal nach ausgiebiger Recherche.
Dem kann ich mich nur anschließen. Es gab - nicht nur beim Spiegel, aber eben leider auch - schon einige Themen, bei denen ich mir dachte: Leute, damit beschäftigen sich kluge Leute wie zum Beispiel Wissenschaftler schon seit einigen Jahren und manchmal Dekaden. Fragt doch erst mal dort nach, bevor Ihr Euch nach (aufgrund der allgemeinen Gegebenheiten immer durch Ressourcen beschränkter) dürftiger Recherche selbst was zusammenzimmert.

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emeswe 20.12.2018, 08:37
75.

Das Sturmgeschütz der Demokratie hat einen Rohrkrepierer!
In den letzten Jahren hat sich der Spiegel auf eine unangenehme Art und Weise kommerzialisiert. Sowohl die Printausgabe, aber viel schlimmer der Online-Auftritt nervt mit agressivster Werbung. Dem Geldverdienen um jeden Preis ist dann wohl auch die journalistische Ethik zum Opfer gefallen. Die Krokodilstränen und das mitfühlende Verständnis für den betrügenden Mitarbeiter wären bei einem solchen Fall bei einem Konkurrenzblatt wohl anders ausgefallen.

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oliver9997 20.12.2018, 08:37
76. Aber alle anderen sind tolle Journalisten?

Man muss schon ein sehr schlauer Bauer sein, um aus einem faulen Apfel zu schließen, das weiter unten im Fass keine weiteren sind.

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ty coon 20.12.2018, 08:38
77.

Zitat von großwolke
Dieses unsinnige Bemühen, eine Geschichte zu erzählen, finde ich leider in vielen Artikeln auf dieser Seite, selbst im Spiegel+-Angebot. [...] Das ist nicht allein eine Schwäche vom Spiegel, das passiert leider überall, und es gefällt mir auch in konservativen Publikationen keinen Deut besser
Wie wahr, wie wahr! Der "Spiegel" hat im Nachkriegsdeutschland mit dieser Unsitte angefangen, aus Journalismus Literatur zu machen. Es sollen Geschichten erzählt werden, von Menschen über Menschen für Menschen, gerne in blumiger Sprache, wobei eine gewisse Dramaturgie unerläßlich ist. Für ein Wochenmagazin mag das gerade noch durchgehen, für eine Tageszeitung oder eine Nachrichtenredaktion sollten sich diese Ausflüge ins Künstlerische verbieten. Nur scheint sich dieser menschelnde Krempel besser zu verkaufen als nüchterne, wertungsfrei Reports. Deshalb schreiben inzwischen alle überregionalen Zeitungen wie der "Spiegel": Wenn's kein Drama abgibt, dann ist es nichts. Und beim "Spiegel" gibt es sowieso nichts ohne Meinung. Da steht zwar "Nachrichtenmagazin" auf Seite 1, aber wer das glaubt, dem ist nicht zu helfen.

Ich hätte gerne wieder faktenorientierte Nachrichten, ohne Ausschmückungen, ohne Meiunung. Das wäre die beste Art, Fake news und dem Vorwurf der Lügen- oder wenigstens Lückenpresse zu begegnen. Aber ich pfeife nur im Walde, ändern wird sich freilich -- gar nichts.

Sehr sympathisch finde ich am vorliegenden Artikel, daß auch Mitgefühl für Herrn Relotius Raum gelassen wird. Er ist nicht nur zweifellos Täter, sondern genauso auch Opfer einer Gesellschaft, die, erzogen von Augsteins "Spiegel", lieber saftige Geschichten hören will, als schnöde Berichterstattung zu lesen. Ob die vielen Journalistenpreise nicht auch falschen Ehrgeiz wecken können, das ist nun außerdem zu fragen.

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wahrsager26 20.12.2018, 08:39
78. An StefanKK. Nr65

Ja,ich bin Abonnent und denke auch an die vielen ehrlichen und gewissenhaft arbeitenden Journalisten ,die teilweise unter Einsatz Ihres Lebens arbeiten .(An der Alster eher weniger!) Allerdings sehe ich auch eine gewaltige Einseitigkeit...Zuwanderung ,Zuwanderung.Zu den entsprechenden Themen sehe ich viel zu wenig Kontra,alles ist immer nur gut.Und da war ein Herr Relotius gerade am rechten Fleck.Vor Dankbarkeit sich überschlagende Preisverleihungen und warum sollte kontrolliert werden? Es war doch ideologisch ein Glücksfall diesen Herrn 'an Bord ' zu haben .Der Schaden ist für den Spiegel riesengroß ! Danke

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tclaussnitzer 20.12.2018, 08:42
79.

Gerade auch weil viele dieser Artikel politisch gefärbt sind, hoffe ich das diese Fake News Ihnen ein wenig mehr Demut beibringt. Was bleibt, ist ein bitterer Geschmack und der Gedanke ob dies vielleicht nur die Spitze des Eisberges ist.

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