Forum: Politik
Der Osten und die Toleranz: War die Wiedervereinigung ein Fehler?
DPA

Der Osten weist den Vorwurf stets von sich, fremdenfeindlich zu sein. So wie der Islam stets abstreitet, mit Terror etwas zu tun zu haben. Warum aber votiert jenseits der Elbe jeder Dritte für Parteien, die ein Problem mit Andersartigkeit haben?

Seite 23 von 47
jsle80 15.12.2015, 15:48
220. Polemik und Plattitueden ...

Zu allererst: Dieser Artikel ist ein weiterer Indiz dafuer, dass so lange keine deutsch-sprechenden Journalisten zu Hunderten ueber die Grenze marschieren, die hiesigen Journalisten mit hoher Schlagzahl weiterhin Artikel und Kommentare niedriger Qualitaet mit hoher Quantitaet produzieren.

Immer schoen verbal auf die Ostdeutschen einschlagen ohne sich tiefgruendig und konstruktiv mit den Ursachen auseinander zu setzen. Da fehlen mir nur noch die Worte.

Der Autor versucht klaeglich die Unzufriedenheit einer Gruppe Ostdeutscher gegenueber der Immigrationspolitik mit Unglaeubigkeit zu erklaeren. Leider reicht die Intelligenz nicht dazu aus, zu erkennen, dass er dasselbe tut. Er wirft den Ostdeutschen vor, dass sie aufgrund ihrer Unglaeubigkeit fremdenfeindlich sind und stellt die sehr gewagte These auf, dass er sich ein Deutschland ohne Ostdeutsche herbei wuenscht. (Ostdeutsch = unglaeubig/andersdenkend, deshalb weg mit denen.) Ist es nicht genau das, was der Autor den Ostdeutschen vorwirft?

Erst denken, dann schreiben. Waere dies ein Essay einer meiner Studenten, wuerde ich die einseitige und kurzsichtige Argumentationsweise kritisieren und vom Autor verlangen den Essay neu zu schreiben. Aber leider ist dies nicht moeglich, daher kann ich leider nur auf meine erste Hypothese verweisen (siehe oben).

Beitrag melden
kurzundgut 15.12.2015, 15:52
221. Konsequenz

Seit der Lektüre dieses Artikels frage ich mich, ob dann nicht auch die deutsch-französische Freundschaft und Integration ein "Riesenfehler" war (30% für Le Pen). Ich frage mich auch, ob nicht die europäische Integration in der EU mit Ländern wie Griechenland (ca. 50% rechts- und linksradikale Parteien) und eigentlich allen anderen EU-Partnern eine ganz große Dummheit war, denn fast überall kommen die Links- und Rechtspopulisten inzwischen auf gut 1/3 der Stimmen. Wie gut, daß Westdeutschland so nonkonformistisch ist! Es gibt eine bunte Meinungsvielfalt der Leitmedien, der Politik, innerhalb der Parteien!
Satire aus.
Wäre es in Zeiten der bundesdeutschen ganz großen Koalition ("gaGroKO")nicht auch mal echt nonkonformistisch, eine Lanze für die Partei zu brechen, deren Auffassungen Herr Fleischhauer zuweilen durchaus nahesteht?

Beitrag melden
b.toennies 15.12.2015, 15:52
222. Ja leider....

Zitat von peter-mich.schmidt
und mir wird immer wieder schlecht, wenn Pegida aufmarschiert. Herr Fleischhauer hat recht, wenn er von den fehlenden christlichen Werten im Osten spricht. Aber hat nicht die erzkonservative, rechte Regierung Polens ihre Wurzeln im polnischen Katholizismus, ist nicht Petry mit einem Pfarrer verheiratet und Seehofer gläubiger Christ?
ob es unbedingt der Katholizismus ist weiß ich nicht, aber es ist eine unbestreitbare Tatsache das der massenhafte Wegzug von gut gebildeten weltoffenen Menschen seit dem Mauerbau zum "Ausbluten" des Ostens beigetragen hat. Das die, die heute rumplärren eher die bildungsfernen "zurückgebliebenen" sind, die Angst um ihre Renten oder bequem eingestrichenen Harz Leistungen haben, ist leider nun mal so. Die standhaften, aufrechten haben es da z.B. in Dresden sehr schwer... und müssten von den Medien viel stärker beachtet werden.
Und die "Wiedervereinigung" hätte auch ganz anders organisiert werden können. Aber..... HÄTTE HÄTTE - Fahrradkette... Allein wenn ich an den 1 zu 1 Umtausch des DDR Vermögens denke... was da in ehemaligen SED und STASI Känalen verschwunden ist damit könnte man 5 Jahre lang 1 Mio Flüchtlinge finanzieren... War aber ja damals politich so gewollt... leider hatte Kohl von Volkswirschaft genausoviel Ahnung wie vom Trompete blasen... gar keine..

Beitrag melden
ruhepuls 15.12.2015, 15:52
223. Erst kommt das Fressen...

Erst kommt das Fressen, dann die Moral - wusste schon Berthold Brecht.

Im Osten haben mehr Menschen Angst um ihr "Fressen", also ihre materielle Basis. Toleranz blüht am besten auf einem satten Acker. Wird das Wasser dagegen knapp schielt jeder zuerst einmal auf die eigenen Wurzeln.

Und im Osten haben einfach mehr Menschen Angst, dass sie "zu kurz" kommen.
Hinzu kommt aber noch ein anderer Faktor: Während man im Westen, zum Teil durch "Verordnung", zum Teil aber auch durch Urlaub, Gastarbeiter usw. schon vor vielen Jahren Kontakt mit anderen Kulturen bekam, ist der Osten hier noch zurück. Dort kennt man zwar Fremdarbeiter aus kommunistischen Bruderstaaten - aber die hatten schon damals kein gutes Image.
Und noch ein dritter Faktor spielt hier eine Rolle: Parolen (wie Solidarität, Mitmenschlichkeit usw.) kennt man noch von früher. Und da hat man sie auch nicht geglaubt.

Beitrag melden
taubenvergifter 15.12.2015, 15:53
224. Hmm...

Kann Fleischhauer nicht zwischen Ramelow und Höcke unterscheiden? Ist ein Nein zu unüberlegten Auslandseinsätzen der Bundeswehr genauso verwerflich wie Rassentheorie 2.0?

Beitrag melden
kötvin 15.12.2015, 15:53
225. Dortmund

Ich hab mir Karte von Deutschland angeschaut. Ich hab mir die Augen wund geguckt. Von Rügen bis Suhl, von Magdeburg bis Frankfurt/Oder. Ich kann Dortmund nicht finden. Dortmund ist doch Osten?!

Beitrag melden
max-mustermann 15.12.2015, 15:53
226.

"Der entscheidende Unterschied für mich ist die Abwesenheit jedes christlichen Bewusstseins außerhalb des Kirchenmilieus."

Sie meinen so ein Christliches Bewusstsein wie in Polen Herr Fleischhauer ? Wo gerade eine streng christlich konsevative Partei gewählt wurde die gegen Andersdenkende, Schwule, Moslems und Atheisten hetzt und sich daran macht die demokratischen Strukturen zu untergraben.

Beitrag melden
weckmichauf 15.12.2015, 15:53
227.

Oha Herr Fleischhauer. ich hab mich ja schon daran gewöhnt, dass Spiegel online öfters mal heftig danaben haut. hier ist allerdings mal wieder ein neuerlicher tiefpunkt. zunächst: ihren Anspruch eine unangenehme Wahrheit (der Osten sei intolerant, der Westen größtenteils weltoffen) auszusprechen in allen Ehren, setzt ihr Artikel entgegendem nur die vom Westen kultivierte "beitrittskommunikation" fort. die Logik dieser Rhetorik: durch den Beitritt der neuen Bundesländer hätten diese das recht auf eine durch 40 Jahre eigene Staatlichkeit geprägte Identität verwelkt und müssten alles vom Westen übernehmen ohne selbst etwas einbringen zu können. dies War der große Fehler der Wiedervereinigung und durch diesen ausgelöst und ihre Rhetorik befeuert, entwickeln bevölkerungsteile im Osten einen latenten minderwertigkeitskomplex denn sie sind ja vom Westen übernommen worden. durch selbigen und durch zahlreiche (oft unverschuldete) gebrochene erwerbsbiographien im Zuge der Wende stehen viele ostdeutsche der Demokratie nebst Pluralismus skeptisch gegenüber. es ist also auch eine Frage der gescheiterten Integration der "wendeflüchtlinge". zweitens: wie eine (zugegeben ehemals) linke Zeitung die afd und die linke so dermaßen undifferenziert in einen Topf schmeißen kann ist schlichtweg erschreckend. die afd führt ihren homogenitätsgedanken auf die Gnade der richtigen Geburt (weiß, blond, deutsch) zurück und die linke negiert genau das. sie will das menschen gleich ihrer Herkunft in bezug auf ihre Chancengleichheit so homogen wie möglich sind. in ihrem Artikel klingt es als wären es zwei unterschiedliche Parteien ein und des selben politischen spektrumsabschnitts. ich hoffe sie sind sich zumindest persönlich des gravierenden unterschieds bewusst. gleichzeitig wird einem als linkem durch Beiträge wie diesem wieder einmal schmerzlich klar wie konservativ unsere Berichterstattung geworden ist. der Spiegel wie konservativ unsere Berichterstattung geworden ist.
drittens: echt ja? das Christentum? ich bin ostdeutscher (*1990) und habe auch schon im Westen gelebt. klar ist im Osten durch die Diktatur die Verwurzelung der Religion in der Bevölkerung stärker aufgebrochen worden. allerdings glaube ich kaum dass der christliche Glaube selbst im Westen noch eine prominente Rolle im Alltag vieler einnimmt. zumal (und das klingt hier auch nicht einmal an) sich ja gerade pegida auf christliche Werte beruft. also zusammenfassend: viel zweifelhaftes, einiges falsches und in seiner darlegungsweise unpassend. Gratulation Herr fleischhauer

Beitrag melden
meineeine020 15.12.2015, 15:54
228.

Zitat von bernd.stromberg
Nunja - Linkspopulisten Rechtspopulisten. Beide leben von ihrer ideologischen Verblendung (wobei, das tun die Grünen auch...), von teils extremen Ansichten und extremen Vorschlagen und Maßnahmen um vermeintliche Probleme vermeintlich zu lösen.
ideologischen Verblendung? Wieder so ein Ideologie"experte". Wissen sie Liberalismus und Konservatismus ist auch eine Ideologie. Nur weil sie von 90% der Leute nicht hinterfragt wird bleibt sie es trotzdem und Ideologie als Schimpfwort zu benutzen ist einfach nur dumm. Und das dann auch noch zu nutzen um Linke und Rechte in einen Topf zu werfen ... peinlich ...

Beitrag melden
ka117 15.12.2015, 15:55
229. Wessiperspektive?

Zitat von wiesnase111
Wir haben Land zurueck bekommen und die menschen die dort leben Ist das denn nichts ? Ich bin gluecklich ueber die vereinigung. Schade das meine Heimat Ostpreussen nichts auch wieder zurueck ist.
Das Land "zurück bekommen" sogar mit den Menschen, "die dort leben". Toll.
Klingt nach wiedergefundenem Hamsterkäfig samt Inhalt.

Und, ja "schade", dass "Ostpreussen nichts auch wieder zurueck ist". Was würden Sie in solchem Fall mit dem jetzigen "Inhalt" von Ostpreußen anstellen?

Beitrag melden
Seite 23 von 47
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!