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Der Osten und die Toleranz: War die Wiedervereinigung ein Fehler?
DPA

Der Osten weist den Vorwurf stets von sich, fremdenfeindlich zu sein. So wie der Islam stets abstreitet, mit Terror etwas zu tun zu haben. Warum aber votiert jenseits der Elbe jeder Dritte für Parteien, die ein Problem mit Andersartigkeit haben?

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rainerheinrich 15.12.2015, 21:18
460. Eine einfache Frage,

Zitat von catcat1234
Alle ostdeutschen Bürger müssen mit weniger Geld auskommen. Warum? Weil Politiker das so entschieden haben. Tja warum sind die Leute darüber wohl erbost? Rassismus wird auch von Westdeutschen betrieben, denn wo findet man denn die Menschen mit Migrationshintergrund? Kreuzberg, Neukölln und co. Man hat diese Menschen an den Stadtrand manövriert. Gratulation zur erfolgreichen Integration. Die Westdeutschen sind nur besser beim Vertuschen ihrer Meinung, doch letztlich bleibt es dieselbe. Wir sind Menschen und sollten Aufhören uns immer wieder neue Barrieren zu schaffen.
wie lange ist man Migrant?
Eine, zwei oder 3 Generationen oder immer?
Zum Thema Geld.
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die Entgeltfindung
zwischen den Tarifparteien Arbeitgeber und Gewerkschaften stattfindet. Der Staat ist nicht im Spiel.
Das nennt man dann Tarifautonomie. Ausnahme, beim Mindestlohn wurde jedoch die Tarifautonomie mehr als in Frage gestellt. Die Frage warum, müssen Sie den Gewerkschaften stellen.
Ein wesentlicher Baustein der Entgeltfindung ist die Produktivität. Messbar zum Beispiel an den Stückkosten.
Weiter bezweifle ich Ihre Aussage, dass alle ostdeutschen Bürger im Vergleich mit dem Westen weniger verdienen.
Weiter sollten Sie wissen, dass die Tarifentgelte, ob im Osten oder Westen Regional unterschiedlich sein können.
Zum Abschluss: Themen sollte man sachlich diskutieren.

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freyageist 15.12.2015, 21:23
461.

Sehr geehrter Herr Fleischhauer,

ich habe die Wiedervereinigung als Zwanzigjährige erlebt und war froh darüber.
Ich habe mir die Frage, die Ihre Kolumne übertitelt, nie gestellt.
Nach dem Lesen Ihres Artikels kommen jedoch Zweifel auf, ob ich sie nicht doch mit Ja beantworten würde, um eine Kolumne wie Ihre nicht lesen zu wollen.
Mit Verlaub, Ihre Recherchen, aus denen Sie Ihre Meinung beziehen, mögen richtig sein, ein Gesamtbild stellen sie nicht dar.
Wieso ist das christliche Weltbild, der Glaube das fehlende Element im Osten?
Haben Sie die Existenzialisten gelesen, die meinen, dass Jeder seinem Leben seinen Sinn geben wird.
Ich lasse unerwähnt, dass die Existenz Gottes Jeder für sich selbst als Wahrheit oder auch nicht wählen darf.
Die von Ihnen angemahnte Toleranz vermisse ich auch in Ihrem Beitrag.
Schade, dass hier wieder ein verqueres, überzogenes Bild vom Osten gezeichnet wurde.
Ich lade Sie herzlich ein, Ihr Bild zu vervollständigen, indem Sie Menschen kennen lernen, die Sie nicht beschrieben haben.

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rurik 15.12.2015, 21:25
462. Westdeutsche Selbstgefälligkeit

Zitat von k70-ingo
Das ist auf hanebüchenste Weise falsch. Genau das Gegenteil ist richtig. Wir Wessis hatten die Vergleichsmöglichkeiten, nicht die Zonis. WIR durften frei reisen, speziell in den anderen Teil Deutschlands. Ich erinnere mich heute noch an diverse völlig bizarre Erlebnisse und auch Gedankengänge der Eingeborenen bei meinen Vorwende-DDR-Reisen. Als damaliger Bewohner des Zonenrandgebietes hatte ich den Mehrfachberechtigungsschein für den kleinen Grenzverkehr und konnte daher spontan und aufwandsfrei für ein paar Stunden oder ein, zwei Tage einfach so rüberfahren. Die dortigen Erfahrungen und Erlebnisse sitzen so tief, daß mir heute noch ein Kribbeln den Rücken hinunterläuft und ich denke "Jetzt biste wieder drüben", wenn ich Marienborn oder Drewitz passiere.
Danke für Ihr schönes Beispiel von westdeutscher Selbstgefälligkeit. Was Sie schreiben, gilt vielleicht bis 1990, jedoch bezweifele ich, dass sich die Mehrheit der Westdeutschen wirklich intensiv für die DDR interessiert hat.
Und leider hat sich das seit 1990 nicht groß geändert. Die Erwartung - wie offenbar auch bei Ihnen - ergeht sich in der unausgesprochenen Forderung, dass die Ostdeutschen sich dem anzupassen haben, wie man sich im Westen selbst sieht - eigene Erfahrungen, Befindlichkeiten und Sozialisationen der Ostdeutschen stören nur und sind uninteressant. Und dann reden solche Leute wie Fleischhauer noch über Toleranz..

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rainerheinrich 15.12.2015, 21:25
463. Ich denke,

Zitat von Mr.Boine
Die Ablehnung von Flüchtlingen zumindest meinerseits liegt in der 1.) Erfahrung von Unfähigkeit 2.) Weg-Delegieren von Verantwortung durch Politik und Verwaltung und den 3.) Grundsätzlich fehlenden Ressourcen für Soziale Arbeit 4.) Grundsätzlich fehlenden Ressourcen für den Schutz der Bürger. Als Ossi haben ich in den letzten 20 Jahren genug ausgebrannte Lehrer, desillusionierte Sozialarbeiter, Familienbetreuer und zu wenig Polizisten erlebt. Es fehlt permanent an Ressourcen, um die Konflikte aufgrund von Ungleichheiten dieser Gesellschaft durch Sozialarbeit moderiert auszugleichen oder bei gewalttätigen Abweichungen konsequent mit einer Ordnungsmacht durchzugreifen. Die No-Go-Areas in denen es eine Polizei einen Scheißdreck interessiert, ob gerade mal wieder jemand von Nazis um Häuserblocks gejagt wird, kenne ich zur Genüge. Ich habe daher kein Vertrauen darin, dass z.T. sozial im finsteren Mittelalter sozialisierte Menschen hier A.) die Soziale Förderung erfahren, die nötig ist und B.) bei schlechtem Benehmen des Landes in Schranken und ggf. des Landes verwiesen werden. Und in dieser Gemengelage soll dann noch was obendrauf? Das hohe Maß an Eigenverantwortung und eine nicht vorhandene Führung seitens des Staates sind diese Menschen nicht gewöhnt. Wie Ossis übrigens auch nicht. Und nachdem Herr Fleischhauer und Seinesgleichen es in 25 Jahren nicht geschafft haben die Ossis zu integrieren, wohlgemerkt Landsleute aus dem gleichen Kulturraum, soll das nun mit unseren Neuankömmlingen gelingen? Vergessen Sie es. Das wird Nichts. Und eines finde ich ganz erstaunlich: den kulturellen Eigenheiten der Neuankömmlinge sollen wir mit Toleranz und fast unbegrenztem Verständnis begegnen. Wenn ein Ossi das fordert, wird er niedergemacht: Ostalgie, Nostalgie, wahlweise Stasi, SED, Linkspartei. Herr Fleischhauer lässt selbst in seinem Text erkennen, dass er zur Integration von Migranten grundsätzlich nicht geeignet ist. Er tut tolerant, ist es aber nicht. Und schließlich: mir fehlt der realistische Blick und geeignetes Handeln, was die Integration betrifft. Derzeit können das nur die Bayern und ich bezweifle, dass der Rest der Republik sich daran orientiert.
Sie sind noch nicht in der Demokratie angekommen.
Kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass Sie
Anhänger der sogenannten putinischen Demokratie
sind. Auch bekannt als Autokratie. Der Staat hat immer recht. In ganz schweren Fällen spricht man auch von
Diktatur.

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Maverlized 15.12.2015, 21:34
464. Ihre Entschuldigung Herr Fleischhauer ....

.. für diese polarisierende Polemik würde ich als Ossi selbst dann nicht annehmen, wenn Sie mit dem Trabi bis zu meiner Haustür fahren würden. Sie sind zu intelligent, als dass man insistieren könnte, Ihnen wäre die Tragweite Ihres Artikels und jedes einzelnen Satzes darin nicht bewusst gewesen.
Denn: Sie polarisieren nicht nur (das macht jeder Stammtisch). Sie nutzen Ihr Privileg, in einer der meist gelesenen Onlinekolumne Meinung äußern zu dürfen, schamlos aus, um Meinung Zu MACHEN. Ein gefährliches Spiel, was Sie da treiben, politisches Öl in eine noch immer bestehende gesellschaftliche & materielle Ungleichheit - ja sogar Ungerechtigkeit - zu gießen.

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Sly 15.12.2015, 21:35
465. Der Westen und die Toleranz

Lieber Herr Fleischhauer, möglicherweise sind die Ostdeutschen ja die besseren beziehungsweise zumindest die europäischeren Europäer? Kurzer Blick auf die Realität: Frankreich: no comment. Skandinavien: In Finnland sog. Rechtspopulisten in der Regierung; in Norwegen dito; in Dänemark Rechtspopulisten zweitgrößte Partei, stützen die Regierung. In Schweden Rechtspopulisten bei 20 Prozent. In den Niederlanden ist, wie ich las, die Wilders-Partei jetzt Spitze. Von Osteuropa ganz zu schweigen. Allesamt böse Sachsen beziehungsweise böse Ostdeutsche?

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dingodog 15.12.2015, 21:37
466. Statistisch leider richtig

Bin Westdeutscher, lebe in Berlin, habe sehr viele Ost-Kollegen, die intelligent und eigentlich offen gegenüber Minderheiten sind. Aber ca. 80% dieser Kollegen zeigen eine starke Flüchtlings-Feindlichkeit. Umgekehrt bei meinen Kollegen aus den westlichen Bundesländern nur ein extrem fremdenfeindlicher, bei meinen Freunden aus dem Westen keiner.

Das interessante ist, dass diejenigen in meinem Freundes-/Bekanntenkreis, die einen westberliner Hintergrund haben, ebenfalls eher bis stark fremdenfeindlich sind. Kann natürlich reiner Zufall sein, aber vielleicht ist das Phänomen tiefer verwurzelt als in den 40 Jahren DDR?

Und auch interessant ist, wie sehr einem bewusst ist, wer welche Meinung zum Thema hat. Eine extreme Spaltung der Bevölkerung.

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