Forum: Politik
Deutsch-französische Beziehungen: Merkels Macron-Problem
AFP

Emmanuel Macron hat Marine Le Pen verhindert - und Europa so womöglich vor dem Zerfall gerettet. Soll die Bundesregierung ihm dafür jetzt entgegenkommen? Die SPD macht Druck, für die Kanzlerin ist die Lage knifflig.

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OhMyGosh 10.05.2017, 17:41
100.

Ist es nicht so, dass Deutschland am meisten vom innereuropäischen Handel, somit auch von der Freizügigkeit der EU profitiert? Dann wäre meines Erachtens durchaus zu überlegen, ob nicht das "couple franco-allemand", M&M, nun wirklich eine Neupositionierung wagen sollte. Frankreich hat konzeptionell und innovativ durchaus einiges zu bieten, allein die (arbeitsrechtlichen) Rahmenbedingungen erweisen sich als produktionshemmend. Da gälte es anzusetzen und politökonomische Prozesse zu evaluieren. In D wie in F. Die Scheckbuchdiplomatie eines Herrn Kohl kann nicht der Königsweg sein, denn zu schnell sind Milliarden verpulvert.

Europa ist am Sonntag für den Moment gerettet worden, aber in fünf Jahren muss die EU zum Wohle der Bürger geliefert haben, sonst ist sie es nämlich: geliefert. Meine Vermutung ist zudem, dass die Kanzlerin nie so richtig mit der EU warm geworden ist, ich spüre in den meisten ihrer diesbezüglichen Statements sehr oft eine übergroße Distanz.

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hildesheimer2 10.05.2017, 17:45
101. Es geht uns schlecht.....

Zitat von Athlonpower
Wenn Sie mit Ladenanpassung so Sauereien wie Lohnstagnation seit 20 Jahren, Einführung des größten Niedriglohnsektors in Europa, Absenkung des Rentenniveaus auf 41% mit katastrophaler Altersarmut für über 70% der Bevölkerung, dann kann ich Sie beruhigen, das werden die Franzosen mit Sicherheit nicht mit sich machen lassen, denn im Gegensatz zum treudoofen deutschen Michel haben die Franzosen noch Charakter und Ehre, die Franzosen haben ja in der Geschichte mehr als einmal deutlich gezeigt, was bzw. wie mit der blutsaugenden Oberschicht umgegangen werden kann, wenn dieses allzu gierig werden sollte, siehe 1789, in Deutschland natürlich absolut nicht zu erwarten, hier läßt sich der deutsche Michel seit gut zwei Jahrzehnten ausplündern um dann bei den nächsten Wahlen das "Weiter so/Sie kennen mich" zu wählen. Im übrigen ist der Deutsche Billiglohnsektor und die seit 20 Jahren sinkenden Nettolöhne hierzulande nicht die Lösung für das übrige Europa sind sie die Bombe, die den gesamten Euroraum zum explodieren bringen wird, auch wenn die Konservativen, für die der Exportweltmeistertitel so etwas wie der nachträgliche Endsieg ist, nicht müde werden zu predigen: "Am deutschen Agendawesen muß Europa genesen"!
Es geht uns schon echt schlecht in Deutschland........Lohnstagnation, Altersarmut, Massenarbeitslosigkeit, miese Bildung etc. ...................
Wir sollten nach Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland auswandern, dann geht es uns viel besser und wir haben nebenbbei noch mehr Sonne ! Vielleicht wäre es auch ein Weg die Produktion zu drosseln, die Löhne zu erhöhen, den hohen Export zu reduzieren und alle Arbeitslosen in den öffentlichen Dienst einstellen. Ach ja und die Renten gegen die Alterarmut verdoppeln, dann gibt es endlich den Aufschwung und wir brauchen nicht auswandern !

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decathlone 10.05.2017, 17:46
102. Vorsicht ist geboten...

Für eine gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik mit europäischen Steuern bedarf es erst einmal einer weitgehenden Harmonisierung von Wirtschaftspolitik und der Sozialstaatssystemen - gleiches Renteneintrittsalter, Wochenarbeitszeit etc. Wenn man über so etwas großzügig hinweggeht, dann gibt es nur die nächste Katastrophe europäischer Fehlanreize und die ultimative Verantwortungslosigkeit der nationalen Regierungen - verbunden mit stänidgen Ergressungsversuchen. So wie der EURO-Zins die Südeuropäer zum weiteren Schuldenmachen eingeladen hat, weil die Zinsen durch den EURO für diese Länder deutlich gesunken sind.... Ausserdem ist das eine Frage von Gerechtigkeit und käme einer Steilvorlage für die Rechts- und Linkspopulisten gleich. Das wäre der letzte Nagel im Sarg der EU und dann wäre das Fenster für die europäische Idee für lange Zeit zu. Die Akzeptanz beim Bürger wäre endgültig dahin! Also bitte vernünftig handeln! Das sind ein paar echt dicke Bretter und dieses Mal braucht es gescheite Regeln, die auch eingehalten werden....

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Ungarn 10.05.2017, 17:47
103. Schulz-Macron...

... oder Macron-Schulz ?
...oder Macron/Schulz ...
Tja, wenn es sich darum handelt, mit den Eurofonds eine Art von " Vergemeinschaftung " von Staatsschulden herbeizuführen, stelle ich mir vor, dass es für unseren neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron von sehr hohem Interesse ist, da Frankreich ein Defizit von ca 70 Milliarden € schreibt.
Wenn man sich auch daran erinnert, dass unser lieber " ehemaliger " Präsident Hollande, sehr gute Beziehungen für das noch stärker belastete Griechenland mit seinem immensen Defizit von mehr als 300 Milliarden € hegt, und dass sein Nachfolger Macron auf seine Fußstapfen treten will, - als verkappter Sozialist am Kopf seiner Bewegung " En Marche ", die gerade vor den bevorstehenden Parlamentswahlen bei uns in Frankreich zu dem umbenannten politischen oder unpolitischen Partei " République en marche ", d.h. " fortschreitende Republik " geworden ist : die Bundeskanzlerin soll sich pragmatisch hüten...

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schwaebischehausfrau 10.05.2017, 17:50
104. @keine#ahnung: Unzulässige Frage..

Zitat von keine-#-ahnung
Unsere Partnerländer... könnten doch einfach ihre Produktivität erhöhen, begehrte, weil qualitativ hochwertige und mit einem sehr hohen know how geschaffene Produkte von ihren fleissigen Arbeitern zu konkurrenzfähigen Preisen selbst herstellen lassen. Und eventuell davon auch exportieren ... Dann müssten die nicht so viel deutsches Zeugs ins Land holen und alles wäre schick. Warum gelingt denen das nicht?
Ihre Frage ist schlicht unzulässig: Denn diese Partner-Länder wollen ja Beides getreu dem Motto "Wasch mich , aber bitte ohne mich nasszumachen". Sie wollen ihr Savoir Vivre aka Dolce Vita mit 35-Stunden-Woche und Renten-Eintrittsalter mit 60 und üppigen Renten natürlich beibehalten (so als als gäbe es in ihren Staaten das Problem einer Überalterung der Gesellschaft nicht und genauso wenig das Problem einer zunehmenden Konkurrenz durch aufstrebende Staaten in Südostasien mit jungen Bevölkerungen, die noch nicht so saturiert sind wie in West-/Südeuropa). Und gleichzeitig aber die zwangsläufigen Konsequenzen dieser Politik und Mentalität nicht tragen (nämlich hohe Arbeitslosigkeit aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit + steigende Staatsverschuldung durch Sozialsysteme, die nur mit einer Demografie wie vor 50 Jahren funktionieren könnten). Ohne den Euro müssten sie ihre Probleme alleine lösen durch Reformen oder könnten sie zumindest mindern durch Abwertung ihrer Weichwährungen. Dank Euro sehen sie die Chance, einfach so weiter zu machen wie bisher und sich getreu dem großen Vorbild des deutschen Länderfinanzausgleichs von den Staaten durchfüttern zu lassen, die ihren Bürgern schmerzhafte Reformen und Einschnitte zugemutet haben und dadurch besser aufgestellt sind.

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gersois 10.05.2017, 17:51
105. Merkel muss gar nicht!

Frankreich hat etliche Jahre sozialistischer Misswirtschaft hinter sich. Soll Deutschland dafür gerade stehen? Auch Macron kommt politisch aus der linken Ecke als Hollandes Minister. Alle sollten erst die Wahlen zur Nationalversammlung abwarten, sehen wer die Mehrheit gewinnt, welche Leute Macron unterstützen - und dann sich ein Konzept zur Zusammenarbeit erarbeiten. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass Macron als Hollande 2.0 endet.

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Kit Kerber 10.05.2017, 17:54
106.

Zitat von dschmi87
Manchmal schämt man sich regelrecht für die deutschen Medien. Macron muss erst liefern, wenn der Euro zerbricht dann nicht an Deutschland oder Frankreich sondern weil er eine Missgeburt ist. Sowas sagen deutsche Medien natürlich nicht, dafür war gestern im Schweizer Fernsehen in dem Politikmagazin "Club" eine tolle Debatte zu 60 Jahren EU - und das live direkt aus Brüssel. Wieso machen das die deutschen Medien nicht? Auf jeden Fall würde dort Tacheles geredet, selbst der Thinktank der EU sagt das der Euro ein Fehler war und so nicht überlebensfähig ist. Das der Frieden in Europa kein Verdienst der EWG war sondern der USA die teilweise bis zu 1 Millionen Soldaten in Europa stationiert hat (selbst zu Hochzeiten des kalten Krieges war die Bundeswehr mit etwas über 500 000 keine wirkliche Gefahr für die Alliierten), wieso die EU Frieden gesichert haben soll war allen schleierhaft. Es wurde auch gesagt und das zwar deutlich und ein Schweizer Unternehmer hat es auf den Punkt gebracht: um den Euro zu retten muss eine politische Union kommen, die die Mehrheit der Bevölkerung in der Eurozone nicht will. Hierzu kamen dann noch zahlen von Eurostat, wieso die deutschen Medien diesen Zahlen nich publizieren ist mir schleierhaft. Man kann die Sendung vom 09.05.2017 online anschauen. Es ist zu köstlich wie außerhalb Deutschlands darüber berichtete wird. Ach ja auf TV5 im französdifhen Fernsehen gabs auch vor 2 Tagen eine tolle Debatte, Tenor war "Deutschland wird zahlen" wie übrigens der Titel einer französischen Zeitung war in Bezug auf dem Euro, es war genau genommen eine Ausgabe der Zeitung Le Figaro mit dem Titel: Und die deutschen werden zahlen zahlen zahlen zahlen.... Der Euro ist ein Versailles nur ohne Krieg, Mal sehen ob das zensiert wird.
Vielen Dank für den Hinweis auf die SRF-Sendung. Ich habe Sie mir mit Gewinn angeschaut. Eine sehr sachliche Diskussion. Als neutrales Land kann die Schweiz einen emotionsloseren Blick auf die EU wagen als Deutschland. Ich werde öfter mal beim SRF rein gucken. Lohnt sich. Mir wurde in dieser Sendung klar, daß das deutsch-französische Verhältnis nicht besser, sondern im Gegenteil schwieriger wird. Viel schwieriger. Ich sage voraus: Wir werden in D einen Wahlkampf bekommen, in dem es vor allem um die Frage geht, ob der deutsche Zahler verpflichtet werden darf, mit einem dreistelligen Milliardenbetrag auf die Vorstellungen Macrons einzugehen. Schulz wird das Wort "Geld" vermeiden, sondern von "Solidarität" sprechen, Merkel wird versuchen, zu mauern und den deutschen Haushalt gegen europäische Begehrlichkeiten abzuschotten. Macron wird die Mehrzahl der europäischen Staatchefs hinter sich haben, Merkel den deutschen Steuerzahler. Das Duell Merkel - Macron (mit Schulz als Sancho Pansa) hat spätestens heute begonnen.

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Oberleerer 10.05.2017, 17:55
107.

Die kapitalistischen Rezepte gegen Arbeitslosigkeit sind bekannt: Lohndumping zu lasten der Ärmsten und zu Lasten der Nachbarländer.

Wenn man mehr will, kann man auch einfach die Arbeitslosenstatistik anhübschen, z.B. Teilnehmer an ABM-Maßnahmen (=Arbeit kaufen) aus der Statistik herausnehmen.

Weder die CDU, noch dieser ehemalige Wirtschaftsminister werden begreifen, daß es eben nicht darum geht den Leuten Arbeit, sondern ein lebenswertes Leben zu geben.

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Stefan_Schmidt 10.05.2017, 17:56
108. Gerne mit meinen Steuern

Von mir aus können gerne Investitionen in Frankreich und anderen EU-Staaten mit meinen Steuergeldern finanziert werden. Ein Franzose ist nicht weniger mein Nachbar als jemand von der anderen Straßenseite. Was nützt es mir, wenn Deutschland auf seinem Geld hockenbleibt und dafür vielleicht in 5 Jahren Le Pen gewählt wird von noch mehr Arbeits- und Perspektivlosen? Bayern unterstützt auch Sachsen - und das nicht obwohl, sondern gerade weil es sonst bald in Sachsen nur noch engstirnige Fremdenhasser gibt.

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kayakclc 10.05.2017, 17:57
109. Vorteil Merkel

Merkel hat kein Macron Problem: Schulz hat eines. Merkel kann in Seelenruhe abwarten, wie Schulz mit seiner Positionieren zur Vergemeinschaftung von Staatschulden, nach dem Motto Paris entscheidet, die deutschen Werktätigen bezahlen, in den nächsten Wochen immer mehr mit Gegenwind im Wahlkampf zu kämpfen wird. Gerade angesichts der AfD Debatten war das das Dümmste, was Schulz machen kommt, und Merkel kann sich durch Schweigen und Abwarten als Garant der deutschen Konsistenz und Stabilität präsentieren. Es gibt ja keine sachliche Notwendigkeit, einer gemeinsamen Fiskalpolitk der Euro-Staaten jenseits des bereits vereinbarten. Frankreich hat alle nationalen Befungnisse, sich Innovativ innerhalb der 3% Kriterums Beschlüsse zu fassen. Macron hat die Aufgabe, die nationalen Hausaufgaben zu lösen, anstellen die Lösungen auf andere EU Staaten zu übertragen. Was soll Deutschland beitragen, wenn das französiche Ausbildungssystem nicht funktioniert, bzw der Arbeitsmarkt völlig verkrustet ist, so dass invovative Unternehmen sich nicht ansiedeln, bzw kreative Ideen im Keim der Bürokratie ersticken.

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