Forum: Politik
Deutsch-Türken in Gelsenkirchen: "Vielleicht muss eine leichte Diktatur herrschen"
Jann Hoefer

Was halten Deutsch-Türken von Erdogan? Er hat die Wirtschaft angekurbelt, sagen die einen - und er sorgt für Ordnung. Er ist gefährlich, sagen die anderen. Ein Ortsbesuch in Gelsenkirchen.

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33utu 10.08.2016, 20:50
40. Nicht Alle, vermutlich Viele

Zitat von yugorette
Es werden türkische Medien konsumiert, man interessiert sich nicht für die Politik in Berlin, man begreift dieses Land hier nicht als eigene Heimat, dieses Land hier ist irgendwie das notwendige Übel in dem man lebt. Und dann geben wir diesen Mitbürgern zusätzlich und freiwillig einen deutschen Pass (doppelte Staatsbürgerschaft), um die "Integration" zufördern. Wie kann man nur so verblendet und stupide sein ? Einzig schön ist, dass rot grüne Träumer endlich aufwachen (siehe H.Augstein).
Nein keine türkischen Medien. Doch Politik in Berlin steht an erster Stelle. Doch, dass ist seit 40 Jahren meine Heimat und seit dem ich Deutscher bin (30 Jahre schon) erst Recht. Ja, ich habe damals mein Türk. Pass nicht abgeben müssen. Nützt mir heute aber auch Nichts. Einige Träume erfüllen sich. Das Glas ist halbvoll.

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gutmichl 10.08.2016, 21:00
41. Integration gab es nie

So wie in vielen Ländern der "melting pot" nur eine Illusion war, ist es auch in Deutschland gelaufen.
Gerade die heutige Generation der Türken ist kaum angepasst, da die kleine Welt aus türkischen Supermarkt, türkischem Cafe, türkischem Fussballverein, türkisch dominiertem Wohngebiet, türkischem Fernsehen und natürlich der Moschee keinen Grund mehr bietet, sich mit den Deutschen abgeben zu müssen.
Allein der Vater muss noch aus dem Ghetto raus, um Geld zu verdienen.
Türken, die sich dieser Welt entziehen, werden von den Familien unter Druck gesetzt, dies nicht zu tun.

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Mara Cash 10.08.2016, 21:09
42. Regierungsform in muslimischen Ländern

Man muss ganz klar konstatieren, dass in muslimischen Ländern eben in der Regel keine Demokratien existieren, die unseren westlichen Vorstellungen entsprechen. Vor dem "arabischen Frühling" waren in diesen heutigen instabilen Krisenländern oftmals Despoten an der Macht, die oftmals Jahrzehnte lang für Stabilität in ihren Ländern durch harte Hand sorgten. Durch den "arabischen Frühling" - forciert v.a. Angloamerikanischer Seite - entstanden Machtvakuen, die die Lage anschließend noch verschlimmerten und letztlich massive Flüchtlingsbewegungen durch Kriege, hohe Arbeitslosigkeit und Armut auslösten.

Der Westen wollte diesen Ländern das eigene Demokratieverständnis überstülpen, was jedoch nach meiner Kenntnis im letzten Vierteljahrhundert nicht ein einziges Mal geklappt hat und nur Unheil hervor gerufen hat. Zudem wurden in diese instabilen Regionen Waffen geliefert in mehrfacher Milliardenhöhe - von europäischen und amerikanischen Firmen, was aus der Region ein Pulverfass machte.

Ich selbst hielt Atatürk für einen großen türkischen Staatsmann, der Kirche und Staat konsequent trennte - Erdogan hingegen ist das nicht, er rudert wieder zurück, was die Türkei letztlich von der EU und generell vom Westen distanziert. Die Wertvorstellungen Erdogans und des Großteils der Türken sind mittlerweile nicht mehr EU-kompatibel - weshalb man sich zukünftigen Verhandlungen mit der Türkei eher vorsichtig und nur mit einer gesunden Grundskepsis nähern sollte.

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1smiler1 10.08.2016, 21:10
43. Kraft los

Was soll das?
Die Frau macht seit ~25 Jahren+ "Politik". Also von unten nach oben, was soll also ein 30 Jahre alltes nicht Abitur oder ein nicht vorhandenes Jurastudium vor 30 Jahren für eine Rolle in der Gegenwart spielen?

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zergzwerg 10.08.2016, 21:10
44. Willkommen

Zitat von Lische
Ich respektiere Ihre Meinung und Ihre Ansichten und finde es gut, dass Sie diese auch in beachtlicher Klarheit äußern. Ich möchte aber aus meiner Irritation kein Geheimnis machen. So wie Sie sprechen, ist die Türkei wohl der Ort, an dem es den Menschen zusehens besser geht und dem Sie sich sehr verbunden fühlen. Sie sprechen von "meinem Land" und davon, dass Sie sich durch die Menge und die Inhalte der Berichterstattung in den deutschen Medien persönlich angegriffen fühlen und dass Erdogan "unser Präsident" ist. Vermutlich fragen Sie sich dann auch, ob Deutschland wirklich der richtige Lebensmittelpunkt für Sie ist. Oder? Ich würde das wohl tun an Ihrer Stelle und ich verstehe nicht, was Sie in Deutschland festhält. Damit Sie mich nicht falsch verstehen - ich will keineswegs, dass Sie Deutschland verlassen. Ich finde die Meinungsvielfalt gut und sicher tragen Sie mit Ihrem Cafe zur Vielfalt in Deutschland bei. Ich freue mich daher über Sie als Mitbürger - verstehen tue ich allerdings nicht, warum Sie wirklich hier leben wollen. Und noch eine Anmerkung: ich glaube nicht, dass es so etwas wie eine "leichte Diktatur" gibt. Diktatoren sind nicht "leichtgewichtig". Sie wollen die ganze Macht und die ganze Kontrolle - nicht nur ein wenig. Damit möchte ich nicht Herrn Erdogan als Diktator bezeichnen, wohl aber Ihren Wunsch nach "leichter Diktatur" als absurd einstufen.
Willkommen im 21. Jahrhundert! Und ebenfalls willkommen in einer globalisierten Welt. Man kan tatsächlich im Ausland leben & arbeiten und sich trotzdem verbunden mit der Heimat fühlen. Es soll sogar Menschen geben die sich für ihr Heimatland UND ihre Wahlheimat interessieren! Schon erstaunlich unsere Welt...

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Izmir..Übül 10.08.2016, 21:15
45.

Zitat von jstm
Das kann ich Ihnen nachfühlen! Als in Westdeutschland Aufgewachsener komme ich mir heute vor wie in einer DDR 2.0. Eine Partei- und Staatsführung, die sich selbstherrlich nicht an Gesetze und Verträge hält, ein Bundestag als reines Akklamationsorgan im Stil der Volkskammer, ein oberstes Gericht, von dem undenkbar ist, dass es der Staatsführung in fundamentalen Fragen in den Arm fällt, eine weitgehend gleichgeschaltete Presselandschaft, ein reines Staatsfernsehen, und so weiter. Eigentlich müssten Sie sich doch hier "wie zu Hause" fühlen.
Das mit der "weitgehend gleichgeschalteten Presselandschaft" wird zwar oft behauptet, ist aber schlicht Unsinn. DE hat immer noch eine der pluralistischsten Presselandschaften der Welt, trotz zunehmender Konzentration auf wenige Medienkonzerne. Was es hingegen gibt ist ein struktureller Konformitätsdruck, aber dazu bedarf es gar keiner aktiven oder zentralen "Gleichschaltung".

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morini35 10.08.2016, 21:18
46.

Zitat von SK3112
Ob für oder gegen RTE, in den Kommentaren, die sich nicht aus Angst oder Desinteresse bedeckt halten, klingt überraschend stark der Wunsch nach law-and-order durch, und zwar sowohl in der Türkei, als auch bei uns. Eine schallende Ohrfeige für alle diejenigen, die unsere Polizei kaputtsparen und der Justiz immer laxere Rechtsprechung abfordern. Nur schwierig, die Quelle dieser Fehlentwicklung zu verorten. Musste man den Blick früher nur in Richtung Rot-Grün blicken, übt sich in der Ära Merkel auch die CDU darin, unseren Rechtstaat zu schleifen.
Unser Rechtstaat funktioniert extrem gut. Mehr Law und Order zu wünschen ist einer irrationalen Angst vor Besitzstandsverlust geschuldet, mehr nicht.
Bitte, was verstehen Sie unter laxerer Rechtsprechung ? Sie verwechseln wie viele, dass es vor Gericht um Rechtsprechung und nicht unbedingt um Gerechtigkeit geht.
Und im Zweifel lieber einen Freispruch, als irgendjemand unschuldig zu verurteilen. Da zeichnet einen Rechtstaat aus und hat nichts mit Schwäche zu tun !
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swandue 10.08.2016, 21:19
47.

Zitat: "Es macht mich traurig, dass plötzlich so viele Menschen meinen, die Türkei angreifen zu müssen."

Es ärgert mich, dass Leute meinen, man greife ein Land an, wenn man dessen Präsidenten kritisiert. Niemand ist fehlerfrei, auch kein Staats- oder Regierungschef. Wer es nicht erträgt, kritisiert zu werden, der darf ein solches Amt nicht anstreben.

In Deutschland Gewalt anzuwenden wegen der Auseinandersetzungen in der Türkei ist völlig daneben!

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Izmir..Übül 10.08.2016, 21:20
48. Französische Verhältnisse?

Zitat von gymnosoph
Das ist kein Journalismus mehr, pure Diffamierung und Hetze. Seit Wochen wird mit halb Wahrheiten und haarsträubenden Thesen Stimmung gegen nicht nur Türkei, sondern auch gegen Türken betrieben. Mit ominösen Einzelmeinungen wird versucht zu Verallgemeinern. Und mit Vorstößen wie Doppelpass und Burka Verbot möchte man französische Verhältnisse herbeizuführen. Nein, soweit wird es nicht kommen. Die Gastarbeiter und ihre Nachkommen sind tief verwurzelt in dieser Gesellschaft. Diesen Aufkommenden national völkischen Irrsinn von Medien und Politik muss endlich Grenzen aufgezeigt werden. Achja, verfolge gerade die Olympia. Eine Sportnation wie Deutschland bringt kaum Ausnahme Athleten hervor. Kein Wunder, wenn sie nicht als Nachbarn und Pilger erwünscht sind. Gute Nacht
Erstens sollte das gerade einem Deutschen zu denken geben, dass ausgerechnet im Land von Liberté, Égalité, Fraternité bestimmte Auswüchse nicht mehr geduldet werden, und zweitens bedauere ich es auch nicht, dass deutsche Sportler offensichtlich nicht so gut dopen können wie viele andere.

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rambo2012 10.08.2016, 21:21
49. Zusammenhänge spielen keine Rolle?

Zitat von Atheist_Crusader
"Als Beispiel: Auch in den USA gibt es die Todesstrafe, trotzdem fliegen alle dorthin, fast niemand sagt etwas. Kaum wird es in der Türkei Thema, schreien alle auf. Aber man muss Menschen nun mal mit Konsequenzen drohen." Die USA hat NOCH die Todesstrafe, ist aber im Begriff, diese abzuschaffen. Viele Bundesstaaten haben die Hinrichtungen de facto bereits ausgesetzt, obwohl sie de jure noch möglich ist. Das ist ein Bisschen was Anderes als ein Land das die Todesstrafe WIEDER einführen will, damit der glorreiche Diktator seine politischen Feinde legal ermorden darf.
Zumal die Frau dort auch gar nicht die ZUSAMMENHÄNGE miteinbringt.. Todesstrafe alleine ist schon sehr kritisch zu betrachten, aber dazu kommt ja noch die massenhafte Verhaftung und Abschaffung der Judikative und Personen der Exekutive sowie Ausschaltung der Presse. Das gibt es so nicht in den USA und erst diese Kombination lässt es richtig gefährlich werden.
Eine isolierte Betrachtung ist vollkommen falsch, so blind kann man doch gar nicht sein?

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