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Deutsche Olympia-Bilanz: Sieger statt kungelnde Funktionäre
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Deutschlands Medaillenbilanz ist bislang durchwachsen - prompt rufen viele nach mehr Geld für den Sport. Doch Goldmedaillen kann man nicht kaufen. Langfristiger Erfolg benötigt Investitionen in die Breite und mündige Athleten. Dann gibt es bei Olympia auch wieder echte Sieger.

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ajantis 10.08.2012, 11:31
1. optional

Sicher gibts kein Patentrezept, aber wenn man mal die Entwicklung in Großbritannien in den letzten 20 Jahren anschaut hat man dort schon sehr viel richtig gemacht im Bereich Leistungssport.

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bernd_laurer 10.08.2012, 11:34
2. Ahso.

Mehr Förderung für die Breite. Was dabei rauskommt, wenn man voll versorgte Hobbysportler zu Olympischen Spielen schickt, kann man im Moment ziemlich gut sehen. Breitensport und die vom Verfasser des Artikels propagierte Volksgesundheit haben nur vom Namen her etwas gemein mit Spitzensport, das muss man wissen. Und der krampfhafte Versuch, im Schulsport künftige Weltklassesportler heranziehen zu wollen endete zumindest in meiner Schulzeit damit, dass etliche Kinder ihr gesamtes Leben mit Sport nichts mehr am Hut haben wollen, so übel waren die Lehrer.
Eine Lösung wäre stattdessen: Mehr Würdigung auch von sogenannten Randsportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen in den Medien und nicht immer nur Formel 1 und Fußball. Wenn Kinder nämlich merken, dass sie mit irgendetwas Aufmerksamkeit erlangen können, dann kommt die Begeisterung ganz von alleine. Und bei genügend wird es dann zu dieser wahnhaften Besessenheit kommen, die für Gold und Titel nötig ist. Aber motten Sie die Idee, Breitensport wäre das Gleiche wie Spitzensport besser wieder ein.

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westerwäller 10.08.2012, 11:37
3. Wenn der Spiegel...

...mal wieder investigativ tätig werden möchte, sollte er mal die "Unterkünfte"" der Funktionäre aufspüren und deren Spesenabrechnungen veröffentlichen...

Bei manchen Hilfsorganisationen ist bekannt, dass diese mehr als 80% für ihre eigenen Zwecke einsetzen. Bei unseren Sportfunktionären bin ich nicht so optimistisch...

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Diskutierender 10.08.2012, 11:41
4. Bitte nicht!

Zitat:
"Für die Gesellschaft und damit die Volksgesundheit aber wären Investitionen in die Breite, also auch in den Schulsport hilfreicher als die Hochleistungssportförderung. Schulsport ist Ländersache."

Förderung in den Breitensport halte ich für sehr wichtig, aber nur, wenn Sport freiwillig ist. Diese Mobbing-Veranstaltung namens Sportunterricht sollte dagegen rigoros abgeschafft werden. Zwangssport gehört in eine Zeit, als in Deutschland von "Herrenrasse" schwadroniert wurde.

Jeder Sport auf freiwilliger Basis ist dagegen uneingeschränkt zu fördern.

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gable 10.08.2012, 11:41
5. Mehr Geld?

Wofür?
Die Anzahl der Medalien steigert weder den Wohlstand noch das Ansehen einer Nation.
Aus meiner Sicht muss das Geld sinnvoller investiert werden, nicht in Sportförderung sondern in das Bildungssystem.
Wasnutzt es der Gesellschaft, wenn ein Sportler über 400m eine Medalie gewinnt oder den Speer dank Förderung und gutem Training 5m weiter wirft?

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jObserver 10.08.2012, 11:49
6. Einseitig anders.

Schulsport? Ja! Spätestens seit der zunehmenden Verbreitung von Ganztagsschulen ist es auch Zeit für organisierte Schul-Ligen in einzelnen Sportarten! In England hatten wir Mittwochs und Samstag 4 Stunden Schule - danach fanden dann die Spiele der Schulliga in Fußball, Rugby oder Cricket statt.

Noch wichtiger, und nicht schwierig umzusetzen: eine Professionalisierung des Unisports. Nein, nicht so krankhaft wie Football an US-Hochschulen. Aber als ein (weit entferntes) Vorbild kann man sich die britischen Unis Oxbridge nehmen (Oxford&Cambridge): Ruderregatten, Debattierclub-Wettstreite, ein Liga- und Turniersystem im gesamten Breitensport.

Haben wir hier auch? Naja... Ich rede von halbwegs professionellen Events, die auch einen großen Fokus bekommen. Zu denen auch die Kommilitonen gehen! Die Situation ist eine andere:

In Heidelberg haben wir z.B. den Hochschulsport Rugby. Da finden auch idR einmal im Jahr sog. Hochschulmeisterschaften statt. Aber nur, wenn sich eine Uni findet, die sich das antun mag.

Dann fährt man da also hin. Ein Zeltlager. Mehr Festival-Charakter denn Sport. Manche Teams laufen wenigstens professionell gekleidet auf, keine Ahnung ob dank der Uni. Wir haben jedenfalls keine Uni-Trikots. Es gibt wohl welche, 30 Jahre alte stinkig muffige Baumwolljerseys - aber das kann es doch wohl nicht sein! 500 Millionen Euro Etat im Jahr, und alles was einem der Sport (=auch Gesundheit!) wert ist, ist dann und wann ein Ball und ca 11 Euro die Woche für den Trainer? Aha.

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DrWimmer 10.08.2012, 11:54
7. Geld ist nur unwichtig für Menschen die welches haben...

Zitat von sysop
Deutschlands Medaillenbilanz ist bislang durchwachsen - prompt rufen viele nach mehr Geld für den Sport. Doch Goldmedaillen kann man nicht kaufen. Langfristiger Erfolg benötigt Investitionen in die Breite und mündige Athleten. Dann gibt es bei Olympia auch wieder echte Sieger.
Ich finde den Artikel ja nett gemeint. Aber er lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass Herr Weinreich seinem Namen evtl. alle Ehre macht und ein Elternaus im Rücken hat, das seine Selbstverwirklichung unabhängig gestalten konnte oder kann.

Förderung des Breitensports ist gut dazu geeignet gegen die Verfettung der Gesellschaft anzugehen. Ihr Erfolg ist, dass sich die Menschen überhaupt noch bewegen. Das ist aber ein ganz anderer Sport (eben ein Hobby, kein Beruf) und ein ganz anderes Thema als Spitzensport-Förderung. Anders gesagt: Nur weil ich mit einem iPhone knipsen kann, bin ich noch lange nicht mit einem Profi-Fotografen zu vergleichen, der davon leben und ganz anders arbeiten muss.

Ein mündiger Profi-Athlet ist nur ein finanziell unabhängiger Athlet. 6-10 Jahre muss ein kommender Olympia-Teilnehmer von der Jugend an schonmal auf höchstem Niveau trainieren und arbeiten, bis es klappt. Das geht nicht neben einer normalen Ausbildung oder gar einem Vollzeit-Job und nicht jeder kommt bei Polizei oder Bundeswehr unter. Es geht also letztendlich doch (fast nur) ums Geld, jedenfalls wenn ein Sportler aus der Unter- oder Mittelschicht kommt. Die kann es sich nicht leisten den Nachwuchs bis zur Olympia-Teilnahme mit einem Grundeinkommen und Kohle für Sportgerät und Trainer durchzupäppeln.

Jens Weinreich hat deshalb Unrecht: JEDE Olympia-Medaille ist ein Stück weit auch mit sehr viel Geld erkauft worden. Und ob es wirklich nötig ist, selbst beim Sport nun noch mit sowas hier zu kommen: "Zum Beispiel Rennrodeln oder Bobfahren, für die es viele sündhaft teure und die Umwelt verschandelnde Bahnen gibt wie weltweit sonst nirgends.", sei auch mal dahingestellt. Abgesehen davon, dass Wintersportarten nicht so Recht zur Bilanz der Sommerspiele passen mögen, müsste man vielleicht auch mal Bilanz ziehen, wieviele Schneisen schon für den Spiegel in Wälder geschlagen wurden. Vielleicht hätte ja ein Vielfaches der existierenden Bob-Bahnen hinein gepasst...

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regensommer 10.08.2012, 11:55
8. Ansehen

Was will man mit Förderung des Spitzensportes und einem guten Medaillenspiegel erreichen? Ansehen in der Welt?
Das hatten wir - Goethe Institute. Hochangesehen in der ganzen Welt. Da allerdings kürzt man recht fleissig, dank Westerwelle.

Der Schulsport hat ebenfalls unangebrachte Kürzungen erfahren. Das sollte eher ausgebaut werden. Denn wer Sport macht, weiß wie schwer es ist zur Spitzengruppe zu gehören, ob in der Schule oder später im Amateurbereich. Daher ist Investition in den Breitensport sicherlich nicht verkehrt.

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rettungsschirm 10.08.2012, 11:58
9. Schulsport

Zitat von sysop
Deutschlands Medaillenbilanz ist bislang durchwachsen - prompt rufen viele nach mehr Geld für den Sport. Doch Goldmedaillen kann man nicht kaufen. Langfristiger Erfolg benötigt Investitionen in die Breite und mündige Athleten. Dann gibt es bei Olympia auch wieder echte Sieger.

Das Problem liegt doch darin, dass dem Sport in der Schule viel zu wenig Aufmerksamkeit gegeben wird. Soweit ich mich erinnern kann hatte man zwei Schulstunden Sport (ich würde besser sagen: Bewegungstraining) die Woche und das war es dann. Einmal im Jahr gab es die Bundesjugendspiele mit drei Disziplinen (für die man im übrigen die meiste Zeit nicht trainiert hatte).

Wie wäre es denn, wenn man am Nachmittag Sportveranstaltungen (auf freiwilliger Basis) anbieten würde? Soweit ich weiss, sind solche Angebote an US-Schulen üblich. Und da wir ja nur Halbtagsschulen haben, ist auch Personal dafür Zeit dafür vorhanden.

Mehr Geld für immer neue Sportstätten etc. muss und kann (Verschuldung) es hingegen nicht geben.

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