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Deutsche Wirtschaft: Menschenrechte jetzt noch billiger!
DPA

Konsumenten wollen sparen und trotzdem das gute Gefühl haben, dass bei der Produktion ihrer Schnäppchen alles mit rechten Dingen zugeht. Geht nicht? Geht doch. Denn es muss ja nur so aussehen.

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OskarVernon 08.04.2019, 17:33
30.

Zitat von raddy
Ob ich einen Turnschuh für 20 oder 100 Euro kaufe - er wird in Billiglohnländer hergestellt.
Der für 20 zweifellos, für 100 bekommen Sie auch einen (ein Paar natürlich!) aus zB französischer Produktion nach Hause geschickt und haben noch was übrig. Möchte hier keine Werbung machen: Bin sicher, Sie finden´s bei Bedarf selber raus.
Und auch sonst gibt es bis auf wenige Ausnahmen alles auch aus der EU, unter entsprechenden Öko- und Sozialstandards produziert und mit kurzen Transportwegen. Oft noch nicht mal teurer als "Marken"ware zweifelhafter Herkunft: Wollen muss man´s und dann ein wenig danach suchen, weiter nichts.

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Braveheart Jr. 08.04.2019, 17:38
31. Ich habe in den 90er Jahren ...

... einen größeren Posten Leibwäsche, T-Shirts und Sweatshirts gekauft, Günstig, denn die Firma war gerade in die Pleite geschlittert. Und noch echte Qualität. Seitdem kann mir Kik & Co am Arsch vorbeirutschen. Habe ich jetzt ein gutes Gewissen? Oder muß ich mir a) Vorwürfe machen, daß ich die für unser Wirtschaftswachstum wichtige Binnennachfrage abwürge, sowie b) ein blöder Spaßverderber & Modemuffel bin, und c) durch meine Konsumverweigerung auch noch den Aufschwung in anderen Ländern (nämlich da, wo der Kram hergestellt wird) verhindere? Wo, bitte, geht's hier zu den Flagelanten?

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4711_please 08.04.2019, 17:52
32. @nonvaio01

es gibt viele NGOs, die die Arbeitsbedingungen beobachten, es braucht keine Aufsicht der Bundesregierung. Und wenn es verbindliche Regeln gäbe, hätten diese NGOs noch weitere Druckmittel als bloß juristische.
Es ist doch lächerlich zu behaupten, dass Firmen nicht die Möglichkeit hätten, auf gewisse Produktionsbedingungen zu bestehen. So wird den Produzenten vorgeschrieben, welche Chemikalien nicht einzusetzen sind, konform mit EU-Recht. Wissen Sie eigentlich, dass original Schweizer Käse für die EU eine eigene Produktion in der Schweiz hat? Der Schweizer Käse, den die Schweizer selbst in der Schweiz konsumieren, darf nämlich nicht in die EU exportiert werden, wegen der EU-Regeln. Soviel zum Thema Kontrolle und Normen.

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Circular 08.04.2019, 17:53
33. Ich hoffe Ihr Lohn wird jetzt auch abgesenkt

Zitat von Nonvaio01
bei mir geht es nur nach Geld, wie und wo und von wem es hergestellt ist, ist irrelevant. Ich geb doch nicht mehr aus als ich muss nur damit es andere toll haben, da von dem extra geld eh nichts bei den arbeitern ankommen wuerde.
damit jemand ihre Produkte kaufen kann? Dass sich die Arbeitsbedingungen in Deutschland verschlechtern müssen, wenn dieses Land wettbewerbsfähig bleiben will, versteht sich von selbst.

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spigalli 08.04.2019, 17:56
34. echt jetzt?

Zitat von pizzerino
,... ich kann darauf achten, dass ich nicht "zu wenig" zahle.
können Sie das? Ich kann es nicht - denn ich habe keine Ahnung vom Preisniveau in Bangladesh, oder sogar Albanien, was noch viel näher liegt.

Ich kann mir einen Überblick verschaffen, wie das Lohniveau dort ist - doch reicht der Durchschnittslohn fürs Leben?, wie das Preisniveau dort ist - doch wie kauft man dort ein?

Einen "realistischen Preis" kenne ich allenfalls für Deutschland - und stelle mir vor, wie lange ich für die Herstellung eines Anzugs aus einem ungeschorenen Schaf benötigen würde - spätestens dann weiss ich, dass ich mir einen Anzug nicht leisten kann.

Zu lang sind die Lieferketten und zu viele wollen ihren Anteil am Kaufpreis haben, nicht zuletzt diejenigen, die ihr Geld für sich arbeiten lassen.

Ich kann mir ein ruhiges Gewissen kaufen, indem ich mehr zahle - ob davon irgendwas beim Hersteller ankommt, kann ich nicht beurteilen.

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spigalli 08.04.2019, 18:00
35. Für einen € mehr nicht

Zitat von MarvinCGN
Wenn die Näherin statt 30 Cent die Stunde nun 3 Euro die Stunde verdient, sind das für sie 900% mehr Lohn und macht die Jeans vllt 1€ teurer. Ich glaube, dass das Problem wo anders liegt. Kein Verbraucher, der nicht am Existenzminimum lebt lässt eine fair produzierte Jeans für einen Euro mehr im Laden liegen...
Doch wenn die Näherin das 10-fache verdient, dann muss auch der Zwischenhändler das 10-fache verdienen, hat 10-fach höhere Kapitalkosten und am Ende kostet die Jeans das 10-fache.

So denkt jedenfalls der Händler, bzw. dessen Finanzier, dessen Geld für ihn arbeitet und für den die Näherin sich "mal nicht so wegen der 2,70€ pro Stunde anstellen" soll. Das könnte man ja bloß zahlen, wenn sie auch das 10-fache nähen würde....

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peter.teubner 08.04.2019, 18:04
36. erschreckend wie wenige Leute

denken können. Der Artikel behandelt die Problematik der Kontrolle der Einhaltung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, damit wir Verbraucher wissen wie das Produkt hergestellt wurde und uns darauf verlassen können. Wir wissen ja nicht wie die Arbeiter bezahlt wurden und unter welchen Bedingungen sie arbeiten und der Preis hilft nicht unbedingt weiter. Und ehrlich, wer von uns würde nicht einen Euro mehr für das T-shirt bezahlen, wenn garantiert wäre, dass der direkt an die Arbeiterin gehen würde? Wir sind doch die Guten!!

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Nonvaio01 08.04.2019, 18:05
37. es ist ja sehr loeblich

Zitat von OskarVernon
Der für 20 zweifellos, für 100 bekommen Sie auch einen (ein Paar natürlich!) aus zB französischer Produktion nach Hause geschickt und haben noch was übrig. Möchte hier keine Werbung machen: Bin sicher, Sie finden´s bei Bedarf selber raus. Und auch sonst gibt es bis auf wenige Ausnahmen alles auch aus der EU, unter entsprechenden Öko- und Sozialstandards produziert und mit kurzen Transportwegen. Oft noch nicht mal teurer als "Marken"ware zweifelhafter Herkunft: Wollen muss man´s und dann ein wenig danach suchen, weiter nichts.
nach Oekologischen und Sozialen Gesichtspunkten einzukaufen. Am ende zaehlt aber nur das Bankkonto, nicht das Sozial Konto und auch nicht der Oekologische lebenswandel.

Wenn ich einen Kredit fuer ein haus will, akzeptiert die bank leider nicht mein Soziales und Oekologisches einkaufsverhalten.

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Einhorn 08.04.2019, 18:08
38.

Zitat von Nonvaio01
deutschland hat keine moeglichkeit das zu kontrollieren. Jedes verfahren vor gericht wird verloren, der grund ist ganz einfach, es wird niemals beweise geben, und die braucht man vor gericht. Oder denken Sie das die Naeh Fabriken nur auf deutsche aufpasser warten umd alles zu dokumentieren?
Sie müssen weder die Fabrik verklagen noch vor Ort den Aufpasser spielen - Sie kaufen einfach ausschließlich von Fabriken, die den Mindeststandard einhalten.

Ja, dafür muss der Einkäufer sein vergoldetes Hinterteil eben dort hinbewegen, wo er einkauft. Und wenn ihm Bangladesh dann zu weit weg ist, oder er mit dem Klima nicht klarkommt, um so besser. Es gibt Textilfabriken in Polen und Tschechien - und sogar, man glaubt es kaum, in Deutschland. 2008 arbeiteten dort 130.000 Menschen - aktuelle Zahl möge jeder selbst googeln (zum Vergleich: in der systemwichtigen Rüstungsindustrie sind es nur 100.000 - und hier wird ja alles getan um diese zu "erhalten").

Die deutsche Textilindustrie hatte 2008 auch eine Exportquote von über 40% - also wäre da auch noch Potenzial für den deutschen Markt.

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g.eliot 08.04.2019, 18:18
39. Wie kann das kontrolliert werden?

Wer soll denn jeden asiatischen Sweatshop kontrollieren, und wie? Habe eine Doku gesehen, in welcher vor Ort in einem absoluten Dreckloch in unmenschlichen Bedingungen Jeans gefärbt, zerrissen und gebleached wurden. Das war in China, und dort wurden sowohl Billig- als auch teure Edeljeans angefertigt.

Das Problem auf "Geiz ist geil" zu reduzieren ist unfair. Außerdem müssen Aufstocker, arme Rentner und Hartz-IV-Empfänger von so wenig Geld leben, dass sie sich keine andere als Billiglkleidung leisten können, oder sie könnten nur in den Shops des Roten Kreuz kaufen oder zu den Kleinerkammern der Wohlfahrt gehen.

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