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Deutscher Juckreiz: Darf man über Juden Witze machen?
DPA

Wenn wir wissen, dass wir etwas nicht tun sollen, gibt es eine Stimme in uns, die sagt: Mach es doch, mach es doch. Liegt hier die Erklärung, warum so viele Deutsche aus der Rolle fallen, wenn sie einem Juden begegnen?

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xlabuda 02.11.2018, 12:59
150. aber der Witz ist tatsächlich geil - den kann man

Zitat von thbahr
ist zweifelsohne ein Talent, das Böhmermann auch beherrscht. Auch darf man ihn entgegen des Mainstreams einfach für einen minderbegabten Moderatoren halten, der sich gern spätpubertär inszeniert und keinen Zugang zu Rasierern hat, aber er sollte die Meinungsfreiheit genießen wie alle. Dazu gehört das Recht, peinliche, unpassende Witze zu machen. Immerhin hat er durch sein Erdogan-Gedicht den Anstoß zur Abschaffung des Paragraphen zur Majestätsbeleidigung gegeben. Bei Judenwitzen sollte allen, die sich über Medien äußern dürfen, das bewährte Prinzip des betreuten Publizierens zur Verfügung stehen. Also hat demzufolge auch die Redaktion und das Autorenteam hinter Böhmermann versagt. Fleischhauer hat völlig richtig darauf verwiesen, dass es viele besser geeignete Menschen gibt, als ausgerechnet Deutsche, um Witze über Juden und das Jüdische zu machen. Ich hatte persönlich das große Glück, als Jugendlicher in Frankreich ein israelisches Paar kennen zu lernen (beide Soldaten), die mir zur Frage, ob Deutsche, die deutlich nach 1945 geboren wurden, weiterhin ein Tätervolk seien, gesagt haben, für sie selbstverständlich nicht, solange unsere Generation dafür sorge, dass sich Antisemitismus in Deutschland nicht wieder ausbreite. Auch wollten sie gerne wissen, wie es sein könne, dass Leute, die glücklicherweise nie unter Beschuss gestanden hätten, für die Rechte der Palästinenser demonstrierten. Sie sahen übrigens die Siedlungs-Politik ihrer eigenen Regierung sehr kritisch und haben mir später am Abend einen Witz über Juden in Amerika erzählt: Ein Schwarzer liest in der New Yorker U-Bahn eine hebräische Zeitung. Sein Sitznachbar fragt ihn daraufhin: "Eins von beiden reicht Dir wohl nicht?" In Deutschland habe ich den die nächsten 30 Jahre nicht erzählt, weil ich das damals wie heute für einen Deutschen als unpassend empfinde.
mehrfach verstehen - Lesen und Hebräisch oder Lesen und U-Bahnfahren oder U-Bahnfahren und Hebräisch.

Da ist nichts antisemitisch.

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isegrim der erste 02.11.2018, 12:59
151. Judenwitze interessieren mich nicht

ich erzähle lieber Witze über solche Zeitgenossen, wie Jan Fleischhauer. Solche Witze werden in den Kreisen, in denen ich verkehre, immer mit Beifall bedacht.

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moritz27 02.11.2018, 13:03
152. Die ganz Linken,

die ganz Rechten, die politisch Korrekten und die Extremreligiösen hassen Witze, die zu ihren Lasten gehen und verfolgen und bestrafen sogar die Erzähler. Weil ihre Anliegen per se "gut" und vor allem ernsthaft sind, können sie keinen Spott ertragen. Der zersetzt nämlich das jeweilige System. "Wo Lieder gesungen werden, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Das stimmt leider nicht. Auch böse Menschen kennen und singen Lieder. Aber, wo man sich umdrehen muss, bevor man einen Witz erzählt, da sollte man sich schleunigst vom Acker machen.

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winfield06 02.11.2018, 13:03
153. Aber

Zitat von querulant_99
Bei meiner letzten Reise nach Israel bin ich mir manchmal vorgekommen als sei ich in Absurdistan. Streng gläubige Juden dürften am Sabbat nicht arbeiten und auch keinerlei technisches Gerät bedienen. Diesbezüglich ging es in dem von mir gebuchten Hotel in Jerusalem vorbildlich zu: Im Aufzug waren die Tasten zur Wahl der Etage am Sabbat außer Betrieb. Man konnte es sich jetzt aussuchen, ob man gleich zu Fuß die 8 Etagen im Treppenhaus hoch und hinuntersteigt, oder trotzdem in den Aufzug einsteigt, der dann an jeder Etage anhält, und so lange auf Weiterfahrt wartet, dass selbst der gehbehindertste Gast mitkommt, auch wenn gar keiner anwesend ist. Im Frühstücksraum ging der Wahnsinn weiter. Natürlich war der Kaffeautomat außer Betrieb, denn dafür müsste man ja Tasten drücken. Zum Glück arbeiteten die Servicekräfte, so dass ich dennoch ein Frühstück bekam. Solche Zustände sind eigentlich Steilvorlagen für jeden Humoristen. Warum soll es denn verboten sein, solche Eigenheiten in Israel auf die Schippe zu nehmen?
ehrlich gesagt, solche Steilvorlagen kann doch wohl am besten ein jüdischer Humorist nutzen, der kein orthodoxer bzw. strengläubiger Jude ist.
Ähnlich wie sich auch z. b. ein Michael Mittermeier als ehemaliger Schüler eines katholischen Gymnasiums über die dortigen strenggläuben Vorgaben heute bzw. in früheren Programmen lustig macht und sie natürlich überspitzt darstellt.
Da passt es wenigstens, denn einem Protestanten könnte man das nicht so locker abnehmen.

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winfield06 02.11.2018, 13:07
154. Nun,

Zitat von thbahr
ist zweifelsohne ein Talent, das Böhmermann auch beherrscht. Auch darf man ihn entgegen des Mainstreams einfach für einen minderbegabten Moderatoren halten, der sich gern spätpubertär inszeniert und keinen Zugang zu Rasierern hat, aber er sollte die Meinungsfreiheit genießen wie alle. Dazu gehört das Recht, peinliche, unpassende Witze zu machen. Immerhin hat er durch sein Erdogan-Gedicht den Anstoß zur Abschaffung des Paragraphen zur Majestätsbeleidigung gegeben. Bei Judenwitzen sollte allen, die sich über Medien äußern dürfen, das bewährte Prinzip des betreuten Publizierens zur Verfügung stehen. Also hat demzufolge auch die Redaktion und das Autorenteam hinter Böhmermann versagt. Fleischhauer hat völlig richtig darauf verwiesen, dass es viele besser geeignete Menschen gibt, als ausgerechnet Deutsche, um Witze über Juden und das Jüdische zu machen. Ich hatte persönlich das große Glück, als Jugendlicher in Frankreich ein israelisches Paar kennen zu lernen (beide Soldaten), die mir zur Frage, ob Deutsche, die deutlich nach 1945 geboren wurden, weiterhin ein Tätervolk seien, gesagt haben, für sie selbstverständlich nicht, solange unsere Generation dafür sorge, dass sich Antisemitismus in Deutschland nicht wieder ausbreite. Auch wollten sie gerne wissen, wie es sein könne, dass Leute, die glücklicherweise nie unter Beschuss gestanden hätten, für die Rechte der Palästinenser demonstrierten. Sie sahen übrigens die Siedlungs-Politik ihrer eigenen Regierung sehr kritisch und haben mir später am Abend einen Witz über Juden in Amerika erzählt: Ein Schwarzer liest in der New Yorker U-Bahn eine hebräische Zeitung. Sein Sitznachbar fragt ihn daraufhin: "Eins von beiden reicht Dir wohl nicht?" In Deutschland habe ich den die nächsten 30 Jahre nicht erzählt, weil ich das damals wie heute für einen Deutschen als unpassend empfinde.
den Witz am Ende Ihres Posts, könnte man auch inzwischen entsprechend auf deutsche Bedürfnisse "umdichten".
Man nehme z. B. eine Frau welche als Muslemin erkennbar ist die z. B. die T.A.Z. liest - um ein profanes Beispiel zu bringen.

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moritz27 02.11.2018, 13:08
155. Das glaube ich Ihnen

Zitat von isegrim der erste
ich erzähle lieber Witze über solche Zeitgenossen, wie Jan Fleischhauer. Solche Witze werden in den Kreisen, in denen ich verkehre, immer mit Beifall bedacht.
gern. Sie kennen aber schon noch den Unterschied zwischen Zustimmung (Beifall) und einem Lacherfolg? Lassen Sie doch mal Ihren besten Witz über Herrn Fleischhauer vom Stapel. Mal schauen, wie die Reaktionen hier ausfallen. Nur Mut! Mehr als auslachen geht nicht. Und auch das ist ein gesundes Lachen.

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winfield06 02.11.2018, 13:10
156. Doch,

Zitat von LLue
"Man darf ja auch über Polen, Burkafrauen und Rollstuhlfahrer Witze reißen." Finde ich nicht!!! Es sei denn man ist Pole, Burkafrau oder Rollstuhlfahrer, oder auch alles drei. Witze über eine andere Gruppe Menschen zu machen, allein auf Grund eines einzigen Merkmals und nicht auf Grund ihrer Person ist diskriminierend. Anders ist es wenn man über seine eigene Gruppe Witze macht. Das mag für den Herrn Fleischhauer schwer zu schlucken sein, aber ja nur weil schwarze Witze über Schwarze machen, Juden über Juden, Frauen über Frauen, heißt das noch nicht, dass sie das auch dürfen.
darf man, da bei guten Witzen doch meistens die Pointe dahin gehend endet, dass nicht die Burkafrau, Pole/Polin, oder RollstuhlfahrerIn die betroffene Person ist, sondern die Person die im Witz selbigen auslöst.

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hefe21 02.11.2018, 13:28
157. Publizistische Tatortreinigung, nach immerhin 8 Jahren!

Zitat von zimond
Witze die vermeintlich gegen eine Minderheit sind zeigen einfach nur wie albern und lächerlich Vorurteile gegen diese Minderheiten sind, sonst würden sie nicht funktionieren. Ich stieg mal mit einigen Bekannten in einen Bud, einer davon ein Hyperpigmentierter. Ich sagte "Oh, öhm, könntest du bitte dich nach hinten setzen... du weist schon" - "Oh ja natürlich Massa, sofort", war die ebenfalls nicht Ernst gemeinte Antwort. Dieser Gag zeigte einfach nur wie absurd und lächerlich der Gedanke ist Menschen auf Grund der Hautfarbe zu trennen und das dies tatsächlich so passierte. Diese Witze sind nicht auf Kosten der Minderheiten sondern ziehen jene ins Lächerliche die tatsächlich Vorurteile gegen diese Minderheiten glauben. Würde ein Antisemit der wirklich denkt Juden verbreiteten Krankheiten wohl Böhnermanns Gag lustig finden? Wohl kaum, zieht der Gag doch seine Ansichten ins Lächerliche und das mit Absicht!
Das kommt davon, dass sich Fleischhauer nicht das SPIEGELeigene Motto "Schreiben was ist" zu eigen gemacht hat und die damals am Sketch Beteiligten befragt hat. Die erste Frage müsste natürlich sein, ob Polak in das "Drehbuch" eingeweiht war und zweitens ist in der Aussenbetrachtung ziemlich klar, dass dieser "Gag" bei fest jedem anderen jüdischen Gast ziemlich übel noch in der Böhmermannschen Hand hochgegangen wäre - er sich beim sich als "Dreckskerl" positionierenden Polak wohl "angeboten" hat und der das, man weiss es aber nicht, so zugelassen hat. Polaks Vorbild ist/war da wohl H.M.Broder, der sich auch gerne in die Outlawpose schmeisst, aber ebenso schnell eingeschnappt ist, wenn der Ball mal etwas schärfer retourniert wird. Und dann geschwind vom Tennisschläger zur bekannten Keule wechselt.
PS: hat der Böhmi gestern in seiner Show was verlauten lassen? Na ja, mal Mediathek schauen.

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