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Deutscher Völkermord an Herero und Nama: Worauf wartest du, Deutschland?
AFP

114 Jahre liegt der Völkermord durch deutsche Soldaten an Herero und Nama in Namibia bereits zurück. Deutschland muss dafür endlich die Verantwortung übernehmen - juristisch, moralisch und finanziell.

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temp1 28.08.2018, 14:41
10. Mir fielen da noch viele andere Ansprüche ein, wenn man nur weit genug

Mir fielen da noch viele andere Ansprüche ein, wenn man nur weit genug zurück guckt: Wie sieht es mit Wiedergutmachung an Frankreich für den Krieg von 1871 aus? Oder von Preussen an Österreich für den Krieg von 1866 ... aber womöglich sogar mal in anderer Richtung, haben wir vielleicht auch Ansprüche an Frankreich wegen der Napoleonischen Kriege oder an Schweden wegen des 30-jährigen Krieges?
Und das betrifft natürlich nicht nur Deutschland. Die Kolonialreiche der Engländer, Franzosen, Spanier, Portugiesen, Holländer rechtfertigen sicher noch weitere Berechtigungen.
Genug der Polemik! ............
Es stellt sich die Frage, welche Zeiträume noch in Betracht kommen. Wenn die Leidtragenden schon seit vielen Generationen verstorben sind, macht es aus meiner Sicht wenig Sinn solche Einzelakte durch finanzielle Geschenke an deren Nachfahren in X-ter Generation auszuzahlen ... auch wenn Geschenke solcher Art den Beschenkten natürlich immer willkommen sind. Damit würde bei schrankenloser Betrachtung eine Büchse der Pandora geöffnet werden, die wenig legitimiert ist.
Ich denke, der Gedanke an Verjährung

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Todweber 28.08.2018, 14:44
11. Kolonialisierung

Wer die Geschichte der Kolonialisierung durch den "weißen Mann" seit der Entdeckung Amerikas verfolgt, entdeckt eine Blutspur des weißen Mannes quer durch Afrika, Teile von Asiens und Australiens.
Der weiße Mann rottete die Indianer aus (fast), er tötete die Ureinwohner Süd und Mittelamerikas, er christianisierte mit dem Schwert den europäischen Osten. Er gründete Weltreiche und immer gab es Tote.
Aber auch die Turk-Völker eroberten und mordeten, genauso wie die goldene Horde. Der Mensch ist grausam.
Die Araber verdienten sich eine goldene Nase mit dem Sklavenhandel.
In der Geschichte der Menschheit gab es immer wieder Kriege, Grausamkeiten und unendliches Leid.
Die ersten Konzentrationslager bauten die Briten in Kenia.
Unsagbares Leid im Namen Allahs richteten islamische Herrscher im arabischen Raum an. Die Ausbreitung des Islam ist eine Geschichte vom Feuer und dem Schwert.
Die Ägypter unterdrückten die Stämme Israels.
Eine unendliche Geschichte
Und dann kommt so etwas, 100 Jahre nach den Ereignissen?

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studlmu 28.08.2018, 14:44
12. Was wäre denn angemessen?

Diese Frage fehlt mir in Ihrem durchaus sehr zutreffenden Artikel. Darüber hinaus hätte ich aber noch etwas Salz für die Wunde: ich habe vor rd. 20 Jahren mit einem wirklich und auch echten Herero studiert (an der LMU mit einem netten Stipendium und dieser ist heute ein guter Anwalt in Nambia) und halte immer noch losen Kontakt: der kichert immer, wenn wir auf das Thema kommen und macht den eigenartigen Witz, dass wir Deutsche zahlen werden, bis wir selber schwarz sind, weil wir uns gar nicht eingestehen wollen, dass Geldzahlungen der völlig falsche Weg für Namibia war (auch etwas, was Sie leicht unterschlagen: es fliessen ja bereits seit Jahren Gelder in verschiedene Projekte) und ist. Sein Punkt ist, das Einzige was irgendwie im Lande funktioniere, ist irgendwie ein Erbe der Kolonialzeit und so fordert er eher Hilfe im Bildungssystem, in der Renovierung von Infrastruktur (Renovierung von z.B. Bahngleisen), etc. ... aber dies sei eine Illusion, weil keine lokalen Amtsträger etc. nicht mitspielen könnten.

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nickleby 28.08.2018, 14:46
13. Warum Deutschland ?

Es gibt keinen Anlass, hier iregndwie ein Büßerhemd anzuziehen. Die Kklage hat keine Berechtrigunmg, die juristisch zu begründen wäre. Das Recht der damaloigen Zeit gilt als Grundlage. der Begriff Völkermord war dem damaligen Recht fremd. Erst mit den Nürnberger Prozessen wurde diese Größe eingeführt Man kann generöse Zahlungen vornehmen, aber ohne damit einen rechtlich gültigen Anspruch der Herero zu zementieren.

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fridericus1 28.08.2018, 14:47
14. Der Hinweis ...

... auf die beiden Verfahren in Großbritannien und Niederlande ist geschickt, weil er suggeriert, dass ähnliche Forderungen anderer Betroffener bereits anerkannt wurden. In beiden Fällen wurden aber noch lebenden Opfern Entschädigungen zugesprochen (kann man dank Internet wunderbar recherchieren), in "unserem" Fall geht es um Reparationen, also Geldverteilung an Nachfahren von tatsächlichen oder vermeintlichen Opfern. Also ganz anderer Sachverhalt.

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geirröd 28.08.2018, 14:47
15. Wo will man anfangen...

...und wo will man aufhören.? Da kann man dann gleich ziemlich viele andere (auch) europäische Länder mit ins Boot holen: Belgien (Kongo), Frankreich (West Kamerung) und und und... so ziemlich jedes Land hat da "Dreck am Stecken". Vertreibungen, Versklavungen und so weiter und so weiter...

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Tevje 28.08.2018, 14:48
16. Die Nama und andere

Völker des heutigen Namibia sind mit dieser Entschädigungszahlung -einige Milliarden wurden ja bereits gezahlt- nicht sehr glücklich, weil die Fast-Ausrottung der Hereros diese Völker damals in der Hierarchie aufstiegen ließ, weil ihre "einheimischen" Herrscher weggefallen waren. Dem entsprechend, haben sie lange versucht, diesen Ausgleich zu verhindern. Heute wäre er natürlich willkommen, weil er als Unterstützung leerer Staatskassen verstanden wird. Sinnvoller wäre, statt der Förderung einzelner Ethnien und des Verharrens in der Ethnizität, eine breite Unterstützung im Bildungssektor, die auf ein homogenes Namibia und in die Zukunft gerichtet ist. Solange dies nicht diskutiert, geplant und auf den Weg gebracht ist, konzeptionell, darf keine Zahlung erfolgen, wenn das Gels den heutigen Einwohnern Namibias zu gute kommen soll.

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pykomat 28.08.2018, 14:56
17. Nö

Warum sollten die, die noch nicht "länger hier leben" eigentlich Verantwortung übernehmen (was sie ja monetär mit Ihren Steuern tun müssten)?
In einer multikulturellen Welt, wie grenzt man da eigentlich Volksgruppen und Nachfahren ab?
Soll ein Deutscher mit "namibianischen Wurzeln" sich verantwortlich fühlen? Oder ein Flüchtling, der jetzt hier arbeiten darf?
Ich bin auch dafür, die Menschen vor Ort zu unterstützen, vor allem aber dadurch, dass man gerechte Preise für Rohstoffe zahlt und keinen Müll dorthin exportiert und das Meer auch nicht leerfischt.
Aber alles andere ist doch inzwischen sehr an den Haaren herbeigezogen.

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Papazaca 28.08.2018, 15:00
18. Kennt Herr Kaleck die Herero und Nama?

Die von damals und die von heute? Kennt er mich, den ich bin Teil dieser anonymen Masse, die sich die Deutschen von heute nennen. Und was kennt er vom tatsächlichen und was vom idealen Recht?

Das einzige, was ich sehe, ist, das er sich anmaßt, mir eine abstrakte Schuld zuzuschieben. Und auf der anderen Seite Hereros und Namas, die mit den damaligen Verbrechen nichts zu tun hatten, Geld zuzuschanzen. Wobei es in Afrika in der Regel nicht ganz unten ankommen dürfte.

Für mich ist er ein Wichtigtuer, der die ganze Sache diskreditiert. Denn ja, Deutschland könnte und sollte was für die Hereros und Nama tun. Aber nicht, weil es muß, sondern weil es will. Das macht den großen Unterschied aus.

Und das ein Gericht in den USA über die Geschichte anderer Nationen urteilen will, ist natürlich Realsatire. Das Land, das fast alle Indianer ausgerottet hat, Millionen Afrikaner versklavt hat und jede Menge Kriege angezettelt hat als Richter über andere?

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endor_phine 28.08.2018, 15:09
19. Selten etwas weltfremderes gelesen!

Lassen Sie mich Eingangs sagen, das es keine Entschuldigungen für die Gräueltaten Deutscher Kolonialzeit gibt, es handelt sich ohne Zweifel um ein widerliches Verbrechen in dem Frauen und Kinder in die Wüste getrieben wurden und man diese verhungern lies. Aber die juristische Argumentation, diese Verbrechen hätte die Bevölkerungsstruktur derart ins Wanken gebracht, das nun 114 Jahre später Schadensersatz gefordert wird ist für mich haltlos und weltfremd. Der Streitwert den die Hereos in New York bei ihrer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland als Schadensersatz einfordern beläuft sich im Übrigen auf 100 MRD Dollar, das können sie gerne nachlesen. Auch wenn der Autor des Textes sich als Jurist verständig gibt, scheint diesem nicht bewusst zu sein, das man keinen Staat verklagen kann, schon gar keinen den es nicht mehr gibt! Auch der Begriff "Völkermord" existierte vor 114 Jahren noch lange nicht, daher drückt der Vergleich mit Shell 1980 erheblich (ich weiß gar nicht wo da anfangen soll). Es gab auch etliche diplomatische Bemühungen der Bundesregierung in dieser Angelegenheit. Geeinigt mit der namibianischen Regierung hat man sich auf hunderte von Millionen in Entwicklungshilfen, unter anderen in Entsalzungsanlagen und Infrastrukturprojekten.

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