Forum: Politik
Deutschland und die Flüchtlinge: Wir brauchen eine Leitkultur
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Neues Deutschland: So viel Freude über Fremde war noch nie. Lieben wir plötzlich das Bunte - oder wollen wir schon wieder vor uns selber fliehen? Das wird nicht funktionieren. Eine Frage wird immer wichtiger: Was ist eigentlich deutsch?

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garfield 03.09.2015, 17:19
140.

Zitat von sysop
Auch der Einbürgerungstest mit seinen 300 Fragen - was man unter dem Wort "Opposition" versteht, ob Elsass-Lothringen zu Deutschland gehört und wie man sich als Deutscher verhält, wenn der neue Fernseher kaputt ist oder der Steuerbescheid nicht stimmt - taugt nicht wirklich als Leitfaden einer neuen Gemeinsamkeit.
Wie sagt Volker Pispers so treffend: Was für ein Glück für viele Deutsche, dass sie diesen Test nicht selber durchlaufen müssen.
Wenn wir die Durchfaller dann alle abschieben wollten ...
Nur, wohin - und wer nimmt die auf?

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interessierter Laie 03.09.2015, 17:22
141. kein Volk ist homogen...

Zitat von Nania
Herr Augstein, ich lese Ihre Kolumne sehr gerne, aber die Leitkultur als Anzug, in den alle passen, gibt es nicht und wird es nie geben. Dazu sind die Vorstellungen der Deutschen, dass sie immer noch ein homogenes Volk sind, viel zu veraltet und zu falsch. Eine Leitkultur kann nicht festgesetzt werden, sie kann ......
und doch merkt jeder, gerade jeder Flüchtling, dass es eine Menge Dinge gibt, die man bei uns und vielleicht noch in der Schweiz und Österreich für normal hält, aber (fast) nirgendwo sonst. Das entwickelt sich auch weiter - stetig aber langsam. Selbst 40 Jahre Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland sind längst nicht komplett überwunden. Einwanderer lernen in ihrer neuen Heimat üblicherweise schnell, was dort akzeptiert wird. Aber es sind wenige - sie können gar nicht anders. Wenn so viele gleichzeitig kommen (sieht man sogar an Deutschen in der Schweiz) rumort es, weil Menschen überfordert sind. Und wenn das passiert helfen ein paar Hanseln in politischen Ämtern dieser Republik nicht. Das können sie gar nicht, denn Politiker erziehen nicht das Volk, sondern das Volk wählt seine Politiker.

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der-schwarze-fleck 03.09.2015, 17:23
142. ein Problem mit uns selbst

Zitat von PeterSch
Nationalstolz und Patriotismus haben eben nicht nur was mit braunem Dreck und dunklen Diktaturen zu tun. Sie können auch für Gesellschaften wie unsere einen positiven Effekt haben, den man mit Geld und anderen Mitteln niemals erreichen kann.
Sie haben recht, man kann es auch anders sagen, wer sich selbst nicht liebt, wird auch nicht von anderen geliebt. Unsere deutsche Mentalität, uns selbst zu zerfleischen und überall nur das Schlechte zu sehen, hindert uns daran mit uns selbst und mit den Anderen gelassen umzugehen. Wir wundern uns, dass die Türken, die hier seit Generationen leben, sich immer noch mehr als Türken und nicht als Deutsche sehen, aber wie soll man von denen verlangen sich so einem miesepetrigen und sich selbst zerfleischenden Volk anzuschließen. Gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit ist unter Deutschen leider gang und gäbe, siehe aktuelle Diskussion um Sachsens Rechtsradikale, da werden alle Sachsen in z.T. ungeheuerlicher Weise verunglimpft das die Schwarte kracht und offensichtlich stört es niemanden.

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kenny_powers 03.09.2015, 17:28
143. Everything goes

Leitkultur? Innerhalb kürzester Zeit kommen Hundertausende. Wenn es so weiter geht wie bisher sogar Millionen. Und diese Menschen bringen ihre eigenen Traditionen und Bräuche mit. Sie finden hier ihre Landsleute vor, sodass der Druck zur Anpassung nicht allzu groß sein wird. Pessimismus? Nein, ein Blick auf die Zuwanderung aus den Zeiten der Gastarbeiter, die zahlenmäßig sehr viel geringer war, rechtfertigt diese Sichtweise. Es wird also bestenfalls ein mehr oder weniger friedliches Nebeneinander geben. Wie Einwanderung denoch funktionieren könnte, zeigt ein Blick zurück in die Zeit der Industrialisierung, als Polen und Masuren ins Ruhrgebiet einwanderten. Durch eine starke antipolnische Politik wurde eine vollständige Assimilation der Einwanderer erreicht. Heute lässt sich nur noch an an den Nachnahmen erkennen, wer Nachfahre dieser Einwanderer ist. Aber das mag einigen zu deutsch sein. Mir allerdings nicht. Ich bin gerne deutsch, und muss davor sicherlich nicht gerettet werden.

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fürstätter 03.09.2015, 17:29
144. Der Begriff

"Deutsche Leitkultur" ist kein einfach zu definierender. Sie ist von der Staatlichkeit zu trennen. Der Gesellschaftsvertrag der Bundesrepublik Deutschland basiert auf dem Grundgesetz, das für alle hier lebenden Menschen gilt, mit allen Rechten und Pflichten. Deutsche Kultur kann man nicht auf das Staatsgebiet begrenzen. So haben wir in Altbayern weitaus mehr kulturelle Gemeinsamkeiten mit unseren österreichischen Stammesverwandten als zum Beispiel mit Mecklenburgern. Die gemeinsame Muttersprache ist die Grundlage für die Bildung einer kulturellen Identität. Viele weitere Faktoren formen eine kulturelle Gemeinschaft. Zu wichtigen Werten einer europäischen Kulturgemeinschaft gehört auch Toleranz gegenüber anderen Menschen, die aber gegenseitig gelebt werden muss. Die Toleranz hört aber da auf, wo grundlegende Werte durch deren Nichtanerkennung gefährdet werden. Der gestrige Beitrag im ZDF hat das eindrücklich aufgezeigt.

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Berliner311 03.09.2015, 17:34
145. Saufen wie ein Deutscher

Die Flüchtlinge müssen mit den Einheimischen Deutschen viel mehr Kontakt haben. Dieser Kontakt muss in irgendeiner Weise organisiert werden. Nur so können sich diese Menschen integrieren. Parallelgesellschaften sollte man zu vermeiden versuchen. Das gelingt aber nur wenn auch die Menschen in Dresden und überall in Deutschland sich mit den Flüchtlingen beschäftigen. Mein Vater kam aus Jugoslawien und hat sich als Ausländer in Berlin Wannsee sehr gut integriert. Der konnte saufen wie ein Deutscher...

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wecan 03.09.2015, 17:35
146.

Zitat von nahrungskette
die von Deutschland ausgehen und die Europa zum Ziel der Flüchtlinge macht, werden die EU am Ende zerstören. Die Unverantwortlichkeit und die Maßlosigkeit, mit der die Politiker und die Medienleute die Flüchtlingsfrage behandeln, wird am Ende dazu führen, dass jeder Europäer sich nur mehr im eigenen Staat sicher fühlen wird und die EU als feindselige, fremdbestimmende Macht, als UdSSR-Verschnitt wahrnehmen und vehement ablehnen wird.
Genau so sehe ich das auch.

Zu recht kritisiert der Ungarische Präsident die Deutsche Politik, die sich unverantwortlich verhält.

Mittlerweile hat man weltweit von der Deutschen Willkommenskultur gehört und selbstverständlich machen sich die Menschen nun weltweit auf den Weg zu uns.
Sie kommen nicht nur aus Syrien und dem Balkan, sondern auch aus Indien, Pakistan, Indonesien und den entferntesten Orten.

Viele Bürger und auch Politiker sind aber einfach nicht in der Lage, die sich entfaltende Eigendynamik und Sogwirkung zu begreifen.

Wenn in den nächsten Jahren mehrere Millionen pro Jahr hier ankommen, wird sich der Luxus einer Diskussion über die Leitkultur ganz von selbst erledigen.
Dann werden wir nämlich völlig damit ausgelastet sein, alles halbwegs geordnet und irgendwie friedlich zu halten.

Aber Hauptsache, wir können unsere Weltoffenheit feiern.

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lemmy 03.09.2015, 17:42
147. Eine Anekdote zum Schluss

Passend genau zu diesem Thema der Toleranz und Leitkultur habe ich, so ganz nebenbei, vor kurzem eine kurze Dokumentation über freiwillige Helfer gesehen, über die ich speziell an einer Stelle ein wenig schmunzeln musste:
Da gab es eine engagierte ältere Dame (pensionierte Lehrerin), die vor einer Gruppe recht lebhafter junger muslimischer Männer stand. "Testosteron-gesteuert", wie die meisten Jungen in diesem Alter halt sind, und vermutlich auch der Mentalität geschuldet, ging es recht laut, gestikulierend und latent auch schon ein wenig aggressiv im Tonfall los. Die Dame aber ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit energischer Stimme bat sie zunächst um Ruhe und sprach folgenden Satz:
"Hier bei uns wird ruhig und leise gesprochen. Wir regen uns nicht gleich auf und gestikulieren nicht herum. Wir versuchen ruhig und sachlich zu sagen, was wir möchten. Also bitte." Ein kurzer verbaler "Widerstand", und dann war es ruhig. Vielleicht ein kleiner Anfang für so etwas wie eine Leitkultur ?
Ich sage immer: Die Freiheit des Einzelnen hört genau da auf, wo die Freiheit eines Anderen anfängt.

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ludwig49 03.09.2015, 17:43
148. Flüchtlinge aus Kriegsgebieten...

...sind vor allem eine Herausforderung. Die typisch deutsche Stärke - mit unseren Fähigkeiten schaffen wir alles - ist gefragt. Eigentlich sollten wir stolz darauf sein, dass Deutschland für Flüchtlinge ein Zielgebiet ist,weil dies anscheinend das einzige Land ist, dem diese Menschen vertrauen und Hilfe erwarten können. Die Politik sollte unverzüglich handeln, und gleichzeitig aber Flüchtlinge aus sicheren Gebieten (Balkan) unter Strafandrohung bei Wiederkehr sofort abschieben.

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galactica01 03.09.2015, 17:44
149. Grundregel für Alle

Man sollte schon verlangen dürfen, das man sich an unsere Grundrechte hält, wenn man hier leben will. Wer sich nicht daran hält , sollte wieder gehen. Ein Staat kann nur funktionieren mit und durch Regeln, sonst gibt es Chaos. Ich frage mich manchmal, wo vor haben wir Angst? Wenn ich mich in einem anderen Land aufhalte und dort längere Zeit bleiben will, passe ich mich an und halte mich an dessen Regeln.....ich verstehe so einiges nicht mehr hier bei uns !!!

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