Forum: Politik
Deutschlands Außenpolitik und Saudi-Arabien: Ein Maas für die Moral?
DPA

Die deutsche Außenpolitik unter Heiko Maas ist eine erbärmliche Veranstaltung, die zwischen Ohnmacht und Heuchelei schwankt. Da kann einem selbst US-Präsident Trump lieber sein.

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kakophoniephobie 23.10.2018, 11:45
240. Lukacs und Adorno

Zitat von Kurt Blau
Lieber Herr Augstein, gemeint war bei Adorno die transzendentale Obdachlosigkeit, nicht der neueste IKEA-Katalog (den es damals vermutlich noch gar nicht gab). Gruß, K. Blau
Noch eine Variante: Die Metapher von der "transzendentalen Obdachlosigkeit" wurde von Georg Lukacs geprägt, der Begriff "Asyl für Obdachlose" (Titel des Textes) stammt von Theodor W. Adorno. (siehe auch: "Asyl für Obdachlose", Gedicht von Kurt Tucholsky)

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mostly_harmless 23.10.2018, 12:19
241.

Zitat von Sonia
[...] Die haben einen Regierungschef, der in erster Linie durchsetzt, was seiner Bevölkerung gut tut ….ja, der wirkt oft durchgeknallt, ist es aber nicht ….er hat schon viel erreicht für die USA, [....]
Aha. Was konkret hat Trump denn Ihrer Ansicht (und der Ihrer Bekannten) nach "für die USA erreicht"? Und was konkret hat er durchgesetzt, das "seiner Bevölkerung gut tut"?

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spon-facebook-1786107337 23.10.2018, 12:49
242. barbarisch und heuchlerisch?

ad#dinkidau: ja es ist tatsächlich weniger barbarisch, seine Gegner per Drohne zu töten als einen Gast im konsulat zu foltern und zu zerstückeln.
und Heuchelei oder nicht: es mag "ehrlicher" oder zumindest klarer sein, wenn Trump von Geld-schlägt-Moral redet und unser Außenminister politisch korrekt seine Abscheu formuliert. Aber ich lebe lieber in einem Land, in dem es opportuner ist, Menschenrechte etc. höher zu hängen als Waffenexporte, selbst wenn es dann doch leider oft zu anderem Verhalten kommt. denn den Worten folgen Taten, auch wenn es dauert. Wir verändern uns wenn wir anders sprechen, das erleben wir ja gerade umgekehrt durch die Verschiebung des vormals UnSagbaren durch AFD-Sprech.

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Joachim Petrick 23.10.2018, 12:59
243. Kündigt Ankara im Fall Khashoggi Geheimdienst Zusammenarbeit mit Riad?

Wofür betreibt Deutschland eigentlich Außenpolitik? Können wir Peking daran hindern, im Südchinesischen Meer militärische Stützpunkte anzulegen? fragt Augstein, um diese Frage gleich als angeblich unangemessen zu knicken. Dabei plant Bundeswehr Marine Manöver mit chinesischer Marine. Warum?, um für deutsche Marine High Tech Rüstungssysteme zu werben?

Ja, wofür Außenpolitik, wenn der außenpolitische Sprecher der CDU Norbert Röttgen im ZDF wie selbstverständlich meint, angesichts des heimtückischen Mordes an dem Journalisten Khashoggi seien Rüstungsgüter Lieferungen nach Saudi Arabien ein No Go. Ja. Warum denn erst jetzt und nicht. gemäß Koaltionsvertrag, nur für diesen Fall und dann ohnehin nur vorübergehend?, für laufende Genehmigungen nicht geltend?. wie die Grünen vermuten.
Es geht doch nicht um diesen blutrünstigen Ritual Mord cora Publikum via türkischer Geheimdienst Wanzen im saudiarabischen Konsulat Istanbul, wie es saudische Geheimdienste daheim selbstverständlich wie andere auch handhaben, zur Warnung von Kritikern des Königshauses im Exil, voran des Kronprinzen, mit zerstückelter Leiche Khashoggis als Sakrileg Tabubruch zur Abschreckung- Es geht um eine deutsche Außenpolitik, die solchen Mordsgesellen unter dem hinreichend bemüht nun verbrauchten Vorwand es Krieges gegen den Internationalen Terrorismus nach Nine Eleven 2001 das Feld mit deutschen Steuermitteln in Abermilliarden € Höhe bereitet, zur Herrschaft des Unrechts, der Willkür, des Verbrechens im Regierungsauftrag klammheimlich zu fremdem innenpolitischen Zweck zwar nicht direkt zu ermuntern, aber doch darüber auf Sicht hinwegzusehen und dann, wenn es geschieht, in Regierungsverlautbarungen angeblich "überrascht" zu sein, im vorliegenden Fall sogar amtliches Entsetzen zu formulieren.

Ist der Mord an Khashoggi unter für Riad überraschend unerwarteter Aufkündigung ansonsten bestehender Geheimdienst Komplizenschaft aufgeflogen, weil Khashoggi ein Intim-Freund des türkischen Präsidenten Erdogans ist?

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isikat 23.10.2018, 13:07
244. Ausnahmsweise

hat Augstein mal Recht. Mit einer Einschränkung: Der Begriff "die Deutschen" muss geändert werden in "die deutsche REgierung", dann auf die deutsche Bevölkerung trifft das nicht zu. Und leider hat die deutsche Regierung mit der deutschen Bevölkerung auch nichts mehr am Hut, das sind zwei Paar Stiefel.

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v.papschke 23.10.2018, 13:15
245. Die Richtlinien der Politik

auch in der Außenpolitik, bestimmt im Wesentlichen die Kanzlerin. Die kleineren Felder beackert sozusagen der Außer-dem -Minister. Damit wird man dann zwangsläufig nicht so schnell berühmt. Aber ich habe auch sonst so meine Zweifel. Begeistert war ich, als er als Justizminister das 1. Gesetz zur Mietpreisbindung verkündete. Endlich mal ein Gesetz für die , die es dringend nötig hatten. Es dauerte allerdings nicht allzu lange bis klar wurde, daß dieses Gesetz nicht das Papier wert war, auf dem es geschrieben stand. Da fragt man sich natürlich, ob Anwälte im Bundestag incl. des Justizministers die Gesetzentwürfe vor der Abstimmung überhaupt noch lesen. Zuminstens sollten es die Anwälte der "kleinen Leute" gelesen haben. Offensichtlich war es aber nicht so , denn sonst hätte die SPD diesem Zeug damals so nicht zustimmen dürfen. Typisches Beispiel für Schaufensterpolitik. Später kam dann die Intronisierung als Außenminister. Gabriel verabschiedete sich mit einer herausragenden Rede, die mit sehr viel Beifall und gleichzeitig großem Bedauern über sein Ausscheiden seitens der Mitarbeiter des Außenministeriums bedacht wurde. Und dann kam Maas. Und dieser mit Verlaub kleine Wicht wollte als erstes gegenüber Rußland neue schärfere Seiten aufziehen. Ich glaube er hat bis heute nicht erkannt, wer in dieser Welt den Frieden am meisten bedroht.

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vera gehlkiel 23.10.2018, 13:56
246.

Auch wenn es hier zugeht wie bei "Tichy's Einblicke" oder Broders "Achgut", doch noch ein Histörchen: Erfinder der Doktrin "Wandel durch Annäherung" für Deutschland, in deren Kontinuität im Prinzip alle Aussenminister, aber insbesonders diejenigen von der SPD und der einzige Grüne befanden (und was auch immer gut so war) waren Linke. Nämlich Bahr und Brandt, auf welche sich gern Lafontaine und andere als das berufen, was eigentlich SPD mal gewesen sein soll, respektive wieder sein müsste. Es gibt kaum eine andere diplomatische Strategie, denke ich, die je ähnlich erfolgreich war. Dass sie etwa im Bezug auf die Türkei damals durch CDU/FDP abgeschrieben wurde, hat in der Welt vieles zum Schlechten, und gar nichts zum Guten verändert. Fast nichts hat aber auch je mehr Populisten auf den Plan gebracht, als sie. Von Erika Steinbach bis zu Jutta Dithfurt wurde von sonst gern auch unerfreulich militaristischen Menschen die Moralkeule rausgeholt, wenn es darum ging, friedliche Regime Changes überdauernd durch wirtschaftliche Zusammenarbeit, Gedankenaustausche, sukzessiver Bestärkung ernstzunehmender oppositioneller Strömungen in den Diktaturen, also Diplomatie, herbeizuführen zu helfen. All dies ist streng im Sinne des von Helmut Schmidt hochverehrten Karl Popper, es geht darum, durch Argumente Waffengänge und Drohgebärden zu ersetzen, selbst wenn es manchmal schwierig anmutet. Was der schroffe Abbruch der Beziehungen, die öffentliche Zurückweisung ohne gebaute Brücke, die bewusste Kränkung einem eintragen, hat die Welt zur Genüge erfahren, und dass "Wandel durch Annäherung" funktioniert, wie gesagt eben auch. Wer hier die in der Tat leider ja überhaupt nicht von der Hand zu weisende zynische Komponente singulär herausarbeitet, dass da Hände geschüttelt werden müssen, an denen Blut klebt, etc. handelt unredlich, denn er negiert und demontiert die empirisch nachweisbare Wirksamkeit von diplomatisch geprägter Politik in den Augen der Zuhörerschaft. Stumpfer Populismus halt. Zumal es keinerlei alternative Vorschläge gibt, oder je gegeben hat, nicht von Erika Steinbach, und auch nicht von Sahra Wagenknecht. Nur von G.W.Bush, mit bekanntem Ergebnis...

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Außenbetrachter 23.10.2018, 14:01
247. Beistand

Der Fall Kashoggi ist in der Türkei passiert und da müssen die Türken die Sache aufklären. Warum müssen wir als erste Nation mit einem Waffenstop voranpreschen und ausgerechnet der Türkei Beistand signalisieren. Es war schon ein Fehler, sich GB ungeprüft im Fall Skripal, einem Doppelagenten und Hochverräter, an deren Seite zu stellen. Wenn Heiko Maas nicht gerade brilliert, dann macht das zumindest der Niels Annen, ein echter Kenner des Nahen Ostens.
Annen in der ersten Reihe wäre ein Gewinn und Maas wäre gut für den roten Teppich.

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NauMax 23.10.2018, 14:11
248.

Zitat von Sonia
Dann muss ich irgendwie keine echten Deutschen kennen. Meine Wahrnehmung ist eine ziemlich andere. Da wird so diskutiert: Die haben einen Regierungschef, der in erster Linie durchsetzt, was seiner Bevölkerung gut tut ….ja, der wirkt oft durchgeknallt, ist es aber nicht ….er hat schon viel erreicht für die USA, er hält, was er versprach ...nein, das höre ich nicht unter dem sogenannten Prekariat, das sind Äußerungen unter Anwälten und Ärzten ….Maas ist beliebt, ja, bei Umfragen - auch da höre ich nur viele Witze; es könnte aber auch sein, dass mein Umfeld nicht so ganz auf der Höhe der Umfragen ist.
Dann unterhalten Sie sich mal mit jenen 87% der Bevölkerung, die sich bei der letzten Wahl gegen einen Deutschen Trumpismus entschieden haben! Abgesehen davon: Trump tut nur, was Trump gut tut!

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vera gehlkiel 23.10.2018, 14:55
249. @augu1941

Zitat von augu1941
Der Satz "Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen" ist wirklich peinlich. Ich nehme mal an, dass er stimmt. Dann sagt man so etwas aber nicht, was andere nötigt, darüber ehrfürchtig zu staunen, das jemand in seinen grundsätzlichen Lebensentscheidungen davon bestimmt wird, Verbrechen seines Volkes in der Vergangenheit wieder gut zu machen. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" hat E.Kästner mal gesagt, großartige moralische Bekundungen gehören nicht dazu. Die SPD hätten Gabriel als Außenminister behalten sollen.
Vielleicht mal kurz nachvollziehen, dass Gabriel eine langjährige Auseinandersetzung mit seinen Nazi-Eltern öffentlich und sehr glaubwürdig thematisiert hat. Wer ehrfürchtig darüber staunt, dass einer, der wichtige Ämter anstrebt, politische Verantwortung in einen nun mal existierenden geschichtlichen Kontext einstellt, anstatt einfach nur in Kohl-Manier die "Gnade der späten Geburt", oder im Lindner-Style schreckhaft und ahistorisch zu vermelden, er wolle bloss nicht "Moralweltmeister" spielen, hat wohl irgendwie ein Problem mit dem Teil der Geschichte der Deutschen, der sich eben jeder Art von "Bearbeitung" respektive "Aufarbeitung" faktisch entzieht. Wo soll ein Heiko Maas je von "Wiedergutmachung" gesprochen haben, im Angesicht dessen, was nicht wieder gut zu machen ist?! Wievel verleugnetes Schuldbewusstsein gehört dazu, sowas überhaupt jemandem zu unterstellen? Per se anzunehmen, dass jeder Politiker, jede Politikerin immer ein/e Zyniker/in ist, sobald sie oder er die deutsche Vergangenheit in den Mund nimmt?! Für mich ist niemand ein "Gutmensch", der über Auschwitz auf seine politische Agenda zu sprechen kommt. Sondern so jemand ist eher ein Realist, von dem man zumindest die starke Vermutung haben kann, dass er die Welt mit Nüchternheit betrachtet, und das einnehmende Pathos meidet. Denn es gibt rein absolut nichts Pathetisches an und um Auschwitz, nur Sperrigkeit, Nihilismus, Zwecklosigkeit, das Absurde des ganzen Menschseins in seinem Herkommen aus der Barbarei. Und daneben das Bild, das Camus von Sisyphos, dem zwecklosen Steinewälzer, erschaffen hat. Wer sich auf Auschwitz beruft, redet von Sachlichkeit, davon, dass ein langer Atem nötig sein wird, dass er bereit sein wird, grosse Lasten auch ohne erkennbare Perspektive des allgemeinen oder persönlichen Glückes bergan zu schleppen. Auch bereit ist, im Handeln zu scheitern, aber nicht bereit ist, nicht zu handeln. Und dieses ist nunmal der unverbüchliche Wesenskern des Sozialdemokratischen.

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