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Die AfD und der Islam: Im Geist des Konfessionalismus
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Gehört der Islam zu Deutschland? Die AfD bestreitet das. Sie macht das religiöse Bekenntnis zur Machtfrage - und ähnelt damit nahöstlichen Gesellschaften.

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Aspekte plus 03.05.2016, 18:09
90. Die erste plausible Erklärung

Zitat von moistvonlipwik
Haken: genau das sieht das GG nicht vor. Es ist gerade keine laizistische Verfassung. Mit anderen Worten: das GG verpflichtet zwar zur Neutralität, mithin Äquidistanz, stellt aber selbst nur unzureichend Distanz her. Damit müssen alle Religionen gleichermaßen nahe an das GG heranrücken. Natürlich könnte man das Problem dadurch lösen, dass man einen scharfen Laizismus nach französichem oder U.S. Vorbild etabliert. Das aber will die Union nicht. Das ist der tiefere Hintergrund von Wulffs Satz, der Islam gehöre zu Deutschland. Es ging ihm nicht um die Muslime, sondern darum, eine Laizismusdiskussion zu vermeiden, die an die "ideologischen Wurzeln" der Union (Alois Glück) rührt.
zur Bedeutung von Christian Wulffs Satz.

Einen laizistischen Staat möchte wohl nicht nur die Union nicht. In Frankreich, wo der Atheismus quasi-Staatsreligion ist, sind Vorstellungen über die Religionen verbreiteter als diese selbst. Seit Jahrzehnten fordern fortschrittliche Imame in Frankreich mehr Religionsunterricht, wer gewisse Grundlagen kennt, fällt weniger auf extremistische, einseitige Pseudo-Religionen herein, meinen sie.
Blasphemieverbot, staatliche theologische Fakultäten, kurz eine gewisse Konfessionalisierung der beiden wichtigsten christlichen Glaubensgemeinschaften in Deutschland trägt schon zum Religionsfrieden bei.

Anderseits muss man klar sehen, das Christentum ist in zwei Fällen klar eingegrenzt, hat einen gewissen Teil am öffentlichen Leben und übernimmt auch Aufgaben: Feldgeistliche, Gefängnispfarrer etc.
Das ist das Muster für die weiteren, ob Christen, Juden, Muslime oder Hindus.

Österreich hat den Islam konfessionalisiert, hat ein Islamgesetz.
Was darüber hinausgeht, gilt als Sekte ohne anderen Schutz als den der allgemeinen Bürgerrechte.
Keine Finanzierung aus dem Ausland, staatliche Imamausbildung etc.

So wollen aber die Muslimenverbände nicht dazu gehören, die Muslime selbst vermutlich schon.

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sapereaude! 03.05.2016, 18:17
91. Logik

Zitat von wecan
Grundsätzlich alles zu akzeptieren ist keine Toleranz sondern Selbstaufgabe. Dazu bin ich nicht bereit!
Man bekommt mit "Toleranz für Alle(s)" auch schon rein logisch seine Probleme. Das kann man in den USA wunderbar beobachten. Einerseits will man religiösen Menschen mehr oder weniger Alles zugestehen. Andererseits setzt man sich für die Gleichsstellung Homosexueller erin. Wenn sich jetzt ein streng religiöser Wedding Planer weigert, für ein homosexuelles Paar eine Hochzeit zu veranstalten, weil das seinem religiösen Empfinden zuwider läuft, kommt man in die Zwickmühle.

Wie man ein solches Dilemma in den USA löst, weiß ich nicht, aber da wir hier in einer streitbaren Demokratie leben, ist das hier recht eindeutig: Jede Weltanschaung hat sich dem (Grund-)Gesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unterzuordnen. Solange sie das tut, ist Alles in Lot. Wenn nicht, muss man das ihren Anhängern unmissverständlich klar machen.

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skeptikerin007 03.05.2016, 18:30
92. Beste Beispiel

Zitat von sushiboi
Wer sich angesichts der zweifelhaften Integrationserfolge unseres türkischstämmigen Bevölkerungsteils, den Problemen in anderen europäischen Staaten und nicht zuletzt am Beispiel der Enticklung des Libanon als ehemals einzigem multikulturellem und offenen Land im Nahen Osten immer noch fragt, ob wir uns die Probleme nicht nur einzureden, sollte sich wohl besser in die Anstalt begeben.
Libanon war ein florierendes, reiches Land bis die Muslime unterstützt von palestinenser, Saudis und Iran alles zestört haben. Dabei waren alle Libaneser.
Deutschland hat keine muslimische Bevölkerung. Der Anteil der Muslime, die sich als deutsche bezeichnen, ist gering. Also der Islam gehört nicht zum Deutschland. So einfach ist es.
Könnte der Autor des Beitrages präzisieren, welche Konfession hat die AfD und was versteht er unter konfessionalismus? Welche nicht muslimische Religion ist diesmal dafür verantwortlich ?

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eternalchii 03.05.2016, 18:49
93.

Zitat von skeptikerin007
Libanon war ein florierendes, reiches Land bis die Muslime unterstützt von palestinenser, Saudis und Iran alles zestört haben.
Die Christen gelten als Auslöser des Bürgerkriegs im Libanon.

Zitat: "Am 13. April 1975 wurde in West-Beirut im christlichen Viertel Ain El Remmaneh das sogenannte „Bus-Massaker“ an Palästinensern verübt. Dieses Verbrechen gilt als Auftakt des libanesischen Bürgerkriegs. Hierbei war die Kata'ib eine wichtige politische und militärische Macht im Land. Sie war phasenweise mit Israel verbündet und kämpfte unter anderem gegen die PLO und die Amal-Miliz."

[...]

Die Kata'ib (französisch Kataëb, arabisch حزب الكتائب اللبنانية Hizb al-Kata'ib al-Lubnaniyya, DMG Ḥizbu l-Katāʾib al-Lubnānīya ‚Partei der libanesischen Brigaden‘), auch bezeichnet als Phalange (franz. Phalanges libanaises), ist eine libanesische politische Partei, die ursprünglich aus der maronitisch-christlichen nationalen Jugendbewegung hervorgegangen ist. Die Mitglieder und Anhänger der Partei werden als Phalangisten bezeichnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kata’ib

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vaclav.havel 03.05.2016, 18:58
94.

Zitat von sailor1818
Ich plädiere für eine strikte Trennung zwischen Kirche d.h. Glauben und Staat und wäre entsprechend durchaus für einen dezenteren Auftritt von katholischer und evangelischer Kirche mit Rücksichtnahme auf die riesige Zahl von Atheisten und Nihilisten in unserer Gesellschaft.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliederentwicklung_in_den_Religionsgemeinschaft en

In 2013 war ein Drittel der deutschen Bevölkerung konfessionslos, zwei Drittel gehörten Glaubensgemeinschaften an.
Sie dürften mit weitem Abstand immer noch die kollektiven Organisationen in Deutschland mit den höchsten Mitgliederzahlen sein.
Deren politischen und gesellschaftlichen Einfluss zu negieren oder auszuschließen würde elementar gegen demokratische Grundsätze verstoßen.

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vagabondix 03.05.2016, 19:34
95. Spätestens seit 2014

Zitat von vaclav.havel
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliederentwicklung_in_den_Religionsgemeinschaft en In 2013 war ein Drittel der deutschen Bevölkerung konfessionslos, zwei Drittel gehörten Glaubensgemeinschaften an. Sie dürften mit weitem Abstand immer noch die kollektiven Organisationen in Deutschland mit den höchsten Mitgliederzahlen sein. Deren politischen und gesellschaftlichen Einfluss zu negieren oder auszuschließen würde elementar gegen demokratische Grundsätze verstoßen.
sind die Konfessionslosen lt. Wikipedia und deren Angaben von REMID, DBK und EKD mit 34% die größte Gruppe gegenüber
- den papsttreuen Katholiken mit 29,5%
- und den sich vom Papst abgewendeten Evangelischen mit 27,9%.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele eigentlich Ungläubige entweder aus Bequemlichkeit oder wegen der Tradition ihres sozialen Umfelds "halt noch" der Glaubensgemeinschaft, in die sie getauft wurden anhängen.
Oder sie müssen aus arbeitsrechtlichen Gründen ofiziell einer Religion angehören, ohne überzeugt zu sein (z.B. wg. den kirchlichen Trägern im Sozial-, Pflege- und Gesundheitswesen).

Die (offiziellen) 65% Konfessionsgebundenen sind sich also mitnichten in ihren Überzeugungen einig.
Außer dahingehend, dass die Privilegien (mindestens) der eigenen Glaubensgemeinschaft erhalten oder ausgebaut werden sollen. Auf Kosten der mind. 34% "Ungläubigen".

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vagabondix 03.05.2016, 19:45
96. Spätestens seit 2014

sind die Konfessionslosen lt. Wikipedia und deren Angaben von REMID, DBK und EKD mit 34% die größte Gruppe gegenüber
- den papsttreuen Katholiken mit 29,5%
- und den sich vom Papst abgewendeten Evangelischen mit 27,9%.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele eigentlich Ungläubige entweder aus Bequemlichkeit oder wegen der Tradition ihres sozialen Umfelds "halt noch" der Glaubensgemeinschaft, in die sie getauft wurden anhängen.
Oder sie müssen aus arbeitsrechtlichen Gründen ofiziell einer Religion angehören, ohne überzeugt zu sein (z.B. wg. den kirchlichen Trägern im Sozial-, Pflege- und Gesundheitswesen).

Die (offiziellen) 65% Konfessionsgebundenen sind sich also mitnichten in ihren Überzeugungen einig.
Außer dahingehend, dass die Privilegien (mindestens) der eigenen Glaubensgemeinschaft erhalten oder ausgebaut werden sollen. Auf Kosten der mind. 34% "Ungläubigen".

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Aspekte plus 03.05.2016, 19:50
97. Variante I:

Zitat von wecan
Grundsätzlich alles zu akzeptieren ist keine Toleranz sondern Selbstaufgabe. Dazu bin ich nicht bereit!
Grundsätzlich ist alles zu akzeptieren, ausser Abweichung vom "ewigen Gesetz", das auch im Diesseits Gottes Gesetz ist. Sei zu allem bereit.

Politischer Islam scheint mir ein etwas unglücklicher Ausdruck, theokratisches Selbstverständnis träfe es eher, Unterwerfung nennt es Michel Houellebecq.

aber wir haben keine Wort dafür, weil es grundsätzlich ausserhalb unseres Vorstellungsvermögens liegt. Darum finden wir nur Annäherungen und meinen, wir hatten das "Problem" benannt oder bewiesen, dass es keines gibt.

Die Inuit sollen 90 Wörter für Schnee haben - wir haben Schnee, Firn, Pulverschnee, Nassschnee und das ist es dann.

Wie wir nicht mit einem Inuit über Schnee reden können, können wir nicht auf Augenhöhe mit Muslimen oder unter uns DEN Islam diskutieren.

Ausser auf sich selbst abzustellen, bis hierhin und nicht weiter, wird nichts mehr bringen als Missverständnisse.

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Berg 03.05.2016, 20:03
98.

Zitat von sailor1818
aber er gehört nicht zu unserer politischen und gesellschaftlichen Identität- anders ausgedrückt: gäbe es ihn nicht, wäre Deutschland immer noch Deutschland. Ich plädiere für eine strikte Trennung zwischen Kirche d.h. Glauben und Staat und wäre entsprechend durchaus für einen dezenteren Auftritt von katholischer und evangelischer Kirche mit Rücksichtnahme auf die riesige Zahl von Atheisten und Nihilisten in unserer Gesellschaft.
In Deutschland hat sich die Zahl der Atheisten in den letzten Jahrzehnten stark erhöht, im Osten Deutschland besonders. Und diese Menschen, die an keinen Gott glauben und sich nicht an religiöse Zeremonien halten, kamen bisher neben Katholiken und Protestanten gut und unbehelligz aus. Im Osten wurden sie sogar 40 Jahre bevorzugt. Seit aber der Islam für sich die Alleinvertretung beansprucht, steht für Atheisten auf einmal das Leben, die Existenz auf dem Spiel. Ich fordere die Feststellung durch den Bundespräsidenten:"auch die Atheisten gehören zu Deutschland." Und das ist keine Retourkutsche, kein Scherz, sondern bittere Notwendigkeit.

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wutbürger2010 03.05.2016, 20:21
99. Religionsfreiheit laut GG

Ich kann in Deutschland morgen meinen christlichen Glauben aufgeben, um dann Atheist, Agnostiker, Buddhist, Jude, Hindu oder auch Anhänger sonstiger Religionen zu werden.

Danach kann ich meinen Glauben erneut wechseln, z.B. werde ich doch wieder Christ oder wende mich vom Buddhismus ab, um Shintuist zu werden.

Und genau dies lässt der Islam ausdrücklich nicht zu - Stichwort Apostasie, gleich „Abfall vom Islam“.
Islamrechtlich ist die Apostasie mit der Todesstrafe zu ahnden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam


Religionsfreiheit bedeutet nicht nur seine Religion ausüben zu dürfen, nein, dies bedeutet auch sich von einer Religion jederzeit befreien zu können, also auch aus ihr stets ohne negative Folgen auszutreten zu können.

Und exakt diese Auslegung der Religionsfreiheit beinhaltet das deutsche Grundgesetz.

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