Forum: Politik
Die kurze Ära Martin Schulz: Traurig, nicht tragisch
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In der Wahlniederlage bewies Martin Schulz Größe: keine Ausreden, die SPD geht in die Opposition. Er schwenkte um und verhandelte doch mit der Union. Mit dem Griff nach dem Amt des Außenministers besiegelte er sein Scheitern.

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kobra21 11.02.2018, 08:22
210. Kein Mitleid

Schulz hat kein Mitleid verdient. Er und viele andere in der Politik sind
- nein kein Opfer - sondern Ergebnis eines Systemfehlers.
Politiker werden von den Bürgern als deren Vertreter, als deren Sprachrohr, gewählt. Sie sind gewählt, um die Interessen der Bürger zu vertreten und sich um deren Probleme zu kümmern.
Tatsächlich aber entwickeln Politiker, sind sie erstmal gewählt, ein Eigenleben. Es werden Partei(klientel)interessen bedient, die Stufen der Parteileiter erstiegen, sich Pfründe überall dort gesucht, wo Geld Geld zu finden ist usw. usw..
Es wird danach gestrebt sich möglichst lange im politischen Selbstbedienungsladen gut einzurichten.
Den Bürger und Wähler nimmt man nur noch alle paar Jahre im Wahlkampf wahr. Schließlich dient der Wähler ja dem eigenen Wohlergehen.
Schulz hat in den Jahren seiner Präsidentschaft des EU-Parlamentes
jährlich (!) rund 500.000 Euro Einkommen erzielt.
Selbst der "einfache" EU-Abgeordnete bekommt vom Streuerzahler deutliche 6stellige Beträge im Jahr gezahlt.
Mitbestimmen dürfen die Steuerzahler aber nicht.
Nach wie vor wird in Brüssel und Berlin am Bürgerwillen vorbei regiert.
Eine der wichtigesten Maßnahmen in der Politik wäre die zeitliche
Begrenzung von Mandaten und Funktionen, sowie dem Verbot von Ämterhäufungen außerhalb des eigentlichen Mandats.
Posten in Aufsichtsräten usw. sollen nur noch ehrenamtlich erfolgen.
Erst mit einer sichtbaren Endlichkeit der Tätigkeit in der Politik entsteht wieder bzw. bleibt die Bodenhaftung erhalten.
Am Ende muss der Bürgerwille stehen und umgesetzt werden.
Schulz ist an sich selbst und den auch von ihm praktizierten Methoden der Politik gescheitert.
Womöglich bleibt aber so dem deutschen Steuerzahler Geld erspart, das sonst mehr denn je nach Brüssel geflossen wäre.

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Hautversessener 11.02.2018, 08:26
211.

".................... Er sagte noch "Ich will Kanzler werden!", als darüber bereits in der SPD der Kopf geschüttelt wurde. Hinter seinem Rücken, versteht sich. Zu diesem Zeitpunkt, bereits vor der Wahl, war Schulz erledigt. Seine Gegner wussten es, seine Parteigänger wussten es. Er wusste es selbst. Und genau zu diesem Zeitpunkt mischte sich in die öffentliche Wahrnehmung dieses Kandidaten ein Gefühl, das für jeden Politiker tödlich ist, einer wahrhaft tragischen Figur aber gebührt: Mitleid.
Man hoffte, dass der Mann bald erlöst sein würde......."

Mehr Spekulation und emotionales Herunterschreiben gibt es kaum. Im Gegenteil, diese paar Sätze belegen exemplarisch, wie die Medien ab dem Höhepunkt des "SchulzHypes" mit Schulz umgegangen sind.Uund da kann sich die SPD noch 100mal erneuern und Vorsitzende wechseln - wenn die SPD nicht eine erfolggarantierende Strategie gegen die Mainstreammedien findet, ist jeder Wahlkampf schon von Beginn an verloren.
Und der Katastrophenstratege ist doch Gabriel, der zweimal eine Sturzgeburt der Kanzlerkadidaten inszenierte, da er mit Sicherheit im Falle seiner eigenen Kanzlerkandidatur selbst unter 20% gelandet wäre. Perfide!!

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gunthersweisheiten 11.02.2018, 08:57
212. Ein wackerer Versuch

aus einer Knalltüte einen Ernsthaften Kanzlerkandidaten zu schreiben. Wer Schulz Laufbahn und seinen Charakter über längere Zeit beobachtet hat, wusste vom Tag seiner Nominierung an, dass das Projekt scheitern würde. Das Schlimme ist, das die SPD Führungsspitze Schulz ausgesucht und zugelassen hat. Diesen Leuten fehlt jede Beurteilungskompetenz. Ds spiegelt sich auch in ihren politischen Forderungen. Die Partei sollte sich auflösen.

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vision777 11.02.2018, 09:37
213. Wieso tragisch? Oder traurig?

Das SPD-Apparat hat im Voraus gewusst, dass die 'ausgemerkelte' Partei bei der BTW eine bittere Niederlage erleben würde. Gabriel, Nahles und wie sie alle heissen wollten dafür aber nicht selber gerade stehen. Martin Schulz wusste vom Anfang an, dass die Chance auf Erfolg winzig klein war. Vielleicht wurde er dazu manipuliert, schlussendlich hat er aber selbst entschieden, es trotzdem zu versuchen und ist gescheitert. Voraussehbar war es. Dumm vielleicht, aber traurig?

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japhyryderson 11.02.2018, 09:52
214. @adieu2000

Parteibasis. Sie stellen es so hin als gäbe es in der SPD-Parteibasis eine in sich einige Ausrichtung. Stimmt doch gar nicht. Da gibt es unterschiedlichste Ansichten und Vorstellungen. Schulz ist u. a. daran gescheitert, weil ihm eine Art Hausmacht fehlte. Das hat er womöglich unterschätzt. Er hatte einige Kernanliegen: Soziale Gerechtigkeit und Europa. Und ich hatte den Eindruck, dass er Strukturen innerhalb der SPD ändern wollte und auf jüngere Mitglieder und Frauen setzte. Ich hatte den Eindruck, dass ihm einige einfach den Hype um ihn nicht gönnten. Nicht damit klar kamen. Er war natürlich nicht der Messias. Aber die Themen, die er zu Anfang setzte kamen ja in der Wählerschaft an. Die Umfragen gaben ihm recht. Meiner Meinung nach wurde er in seiner Arbeit von bestimmten Leuten aus der Parteispitze behindert und auflaufen lassen. Denen war er zu unbequem und unheimlich. Die Leute haben ihn ja zu Anfang gemocht. Sonst wären nicht so viele zu seinen Veranstaltungen gekommen. Ich glaube dass, er einige richtige Themen gesetzt hat.
Und zum sog. Pöstchenjagen kann ich nur sagen, ist es Ihnen lieber, wenn Abgeordnete kein Amt anstreben? Wozu werden sie gewählt. Wenn man ihnen einen guten Job in Aussicht stellt oder Sie die Möglichkeit sehen, eine interessante Stelle zu ergattern, wenden Sie sich dann ab? Nein Danke, ich verzichte. Ich bin ja so edel.

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Igalori 11.02.2018, 10:10
215. Nahles ist schuld!

Seltsam, bisher hab ich noch nicht wahrgenommen, dass die gehypte Nahles Schulz ans Messer geliefert hat! Sie hätte doch wissen müssen, nein, sie hat es gewusst, dass Schulz nicht nach dem Amt Gabriels greifen kann, ohne dass dieser sich wehrt, und zwar zu recht! Nahles wollte den für sie lästigen Gabriel los werden, opfert dafür Schulz, den Umfaller, und setzt sich nun selbst die Krone auf als Vorsitzende. Aber diese wird sich als Dornenkrone erweisen, sobald ihr mieses Ränkespiel durchschaut wird!

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brotherandrew 11.02.2018, 14:13
216. Schulz als ...

... wackeren Streiter oder gar als tragische Figur hinzustellen, ist verfehlt. Es war Eitelkeit, die ihn motiviert hat, sonst nichts. Mit 100 % der Parteitagsstimmen zum Vorsitzenden gewählt zu werden, gab ihm ein Gefühl von Bedeutung, die er im realen Leben weder davor noch danach hatte. Und als das Kartenhaus am 24.09.2017 endgültig zusammen gebrochen war, reagierte er aus gekränkter persönlicher Eitelkeit und verkündete beleidigt den Rückzug für sich selbst und für seine Partei, statt kühlen Kopf zu bewahren. Was soll daran wacker sein?

Von den Folgen dieses Handelns kam er nicht mehr weg und verlor so logischerweise den SPD-Vorsitz und den plötzlich wortbrüchig aviserten Posten als Aussenminister.

Und hätte sich Merkel in den Koalitionsverhandlungen nicht erpressen lassen, hätte Martin Schulz zuverlässig dafür gesorgt, dass die SPD bei den anstehenden Neuwahlen auf 15 % abgerutscht wäre.

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oloh 11.02.2018, 15:28
217. traurig, nicht tragisch?

Bei der Negation eines tragischen Helden gehe ich konform. Das Traurige will ich aber partout nicht anerkennen, und mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Die Meisten von uns kannten Schulz nicht zu Beginn seines Wahlkampfes, und wir projizierten wie die Jecken. Noch jecker die Genossen: 100%, Gesunden Menschenverstand mal eben über Bord gekippt.
Zur Verklärung und Überhöhung gehören mindestens Zwei, und manchmal auch eine bekloppte Partei.
Beschäftigt man sich eingehend mit Schulzens Wirken in Brüssel, seinen Kungeleien zugunsten von Steuervermeider und Kumpan Juncker, seinem zielstrebigen, lukrativen Karrierismus, so kommt man nicht umhin, ihn für einen charakterlich dubiosen Parvenü zu halten. Mit der Fassade des wackeren Buchhändlers, der sich den Helm aufsetzt, bevor er zur Arbeit geht.
Diese Fassade ist jetzt komplett abgebröckelt, und das ist gut so.
Nun fehlt noch die Läuterung der Partei: Wer sorgt dafür, dass die Bekloppten an der Spitze in Zukunft in der Minderheit sind?

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Mister Stone 11.02.2018, 16:03
218.

Zitat von adieu2000
Es sagt jetzt Niemand das sie einen schlechten Job gemacht haben, aber sozialdemokratische Politik sieht anders aus.
Doch, ich sage das.

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Ignorationsunwürdiger 11.02.2018, 16:55
219.

Zitat von kobra21
Schulz hat kein Mitleid verdient. Er und viele andere in der Politik sind - nein kein Opfer - sondern Ergebnis eines Systemfehlers. Politiker werden von den Bürgern als deren Vertreter, als deren Sprachrohr, gewählt. Sie sind gewählt, um die Interessen der Bürger zu vertreten und sich um deren Probleme zu kümmern. Tatsächlich aber entwickeln Politiker, sind sie erstmal gewählt, ein Eigenleben. Es werden Partei(klientel)interessen bedient, die Stufen der Parteileiter erstiegen, sich Pfründe überall dort gesucht, wo Geld Geld zu finden ist usw. usw.. Es wird danach gestrebt sich möglichst lange im politischen Selbstbedienungsladen gut einzurichten. Den Bürger und Wähler nimmt man nur noch alle paar Jahre im Wahlkampf wahr. Schließlich dient der Wähler ja dem eigenen Wohlergehen. Schulz hat in den Jahren seiner Präsidentschaft des EU-Parlamentes jährlich (!) rund 500.000 Euro Einkommen erzielt. Selbst der "einfache" EU-Abgeordnete bekommt vom Streuerzahler deutliche 6stellige Beträge im Jahr gezahlt. Mitbestimmen dürfen die Steuerzahler aber nicht. Nach wie vor wird in Brüssel und Berlin am Bürgerwillen vorbei regiert. Eine der wichtigesten Maßnahmen in der Politik wäre die zeitliche Begrenzung von Mandaten und Funktionen, sowie dem Verbot von Ämterhäufungen außerhalb des eigentlichen Mandats. Posten in Aufsichtsräten usw. sollen nur noch ehrenamtlich erfolgen. Erst mit einer sichtbaren Endlichkeit der Tätigkeit in der Politik entsteht wieder bzw. bleibt die Bodenhaftung erhalten. Am Ende muss der Bürgerwille stehen und umgesetzt werden. Schulz ist an sich selbst und den auch von ihm praktizierten Methoden der Politik gescheitert. Womöglich bleibt aber so dem deutschen Steuerzahler Geld erspart, das sonst mehr denn je nach Brüssel geflossen wäre.
Da hat endlich mal einer umfassend mitgedacht! Herzlichen Glückwunsch. Das trifft des Pudels Kern in aller Fülle. Ist übrigens auch meine Meinung, zu 100%!

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