Forum: Politik
Die Lage am Dienstag: Liebe Leserin, lieber Leser,
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hdwinkel 26.03.2019, 06:35
1. So geht es nicht

Ja, es gibt leider Hass im Internet. Nicht akzeptabel. Aber soll das jetzt heißen, nur weil ein paar Spinner sich zu verbalen Entgleisungen hinreißen lassen, hätte der Herr Voss jetzt irgendwie inhaltlich recht? So eine Art Opferbonus?
So geht es nicht.
Herr Voss steht nun mal für eine vollkommen aus dem Ruder gelaufene Lobbypolitik gegen die Interessen der übergroßen Mehrheit, insbedondere der netzaffinen Menschen, also vor allem der Jüngeren.
Und die schreibende Zunft (auch bei SPON - man beachte die INSM Werbung genau zu diesem Beitrag hier), glaubt, über die Bedienung solcher Lobbyinteressen sein analoges Geschäftsmodell in eine digitale Zukunft retten zu können. Auf Kosten vieler zukünftigen Unternehmen übrigens, die aufgrund dieser Gesetze nun außerhalb Europas entstehen werden.
Nö, die Berichterstattung über die Urhebergesetze war und ist nicht neutral. Das werden die Leser nicht vergessen.

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Rauchbier 26.03.2019, 06:52
2. Es geht nicht um die Kreativen, es geht um die Verwerter

Lieber Herr Knobbe,
haben Sie sich denn mit Artikel 13/17 näher befasst? Haben Sie die Artikel von Sascha Lobo auf Spiegel online gelesen? Haben sie hier nicht einfach eine CDU-nahe Pressemeldung (oder eine vom Springer-Verlag) abgetippt? Es geht in dieser Richtlinie nicht darum, die Kreativen besser zu schützen. Es geht darum, die großen Verwerter zu schützen und die kleinen Blogs kaputt zu machen. Mit Anforderungen, sie Google und Facebook erfüllen können, aber nicht "Michels-kleines-Politik-Blog" eben nicht.
Morddrohungen erhalten vermutlich viele Politiker. In diesem Fall lenkt aber die Emotion vom eigentlichen Thema ab und hilft bei der Entscheidung über diese unglückliche Richtlinie nicht weiter.
Einen guten Morgen noch,
Rauchbier

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Neandiausdemtal 26.03.2019, 07:35
3. Vor- und Nachteile

Das Internet, insbesondere wegen der in Rede stehenden Globalplayer, hat vor und Nachteile. Leider überwiegen die Schäden enorm. Hass, Tod, Manipulation in nie gekanntem Ausmaß, Desinformation, Bildungsumkehr und vieles mehr, steht da im Schwarzbuch.
Und nun lassen sich einige Millionen junge Leute von Google, Facebook und Co. verführen um deren Gewinnmargen bei weiterhin maximaler Verantwortungslosigkeit zu maximieren. Und das nur, um ihren dubiosen Freizeitbeschäftigungen und Selbstdarstellungsstörungen weiter möglichst bequem und unreflektiert nachkommen zu können.
Das das Recht an geistigem Eigentum und Urheberschaft untergepflügt werden soll, interessiert sie wenig. Es zählt der Egoismus.
Alles, was das www einhegt und unter Kuratel stellt, ist gut und wünschenswert. Veröffentlichungen im Netz müssen mindestens ebenso streng behandelt werden, wie es hierzulande für die Presse gilt.

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Phleon 26.03.2019, 08:09
4.

Stellen wir uns vor es gibt eine Industrie, die davon lebt abends die Lichter auf der Straße anzumachen. Sie wird vertreten von einer starken Lobby. Dann wird die Glühbirne erfunden und eigentlich kann man die Straßen nun völlig automatisiert beleuchten lassen. Keiner braucht die Ampel-Anzünder mehr. Aber wir subventionieren die Ampel-Anzünder, und versteuern die automatisierte Ampeln. Die CDU fordert: "Das kann ja nicht sein, dass überall umsonst das Licht brennt!" Das ist Europa.

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odapiel 26.03.2019, 08:26
5. Und es sind auch nicht die Jungen

Der Prostest ist generationenübergreifen. Ich bin jenseits der 40, habe aber zweimal mitdemonstriert, die Petitionen unterschrieben und bin als Kreative absolut gegen die Richtlinie, und zwar 11, 12 und 13! Vielen Leuten stinkt der massive Lobbyismus auf Bundes- und EU-Ebene schon lange, denn es werden immer nur die Interessen der Konzerne und nie die der Bürger und kleinen Gewerblichen/Selbstständigen durchgesetzt. Im Gegenteil, es geht immer gegen uns.

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Anthropos 26.03.2019, 08:40
6. Die Jugend muss sich abarbeiten

Nachdem ein, zwei Generationen lang bei uns alle so schön übersättigt waren und sich vor Trägheit kaum rühren konnten, zünden endlich einmal wieder ein paar Jugendbewegungen in der Gesellschaft. Dabei sind die Inhalte nachgerade egal. Nicht dass sie wirklich egal wären, es sind schon relevante Themen, die da behandelt werden. Aber wenn man die beiden aktuellen Aufhänger - Uploadfilter und FridayForFuture - anschaut, so bemerkt man schon eine Kontinuität darin: Es geht im Kern um Bestandswahrung innerhalb einer von Wohlstand geprägten Gesellschaft. Selten vernimmt man bei Meinungsäußerungen dazu über das Individuelle hinausweisende Ideale. Meist heißt es: Ich sehe MEINE Freiheit, MEINE Zukunft bedroht. Das ist soweit legitim, natürlich formiert sich sozialer Protest immer auch durch persönliche Betroffenheit. Aber zugleich offenbart sich gerade in den beiden genannten Themen die Widersprüchlichkeit unserer Gesellschaft: Von den Protestierenden gegen die Urheberrechtsreform sind die Wenigsten wohl tatsächlich Kulturschaffende, die meisten wohl eher Konsumenten, die ihre Konsumentenfreiheit - mithin ihre Luxusfreiheit - bedroht sehen. Genau jener Wohlstand und sogar Luxus, den man als Hauptursache für den in der anderen Bewegung beklagten menschengemachten Klimawandel ansehen kann. Oder etwas plakativer: Solche Probleme möchten arme Menschen in anderen Teilen der Welt auch mal haben.

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jjcamera 26.03.2019, 08:41
7. Drohung

Die Art und Weise wie die Artikel 13-Debatte mittlerweile geführt wird, zeigt deutlich, wie weit Facebook, Google, Youtube und Co bereits jetzt die Steuerung der Meinung ihrer User übernommen haben.
Wenn man ins Kino geht, ein Buch oder eine CD kauft, erwartet niemand, dafür nicht bezahlen zu müssen. Wenn man das selbe im Internet macht, soll es umsonst sein, weil die IT-Konzerne kein Geld dafür entrichten wollen?
Die Upload-Filter sind eine Drohung der Konzerne, mit der sie ihre Nutzer auf die Straße schicken. Wer nicht vorhat im Netz Hass und Beleidigung zu vebreiten, braucht sich über Upload-Filter keine Sorgen machen.

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Sique 26.03.2019, 08:44
8. Das eigentlich Schlimme ist, dass Herr Voss glaubt, was er sagt.

Meine Mutter pflegte zu sagen: Das Gegenteil von Kunst ist gut gemeint.
Und das befürchte ich hier. Verhandler und Berichterstatter glauben wirklich, etwas Gutes erreicht zu haben. Sie glauben, dass ihr edles Ziel die Mittel rechtfertigt. Aber es ist ein bisschen so wie die Priester, die ein Menschenopfer bringen, um die Götter zu besänftigen. Das Menschenopfer wird keinen einzigen Regentropfen fallen lassen. Es ist lediglich ein Mensch hinterher tot, der noch leben könnte.
Denn was ist das eigentliche Ergebnis? Es wird immer komplizierter, Systeme im Internet zu bauen, die auf die Mitarbeit der User angewiesen sind. Das schützt diejenigen, die den Weg bereits hinter sich haben, und deren Systeme bereits laufen. Und es wird immer komplizierter, eigene Werke im Internet zu veröffentlichen, denn die müssen erst einmal durch alle Filter durch, und wenn sie dann online sind, bleiben sie genauso schutzlos wie eh und je, es sei denn, man kauft sich in einen der großen Filteranbieter ein.
Die neue Gesetzgebung führt nur zu einem: Sie stärkt die Monopole, sowohl auf der Systemanbieterseite als auch auf der Verwerterseite. Das Leistungsschutzrecht in Deutschland, das angeblich Google und seinen Dienst Google News in die Schranken weisen sollte, hat zwei Ergebnisse gehabt: Alle anderen Newsanbieter haben ihr Geschäft aufgegeben, weil die Leistungsschutzlizenzen zu teuer waren. Und die VG-Wort-Mitglieder haben exakt 0 (in Worten Null, Nichts, Niente, Nada) an Lizenzgebühren eingenommen, aber für 4 Millionen Euro juristische Streitereien geführt. Denn Google sagte: Entweder kostenlose Lizenz, oder wir listen euch nicht mehr.
Mit anderen Worten: Google ist nun News-Aggregator-Monopolist, weil kein anderer Anbieter sich so etwas wie Google News leisten kann. Und kein einziger "Kreativer" hat auch nur einen müden Euro für seine Tätigkeit bekommen. Lediglich die Verwertungsgesellschaft hat versucht, ihren Daseinszweck durch Juristensubvention zu beweisen.
Genau das Ergebnis werden wir jetzt nicht nur deuschlandweit bekommen, sondern EU-weit. Alle lokalen Internet-Plattform-Anbieter werden an den Lizenzen und den Filterpflichten zugrunde gehen, und die US-Konzerne bekommen das Monopol geschenkt. Und kein einziger Kreativer wird irgendeinen müden Euro sehen, weil er als Einzelkämpfer zu schwach ist, um in den Filtermechanismen berücksichtigt zu werden, und weil die Mitgliedsbeiträge zu irgendwelchen Verwertungsgesellschaften das bisschen Geld, das er eventuell erzielen könnte, wenn er sich an sie verkauft, auffressen werden, während die Verwertungsgesellschaften sich in kostenintensiven juristischen Streitigkeiten aufreiben werden.
Es gibt in Deutschland 80 Millionen Kreative. Sie heißen "Menschen". Jedes Foto, das sie posten, jeden Blogbeitrag, den sie schreiben, all das ist kreativ. Ihre Interessen sind nichts wert, weil keine Verwertungsgesellschaft diese Kreativität zu Geld pressen will. Nun regen sie sich auf, und die Gutmeinenden sind überzeugt, dass das nur mit einer Verschwörung zusammenhängen kann.

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Palmstroem 26.03.2019, 08:51
9. Plattformen als Inkassobüro

Das Urheberrecht ist nicht neu und es ist richtig, dass diese Leute für ihre Arbeit auch ihr Geld bekommen. Das war schon bisher so und ist unstrittig. Was neu ist, dass nun die Internetplattformen zu Inkassobüros werden sollen. Mit der GEMA gibt es ein Unternehmen, dass bisher schon für das Inkasso der Urheberrechte sorgt, was durchaus in Ordnung ist. Aber das kostet natürlich Geld, das nun die konventionellen Medienkonzerne mit Hilfe der Politik sich sparen wollen.

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