Forum: Politik
Die Lage am Donnerstag: Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,
StefanZ. 19.09.2019, 05:53
1. Positive Interpretation der Verzweiflung an Wahlen

Meine Lesweise ist, daß die Bevölkerungen sich langsam aber sicher nicht mehr gut genug regiert fühlen, wenn Regierungshandeln nur durch vordefinierte Gruppenprogramme und die Gruppenmauscheleien bestimmt wird. Ist es nicht an der Zeit den nächsten Demokratie-Entwicklungsschritt zu machen und Regieren durch unabhängige Experten anstatt durch Parteisoldaten vorzubereiten? Man kann auf kommunaler Ebene doch sehen, daß dies sehr wohl funktionieren kann. Ein Schritt zum Mehrheitswahlrecht würde den Frust nur noch vergrößern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Urzweck 19.09.2019, 06:05
2. Kompromisse

Die politische Analyse ist schlecht.
Das Wahlsystem hat keine Probleme, die Politiker sind das Problem. "Koalitionen" sind immer "Notlösungen", und von der Verfassung nicht verlangt. Wer in unseren Parlamenten nicht regieren will, indem sie z.B. mögliche Koalitionen ausschließen, den wähle ich ieber nicht.
Ich sehe in den letzten Jahren keine Radikalisierung in der Bevölkerung, aber eine Ausdifferenzierung und Radikalisierung in den Parteien.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wolfilein 19.09.2019, 07:17
3. Die Unbestechlichen?

Mag sein, ich würde sie eher "Die mit zweierlei Mass" nennen. Vorgänge die dem kleinen Steuerbürger sofort als Gestaltungsmissbrauch ausgelegt und geahndet werden, ignoriert man bei den Grossen schlichtweg.(z.B. Cum EX Geschäfte)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
haresu 19.09.2019, 08:21
4. So ausdifferenziert und kompromisslos sind wir gar nicht

Ich habe allergrößte Zweifel, ob das Mehrheitswahlrecht hilft. Auch, ob es überhaupt als wirklich demokratisch angesehen werden kann. Vor allem aber, ob es dynamisch genug ist um einen schnellen gesellschaftlichen Wandel abzubilden und weiterzuentwickeln. Was helfen stabile Mehrheiten, wenn diese dann in Selbstgewisheit und Gemütlichkeit vor sich hin dümpeln? Deutlich dynamischer und progressiver stelle ich mir wechselnde, projektbezogene Mehrheiten vor. Ein bisschen mehr Unübersichtlichkeit dieser Art würde nebenbei vielleicht auch die ewige deutsche "die da oben"- Meckerei in etwas mehr Engagement verwandeln. Der Bürger ist ja eigentlich gar nicht so ausdifferenziert und kompromisslos. Probleme mit Schwarz- Grün hat doch niemand mehr, außer natürlich Teilen der CDU. Orthodoxie findet man ohnehin nur noch bei der FDP. Die offene Frage ist eher, ob die allgemeine Kompromissfähigkeit den Problemen angemessen ist, oder ob so doch immer nur kleine Lösungen produziert werden. Aber große, schmerzhafte Lösungen bekommen nur selten eine Mehrheit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
qoderrat 19.09.2019, 08:34
5. Mehrheitswahlrecht

Es gibt durchaus Gründe, warum sich die Gesellschaft immer weiter ausdifferenziert und dadurch die Interessenlage zersplittert. Parteien wie die Afd sind aber nur die Folge, nicht die Ursache dieser Problematik. An der Ursache muss gearbeitet werden, denn offensichtlich wird der Anteil der Bevölkerung immer kleiner der mit der aktuell geübten Vorgehensweise der Regierungen einverstanden ist. Dazu gehört im besonderen die immer unausgeglichenere Lastenverteilung.

Jedoch as Mehrheitswahlrecht als Lösungansatz anzubieten wie es Hr. Kurbjuweit anregt, ist wohl ein grundfalscher Ansatz. An dieser Stelle muss nur darauf hingewiesen werden, mit welchem System Trump und Cameron/May/Johnson ins Amt gekommen sind. Und wie knapp Frankreich Le Pen entgangen ist. Das Mehrheitswahlrecht ist ein System welches Populisten bevorzugt, das sollten wir uns meiner Meinung nach wirklich nicht antun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren