Forum: Politik
Die Lage am Freitag: Liebe Leserin, lieber Leser,
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hajueberlin 21.12.2018, 06:42
1. kein Problem

Kann passieren. Ist euch ja selber aufgefallen. Ich frage mich lediglich, wie stark der Konkurrenzkampf bei euch sein muss, dass ihr so spät reagiert. Ihr dachtet wohl, euer Kollege ist ein Intrigant.
Vielleicht ist es aber auch anders herum. Die Strukturen sind zu festgefahren. Vielleicht habt ihr euch auch von den Auszeichnungen blenden lassen. Deshalb nicht hinterherrecherchiert. Nach dem Motto: Wenn alle sagen es ist gut, dann wird es schon stimmen.

Anders herum: Warum gibt es dann überhaupt eine Abteilung zur Gegenkontrolle? "Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser."
Sei's drum. Für mich ist das kein Grund alles in Frage zu stellen. Sonst wird man paranoid.
Ihr werdet das Kind schon schaukeln. Ihr seid nicht die Ersten und werdet auch nicht die Letzten sein.
Frohes Fest euch allen.
hajue

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matbhmx 21.12.2018, 07:14
2. Ach ja, der heldenhafte ...

... Spiegel - Opfer böser Mächte! Schon die Überschrift des ursprünglichen alles offenlegenden Artikel ist geschickt gewählt: "Der Spiegel legt Betrugsfall im eigenen Haus offen"! Das hat doch eigentlich eine absolut positive Konnotation! Der Spiegel tut was! Der Spiegel legt offen! Investigativer Journalismus!!! Donnerwetter! Damit hat man, bei allen Bekenntnissen im Artikel über (massive) Fehler, für die man irgendwie immer nichts kann, seine Aufgabe herausragend getan. Und ein neuer Held ist geboren: Moreno! Der hat alles im Auftrag des Spiegel aufgedeckt! Der Enttarner! Die Wahrheit ist viel banaler: Relotius hat über Fergus Falls berichtet, als wäre er vor Ort gewesen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass irgendjemand in Fergus Falls davon was mitbekommt. Nun hatten sich die Betroffenen vor Ort gemeldet. Es drohte der unehrenhafte Absturz des Spiegel! Also galt es, das Heft in die Hand zu nehmen. Nicht die kleine Truppe in Fergus Falls hat das Desaster offenbart. Der Spiegel mit seinem neuen Helden hat es getan! Na bitte! Sorry, aber einfach nur peinlich! Ganz nebenbei: Der Spiegel ist ja nicht alleine. Es gibt ja offensichtlich eine ganze Menge mehr Medien, die auf den "Literaten" hereingefallen sind! Er hat eben so hübsche Storys verkauft! Damit konnte man Auflage machen! Punkt.

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noway2go 21.12.2018, 07:24
3. Relotius

Chapeau. Ihr Umgang mit diesem Fall ist gut, durchdacht und im Sinne von Augstein. Auf der einen Seite kommt nach 5 Tagen Relotius Berichterstattung langsam ein Ermüdungseffekt, machen Sie die Sache nicht größer als sie ist. Die Anzahl der „klicks“ auf den dazugehörenden Artikeln wird Ihnen den richtigen „Absprungszeitpunkt“ anzeigen. Andererseits, und hier liegt die größte Gefahr, Ist der „weiße Elefant“ im Raum die folgende Frage: wenn schon Ihnen und Ihrem Haus mit dem Qualitätsjournalismus, den Sie insgesamt liefern, ein solches schwarzes Schaf durchläuft, wie sieht das bei den „robuster“ daherkommenden Medien aus? Und wie kann das hier leider bestätigte Vorurteil der Fake News und das Mißtrauen gegenüber der bösen, bösen Presse (ironisch gemeint) relativiert werden? Mir fällt zum Letzteren keine direkte Antwort ein als ein „weiter so“, vielleicht mit (noch) weniger Färbung in den Artikeln. Gut würde ich es auch finden, wenn der dann doch überzogenen Anspruch, die 4. Instanz im Lande darzustellen, mit etwas mehr Demut betrachtet wird.
Sagen, was ist. Und manchmal bitte auch nicht mehr.

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Schubidubiduu 123 21.12.2018, 08:20
4. Bitte aufhören

mit diesem Selbstmitleid. Misstrauen ist gut - sollte man ggü. jeden Artikel/Bericht haben, insbesondere ggü. solchen Berichten, die auf die persönliche Betroffenheit bzw. Gefühle abzielen. Gilt auch fürs TV. Mark Twain lässt grüßen. Die meisten beinhalten aber durchaus einen Kern vernünftige Infos.

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spon-1262956449612 21.12.2018, 08:40
5. Häme ist unangebracht,

aber wenn ich sehe, was Relotius so geschrieben bzw. erfunden hat, muss ich an Friedrichs denken.
Mach dich als Journalist nie mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten.

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hansfrans79 21.12.2018, 09:01
6.

Zitat von matbhmx
... Spiegel - Opfer böser Mächte! Schon die Überschrift des ursprünglichen alles offenlegenden Artikel ist geschickt gewählt: "Der Spiegel legt Betrugsfall im eigenen Haus offen"! Das hat doch eigentlich eine absolut positive Konnotation! Der Spiegel tut was! Der Spiegel legt offen! Investigativer .....
Das, was Sie da schrieben, ist doch nur eine Zusammenfassung des Artikels. Niemand hat etwas anderes behauptet, kein Grund, nun so sensationsgeil. zu werden.

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hansfrans79 21.12.2018, 09:02
7.

Zitat von spon-1262956449612
aber wenn ich sehe, was Relotius so geschrieben bzw. erfunden hat, muss ich an Friedrichs denken. Mach dich als Journalist nie mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten.
Diese beiden Dinge passen aber vom Sinn her auch jetzt überhaupt nicht zusammen. Niemand der Beurteilungen hat sich mit einer Sache gemein gemacht.

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ergruender 21.12.2018, 09:24
8. Fall Relotius: Deja-vue

Es gab solch einen ähnlichen Fall bei der Washington Post am Andang der 80er Jahre. Der Name der Journalistin, die sogar für eine Fake-Reportage einen Pulitzer Preis erhalten hatte, ist Janet Cooke. Übrigens habe ich davon durch einen im letzten Jahr auf SPON veröffentlichten Artikel erfahren (Rubrik: Einestages).

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cyblord 21.12.2018, 09:24
9.

Eines hat sich durch diesen Betrugsfall deutlich gezeigt. Bisher hat der Spiegel wohl auf konkrete Hinweise durchgehend maximal borniert und unverschämt reagiert. Nicht nur Mitarbeitern im eigenen Haus wird nicht zugehört, auch Opfer die sich direkt und konkret beschwert haben (wie im Fall von Fergus Falls) wurde nicht einmal geantwortet. Damit scheint das hier kein einzigartiger Betrugfall zu sein wo zufällig jemand durch die ach so tollen Kontrollen geschlüpft ist oder der Grund für das späte auffliegen gar darin liegt dass die Fälle im Ausland gespielt haben. Nein das ganze System Spiegel scheint hier das Problem zu sein. Das sollte uns hier die letzten Tage allerdings natürlich ganz anders verkauft werden. Es wird aber mit jedem Tag deutlicher.

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