Forum: Politik
Die Lage am Samstag: Liebe Leserin, lieber Leser,
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naive is beautiful 19.03.2016, 06:39
1. Die Lage in den USA - und hierzulande

Newt Gingrich hat in den Neunzigern und frühen 2000ern in der Tat die harte republikanische Tonart gegen Clinton und seine Demokraten intoniert. Heute ist er einer der zahllosen republikanischen 'Zahnlosen' in der Auseinandersetzung mit den derzeit feder- und meinungsführenden Anti-Establishment Protagonisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums (Trump/Cruz -> Sanders). Im Präsidentschaftswahlkampf hat er keine Bedeutung. Das Trumpeltier wird Hillary Clinton herausfordern, und es wird damit grandios scheitern, nicht wegen seiner selbstfinanzierten Multimillionenkampagne, sonder wegen der Abwesenheit jeglicher KONKRETER Programme. Damit drückt ihn Hillary locker und souverän gegen jede Wand.

Gleichwohl - Wutbürger gibt es hierzulande nicht erst seit der AfD, im übrigen Europa ist das dumpfe Unbehagen und die 'irgendwie gefühlte Bürgerbesorgnis' im Gegensatz zum bisherigen deutschen politischen Kontextparadies ja schon längst Tagesgeschäft. Mit anderen Worten: Wenn der Regierungs- und Spitzenpolitik (damit sind alle etablierten Parteien gemeint) nichts grundlegend Neues zu einer künftig ehrlicheren, offeneren Kommunikation mit Bürgern und Wählern einfällt, werden uns dumpf-nationale Protestparteien wie die AfD noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Es liegt an Merkel, Gabriel, Seehofer & Co., wie lange wir es noch mit solchen üblen Polemikern zu tun haben werden - insbesondere mit diesen unsäglichen ostdeutschen, Dresdner und Leipziger 'wir sind das Volk' Montagsaufläufen. Mir ist ja nach wie vor völlig unverständlich, wie insbesondere die sächsischen und Sachsen-Anhalt-Wutbüriger ihre Hoffnungen und Projektionen in solch fragil-lächerlichen Petry-(Waag)schalen, thüringische Kamel-Höcker oder hochadelige Spendengeld-Selbstversorger aus dem 'Storchengeschlecht' werfen können.

Die einzige wirklich bewegende Nachricht war heute die von dem verlorenen Kampf Guido Westerwelles gegen seine heimtückische und erbarmungslose Krebserkrankung. Das ist wirklich traurig, denn mit ihm verlässt uns ein Politiker, der im Gegensatz zu so manchen aktuell angehimmelten Pappnasen wirklich politisches Profil mit all seinen Ecken und Kanten entwickelt und vertreten hat.

Als Ur-Liberaler bedauere ich seinen viel zu frühen Tod aufrichtig.

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StefanZ. 19.03.2016, 06:39
2. Historische Einordnung der Merkel-Ära

Eine interessante Meinung vertreten Sie da. Denken Sie ernsthaft, dass die Merkelkanzlerschaft nur ein Erklärungsdefizit hat? Könnte es nicht vielleicht sein, dass ihr autistisches Regierungshandeln mittlerweile am besten als massives Legitimitätsproblem bezeichnet werden kann? Die Stellvertreterin der deutschen Bürger macht wissentlich und stur das Gegenteil von dem, was die Mehrheit der Bürger erwartet. Sowas wird allgemein als Charakteristikum von Diktaturen angesehen. Diese von der Diktatorin als ahnungslose Deppen behandelten Deutschen dann abfällig als Wutbürger zu bezeichnen ist sehr gewagt.

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ronald1952 19.03.2016, 07:01
3. Ich glaube eines ist uns Menschen

sehr eigen,erst einmal oberflächliches Denken und alles
in Kategorien ablegen. So hat jeder erst einmal seine
eigene Oberflächliche Meinung.Ich glaube auch, daß wir das machen weil die Flut von Informationen die uns jeden Tag erreicht einfach zu viel sind.Erst später bildet sich dann die eigendliche Meinung heraus wenn man den Spreu von Weizen getrennt hat. Jedernfalls bei den meisten Menschen. Nur Unzufreidenheit aus welchen Gründen auch immer beflügelt das oberlächliche Denken und wenn man dann noch andere findet die genauso Empfinden, na ja schon ist eine Meinung geboren.
Menschen die Unzufrieden sind, sind sehr leicht zu Täuschen und zu Manipulieren, daß weis man zur genüge aus der Geschichte der Menschen. Um so derber die Sprüche,um so öfter findet man Zuhörer.Mit der nötigen
Information und Aufklärung von Politikern wäre dem ganz leicht vorzubeugen, aber genau das tun Politiker nicht. Sie kochen ihr Süppchen meist im verborgenen als müssten Sie etwas verbergen.Solange das Soziale Gefüge seht kein Problem, aber wehe wenn es kippt
dann ist das Geschreie groß und die dümmsten Verschwörungstheorien sind gerade gut genug.Hätte die Politiker aller Parteien Ihr tun einfach mal mehr dem Bürger erklärt, würde es so etwas wie die AfD nicht geben. Die meisten dieser Wähler sind für mich eh nur Mittläufer die sich selbst nicht trauen auf die Strasse zu gehen um Ihrem Unmut kund zu tun.Mehr Tranzparenz in der Politik und deren Entscheidungen würden unseren Land wohl sehr gut tun und mehr Pressearbeit auch.
schönen Tag noch,

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larrydavid 19.03.2016, 07:23
4. Hallo

Herr Brinkbäumer,
dass Merkel die CDU nach links bewegt hat ist mir aber sehr schleierhaft. Oder gilt dies jetzt nur wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise? Ansonsten hat die Frau mit "links" nix am Hut.
Ich habe beruflich mit Amerikanern zu tun und es bleibt nicht aus das man über Politik redet. Die Meisten von ihnen sind sich sehr wohl bewusst, dass Trump als Präsident keine gute Figur abgibt. Aber sie haben von ihren Politikern die Schnauze gestrichen voll, weil es sich in ihren Augen bei den meisten um Karrierepolitiker handelt, die mit Lobbyisten in die Kiste springen für Ihre eigenen speziellen Interessen. Die Leute werden verar***t und fühlen sich verar***t. Und Trump ist für sie die Möglichkeit, denen da oben den Mittelfinger zu zeigen.

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donrealo 19.03.2016, 07:43
5. Das mit Merkel und den Geschichtsbüchern

könnte aber auch etwas anders laufen mit etwas weniger Wohlpreisung. Weder die Flüchtlingskrise noch die Eurokrise oder die Energiewende sind gemeistert. Also mal besser abwarten und der Dame weiterhin kritisch auf die Finger (äh Raute) schauen

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Worldwatch 19.03.2016, 07:44
6. Woher kommt die neue deutsche Wut?

Welche "neue", welche "deutsche", welche "Wut"?
Scheinbar nicht wenige Waehler fuehlen sich, in wachsendem Masse, von den Legislativen und Altparteien in Laendern wie Bund und EU nicht vertreten, und waehlen, statt den stets alten, abgestandenen Brei, mal was neues im Angebot, mit ihnen -scheinbar- besser zu gefallenden Versprechungen.
Aufgabe der Dauerabhocker CDSPU waere wohl, dem Souveraen politische Angebote zu machen, die diese als akzeptable Ziele waehlen wollen moechten.
Nur, die Akzeptanz nimmt, so scheint es, wohl weiter ab, weil alles so bleit in CDSPDU wie es war und ist.

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f-rust 19.03.2016, 07:47
7. ein wahres Wort: strategischer Fehler.

zum ersten Mal bei SPON so klar, präzise und sachlich beschrieben, worum es bei Merkel, konservativer Basis und AfD geht. Damit dürfte hoffentlich auch anderen Kommentatoren aufgehen, dass AfD-Bashing als rechts/braun/nazinah völlig daneben ist (denn Einzelne "solche" gab/gibt es überall - man denke an SPD-Sarrazin). wenn jetzt noch die Unterscheidung dazu käme, dass Merkels Hilfe für Menschen aus verwüsteten Staaten (Syrien, Irak, wohl zunehmend auch Afghanistan) legitim war und bleibt, aber eben von ihr nicht bedacht wurde, dass sie ihr Willkommen gezielter darauf hätte begrenzen müssen, dann wäre der "Ansturm" zunächst vom Balkan, dann Maghreb und Subsahara sowie Pakistan weniger heftig = beherrschbar er ausgefallen. Dennoch: Danke für die korrekte Einordnung. eine Wohltat ...

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swamp_thing 19.03.2016, 07:59
8.

"Alles war Konsens, gestritten wurde nicht mehr, erklärt aber auch nicht." Konsens klingt gut. Man könnte es aber auch als Deal bezeichnen. Wer den Mindestlohn gut fand, musste die Frauenqoute mitwählen. Und hat nach den Koalitionsverhandlungen auch noch die Maut und 'ne "schwarze Null" bekommen. Wir sollten unsere Demokratie weiterentwickeln hin zu mehr Mitbestimmung. Ich denke was die Schweizer verantwortungsvoll können, können die Deutschen auch.

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c.weise 19.03.2016, 08:11
9. Merkels Politik war schon immer unterirdisch

Es gibt keinen Grund für Wut. Aber es gibt Gründe die gegenwärtigen Machtkonstellationen zu ändern. Es began noch vergleichsweise harmlos unmittelbar nach ihrem Start als Kanzlerin mit dem Verzicht auf die versprochene Steuervereinfachung. Dann kam es Schlag auf Schlag. Mit ihrer Gefolgschaft zu Amerika hat sie inzwischen die Verwandlung Europas in einen akuten Krisenherd ermöglicht. Es gibt inzwischen mehrere kriegerische Konflikte, darunter an den EU-Grenzen den Krieg in der Ukraine und den Krieg in Syrien. Die Migrantenströme und das Aufflammen des Terrorismus sind eine Konsequenz der amerikanischen Destabilisierung. Fatal auch die Unterstützung von Merkel für die Politik der EZB. Durch Null- und Negativzinsen werden die Altersvorsorgesysteme zerstört, damit sich die Staaten Europas kostenlos weiter verschulden können. Merkel ist eine Nemesis für Europa. Ein Teil der Wähler hat inzwischen aufgemerkt.

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