Forum: Politik
Die Lage am Samstag: Liebe Leserin, lieber Leser,
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Gudrun3 25.02.2017, 12:21
20. Das wahre, soziale Problem in Deutschland

Das wahre, soziale Problem in Deutschland sind nicht Milliardäre, Millionäre oder zu hohe Managergehälter. Das wahre Problem in diesem Land ist, dass Wohlstand längst nicht mehr erarbeitet, sondern hauptsächlich geerbt wird. Ein einfacher Angestellter mit Mietwohnung und altem Gebrauchtwagen wird für sich, geschweige denn für seine Familie, nie den Wohlstand und die Lebenschancen seines Kollegen mit geerbtem Haus oder Vermögen erreichen. Im Kern basiert in Deutschland, landauf, landab alles zu sehr auf der sozialen Herkunft. Genau da liegt des Pudels Kern und nicht bei irgendwelchen Milliardären, Millionären oder Managergehältern.

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allessuper 25.02.2017, 12:35
21. wenn Sie das entweder oder weglassen

Zitat von Gudrun3
Das wahre, soziale Problem in Deutschland sind nicht Milliardäre, Millionäre oder zu hohe Managergehälter. Das wahre Problem in diesem Land ist, dass Wohlstand längst nicht mehr erarbeitet, sondern hauptsächlich geerbt wird. Ein einfacher Angestellter mit Mietwohnung und altem Gebrauchtwagen wird für sich, geschweige denn für seine Familie, nie den Wohlstand und die Lebenschancen seines Kollegen mit geerbtem Haus oder Vermögen erreichen. Im Kern basiert in Deutschland, landauf, landab alles zu sehr auf der sozialen Herkunft. Genau da liegt des Pudels Kern und nicht bei irgendwelchen Milliardären, Millionären oder Managergehältern.
bin ich ganz und gar bei Ihnen. Das eine bedingt oft genug das andere. Aber an die Erbschaftssteuer geht niemand ran. Viel zu viel Angst, sich zu verbrennen. Zumal einige Politiker, direkt oder indirekt davon betroffen wären. Ja, das ist skandalös. Und jetzt schauen wir uns genau an, wer von den Parteien, die nächstes Jahr zur Wahl stehen, diesen Punkt angeht UND glaubwürdig vertreten kann, dass sie es auch NACH der Wahl angehen. Das ist relativ einfach und ein gutes Maßstab für Unentschlossene. Nicht-Erben haben immer weniger Chancen. Da geht die Antriebskraft verloren, denn die Karotte ist verschimmelt und das sehen und wissen inzwischen alle. Der nächste Schritt ist, dass immer mehr alles auf diese Erben ausgerichtet ist. Ein Beispiel: Wer seelische Probleme hat, versucht es mit einer Psychotherapie. Aber diese Ausbildung wiederum können sich nur Erbinnen leisten. Und die kapieren überhaupt nicht worum es geht, wenn da jemand daherkommt, der nicht aus ihrer Erbinnenschicht stammt. Dieses Beispiel können Sie in allen lebensrelevanten Bereichen deklinieren. Das ist der Wendepunkt einer Zivilisation.

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garfield 25.02.2017, 12:37
22.

Zitat von
Weil die Sonnenseiten-Bürger zu recht sagen, dass es Deutschland gut gehe und die Schattenseiten-Bürger zu Recht das Gegenteil behaupten, haben wir für die neue SPIEGEL-Ausgabe zwei Cover gestaltet.
Stehen denn in dem einen Heft auch die üblichen Selbstbeweihräucherungsartikel drin und in dem anderen die "miesmacherischen" - oder steht in beiden das gleiche, was man aus diesem Verlag seit Jahren angeboten bekommt? Das wäre ja dann bei dem einen Cover ein echter Etikettenschwindel.
Wie auch immer, schon allein die Idee zeigt, welches Cover den geläufigen Narrativen entspricht: Ob hierzulande Gerechtigkeit herrscht oder nicht, ist also angeblich nur Ansichtssache.
Tja, da mir die Wahl zwischen diesen Covers zu schwer fällt, werde ich wohl den Kauf (auch diesmal) unterlassen.

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germ 25.02.2017, 12:39
23. Unsinn

Zitat von Steve Holmes
Die Einkommensverteilung ist aus vielen Gründen sehr ungleich. Das hat aber nichts mit Ungerechtigkeit zu tun. Ungerecht ist dagegen die erzwungene Gleichmacherei wie im Kommunismus. Deswegen sind die Menschen dagegen aufgestanden und haben sich für Freiheit und Kapitalismus entschieden.
Die Leute haben sich gegen die allgemeine Unterdrückung gewehrt, aber nicht gegen die sogenannte "Gleichmacherei" in sozialen Fragen. Viele im Osten trauern dem heute noch hinterher, zurecht.

"Die Einkommensverteilung ist aus vielen Gründen sehr ungleich. Das hat aber nichts mit Ungerechtigkeit zu tun."

Natürlich hat das was mit Ungerechtigkeit zu tun. Das Rangking, das bestimmt, was die "wertvollere" Arbeit ist, ist absolut willkürlich und von den Reichen bestimmt worden.

"Deswegen sind die Menschen dagegen aufgestanden und haben sich für Freiheit und Kapitalismus entschieden."

Blödsinn. Wer hier ein anderes Wirtschaftssystem will als den Kapitalismus, wird gnadenlos bekämpft. Und die Leute werden dadurch ruhig gestellt, dass sie vom großen Kuchen gerade so viel abbekommen, dass sie nicht auf die Straße gehen und eine Revolution anzetteln.

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wum1 25.02.2017, 12:45
24. @Palmstroem

Möchte Ihnen recht geben, Palmstroem. Nicht nur "vergisst" man bei der Betrachtung des Vermögens wichtige Vermögensanteile wie Renten- oder fast noch wichtiger - Pensionsansprüche (jeder kann für sich mal ausrechnenen, welchen Betrag man bräuchte, um etwa die Pension eines Gymnasiallehrers über 20 Jahre zu erhalten...), auch die Vergleichsgrundlagen werden meistens nicht berücksichtigt. So werden etwa zur Einkommensverteilung so genannte Haushaltsnettoaäquivalenzeinkommen herangezogen. Das sind Nettoeinkommen bezogen auf Haushaltsmitglieder nach einem bestimmten Anrechnungsfaktor (Erwachsene, Kinder). Was zum Ergebnis hat: Je mehr Menschen in einer Familie zusammenleben, desto "reicher" ist diese Personengruppe. Nehmen nun - wie bei uns in den letzten Jahrzehnte der Fall - immer mehr junge Menschen eigenen Wohnungen, weil sie etwa studieren, so gibt es automatisch mehr "Betroffene", die unter ein bestimmtes Niveau fallen, was zur Folge hat, dass die "Armutsquote" steigt. Allein die vergrößerte Zahl von Singlehaushalten erklärt einen Großteil des statistisch gemessenen Zuwachses an "Ungleichheit".
Analog die Vermögen: Dass andere Länder eine vermeintlich geringe Vermögensspreizung haben liegt vor allem an der vergleichsweise niedrigen Quote an Immobilienbesitz in Deutschland.
Eine Bemerkung am Rande: Laut Armutsbericht 2013 sind die reichsten Bevölkerunsgruppen Pensionisten und Beamte, etwa auf diesem Niveau bewegen sich auch Selbständige (wobei nur die dazugezählt werden, die die letzten 5 Jahre gleichbleibende oder steigende Einkommen hatten, sic?), dann kommt lange nichts und wiederum sehr weit darunter liegen die Rentner...
Vielleicht sollte man auch noch erwähnen - um etwas parteipolitisch zu werden - dass die Ungleichheit vorallem zugenommen hat, als Rot-Grün regierte. Seit die CDU mit dabei ist, ist die Ungleichheit eher gleich geblieben oder hat sich verringert. Und dass die Realeinkommen sich nicht verbessert haben liegt an vielem, vor allem aber daran, dass der Staat vom Bruttoeoinkommen immer mehr genommen hat. Wenn Schulz also Irrtümer korrigieren will (sehr löblich), sollte er vielleicht da ansetzen, was seine Parteifreunde selbst verursacht haben. Etwa, dass Veräußerungsgewinne von Privatleuten versteuert werden müssen, von großen Finanzinstituten jedoch nur bedingt (hat Lafontaine als Minister so verschlimmbessert) oder dass Immobilienfonds ihre Veräußerungsgewinne auf Fondsebene nicht versteuern müssen (kam unter Steinbrück). Weil so etwas ganz massiv zur Vermögenskonzentration beiträgt. Nur zur Anregung!

WUM1

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garfield 25.02.2017, 12:59
25.

Zitat von Palmstroem
Denn es gibt noch andere Faktoren, etwa die Umverteilungsquote oder Zurfriedenheit der Bürger mit ihrer Lebenssituation.
Dass zumindest das letzte als subjektive Kategorie kaum zu einer objektiven Aussage über "Geht es uns gut oder nicht " taugt, verstehen Sie aber schon noch, oder?
Zitat von Palmstroem
Und last not least - in 131 Ländern dieser Welt liegt der Durchschnittslohn unter Hart IV - Niveau
Wenn Leute, die dies immer schreiben, wenigstens endlich mal das Eigentor mitbekommen würden, dass sie mit solchen Vergleichen schießen. Seit wann vergleichen wir uns in der Frage, wie gut oder schlecht es uns geht, mit Bangladesh?
Warum habt Ihr solche Angst davor, die Frage der (Verteilungs-)Gerechtigkeit und inwieweit man mit seinen Mitteln sich selbst und seine Familie über Wasser zu halten, im GLEICHEN Bezugsraum, aber in einem ZEITLICHEN Vergleich zu sehen? Schließlich müssen unsere HartzIV-Empfänger und Niedriglöhner nicht nigerianische, sondern deutsche Preise bezahlen. Also sollte man doch wohl vergleichen, inwieweit sich dies gegenüber FRÜHER HIER im eigenen Land verändert hat. Aber schon klar, dass Leute wie Sie SOLCHE Vergleiche scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Denn DIE geben die wahre ENTWICKLUNG der (Verteilungs-)Gerechtigkeit HIER an - und da gibt es offensichtlich keinen Grund mehr, sich Kränze zu flechten.

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binismus 25.02.2017, 13:19
26. Wie gerecht ist das Land?

Das hat alles mit "Gerechtigkeit" nichts zu tun, wenn Menschen alles Verkaufen, was sie haben. Nur weil es ihnen in ihrer Dummheit nichts bedeutet. Und Kapitalisten alles aufkaufen und mit viel Raffinesse viel Kapital raus schlagen. Dagegen hilft nur lebenslange Bildung, die Begrenzung menschlicher Fortpflanzung (Armut) und des Kapitalismus (Inhumanität) sprich, durch soziale Marktwirtschaft!!!

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thompopp 25.02.2017, 14:18
27. Gerechte Umverteilung ist möglich und nötig ...

ich habe es eben mal kurz gerechnet: wenn wir z.B. wollen, dass kein Verdiener weniger als 1800 € Netto hat und das von den anderen finanziert würde, dann wären deren "Einbußen" m.E. akzeptabel. D.h. wenn wir es wirklich wollten, dann wäre echte faire umverteilung möglich!

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Haudegen 25.02.2017, 14:50
28. Die Verarmung, b.z.w. die Schere zwischen arm und reich in Deutschland...

ist politisch gewollt. So könnte man - wenn man denn wollte - die Mindestrente bei umgerechnet 1000 € stabilisieren wie z.B. Dänemark. Bei einem solch' reichen Land wie Deutschland würde das ja eher leicht fallen können. Da einerseits die Rentner b.z.w. die Arbeitnehmer im Verhältnis wesentlich mehr zur Kasse gebeten werden als Beamte (Doppelbesteuerung Renten, doppelter Krankenkassenbeitrag bei Betriebsrenten, nicht paritätische Belastung zwischen AN u. AG beim Krankenkassenbeitrag... das läppert sich) und die deutsche Rechtsprechung das hofiert, wird offensichtlich, dass gar kein Interesse seitens der Politik besteht diesen Missstand nachhaltig zu ändern. "Um 21,6 Prozent sind die Nettovermögen der Beamten im Ruhestand von 2008 bis 2013 gestiegen, ergab die neue breite Umfrage des Statistischen Bundesamtes. Die „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ (EVS), für die diesmal rund 55.000 Bundesbürger befragt wurden, gilt als die detaillierteste Studie zu den materiellen Verhältnissen der Deutschen." Auszug aus http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/warum-pensionaere-so-reich-wurden-13065032.html . MfG

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Gudrun3 25.02.2017, 15:11
29. Wohlstand wird meist geerbt statt erarbeitet

Dass es Union und AFDP um Erhaltung genau dieser Zustände geht, ist weniger skandalös als dass SPD und Grüne da seit gut 20 Jahren auch noch mitmachen.

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